Staufisch-kapetingische Allianz: Die außenpolitischen Beziehungen Kaiser Friedrichs II. zu Frankreich


Hausarbeit, 2006
22 Seiten, Note: 1,3

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Auswärtige Beziehungen zur Zeit Friedrichs II.

3. Abriss über die Geschichte der Beziehungen seit Friedrich Barbarossa

4. Die Beziehungen zwischen Friedrich II. und Frankreich
4.1 Aufbau der Bündnispolitik
4.1.1 Das Bündnis von Toul und Vaucouleurs 1212 und seine Folgen
4.1.2 Erneuerung, Bestätigung und Fortführung des Bündnisses
4.2 Belastungsproben
4.2.1 Konflikt um Burgund
4.2.2 Diplomatische „Gratwanderung“: Friedrichs Annäherung an England
4.2.3 Das Verhältnis Friedrichs II. zu Ludwig IX. während seines Kampfes mit dem Papsttum

5. Schlussbetrachtung

Auswahlbibliographie

1. Einleitung

Es gibt zahlreiche Assoziationen mit der Regentschaft des Staufers Friedrich II., der die Geschicke des Heiligen Römischen Reiches zwischen 1220 und 1250 als Kaiser lenkte: Den Machtkonflikt mit dem Papsttum, die Querelen und Kämpfe mit den lombardischen Städten, das Zerwürfnis mit seinem Sohn Heinrich (VII.), die Neustrukturierung des Königreichs Sizilien, um nur einige zu nennen. Nicht so sehr im Zentrum der Wahrnehmung steht dagegen ein Aspekt, der durchaus von Bedeutung war und eine Konstante in der von vielen wechselnden Anforderungen und Schauplätzen geprägten Regierungszeit Friedrichs darstellte – die politischen Beziehungen des Staufers zum Königreich Frankreich. 1212 von dem noch jungen und ungekrönten Friedrich und dem französischen Monarchen Philipp II. durch das Bündnis von Toul und Vaucouleurs besiegelt, entwickelte sich die Allianz zwischen den Reichen bis zum Tod des „Stupor mundi“ 1250 zu einem echten Kontinuum, das vor allem deshalb eine besondere Rolle im Geflecht der auswärtigen Beziehungen einnahm, weil es unter der Herrschaft Friedrichs keine von Dauer und Intensität vergleichbare „Kooperation“ mit anderen Monarchien gegeben hat. Es ist also anzunehmen, dass der Staufer der Freundschaft zu Frankreich viel Bedeutung beimaß und sie einen hohen Stellenwert einnahm. Gleichzeitig dürfte das Bündnis jedoch über die Dauer von fast vier Dekaden einen gewissen Wandel erfahren haben.

Deshalb geht diese Arbeit der Frage nach, wie sich die Beziehungen zu Frankreich im Laufe der Regierungszeit Friedrichs gestalteten und welche Bedeutung sie für dessen Politik einnahmen. Dabei soll zuerst kurz das Verständnis von den auswärtigen Beziehungen der Zeit geklärt werden sowie ein Abriss über die Geschichte der staufisch-französischen Beziehungen seit Friedrich Barbarossa erfolgen, bevor der Aufbau der Bündnispolitik unter Friedrich II. selbst und abschließend die potenziellen und tatsächlichen Konflikte, die das Bündnis belasteten oder hätten belasten können, im Blickpunkt stehen.

An Primärliteratur werden die Quellensammlungen von Wolfgang Lautemann Geschichte in Quellen, Band II: Mittelalter, von Klaus van Eickels und Tanja Brüsch Kaiser Friedrich II. Leben und Persönlichkeit in Quellen des Mittelalters sowie von Klaus J. Heinisch Kaiser Friedrich II. in Briefen und Berichten seiner Zeit herangezogen. Als wichtigste Publikationen der Sekundärliteratur haben sich folgende Arbeiten erwiesen: intra und extra von Wolfgang Georgi, Imperium und Regna von Dieter Berg, Friedrich II., Teil 1 und 2 von Wolfgang Stürner, Deutschland und Frankreich in der Kaiserzeit (900-1270), Dritter Teil von Walther Kienast, Geschichte Burgunds von Laetitia Boehm und Geschichte Frankreichs im Mittelalter von Joachim Ehlers.

2. Auswärtige Beziehungen zur Zeit Friedrichs II.

Für die Darstellung der Beziehungen und der Bündnispolitik zwischen Friedrich II. und Frankreich ist es angebracht, eingangs danach zu fragen, ob im Fall der zwischenstaatlichen Beziehungen zur Regierungszeit des Staufers bereits von Außenpolitik die Rede sein kann. Der Begriff der Zwischenstaatlichkeit impliziert hierbei notwendigerweise, dass sich die mittelalterlichen Herrschaftsgebilde ihrem Selbstverständnis nach als autarke Machtbereiche betrachteten. Denn erst diese Abgrenzung ermöglicht es, von auswärtigen Handlungen zu sprechen.

Wolfgang Georgi macht für das Mittelalter eine eher allgemeine Aussage: „Herrschafts-verbände und die im Konsens zusammengeschlossenen Gruppen definieren sich nach Innen und Außen, auch wenn noch keine ,„staatliche“‘ Homogenität erreicht ist.“[1] Jedoch präzisiert er durch folgende Kriterien, wie die im Selbstverständnis enthaltene Abgrenzung vonstatten geht, nämlich durch „[…] die Trennung der regna und hierauf bezogen die Unterscheidung zwischen eigenem und fremdem Herrschaftsgebiet, das Verständnis von patria als Herkunftsgebiet, wie die Bedeutung der lingua, die die Herkunft der einzelnen offenbart.“[2] Es steht außer Frage, dass sich Friedrich II. seiner Einflussbereiche, des imperiums (Heiliges Römisches Reich) und des regnums (Königreich Sizilien), in Abgrenzung zu anderen Herrschaftsgebieten bewusst war. Vor diesem Hintergrund muss also von klar definierten auswärtigen Handlungen ausgegangen werden. So betont Georgi: „Außenpolitik ist für die Herrschenden des Mittelalters integraler Bestandteil der eigenen Lebenswirklichkeit gewesen.“[3]

Das heutige Verständnis von Außenpolitik kann selbstredend nicht für die damalige Zeit vorausgesetzt werden. So fehlte zum Beispiel ein signifikantes Merkmal heutiger auswärtiger Politik: Dauerhafte diplomatische Einrichtungen entstanden erst zu Beginn des 15. Jahrhunderts.[4] Walter Zechlin spricht in diesem Zusammenhang für die Zeit davor von „[…] Diplomatie von Fall zu Fall.“[5] Wie außenpolitisches Handeln initiiert wurde, beschreibt Georgi: „Ausgelöst wurden Aktionen, seien sie nun diplomatischen oder militärischen Charakters, zumeist durch Veränderungen außerhalb des Reiches, seien es nun Thronstreitigkeiten, Krisen, Machtausdehnungen, Einfälle in das Reich oder Bündnisinitiativen, […].“[6] Offensichtlich ist also, dass Außenpolitik im Mittelalter im Allgemeinen nicht den Anschein langfristig angelegter Planungen erweckt, sondern als Reaktion auf wechselnde Anforderungen zu verstehen ist. Ob dies auch für die Beziehungen Friedrichs II. zu Frankreich zutrifft, kann angesichts der Tradition staufisch-kapetingischer Bündnisse sowie der kontinuierlichen Fortführung dieser Politik zumindest bezweifelt werden.

3. Abriss über die Geschichte der Beziehungen seit Friedrich Barbarossa

Der „Schulterschluss“ zwischen Kaiser Friedrich I. Barbarossa und dem französischen König Philipp II. im Jahr 1187 markiert den Ausgangspunkt der staufisch-kapetingischen Bündnis-politik. Im Mai waren die beiden Regenten an der Maas bei Ivois und Mouzon zusammengetroffen, um ein Bündnis zu schließen, welches sich in erster Linie gegen das englische Herrscherhaus richtete.[7]

Bei der Interpretation hat sich die langfristige Wirkung dieser Übereinkunft als das prägende Muster herausgebildet. Zu Beginn des vergangenen Jahrhunderts bezeichnete der Philipp-Biograph Alexander Cartellieri das Abkommen als „[…] das Bündnis, das im wesentlichen bis zum Tode Friedrichs II. dauern sollte und Kapetinger und Staufer den Plantegenêts und Welfen gegenüberstellte.“[8] Fast genauso lautet die heute gängige Forschungsmeinung, für die Joachim Ehlers stellvertretend angeführt sei. Dieser spricht von der „[…] staufisch-capetingische[n] Allianz, die nun für mehr als 50 Jahre eine feste Größe der europäischen Politik gegen England und die Welfen bleiben sollte.“[9]

Nach dem Tod Barbarossas 1190 setzte sein Sohn Heinrich VI. die Bündnispolitik mit Philipp II. von Frankreich fort, wovon ein Treffen der beiden Herrscher in Toul von 1193 zeugt.[10] Auch Heinrichs Bruder Philipp von Schwaben wahrte die Allianz mit dem französischen König, der nach der Ermordung des Staufers 1208 isoliert der englisch-welfischen Opposition gegenüberstand.[11] Erst 1212 erfolgte im Vertrag von Vaucouleurs zwischen Friedrich II. und Philipp II. eine erneute Besiegelung des Bündnisses, das beiden zur Festigung ihrer Positionen bzw. zu ihrem Aufstieg verhalf, wie auch im Folgenden zu sehen ist.

4. Die Beziehungen zwischen Friedrich II. und Frankreich

4.1 Aufbau der Bündnispolitik

4.1.1 Das Bündnis von Toul und Vaucouleurs 1212 und seine Folgen

Nach 25-jähriger staufisch-französischer „Kooperation“ erfuhren die Beziehungen im Jahr 1212 eine Erneuerung, die erstmals Friedrich II. an die Seite Philipps II. stellte. Im November trafen der Staufer und der französische Thronfolger Ludwig (später Ludwig VIII.) in der Region um Toul und Vaucouleurs zusammen und bekräftigten das Bündnis, über dessen vorrangigen Zweck sich die Parteien einig waren: die Gegnerschaft zur englisch-welfischen Koalition bestehend aus Johann Ohneland und Otto IV.[12]

Diese Konstellation ergab sich notwendigerweise aus den Sachzwängen, mit denen sich sowohl Friedrich als auch Philipp konfrontiert sahen. Der Staufer, dessen faktische Heimat das Königreich Sizilien war, wo auch sein Regierungsschwerpunkt lag, wollte seine Herrschaftsansprüche auch im Reich geltend machen. Nach der Ermordung seines Onkels Philipp von Schwaben 1208 hatte jedoch der Welfe Otto IV. die alleinige Königsgewalt inne. Er amtierte von Herbst 1209 bis zur Bannung durch Papst Innozenz III. im Herbst 1210 amtierte auch als Kaiser. Friedrich musste folglich die geschwächte staufische Stellung in Deutschland wieder stärken. Von Papst Innozenz III. forciert, erfolgte im September 1211 Friedrichs Königswahl durch die anti-welfische Fürstenopposition, die sich inzwischen gebildet hatte.[13] Eine Koalition mit Philipp II. zu schließen, schien für Friedrich mehr als angebracht, um seine Position zu stützen. Denn ein gemeinsamer Nenner mit dem französischen König bestand, wie erwähnt, in der Opposition zum englischen König Johann Ohneland und dessen welfischem Neffen Otto IV[14], von denen latente Gefahr für Frankreich ausging. Schon allein deshalb musste Philipp vitales Interesse an einem staufischen Königtum in Deutschland haben, das der englisch-welfischen Partei Einhalt gebieten konnte. Eine gewisse Notwendigkeit, dieses Bündnis zu schließen, impliziert Wolfgang Stürner, indem er von der „[…] weitreichenden Gemeinsamkeit der politischen Interessen […]“ spricht: „Es drohten keinerlei ernsthafte, Grundpositionen betreffende staufisch-kapetingische Konflikte, vielmehr einte die beiden Könige die für sie beide gleich fundamentale Gegnerschaft zu den […] Bundesgenossen Otto und Johann.“[15]

[...]


[1] Georgi, Wolfgang: intra und extra. Überlegungen zu den Grundlagen auswärtiger Beziehungen im früheren Mittelalter: Wahrnehmung, Kommunikation und Handeln, in: Auswärtige Politik und internationale Beziehungen im Mittelalter (13. bis 16. Jahrhundert), hrsg. von Dieter Berg u.a., Bochum 2002, S.62.

[2] Ebd., S. 85.

[3] Ebd., S. 84.

[4] Vgl. Zechlin, Walter: Die Welt der Diplomatie, Frankfurt a. M./Bonn 1960, S. 8.

[5] Ebd.

[6] Georgi, intra und extra, S. 84.

[7] Vgl. Ehlers, Joachim: Geschichte Frankreichs im Mittelalter, Stuttgart u.a. 1987, S. 125.

[8] Cartellieri, Alexander: Philipp II. August. König von Frankreich, Band 4: 1199-1223, 2. ND der Ausgabe Leipzig 1921-22, Aalen 1984, S. 599.

[9] Ehlers, Geschichte Frankreichs, S. 125.

[10] Vgl. Parisse, Michael: La France et l’Empire à l’époque des Saliens et des Staufen, in: Deutschland und der Westen Europas im Mittelalter, hrsg. von Joachim Ehlers, Stuttgart 2002, S. 307.

[11] Vgl. Berg, Dieter: Imperium und Regna, in: „Bündnissysteme“ und „Außenpolitik“ im späteren Mittelalter, hrsg. von Peter Moraw, Berlin 1988, S. 29.

[12] Vgl. Stürner, Wolfgang: Friedrich II., Teil 1, Darmstadt 2003, S. 155.

[13] Vgl. Haverkamp, Alfred: Aufbruch und Gestaltung, Deutschland 1056-1273, München 1993, S. 247.

[14] Vgl. Ehlers, Geschichte Frankreichs, S. 132.; Im Jahr 1204 hatte Philipp Johann im Kampf um die englischen Besitzungen in Frankreich eine empfindliche Niederlage beigefügt.

[15] Stürner, Friedrich II., Teil 1, S. 156.

Ende der Leseprobe aus 22 Seiten

Details

Titel
Staufisch-kapetingische Allianz: Die außenpolitischen Beziehungen Kaiser Friedrichs II. zu Frankreich
Hochschule
Technische Universität Carolo-Wilhelmina zu Braunschweig  (Historisches Seminar)
Veranstaltung
Hauptseminar Stupor mundi: Friedrich II. und seine Zeit
Note
1,3
Autor
Jahr
2006
Seiten
22
Katalognummer
V76568
ISBN (eBook)
9783638805773
ISBN (Buch)
9783640180004
Dateigröße
540 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Staufisch-kapetingische, Allianz, Beziehungen, Kaiser, Friedrichs, Frankreich, Hauptseminar, Stupor, Friedrich, Zeit
Arbeit zitieren
Folko Damm (Autor), 2006, Staufisch-kapetingische Allianz: Die außenpolitischen Beziehungen Kaiser Friedrichs II. zu Frankreich, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/76568

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