Typische Aussprachemerkmale französischer Sprecher im Englischen

Eine phonologisch-psycholinguistische Ursachenbestimmung vor kulturell-sprachpolitischem Hintergrund


Examensarbeit, 2006

176 Seiten, Note: 1


Leseprobe

Inhalt

0 Vorbemerkungen
0.1 Vorgehensweise
0.2 Hinweise zur Transkription

1 Einleitung

2 Sprachpolitik: Sprachverteidigung in Frankreich
2.1 Fünf Etappen staatlicher Sprachlenkung
2.2 Frankophonie und Kulturerbe als Motive der Sprachverteidigung
2.3 Der hohe Stellenwert des Französischen
2.4 Rivalität und Kooperation: frankoamerikanische und frankobritische Beziehungen
2.5 Americanophobia und die Akzeptanz von Anglizismen und ihrer Ersatzwörter

3 Phoneme und Phone des Französischen und Englischen
3.1 Das französische und das englische Vokalsystem
3.1.1 Vokalismus des Französischen
3.1.1.1 Das Maximalsystem
3.1.1.2 Das Minimalsystem
3.1.2 Vokalismus des Englischen
3.1.2.1 Die Monophthonge des Englischen
3.1.2.2 Die Diphthonge des Englischen
3.2 Das französische und das englische Konsonantensystem
3.2.1 Konsonantismus des Französischen
3.2.1.1 Konsonantphoneme: Konsonanten und Halbkonsonanten (Halbvokale)
3.2.1.2 Phonementlehnung: der velare Nasalkonsonant /N/
3.2.2 Konsonantismus des Englischen
3.3 Weitere Phoneme oder (Allo)phone des Französischen und Englischen
3.3.1 R-Allophone
3.3.2 L-Allophone
3.3.3 Der stimmlose palatale Frikativ [c] und der stimmlose velare Frikativ [x]
3.3.4 Der stimmlose glottale Plosiv [ÿ]

4 Suprasegmentalia im Französischen und Englischen
4.1 Silbenstruktur
4.1.2 Liaison und Elision im Französischen
4.1.3 Liaison und Elision im Englischen
4.2 Akzent
4.2.1 Der Akzent im Französischen
4.2.2 Der Akzent im Englischen
4.2.2.1 Wortakzent
4.2.2.2 Satzakzent
4.3 Rhythmus im Französischen und Englischen:
Französisch silbenzählend, Englisch akzentzählend?
4.4 Tonhöhe
4.4.1 Der Tonhöhenverlauf im Französischen
4.4.2 Der Tonhöhenverlauf im Englischen

5 Aussprachestandards
5.1 Französische Standardlautung:
eine quasi-ubiquitäre Varietät in Frankreich?
5.2 Britisch-englische Standardlautung:
Received Pronunciation, Estuary English – oder eine Illusion?
5.3 Die Bedeutsamkeit standardnaher Aussprache in einer Fremdsprache

6 Typische Aussprachemerkmale französischer Sprecher im Englischen
6.1 Vokale
6.1.1 Substitution
6.1.2 Nicht-Unterscheidung von Starkton- und Schwachtonformen
6.1.3 Monophthongisierung
6.1.4 Nasalierung
6.1.5 Gespanntheit
6.1.6 Hyperkorrektismen
6.2 Konsonanten
6.2.1 Substitution
6.2.2 Desonorisierung und Sonorisierung
6.2.3 Elision von /h/
6.2.4 /t/ und /d/ fr. dental statt engl. alveolar
6.2.5 Nicht-Unterscheidung zwischen [l] und [l~]
6.2.6 Nicht-Aspiration
6.2.7 Produktion von Geminaten
6.2.8 Interferenzen durch Ähnlichkeit mit dem Französischen
6.2.9 Suprasegmentalia

7 Psycholinguistische und psychologische Determinanten des L2-Aussprache-Erwerbs
7.1 Lerner-interne Determinanten
7.1.1 Perzeption, Produktion und Interferenz
7.1.2 Sprachangst
7.1.3 Alter
7.1.4 Motivation
7.1.5 Fossilierung
7.1.6 Biologische und meta- bzw. außersprachliche Faktoren
7.2 Lerner-externe Determinanten
7.2.1 Soziales Umfeld
7.2.2 Input und intake
7.2.3 Pädagogische Faktoren und gesteuerter Spracherwerb

8 Zusammenfassung
Bibliographie
Wörterbücher und Nachschlagewerke
Abkürzungsverzeichnis

A Anhang
A 1 Der velare Nasalkonsonant /N/ in echten und scheinbaren Anglizismen
A 1.1 /N/ im Französischen in Entlehnungen aus dem Englischen
A 1.2 /N/ in Pseudoanglizismen
A 1.3 Weitere Beispiele für Anglizismen mit –ing
A 1.4 Frequenz von –ing
A 1.5 Produktivität von {-ing}
A 1.6 Aussprache
A 1.7 Distributionsbeschränkung
A 1.8 Phonemstatus
A 2 Text und Fragebogen
A 3 Transkription des Textes in englischer Standardlautung
A 4 Starkton- und Schwachtonformen im Englischen
A 5 Formanten des Englischen und Französischen
A 6 Überblick über die Informanten

0 Vorbemerkungen

0.1 Vorgehensweise

Die vorliegende Arbeit nahm ihren Ursprung in einem Studienaufenthalt in Paris. Neben aufschlussreichen interkulturellen Lehrstücken kam bei der Gelegenheit, hinter die französischen Kulissen zu blicken, ein Symptom zum Vorschein, das man – ohne ein Zerrbild entstehen zu lassen – einen fremdsprachlichen Minderwertigkeits-komplex nennen könnte: So sehr ein Franzose in seiner Muttersprache brillieren und sie zum ästhetischen Gesamtkunstwerk werden lassen kann, so sehr scheint der Kanal in der Fremdsprache, genauer: im Englischen, oft blockiert. Manchmal wurde die Kommunikation auf Englisch schlichtweg verweigert; meistens wurde mit Hinweis auf das angeblich lamentable Niveau um Verständnis gebeten, man möchte doch lieber en français parlieren.

So bin ich besonders den 25 tapferen Franzosen zu Dank verpflichtet, die sich in Paris und auch München ohne genauere Zielvorgabe dem Aussprachetest stellten und mir mittels eines anonymen Fragebogens weitere Informationen übermittelten bezüglich relevanter Parameter wie Anzahl der Jahre, die sie Englischunterricht hatten, Beherrschung weiterer Fremdsprachen, Auslandsaufenhalt(e) in einem englischsprachigen Land, Verwendung und Einstellung zur Verwendung englischer Entlehnungen und der englischen Sprache allgemein usw. (cf. A 2, A 6).

Dieses Korpus bereicherte meine Betrachtung der französischen Phonetik und Phonologie, die mit der englischen Phonetik und Phonologie verglichen wurde. Meines Wissens existiert bislang weder eine ausführliche, zusammenhängende kontrastive Diskussion der französischen und britisch-englischen Phonetik und Phonologie – Delattre (1965) scheint die einzige, wenn auch viel zitierte Pionierleistung für das amerikanische Englisch[1] – noch ein umfassende Ursachenbestimmung für das nicht nur von Lernern und Lehrern empfundene „handicap phonétique“ französischer Muttersprachler. Im Rahmen des in einer Zulassungsarbeit möglichen möchte ich mit dieser Untersuchung einen kleinen Beitrag leisten und die typischen Aussprachemerkmale französischer Sprecher im Englischen beleuchten. Nach einem Kapitel zur Sprachverteidigung in Frankreich, das der Sensibilisierung für das kulturell-sprachpolitische Klima unseres Nachbarlandes dienen soll, folgt ein Streifzug durch die Phonetik und Phonologie der beiden Sprachen. In Kapitel 6 werden anhand des Korpus von 25 französischen Muttersprachlern die nicht-standardnahen Merkmale bei der Aussprache eines englischen Textes bestimmt. Die daraus hervorgehenden Interferenzen mit dem Französischen gehen in die abschließende Betrachtung möglicher psychologisch-psycholinguistischer Ursachen mit ein.

Auf Grund der nicht repräsentativen statistischen Aussagekraft der Untersuchung von nur 25 Informanten, die noch dazu freiwillig teilnahmen – ihnen kann also ein gewisses Selbstbewusstsein und eine wahrnehmbare Kompetenz im Englischen unterstellt werden – und ein überwiegend homogenes, relativ hohes Bildungsniveau genießen, handelt es sich bei der vorliegenden Arbeit um eine vorrangig qualitative (und nicht in erster Linie quantitative) Analyse.[2]

0.2 Hinweise zur Transkription

Die Transkription der englischen Lautung orientiert sich an Daniel Jones’ English Pronouncing Dictionary (EPD 2003)[3] mit folgenden Einschränkungen:

- Optionale Laute werden in der Regel nicht kursiv oder, im Falle von /E/ [Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten] und /r/ [Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten], hochgestellt, sondern in Klammern notiert, cf. mission /`mI[Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten](E)n/, father /[Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten]A:[Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten]E(r)/; ein linking oder intrusive r[4] wird nur in entsprechenden Sprachbeispielen der Informanten transkribiert.

- Der im amerikanischen Englisch durch das nachfolgende /r/ „eingefärbte“ retroflexe Schwa-Laut (r-coloured schwa, [Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten]), cf. father (US: [[Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten]A:[Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten]@`]), bzw. retroflexes /[Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten]/ (r-coloured bird vowel, [3`]), cf. bird (US: [b3` :d]), werden in der Regel nicht eigens notiert.[5]

- Silben werden nur notiert, wenn dies relevant ist.

Sofern nicht durch US als amerikanische Standardlautung (General American, GA) gekennzeichnet, handelt es sich bei englischen Wörtern um die Transkription der britischen Standardlautung (Received Pronunciation, RP, BBC English).[6]

Generell wird in Schrägstrichen, / /, eine weite phonemische Transkription (broad transcription) angegeben, die nur die Phoneme enthält, cf. /fE(U)`ni:mIk/. Die Transkription nach Jones (2003) zeigt die Vokalquantität (Länge) wie Vokalqualität an (gemischte Transkription). Wenn erforderlich, wird die enge Transkription (narrow transcription) bzw. phonetische Transkription – eine Transkription, die auch Allophone und diakritische Zeichen enthält (und auch die Unterschiede zwischen den Allophonen eines Phonems berücksichtigt) – in eckigen Klammern, [ ], angegeben, cf. [tÝIl~], oder, ähnlich wie bei Jones (2003), eine „weniger weite“, gemischte Transkription gewählt. Es wird also, dem Untersuchungsgegenstand angepasst, überwiegend selektiv „eng“ transkribiert. Die Allophone clear l [l] und dark l [l~] werden zum Ausdruck gebracht, wenn dies nötig erscheint. Wird die amerikanische Standardlautung angegeben, wird /t6/ auch zwischen Schrägstrichen transkribiert.

Für die Transkription des Französischen wurde als Referenzbasis das Standardfranzösische herangezogen – jenes Französisch der Pariser Mittelklasse in höflicher Kommunikation, wie es etwa auch Aussprachewörterbüchern wie dem von Warnant (1987) zugrunde liegt:[7]

[Nous] avons choisi de consigner la prononciation d’un des français de Paris et, dans un sens large, de la région parisienne. Paris est sans conteste le centre de la très grande majorité des activités intellectuelles et culturelles de la France. Nous pensons plus particulièrement à celles qui se manifestent par et dans la parole.

Socialement, nous avons choisi de recueillir la prononciation des intellectuels et des gens cultivés, qui, dans des domaines extrêmement divers, s’expriment d’ordinaire non seulement avec clarté, mais encore avec élégance.

Nous avons aussi choisi de ne décrire que le parler d’une génération, celle qui compte actuellement entre 20 et 45 ou 50 ans (Warnant 1987: xx-xxi).

Mit der vierten und meines Wissens neusten aktualisierten Auflage von Warnant (1987) – ebenso wie mit den beiden anderen Standardwerken, Lerond (1980) und Martinet/Walter (1973), – mag der Eindruck entstehen, das heutige Französisch würde nicht in seiner aktuellen Standardaussprache erfasst. Aktuelle Tendenzen aber, wie sie etwa Carton (2001: 7-23)[8] beschreibt, scheinen sich gegenwärtig noch nicht durchgängig im Standardfranzösischen niederzuschlagen.[9] Abgesehen davon ist der Wandel von Aussprache kein sprunghafter Prozess.[10] So kann Warnant (1987) durchaus immer noch als aktueller Spiegel der Standardlautung gelten.

Wie für das Englische wird durchweg das internationale phonetische Alphabet der IPA gewählt, auch wenn einige Quellen andere Alphabete verwenden.[11] Für den Nasalkonsonanten /O{/ wird in Übereinstimmung mit den verwendeten Aussprachewörterbüchern das IPA-Symbol /O{/ (anstelle von /õ/) verwendet.

1 Einleitung

Lange vorbei sind die Tage, an denen Englisch noch wie die toten Sprachen allein über die Graphie gelehrt wurde. Längst hat auch im Klassenzimmer die Medienrevolution Einzug gehalten. Lehrer sind heute relativ medienkompetent und bringen mit Kassette, CD, VHS, DVD, CD-ROM, Festplatte und anderen elektronischen (Speicher-)Medien authentisches Sprachmaterial an den Schüler. Der Fremdsprachenlerner verfügt zudem meist über einen Internetzugang und ist somit nur einen Mausklick von der Fremd-sprache entfernt, ja kann ihr im Internet sogar kaum aus dem Weg gehen: Englisch ist hier mit ca. 31-36 % an der Spitze der Sprachen der Internetnutzer, 56-82 %[12] der Seiten sind auf Englisch verfasst, ca. 57-64 % der Nutzer von Google, der populärsten und erfolgreichsten Internet-Suchmaschine, suchen auf Englisch.[13] Die Beherrschung von Englisch ist hier also Grundvoraussetzung. 42,3 % der Franzosen waren im September 2005 an das Internet angebunden (vgl. Deutschland 57 %, Großbritannien 60,2 %, Nordamerika 68,1 %)[14]. 75 % der 12-17jährigen Franzosen hatten 2004 mindestens einen Computer zu Hause (79 % an der Schule oder am Arbeitsplatz), 49 % dieser Altersgruppe haben dort auch Internetzugang, 55 % davon sind täglich online;
89 % der über 18jährigen Schüler und Studenten gehen am Arbeitsplatz oder an der Uni-versität online; 92 % der 12-17jährigen Franzosen haben zu Hause, in der Schule oder am Arbeitsplatz die Möglichkeit, online zu gehen (cf. Bigot 2004: 42, 46, 68, 75, 81, 86).

Die Globalisierung der Welt ist unaufhaltbar und mit ihr auch die Verbreitung der nötigen Lingua franca, des dafür wohl statusträchtigsten globalese: dem Englischen. Jeder braucht es, jeder kann es. Möchte man meinen, denn wie soll sonst kommuniziert werden, wenn weder das menschliche Medium Sprache, noch das technische Medium Internet – überzeichnet formuliert – einen anderen Code anbieten. Englisch ist Trumpf.

In der 2004 vom Ministère de l’éducation nationale veröffentlichten Studie „Evaluation des compétences en anglais des élèves de 15 ans à 16 ans dans sept pays européens“ (cf. Bonnet/Levasseur 2004, Laronche 2004, Tardieu 2004) wurde nun belegt, was die meisten Franzosen – ob Schüler, Lehrer oder Absolventen einer französischen Schule – bereitwillig bestätigen: Die Englischkenntnisse der französischen Schüler sind schwach. Seit 1996 sinkt das Englischniveau der französischen Schüler; 2002 sind sie hinter Schweden, Finnland, Norwegen, den Niederlanden, Dänemark und Spanien auf den letzten Platz abgerutscht. Das Expertenteam kann sich diesen erneuten Rückgang nicht eindeutig erklären. Dringender Handlungsbedarf wird aber erkannt: Claude Thélot, Président de la commission consultative sur l’éducation, will den obligatorischen Englischunterricht schon in der Grundschule ab dem CE2[15] (cf. Malingre 2004); die Einführung des bilingualen Sachfachunterrichts ist zumindest als Papierbekenntnis oder Placebo-Heilmittel beschlossene Sache (cf. Hélot 2003).

Englischlehrer, die Schüler unterschiedlicher Nationen unterrichten, können die Ergebnisse der Studie genauso bestätigen wie Teilnehmer internationaler (englischsprachiger) Kongresse, die sich über Frankophone wundern, wenn diese als einzige französischsprachige Sitzungen fordern (cf. Benvenuto 2004). In meiner Arbeit als Sprachtrainer, Online- und Phone Tutor im Bereich der betrieblichen und institutionellen Weiterbildung (cf. http://ww.clt-net.de) zeigte sich schnell, dass französische Lerner insbesondere mit der L2-Aussprache Schwierigkeiten hatten.

Woran liegt es nun aber, dass gerade französischsprachige Lerner des Englischen offensichtlich ungleich größere Schwierigkeiten haben, die „bittere Pille“ Englisch zu schlucken und die unmittelbarste Manifestierung einer Sprache, ihre Aussprache, zu internalisieren und zu produzieren?

Die so genannte Kontrastivhypothese (Lado 1957) nimmt traditionell an, dass die Erstsprache (L1) eines Lerners die nachfolgenden Sprachen (L2 etc.) systematisch beeinflusst, je nachdem in welchen Bereichen sie sich ähnlich oder nicht ähnlich sind. Identische Elemente und Regeln können demnach problemlos und fehlerfrei erlernt werden; unterschiedliche Elemente und Regeln sind schwieriger zu erlernen und führen zu Fehlern.

Die Hypothese klingt zunächst plausibel: ein Fremdsprachenlerner versucht, mit seiner vorhandenen sprachlichen „Ausstattung“ die Zielsprache, in unserem Fall die zielsprachliche Aussprache, möglichst gut zu (re)produzieren. Dass neben dieser Annahme aber noch weit mehr Faktoren – etwa auch das soziale Umfeld und dessen Einstellung zur Zielsprache – berücksichtigt und deutlich mehr Determinanten beim L2-Aussprache-Erwerb angenommen werden müssen, das soll Teil dieser Arbeit sein.

Um die phonologischen und psycholinguistischen Ursachen im richtigen Licht zu sehen, sollten wir uns zunächst auf eine kurze interkulturelle Reise begeben und den Blick auf die für Westeuropa wohl einmalige Sprachpolitik in Frankreich werfen.

2 Sprachpolitik: Sprachverteidigung in Frankreich

„Jamais une langue étrangère n’a menacé le français comme aujourd’hui l’anglo-américain menace le français.“[16] Mit diesen Worten wies der französische Schriftsteller Yves Berger in einer Diskussion in der Sendung Bouillon de culture des Jahres 1994 lautstark auf die (aus seiner Sicht) außergewöhnliche Bedrohung des Französischen durch das Englische hin (cf. Jäger/Dausendschön-Gay 2003: 114).[17] Berger drückt exemplarisch die Haltung vieler Sprachschützer in Frankreich aus, die sich auch in dramatischen Buchtiteln wie den folgenden widerspiegelt: Lettre ouverte à ceux qui en perdent leur français (Saint Robert 1986), Sauve qui peut la langue (Léonardini 1994), La colonisation douce : feu la langue française ?[18] (Noguez 1998), La mort du français (Duneton 1999) oder La nouvelle guerre contre l’intelligence (Durand 2001/2002).[19] Die Autoren sind sich einig: Das Englische ist eine lebensbedrohliche Gefahr für das Französische, die es mit allen Mitteln zu bekämpfen gilt.[20]

„Schutz“ vor englischen Entlehnungen will der französische Staat mittlerweile per Gesetz bieten. Seit einigen Jahrhunderten schon steuern staatliche Maßnahmen die Sprache in Frankreich: anfangs im Kampf gegen Latein, später gegen Englisch.

2.1 Fünf Etappen staatlicher Sprachlenkung

Es gibt in Frankreich eine lange und andauernde Tradition der Sprachpflege und Sprachverteidigung.[21] Seit über 450 Jahren hat der Staat ein wachsames Auge auf die Sprache in seinem Land.[22] Trabant (2001) resümiert fünf Etappen französischer Sprachpolitik.[23]

Mit der ersten sprachregelnden Staatsaktion im Jahre 1539, der Ordonnance de Villers-Cotterêts, bestimmt François I. 1539, dass nicht mehr das Lateinische, sondern die Volkssprache in der Verwaltung und in Gerichtsakten verwendet werden soll.[24] Das Französische dringt damit „in eine Diskurswelt, die bis dahin vom Lateinischen besetzt war“ (Trabant 2001: 10).

1635 wird auf Veranlassen Richelieus die Académie française gegründet, die die Reinheit der Sprache vor schädlichen Einflüssen sichern soll und bis heute eine gewichtige Rolle in der Sprachpflege Frankreichs spielt.[25] Die Sprechweise des Hofes und der guten Schriftsteller wird zum bon usage erklärt (cf. Braselmann 1999: 4).[26]

Als Fortsetzung der königlichen Politik von Villers-Cotterêts verbieten 1789 die Revolutionäre der französischen Revolution die Verwendung anderer Sprachen als das Französische in staatlichen Akten. Man konzipiert eine Schulpolitik, um die Erlernung des Französischen zu fördern (nur ein Drittel des Volkes spricht zu dem Zeitpunkt Französisch; nur ein Sechstel kann es schreiben).[27] Erst 150 Jahre später ist dieser Prozess abgeschlossen: Die Franzosen sprechen Französisch. Und schon beginnt auch die so genannte „Krise“ des Französischen: „der Rückgang der Weltgeltung des Französischen zugunsten des Englischen und das Eindringen englischer Wörter ins Französische“ (Trabant 2001: 11).[28]

Die staatliche Antwort auf die Krise ist die Loi Bas-Lauriol (1975), ein Gesetz gegen die Verwendung von Anglizismen in öffentlichen Texten.[29] Nach der Anglizismenflut nach dem Zweiten Weltkrieg nimmt den publizistischen Anfang des Krieges gegen das Englische wohl Etiemble (1964) mit seinem berühmten Pamphlet Parlez-vous franglais?.[30] Diese Polemik veranlasst den Staat zu Aktivitäten zur Zurückdrängung des Englischen, unter anderem zur Erstellung von Listen mit Ersatzvorschlägen für Anglizismen,[31] die heute den Dictionnaire des termes officiels (Magnant 1994[32] ) bilden (cf. Trabant 2001: 11).[33] Die Loi Bas-Lauriol

versteht sich, wie man der Erläuterung ihrer Begründung entnehmen kann, ausdrücklich als Maßnahme gegen die dégradation und contamination, die Verderbnis und Verseuchung des Französischen durch das Englische, sowie als Maßnahme zum Schutz der Verbraucher und Arbeitnehmer (Trabant 2001: 11).

Es geht also um die „rein ästhetische Verurteilung der sprachlichen ‚Unreinheit’“ (Jäger/Dausendschön-Gay 2003: 124).[34]

Den fünften und bislang letzten staatlichen Eingriff stellt die Loi Toubon von 1994 dar.[35] Das Gesetz von 1975 hatte nicht im gewünschten Ausmaß das Englische im Französischen zurückgedrängt, und so sollten die Sanktionen verschärft werden.[36] Das Französische wird „verbindlich vorgeschrieben für jeglichen Schriftverkehr zwischen Firmen, als Sprache des Bildungswesens und bei jeglicher Art der Weitergabe von Informationen an die Öffentlichkeit“ (Ossenkop 2002: 75). Daneben reagiert das Gesetz auf die Verdrängung des Französischen aus bestimmten Redesituationen. Denn vorrangig sei gar nicht der Kampf gegen die Anglizismen, so Trabant,

wichtiger sind die Maßnahmen gegen die Okkupierung von höheren Diskursuniversen durch das Englische. […] [Die Loi Toubon ] wendet sich gegen die exklusive Besetzung der wichtigsten Diskurswelten durch das Englische und damit auch gegen das Herausbrechen ganzer Sprach-Register – nicht nur einzelner Wörter – aus der Gesamtarchitektur des Französischen (Trabant 2001: 12).

Es gibt folglich, etwa auf Kongressen, ein droit au français (d. h., jeder darf Französisch sprechen);[37] öffentlich geförderte Publikationen müssen mindestens mit einem französischen Abstract versehen werden; das Französische ist in französischen Erziehungseinrichtungen obligatorisch. Mindestens etwa 100 staatliche,[38] halbstaatliche und private Sprachpflegeorganisationen sind gegenwärtig tätig (cf. Beinke 1990: 211-226, 315-358). Ossenkop (2002: 73) spricht von mittlerweile ca. 200 Organisationen.

2.2 Frankophonie und Kulturerbe als Motive der Sprachverteidigung

Die Gründe für die außergewöhnliche Sprachlenkung und -verteidigung[39] in Frankreich sind in erster Linie politisch-kultureller Natur.

Das Französische hat für Frankreich selbst eine politische, eine uniformierende Bedeutung:[40] une nation, une langue (cf. Thiesse 1999) – „[p]as d’identité collective sans homogénité linguistique“ (Thiesse in Dufay 2000: 51).[41] Außerdem gilt es, die politischen Beziehungen zu den frankophonen, aber zweisprachigen Staaten, die über das Französische untereinander und mit Frankreich in Verbindung stehen, auch mittels der Sprache aufrechtzuerhalten und zu pflegen:

L’emploi abusif de ce charabia [‘Kauderwelsch’] tend à séparer les Français de France des autres francophones. C’est-à-dire que le pentagonal [= franglais ; Zusatz von T. H.] brise le lien magique qui unit tous ceux qui ont en commun l’usage d’une même langue universelle (Capelovici in Gilder 1999: 9).

Wird das Französische durch das Englische ersetzt – Französisch ist bis dato in der Frankophonie die Sprache der „’hohen’ Diskurswelten“ (Trabant 2001: 12) Wissenschaft, Kultur, Verwaltung, Wirtschaft –, ist die Frankophonie bzw. die Bindung zwischen den frankophonen Staaten grundlegend bedroht (cf. Trabant 2001: 12).[42] Dies wiederum würde auch einen Verlust an politischer Macht bzw. Unabhängigkeit (auch wirtschaftlicher, cf. Ager 1999: 13) bedeuten.

Darüber hinaus sieht der Staat das kulturelle Erbe, le patrimoine, in Gefahr – und damit die französische Sprache an sich ebenso wie die nichtfranzösischen Regionalsprachen (cf. Ager 1999: 15-41, Trabant 2001: 12 f.). Der natürliche Sprachwandel erscheint den Sprachpuristen[43] als Sprachverfall, mit dem auch die kulturelle Vielfalt verblasst und von „cultural uniformity“ (Ager 1999: 13) erstickt wird. Die Bedeutung kultureller Werte für Frankreich und die Notwendigkeit, das Kulturerbe zu schützen, wird noch augenscheinlicher, wenn das französische Selbstverständnis genauer beleuchtet wird, wie dies Haensch (1972: 48 ff.) unternimmt: Frankreich sieht sich als „Schöpfer der (westlichen) Kultur“, als „Land des Geistes“ gegenüber einer „Welt, wo der Maschinenmensch triumphiert“, als „Heimat von Würde, Menschlichkeit, Freiheit und Gerechtigkeit“, die „mit Kultur und Tradition beladen“ ist (Haensch in Beinke 1990: 16 f.).

Ager (1999) subsumiert und ergänzt die beiden Motive mit den Schlagwörtern identity, insecurity und image und geht dabei von Toubons[44] Plädoyer für die Verteidigung des Französischen vor dem Senat aus, das drei Gründe für die Notwendigkeit der Sprachplanung in Frankreich enthält:

[F]irstly, […] French, like Japanese, Italian, Spanish, German in their countries, should not be “relegated to secondary issues“ in the face of English. Secondly, […] the best way of “approaching universality and the highest level of dialogue [is] to give the best of oneself in the most authentic manner”; thirdly, […] the economic progress, social integration and the unity of Francophone countries outside France depend[s] on the defence of the symbolic role of French as “language of democracy and freedom”. These three motives can be summarised as insecurity or fear of others, identity or pride in one’s own community, and the creation and projection of an image, or the desire to ensure that others adopt or at least recognise the force of that identity (Ager 1999: 8).

Fremdsprachlicher Einfluss, wie er hier durch das franglais geschieht, „kann also durchaus als Gefahr für die persönliche und kulturelle Identität aufgefasst werden“ (Beinke 1990: 6).[45] Druon beschreibt in seiner öffentlichen Ansprache vor der Académie française die Rolle, die die Sprache für das Volk bzw. die Nation spielt:

Mais reconnaissons que les mots, les sens successifs dont on les affecte, ceux qui surgissent, ceux qui disparaissent, l’emploi qu’on en fait, l’agencement qu’on leur donne, l’intonation qu’on leur imprime, sont parfaitement révélateurs du tempérament, de l’éthique, du caractère et des aspirations d’un peuple, à tel ou tel moment de son histoire. […] C’est justement à cela qu’on peut mesurer l’attachement des Français, cultivés ou non, à leur langue, à leur patrimoine culturel. Car ils sentent bien le rôle que joue la langue dans leur conscience de Français (Druon in Beck-Busse 1995: 124 f.).

Nach Druon ist das Französische für Franzosen also Ursprung und Spiegel ihrer Identität und ihres Nationalbewusstseins.[46] „Sprache, Individuum und Nation leben offensichtlich in engster Symbiose“, so analysiert Beck-Busse (1995: 125) und fasst den „besonderen Wert“ der Sprache zusammen:

[Sprache] ist Ausdruck des Ichs, sie wird mit dem Ich gleichgesetzt; sie ist, wie das Ich, ein empfindsames Wesen, das fühlt, das verletzt werden kann; sie ist Heimat […]; sie ist gemeinschaftstiftend; sie ist der Ausdruck der Nation, sie ist die Nation; in ihr materialisiert sich das „Besondere“, bekommt das „Eigene“ Substanz, findet das „Anders-Sein“ seinen Ausdruck; sie grenzt ab, und zwar in doppelter Hinsicht: nach innen als verbindendes Element, nach außen als ausgrenzendes; sie ist schließlich ein Gegenstand kulthafter Verehrung und höchsten Stolzes […] (Beck-Busse 1995: 128).

2.3 Der hohe Stellenwert des Französischen

Wie oben erläutert, hat Französisch für Franzosen unter anderem eine identitätstiftende, kulturelle und politische Bedeutung. So verwundert es kaum, dass in Frankreich größter Wert auf die Sprache und deren Beherrschung gelegt wird. Harmer (1979: 3) beschreibt die französische Nation und das Verhältnis zu ihrer Sprache wie folgt:

[It is] deeply and passionately interested in its own language, and is rarely, if ever, tired of proclaiming the fact. ‘La grammaire est une institution nationale’, affirms M. Arland in Cinq propos sur la langue française […]; Mr Galliot, writing in Vie et language [ sic ] […,] describes the Frenchman as ‘homo grammaticus, in the heart of whom slumbers […] a miniature Vaugelas, always ready to get worked up about a point of semantics or of syntax, and always superciliously censorious of inexactitudes and gibberish.’ […] It is certain that the concern shown for their mother tongue by the French […] is not a recently developed characteristic. It has existed for four centuries or considerably more.

Im schulischen Bereich stellt der Contrat pour l’école den hohen Stellenwert des Französischen dar[47] – hier auch im Bezug auf die soziale Gleichberechtigung, für die die Beherrschung der Sprache Voraussetzung ist (cf. Ager 1999: 65 ff.):

C’est la maîtrise des enseignements fondamentaux, langue française, orale et écrite, méthodes de travail personnel en lecture et écriture, calcul, repères pour la vie personnelle et sociale, qui crée l’égalité face à l’école. La première priorité est la langue française, orale et écrite (Bayrou in DGLF 1996: 3).[48]

In der 1. Klasse in Frankreich werden in der Regel 10 (mindestens 9) Unterrichtsstunden für Französisch verwendet (bei einer Gesamtwochenstundenzahl von 26 Stunden).[49] Bei der schulischen Vermittlung der Rechtschreibung wird unverhältnismäßig viel Aufwand betrieben. Die Orthographiebeherrschung ist schulisches wie berufliches Leistungskriterium[50] und spielt sogar eine sozial differenzierende Rolle: „Die französische Sprache wird nicht so sehr als Kommunikationsmittel betrachtet, sondern vor allem als privilegiertes Mittel des Zugangs zu fortschrittlichem Gedankengut“ (Sarter 1990: 207).

In den Massenmedien[51] wie auf dem Buchmarkt überrascht eine Vielzahl von Artikeln, Diskussionen und Gesprächen zur Orthographie. So auch zu den Championnats d’orthographe, die alljährlich mit großem Medieninteresse durchgeführt werden und die Feinheiten der französischen Orthographie zum Thema machen.[52] Passet (1999) beschreibt den Diktatwettbewerb in der Bibliothèque Nationale unter der Leitung von Bernard Pivot wie folgt:

Schüler und Studenten aus dem In- und Ausland unterziehen sich unter den Scheinwerfern der Medien diesem Wettlauf um überflüssige oder notwendige S und E, um Accents, um O-Laute, über deren graphische Wiedergabe sich nachgrübeln lässt, um all diese unzählbaren Hürden der französischen Orthographie. (Die beteiligten Ausländer werden auf Kosten des französischen Staates in die Hauptstadt geflogen.) Und zu Hause vor Hunderten, wenn nicht Tausenden von Radioapparaten und Fernsehgeräten sitzen weitere Teilnehmer in den Startlöchern, die anonym und außer Konkurrenz antreten, mit gezücktem Schreibgerät vor weißem Papier. Wer dann an nicht allzu vielen Hürden wie an einer Fußangel hängen bleibt, wer nicht allzu oft stolpert und stürzt, wer beim Auszählen der Fehler einigermaßen glimpflich davonkommt, kann ruhigen und erleichterten Herzens zum Alltagslangstreckenlauf zurückkehren, denn er beherrscht noch ausreichend die französische Sprache, dieses machtvolle Statussymbol, um seinen Platz in der Gesellschaftshierarchie als weiterhin gesichert zu betrachten (Passet 1999: 49).

Anlässlich der bisher letzten Rechtschreibreform von 1990/91 hatte die Zeitschrift Lire eine Umfrage (cf. Bermond et al. 1989) in Auftrag gegeben, in der 86 % der Befragten die Orthographie als „un art, quelque chose qui fait partie de notre culture, de notre patrimoine“ (ibid.), 78 % als „une des charmes de la langue française“ bezeichneten.[53]

Aber die große Wertschätzung der Rechtschreibung, ihrer Vermittlung und ihrer Beherrschung ist nur ein Teil der Sprachpflege. Die ganze Sprache wird zum Prestigeobjekt, ja gar Kunstobjekt.[54] Die Redekunst, das savoir-dire, wird nicht nur an Schulen und Universitäten gelehrt, trainiert und abverlangt. Was zählt, ist das beau-parler, das ‚schöne Reden’, sowie das eloquente Verschriftlichen der Gedanken. Der Inhalt, so hat man den Eindruck, rückt bisweilen fast in den Hintergrund. Das Französische habe Qualitäten ohne Gleichen, was mit dem schwer fassbaren (und mythenhaften) Schlagwort génie de la langue française (Geist oder Genius der französischen Sprache: „Reinheit, Klarheit[55], hoher Abstraktionsgrad, Genauigkeit, Eleganz, [ une ] langue parfaite et raisonnable“, Beinke 1990: 18; cf. auch Ager 1999: 153 und 194 f., Rivarol 1991) zum Ausdruck kommt.[56] Beau ist, was wohlklingend ist, was reguliert ist, was Französisch ist – und auf keinen Fall Englisch.[57]

Im Rahmen dieser (man ist als Außenstehender fast versucht zu sagen: pathologischen) Geringschätzung des Englischen (cf. oben und 2.1.5) scheint es angebracht, auch einen kurzen Blick auf die frankoamerikanischen und frankobritischen Beziehungen zu werfen.

2.4 Rivalität und Kooperation: frankoamerikanische und frankobritische Beziehungen

Battye et al. (2000: 43) geben eine kurze psychologische Analyse der Geschichte Frankreichs im 20. Jahrhundert:

France’s transformed status on the international scene has been at the heart of [its] loss of confidence (Gordon 1978: ch. 2). Following the economic crisis years of the 1930s, the French suffered a series of psychologically damaging blows of their prestige, starting with the German occupation (1940-4) and the lingering memory of France’s collaboration. These psychological blows to the French nation’s self-confidence continued with the loss of the Far-Eastern Empire (French Indo-China) in the early 1950s and culminated with the Algerian War of Independence.

Beinke (1990: 8, 12) nennt die Idee der französischen Unabhängigkeit und das Streben nach weltpolitischer Bedeutung als die beiden Konstanten der französischen Außenpolitik[58] und fasst die durch den Zweiten Weltkrieg veränderte weltpolitische Lage in Bezug auf Frankreich wie folgt zusammen:[59]

Die Entwicklung der USA und der UdSSR zu Welthegemonialmächten führt dazu, dass die Position Frankreichs als Großmacht in Frage gestellt wird. Aufgrund des zusätzlichen ökonomischen und technischen Potentials der USA kommt es ferner zum Verlust der Vormachtstellung des Französischen als funktionaler Weltsprache zugunsten des Englischen, und die Auflösung des französischen Kolonialreichs schließlich führt zu bedeutenden Terrainverlusten des Französischen außerhalb Frankreichs (Beinke 1990: 3).

Es liegt nicht fern, in Anbetracht der politischen Verhältnisse eine zumindest latente Rivalität zwischen Frankreich und den USA zu vermuten, gleichwohl Amerika durchaus als Partner anerkannt wird (und umgekehrt) und Gemeinsamkeiten gefunden werden.

Seit den 1990er Jahren werden die US-amerikanisch-französischen Beziehungen aufs Neue auf eine harte Probe gestellt. Wie Davis (2003) umfassend darlegt, waren in den 1990ern die bislang zumeist geteilten westlichen Werte und ähnlich gearteten Interessen dies- und jenseits des Atlantiks nicht mehr identisch: Der Krieg gegen den Terrorismus[60] polarisierte das mehrheitlich sich gegen den Krieg aussprechende Frankreich und die (damals noch) mehrheitlich für den Krieg stimmenden Vereinigten Staaten aufs Äußerste. Bis heute bedrohen die politischen Differenzen – unter anderem bezüglich der Bush-Doktrin, Irak, Israel und Russland (eventuell auch hinsichtlich des Klimaschutzes) – die transatlantischen Beziehungen.[61] Eine in erster Linie auf die Politik bezogene Anti-Amerika-Haltung der französischen Bevölkerung ist immer wieder spürbar.[62]

Auch die britisch-französischen Beziehungen stehen unter potenziell spannungsreichen Vorzeichen. Beinke (1990: 12 f.) referiert unter anderem folgende Gründe für ein wenig entspanntes Verhältnis der beiden Staaten:[63] beide genießen denselben internationalen Status; die Regierungen der beiden Staaten sind und waren über längere Zeiträume höchst unterschiedlich zusammengesetzt; Auseinandersetzungen um einen EG- und EU-Beitritt Großbritanniens belasten das Verhältnis (und seit dem Beitritt 1973 wohl auch die als bremsend empfundene Mitarbeit Großbritanniens in den Gremien der EG und EU, cf. Brodocz/Vorländer 2004). Wenn die Beziehungen auch durchaus durch Kooperation geprägt sind, bleibt auch hier eine gewisse Rivalität bestehen („Rivalry and Cooperation“, cf. Brenner/Parmentier 2002: 1, Stone/Sharp 2000; cf. auch Pickles 1966), gepaart mit einem „durchschimmernde[n] Gefühl von Minderwertigkeit“ gegenüber den Briten (Wickert 2002: 309).

Dieses Gefühl der Minderwertigkeit und Unterlegenheit, des unspezifisch Bedrohtseins findet seinen Ausdruck in Bezug auf die Sprache (das Englische) in einer regelrechten „Anglo-“ bzw. in erster Linie „Amerikanophobie“.

2.5 Americanophobia und die Akzeptanz von Anglizismen und ihrer Ersatzwörter

Mit Americanophobia bezeichnet Ager (1999: 98-115) die französische Angst vor dem franglais, das sich aus dem amerikanischen Englisch speist, und die mit ihm vermeintlich verbundene kulturelle Verderbnis.[64] Den „Durchschnittsfranzosen“ scheint allerdings eher selten eine wahre Americanophobia zu beschleichen (cf. Flaitz 1988: 191-197). So haben auch in einer Umfrage von SOFRES (1994) hinsichtlich der Bewertung des Gebrauchs von Anglizismen im Französischen nur 44 % der Befragten eine negative („C’est une mauvaise chose pour la langue française qui risque ainsi de perdre son caractère propre“), erstaunliche 42 % eine positive Bewertung („Ce n’est pas une mauvaise chose car une langue doit intégrer des mots étrangers pour s’enrichir et se développer“) abgegeben (cf. auch Ager 1999: 109 f., 232). Von unseren 25 Informanten gaben bei dieser Frage 18 eine positive Bewertung an. Nur 16 % der durch SOFRES Befragten beurteilten den Gebrauch englischer Begriffe im Alltag als snobistisch, nur 14 % als störend, aber 41 % als modern und 30 % als nützlich. 10 unserer Informanten (bei zwei Enthaltungen) befanden die Verwendung von Anglizismen im Alltag als versnobt, 9 aber auch jeweils modern, nützlich und lustig; nur drei empfanden die Verwendung als angenehm, aber drei auch als jeweils störend und stumpfsinnig.

Die Ergebnisse deuten darauf hin, dass „linguistic angoisse in modern France seems to be a luxury reserved mainly for belles-lettristes“ (Ball in Ager 1999: 109). Die Angst vor dem englischen Einfluss ist wohl besonders seitens der französischen Eliten (cf. Ager 1999: 105) zu verzeichnen.[65] Die allgemeine Öffentlichkeit legt eine weitaus praktischere Einstellung gegenüber Anglizismen an den Tag als sie die Elite in ihrer überzeichneten und verallgemeinernden Abneigung suggeriert (cf. Ager 1999: 111).[66]

Im Gesamtbild sind die Positionen der Franzosen gegenüber Anglizismen äußerst divergent. Denn existent und präsent ist sie doch, diese indirekt mit englischem Sprachmaterial verbundene Angst vor dem

Anglo-Saxon (i. e. American) plot for world domination associated with attempts to infiltrate a range of cultural domains from film production to scientific research and popular music. This Anglo Saxon plot, aimed at France as much as at Francophonie, is also aimed at high culture and at intellectual advance” (Ager 1999: 113).

Ager (Ager 1999: 115) stellt eine Art Assoziationskette der Americanophobia dar:

The fear of domination [is] associated with fear of modernisation and fear of economic savagery and cultural sterility. Fear of the economic and social costs that accompany modernisation, globalisation and homogenisation [are] linked to a fear of the conformity to a different social regime. Fear of absorption by the English-speaking world and eventual replacement by it [is] associated with a self-perception based on the idea that French identity, different, superior and universally applicable, represented individualism, humanism, good taste, scepticism, and, above all, civilisation.

Zu der Angst, amerikanisiert zu werden, gesellt sich „die Angst, sich (vielleicht ein weiteres Mal) zu schnell dem Fremden zu ergeben“ (Beck-Busse 1995: 139). Drillon (1994) ruft den Gedanken an die Résistance wach: „En proscrivant l’anglais, sommes-nous nationalistes ou résistants ?“ (Drillon in Beck-Busse 1995: 139). Beck-Busse (ibid.: 140) führt weiter auf „das Gefühl, provoziert zu werden, und u. U. auch das Gefühl, von allen Seiten, auch von den ‚eigenen Leuten’, eingeengt zu sein“.

Diese Haltung spiegelt sich auch darin wieder, dass Anglizismen bzw. das franglais mit Attributen wie parasitär, bedrohlich und „invasiv“ (neben lächerlich, völlig nutzlos, schlecht, versnobt/snobistisch, dumm, idiotisch, nervötend) versehen werden, wie Beck-Busse (1995: 137 ff.) zitiert. Die Antworten unserer Informanten gingen, wie oben erläutert, nicht unbedingt in diese Richtung, aber wie erwähnt kann die Auswahl auch nicht als repräsentativ gelten. Noch dazu lebte etwa ein Drittel der Informanten zum Zeitpunkt der Befragung in Deutschland und zeigt dadurch schon eine gewisse Bereitschaft, sich auf (nicht nur) sprachliche Andersartigkeit einzulassen.

Wie werden nun aber die – vielleicht sogar als Amerikanophobie linderndes Remedium zu verstehenden – von den Terminologiekommissionen erarbeiteten Ersetzungsvorschläge für Anglizismen von der französischen Bevölkerung aufgenommen?[67] Beinke (1990: 288) konstatiert eine „offensichtlich nicht unerhebliche Gleichgültigkeit“ der Bevölkerung gegenüber den staatlichen und privaten Maßnahmen zum Schutz des Französischen vor (vor allem) dem Englischen und verweist auf Brusse (1986), der eine Meinungsumfrage dokumentiert. Nach dieser halten nur die Hälfte der Befragten Sprachplanung für nötig; gerade mal 15 % richten sich tatsächlich nach den Ministerialerlassen und übernehmen die Ersetzungsvorschläge (etwa 50 % lehnen die Erlasse ab, cf. Fugger 1980: 72). 97 % einer befragten Schülergruppe hatte nicht einmal bemerkt, dass ihr walkman nun baladeur heißen sollte (cf. Brusse 1986: 72; auch Bécherel 1982: 129, Le Guilly-Wallis 1985). Man kann wohl zu Recht ein relatives Scheitern der Sprachmaßnahmen unterstellen und sieht auch hier die Mutmaßung bestätigt, die Americanophobia sei ein Wehwehchen der französischen Eliten (die aber natürlich entsprechend Einfluss nehmen auf die gesamte französische Gesellschaft).[68]

Neben dieser Americanophobia gibt es aber unter Umständen auch einen rein sprachlichen, (psycho)phonetischen Grund für die relative Ablehnung von Anglizismen seitens staatlicher Stellen und des Englischen – genauer: der englischen Lautung – seitens der Franzosen: die Phonemkombinationen in englischen Lexemen (cf. Beinke 1990: 93 ff. und 4.1 in der vorliegenden Arbeit). Bei der Frage nach der „Schönheit“ einer Sprache[69] – wie auch immer dieser Begriff zu fassen ist – wird häufig auf Basis der Vokalhäufung geurteilt; die Sonorität (Schallfülle) der Vokale wird gemeinhin als angenehm empfunden (cf. Müller 1985: 118; auch Yaguello 1988: 139; unter Einbezug der Kombinatorik, Zahl, Frequenz und Art von Konsonanten Müller 1975: 93-97). Es scheint, dass einige in englischem Sprachmaterial auftauchende Laute und Lautkombinationen und insbesondere das gehäufte Auftreten von Konsonanten – Englisch steht mit 61,4 % Konsonanten vor dem Französischen, das nur 56,5 % Konsonanten aufweist (cf. Müller 1985: 118, Tubach/Boë 1985, Wioland 1991: 30) – von (nicht nur) Franzosen als im Vergleich zum Französischen weniger „schön“ eingestuft werden. Von den 25 Informanten waren zwar 11 der Ästhetik der eigenen Muttersprache verfallen („plus harmonieuse“ [I 5], „une langue riche et complexe“ [I 10], „c’est ma langue maternelle“ [I 11, ähnlich 16, 24], „une langue calme et romantique“ [I 12], „Son caractère atonal parvient malgré tout à lui donner une musicalité séduisante. C’est pour moi un beau paradoxe“ [17], „une langue d’expression“ [20], „je n’aime pas la rythmique anglaise. Le français chante plus“ [25]). Genau so viele enthielten sich aber auch; nur drei fanden das Englische schöner.

Auch Demarkationsphänomene wie der Glottisschlag (cf. 3.3.4) oder ein Insistenzakzent (cf. 4), die im Französischen weitaus weniger als im Englischen auftauchen, werden im Allgemeinen als weniger angenehm wahrgenommen (cf. Yaguello 1988: 140). Yaguello weist überdies auf die unterschiedliche akustische Frequenz verschiedener Sprachen als mögliches Evaluationskriterium hin:

[L]es différentes langues parlées dans le monde n’utilisent pas les mêmes fréquences acoustiques. Or, l’oreille de chacun est conditionnée par sa langue maternelle ou les langues qui lui sont les plus familières. Cela explique que certains sons utilisant des fréquences étrangères ne sont tout simplement pas perçus ou produisent une impression de brouillage, comme une radio mal réglée (Yaguello 1988: 140 f.).[70]

Mehr oder weniger ästhetische (und oft vorwissenschaftliche) Urteile dieser Art sind aber wohl schwer sprachwissenschaftlich zu fassen (und gehören vielleicht auch gar nicht in diesen Bereich, cf. Martinet 1965: 227; cf. auch Schröder 1998: 239, Trabant 2002: 149 ff.).

Um diesen wichtigen Faktoren Rechnung zu tragen und gewissermaßen den Hintergrund auszuleuchten, vor dem die typischen Ausspracheschwierigkeiten französischer Sprecher im Englischen sich abspielen, wurden die potenziell relevanten kulturell-sprachpolitischen Ausgangsbedingungen auf französischer Seite resümiert. Ähnlich wie bei der geographischen Nachbarschaft der Sprecher zweier Sprachen ist die Sprachmischung (cf. Etiembles babélien) eine mögliche Folge des Sprachkontakts – auch wenn in unserem Fall der Beeinflussung des Französischen durch das Englische meist kein direkter („physischer“ oder geographischer) Kontakt vorliegt. Wie Clyne (1975: 1) formuliert, setzt Sprachkontakt den

Kontakt zwischen verschiedensprachigen Individuen und zwischen verschiedensprachigen Gemeinschaften voraus. Es ist daher ein Gebiet, in dem sprachwissenschaftliche, soziologische, psychologische, politische, kommunikationswissenschaftliche und pädagogische Aspekte schwer voneinander abzugrenzen sind (Clyne in Beinke 1990: 5).

Bei der Betrachtung interlingualer Kontakte müssen also zumindest einige dieser Gesichtspunkte mitberücksichtigt werden, wie dies im Rahmen des hier Möglichen versucht wurde. Im Folgenden soll nun der Hauptuntersuchungsgegenstand dieser Arbeit betrachtet werden: die typischen Ausspracheschwierigkeiten französischer Sprecher im Englischen und ihre möglichen phonologischen und psycholinguistischen Ursachen.

3 Phoneme und Phone des Französischen und Englischen

„Phoneme sind […] Spielräume für die Artikulation von mehr oder weniger ähnlichen Varianten. Und wie groß der jeweilige Spielraum ist, hängt von der Dichte des jeweiligen Raums von Oppositionen ab“ (Stetter 2002: 30).[71] Mit der Prämisse, dass Phoneme, die kleinsten bedeutungsunterscheidenden Lauteinheiten, einer gewissen Idealisierung unterliegen insofern, als ihre Artikulation einige Varianten, einen Spielraum oder eine Streuung zulässt, sollen im Folgenden das Lautinventar des Englischen und das des Französischen ermittelt werden, nicht ohne auch auf relevante Phone und Allophone der beiden Sprachen – also auf Laute, die nicht bedeutungsunterscheidend sind – einzugehen.

Die beschriebenen Phoneme des Englischen und Französischen[72] werden in der jeweiligen Sprache, wenn nicht anders erwähnt, als den diatopischen Varietäten gemeinsam betrachtet. Als Vergleichsbasis bzw. präskriptive Norm werden in der Regel angenommen das britische Englisch mit der Standardvarietät Received Pronunciation und das europäische Standardfranzösisch, für das der Großraum Paris als normgebend gilt.[73]

3.1 Das französische und das englische Vokalsystem

3.1.1 Vokalismus des Französischen

3.1.1.1 Das Maximalsystem

Das französische Vokalsystem enthält 16 Vokalphoneme[74] (Maximalsystem), die in einem Vokaltrapez – das in etwa den Mundraum und die ungefähre Position der Zunge darin[75] bzw. den durch die Kardinalvokale begrenzten Vokalraum darstellt – wie folgt angeordnet sind (adaptiert nach Meisenburg/Selig 1998: 60):

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 1: Vokaltrapez des Französischen (Maximalsystem)

In die Abbildung mit aufgenommen sind die artikulatorischen Parameter, nach denen sich die französischen Vokale unterscheiden (cf. Selig 2003: 157):

- Vertikale Zungenlage: [vorne/palatal] vs. [zentral] vs. [hinten/velar];
- Öffnungsgrad (Horizontale Zungenlage): [geschlossen] vs. [halbgeschlossen] vs. [halboffen] vs. [offen];
- Lippenstellung (Lippenartikulation): [gespreizt] ([ungerundet]) vs. [gerundet];
- Oralität/Nasalität (Stellung des Gaumensegels): [oral] vs. [nasal].
Das Maximalsystem lässt sich nach diesen Parametern wie folgt schematisch wiedergeben (cf. Meisenburg/Selig 1998: 80):

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 2: Schematische Darstellung der französischen Vokalphoneme (Maximalsystem)

3.1.1.2 Das Minimalsystem

In dem genannten Maximalsystem ist der Status bestimmter Vokalphoneme jedoch umstritten. Der Schwa-Laut /E/ etwa wird mitunter nur als Allophon von /Ö/ bzw. /ö/ betrachtet (cf. Martinet 1960: §§ 3-22, Meisenburg/Selig 1998: 80 ff., Röder 1996: 93, Tranel 1998: 86 f., Walter 1990; anders Price 2005: 76 f.).

Daneben werden für das Französische zwei Oppositionen als gefährdet oder schon nicht mehr vorhanden angenommen: /a/ : /A/ und /äž/ : /֞/.[77] Die diachronische Entwicklung der Entphonologisierung bezüglich der Opposition /a/ : /A/ ist nach Selig (2003: 159) unter anderem darauf zurückzuführen, dass das velare [A] in der konservativeren Norm der französischen Sprechergemeinschaft eine wesentlich geringere Frequenz als das palatale [a] hat und „die Variation in der Distribution der beiden Vokale zwischen den einzelnen Sprechern, aber auch beim individuellen Sprecher sehr groß ist“.[78] Mit Argod-Dutard (1996: 66) und Tranel (1998: 63) weist Selig darauf hin, dass „tendenziell bereits in der konservativen Varietät die phonologisch relevante Distinktivität […] weitgehend auf die akzentuierbare Auslautsilbe beschränkt“ ist (Selig 2003: 159). Im heutigen Französisch ist nun überwiegend eine Aufhebung der Opposition zwischen den beiden Vokalen festzustellen zugunsten des palatalen [a] oder eines ‚mittleren’ zentralen [a]; Minimalpaare wie patte [pat] ‚Bein, Pfote’ : pâte [pA(:)t] ‚Teig’ oder tache [taS] ‚Fleck’: tâche [tA(:)S] ‚Arbeit, Aufgabe’ werden homophon oder nur noch durch die Vokallänge /a/ : /a:/ unterschieden (cf. Argod-Dutard 1996: 66, Röder 1996: 98, Selig 2003: 159; cf. auch Fagan 1989[79] ).[80]

Auch bei der Opposition /äž/ : /֞/ zeigt sich, dass bei der Mehrzahl der Sprecher heute nicht mehr der vordere gespreizte von dem vorderen gerundeten Nasalvokal unterschieden wird (cf. die ehemaligen Minimalpaare brin ‚Stiel, Halm’ [b†äž] : brun ‚braun’[b†Öž] und empreinte ‚Abdruck, Prägung’ [Ažp†äžt] : emprunte ‚leiht’ [Ažp†Öžt] in Meisenburg Selig 1998: 82 f., Rothe 1978: 66 f.)[81]. Das einzige distinktive Merkmal „Lippenrundung“ verblasst zusehends: /֞/ wird überwiegend zugunsten von /äž/ aufgegeben. Als Erklärung hierfür kann auch die außergewöhnliche Artikulation von /Ö{{/ herangezogen werden:

/Ö{{/ est la voyelle la plus complexe de toutes, puisqu’elle demande, outre la participation des cordes vocales (comme toutes les voyelles), trois interventions articulatoires simultanées, celles de la langue, du voile du palais et des lèvres, ce qui est tout à fait exceptionnel. (Straka 1990: 5).

Die Delabialisierung von /Ö{{/ (die durch den für /Ö{{/ nötigen hohen Öffnungsgrad noch begünstigt wird, cf. Martinet 1969: 186) führt zur Generalisierung von /äž/.[82] In beiden Fällen der Entphonologisierung[83] darf auch davon ausgegangen werden, dass die Sprachökonomie eine entscheidende Rolle spielt (cf. die Zahlen zur – geringen – funktionalen Auslastung von /a/ : /A/ bei Léon 1992: 87).

Bei den drei Vokalpaaren /e/ : /ä/, /ö/ : /Ö/ und /o/ : /O/ ist ebenso zunehmend eine Phonemkollision zu verzeichnen. Die Vokale unterliegen zwar im Standardfranzösischen einer Distributionsbeschränkung, der so genannten loi de position: Die offenen Vokale /ä/, /Ö/, /O/ stehen in geschlossener Silbe, die geschlossenen Vokale /e/, /ö/, /o/ in offener Silbe (cf. Carton 1974: 204 f., Léon 1992: 85, Straka 1990: 10). In der Opposition /e/ : /ä/ wird aber wortfinal in offener Silbe in Nordfrankreich zunehmend [ä], in Südfrankreich [e] generalisiert (cf. Léon 1993: 85, Martinet 1960: §§ 3-19, Meisenburg/Selig 1998: 84; Archiphonem /E/ in Abb. 3 und 4). Die Opposition /ö/ : /Ö/ wird tendenziell „zugunsten eines einzigen vorderen gerundeten Vokalphonems mittleren Öffnungsgrades“ aufgegeben (Meisenburg/Selig 1998: 85; Archiphonem /Œ/ in Abb. 3 und 4); in Südfrankreich wird generell /Ö/ – außer in der offenen Finalsilbe – realisiert. In der Opposition /o/ : /O/ wird in Nordfrankreich /o/, in Südfrankreich – abgesehen von der offenen Finalsilbe – /O/ generalisiert (cf. Meisenburg/Selig 1998: 85; Archiphonem /O/ in Abb. 3 und 4).[84]

Auf Grund dieser Veränderungen im Vokalismus des Französischen ergibt sich ein Minimalsystem mit 10 Vokalphonemen[85] (statt 16 im Maximalsystem):

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 3: Vokaltrapez des Französischen: Minimalsystem mit den Archiphonemen /E/, /Œ/ und /O/ (Phonemkollisionen); stark adaptiert nach Meisenburg/Selig (1998: 60).

Zur Beschreibung hinreichend sind damit drei Parameter – Öffnungsgrad ([hoch], [mittel], [tief]); Zungenposition ([vorn], [hinten]) und Lippenrundung ([gespreizt], [gerundet]) –, die sich nach Meisenburg/Selig (1998: 86) wie folgt schematisch darstellen lassen:

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 4: Schematische Darstellung der französischen Vokalphoneme (Minimalsystem).

Französische Vokale werden mit höherer Spannung artikuliert (sie entsprechen in etwa den Kardinalvokalen, cf. Davis 2004: 37 f.) als englische (oder auch deutsche) Vokale. Diese Spannung wird während der gesamten Vokal-Artikulation aufrechterhalten und bewirkt eine konstante Klangfarbe (cf. Meisenburg/Selig 1998: 61).[86]

3.1.2 Vokalismus des Englischen

Weist das Französische mit 16 (bzw. 10) Vokalphonemen schon einen relativen Vokalreichtum auf, so präsentiert sich das Englische mit 20 Vokalphonemen, die sich in 5 lange und 7 kurze Monophthonge sowie 8 Diphthonge unterteilen lassen (cf. Abb. 5).

3.1.2.1 Die Monophthonge des Englischen

Die 12 Monophthonge des Englischen sind im Vokalviereck folgendermaßen angeordnet:

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 5: Vokalviereck mit den Monophthongen des Englischen (RP) (Sauer 1990: 16). Die Kreise verdeutlichen die Streuung im Umkreis der angegebenen Positionen, d. h. die Varianten in der Realisierung dieser Vokale.

Analog zu Abb. 4 – die Tabelle wurde um die zwei Zwischenstufen [palatal-zentral] und [zentral-velar] ergänzt – lassen sich die englischen Monophthonge schematisch zusammenfassen:[87]

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 6: Schematische Darstellung der Monophthonge des Englischen (RP).

Unter Einbeziehung der Parameter vertikale Zungenlage, Öffnungsgrad, Lippenstellung und Vokallänge[96] sind die 12 Monophthonge der RP nach Sauer (1990: 17) und Arnold/Hansen (1998: 102-115) noch einmal differenzierter darstellbar:

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 7: Detaillierte Zusammenfassung der englischen Monophthonge (RP).

3.1.2.2 Die Diphthonge des Englischen

Die 8 Diphthonge des Englischen werden unterteilt in verengende Diphthonge (closing diphthongs), /eI/, /aI/, /aU/,[97] /OI/ und /EU/, deren zweiter Bestandteil /I/ oder /U/ ist und bei deren Artikulation die Zunge von einem offeneren zu einem geschlosseneren Vokal gleitet, und in zentrale Diphthonge (centring diphthongs), /IE/, /eE/[98] und /UE/, deren zweiter Bestandteil das zentrale /E/ ist:[99]

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 8: Die acht Diphthonge des Englischen (RP): closing und centring diphthongs (cf. Sauer 1990: 16).[100]

Für das Französische werden meist keine Diphthonge angenommen:[101] In Lexemen wie boa /bO.a/, naïf /na.if/, réel /†e.äl/, théâtre /te.at†/[102] kommen die Vokale (bzw. der Vokal und der Gleitlaut) nicht in derselben Silbe vor, sondern treffen an der Silbengrenze aufeinander (jeder Vokal entspricht dem jeweiligen Silbengipfel).[103] Man spricht hier also besser von einem Hiat(us) bzw. einer Di(h)ärese (cf. Pompino-Marschall 2000d: 273, Kühnel 2000: 159).

Die dem Englischen eigenen Triphthonge [aIE], cf. fire, iron, [eIE], cf. layer, sprayer, [OIE], cf. loyal, royal, [aUE], cf. our, tower, und [EUE], cf. boa, Goa, werden für gewöhnlich nicht als eigene Phoneme aufgefasst, sondern als Kombination der jeweiligen Diphthonge mit dem Schwa-Laut betrachtet.[104]

Wie in Abb. 6 und 7 durch Fettdruck hervorgehoben, ist das englische Vokalsystem also um die Monophthonge /I, æ, Â, U, ó, [Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten]:, (A:)/ und die Diphthonge /eI, aI, aU, OI, EU, IE, eE, UE/ reicher als das französische Vokalsystem (zu dem wiederum auch die Nasalvokale /O{/, /A{/, /äž/, [/֞/] zählen).[105]

3.2 Das französische und das englische Konsonantensystem

3.2.1 Konsonantismus des Französischen

3.2.1.1 Konsonantphoneme: Konsonanten und Halbkonsonanten (Halbvokale)

Folgende artikulatorische Parameter sind für die Bestimmung der Konsonantenphoneme im heutigen Französisch relevant:[106]

- Artikulationsstelle: [labial] (< bilabial, labiodental) vs. [dental] (< apikodental, alveolar) vs. [palatal] (< postalveolar, präpalatal) vs. [velar] (< uvular),[107]

- Artikulationsmodus: [plosiv] vs. [frikativ] vs. [nasal] vs. [lateral] vs. [vibrant],

- Beteiligung der Stimmlippen (Sonorität): [stimmlos] vs. [stimmhaft].

Die 21 französischen Konsonantenphoneme, zu denen in der Regel und berechtigterweise auch die so genannten Halbvokale bzw. Halbkonsonanten /j/, /H/ und /w/ gezählt werden, lassen sich wie folgt klassifizieren:[108]

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 9: Die französischen Konsonantenphoneme.

Auch bei einigen französischen Konsonantenphonemen ist der Status mitunter umstritten. Die ansonsten aktuellen Beiträge zur französischen Phonetik und Phonologie von Meisenburg/Selig (1998) (und Selig 2003) erwähnen nicht die Tendenz im heutigen Französisch, das Phonem /ñ/ zugunsten von [nj] aufzugeben. Bereits Martinet/Walter (1973) aber verzeichnen bei etwa der Hälfe der Sprecher nur noch [nj] (wie etwa in panier, renier) in z. B. accompagner, agneau (cf. auch 4.1 sowie Martinet 1990: 22 und Mougeon 1998: 16).

Daneben fällt der velare Nasalkonsonant /N/ auf, dessen Phonemstatus seit einigen Jahrzehnten diskutiert wird.

3.2.1.2 Phonementlehnung: der velare Nasalkonsonant / N/

/N/ tritt im Französischen überwiegend als Bestandteil des Suffixes –ing in englischen Entlehnungen auf, cf. baby-sitting, briefing, camping, dumping, karting, leasing, marketing, podcasting, shopping, timing etc., und in nach englischem Muster gebildeten Neologismen oder bedeutungsverwandten bzw. –erweiterten Substantiven („Scheinentlehnungen“, „Pseudoanglizismen“, cf. Braselmann 2003: 206[114], Cypionka 1994[115] ), cf. building, dancing, footing, holding, lifting, living, peeling, pressing, smoking, standing, travelling etc.

Eine ausführliche Betrachtung zu dem velaren Nasalkonsonanten (/N/ in echten und scheinbaren Anglizismen, Frequenz, Produktivität, Aussprache, Distributionsbeschränkungen und Phonemstatus von /N/) findet sich im Anhang dieser Arbeit (A 1). Die dort angeführten Wortlisten liefern ca. 1000 Formen mit [-iN] im Französischen (cf. noch Walter 1983: weniger als 200 Formen). Es kann von einer erfolgreichen Integration dieses Nasalkonsonanten in das französische Lautsystem gesprochen werden.[116] Selig (2003: 160) findet zwei Minimalpaare: /SOpin/ <chopine> ‚Halbliterflasche Wein’ : /SOpiN/ <shopping> und /kA{pin/ <campine>[117]: /kA{piN/ <camping>. Die Kommutation von /n/ und /N/ ergibt einen Bedeutungsunterschied; /N/ kommt also eine distinktive Funktion und somit Phonemstatus zu. Mit Müller (1975: 61), Walter (1983: 28 f., 1988: 242, 245 ff.) und Spence (1991: 212) wird /N/ als fest in der Aussprachenorm verankerter Bestandteil des französischen Lautinventars betrachtet und wie ein Phonem des Französischen behandelt.

3.2.2 Konsonantismus des Englischen

Die Konsonantenphoneme des Englischen können wie folgt klassifiziert werden:

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 10: Artikulationsarten und -orte englischer Konsonanten und Halbvokale (vereinfacht nach Arnold/Hansen 1992: 33-38 und Sauer 1990: 15) und relevanter Allophone bzw. Phone.

Die fett gedruckten Phoneme und Allophone /[Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten]/, /ß/, (/dG/), (/tS/), /r/ bzw. [•]/[–], [l~], [t6], /h/ sind dabei neu für französischsprachige Lerner des Englischen.[120]

3.3 Weitere Phoneme oder (Allo)phone des Französischen und Englischen

Im Französischen und Englischen werden darüber hinaus einige konsonantische Phone und Allophone realisiert (die keinen Phonemstatus besitzen). Vier relevante Gruppen werden für eine genauere Betrachtung ausgewählt: die R-Allophone, L-Allophone, [ç]/[x]/[K] und [ÿ].

3.3.1 R-Allophone

Im Bereich der R-Allophone wird im Französischen neben dem uvularen Frikativ [†] („Reibe-R“,)[121] als freie oder fakultative Variante auch der uvulare Vibrant [R] („Zäpfchen-R“, r grasseyé)[122] realisiert. Relativ selten in der französischen Standardlautung ist der apikodentale oder apikoalveolare Vibrant [r] („mehrschlägiges Zungenspitzen-R“)[123], der nach Kremnitz (1981: 4) in einem weiten Bereich von Béziers und im größten Teil des Zentralmassivs realisiert wird (Argot-Dutard 1996: 59 erwähnt [r] im Roussillon).[124] [r] ist im Französischen Frankreichs also archaisch oder provinziell. Straka (1956 : 572) stellt einen deutlichen Rückgang der Arikulation eines apikalen [r] fest: „[A] l’époque contemporaine, l’ r apicale ne cesse de reculer devant cette articulation non seulement dans le français parlé à la campagne, même dans le Midi, mais aussi dans nos dialectes.“[125] Mehrschlägiges Zungenspitzen-R [r] und einschlägiges Zungenspitzen-R [—][126] (für das im Französischen Frankreichs kein eindeutiger Beleg gefunden werden konnte) werden aber in einigen Regionen Québecs artikuliert (cf. Mougeon 1998: 16). Der Sonderfall des retroflexen [–] im Bretonischen scheint einen Transfer aus dem Englischen darzustellen (cf. Tristram 1995).

[...]


[1] Delattre (1965) untersuchte die phonetisch-phonologischen Merkmale des Englischen (Nordamerikas), des Deutschen, Spanischen und Französischen. Viele seiner Befunde z. B. zum Tonhöhenverlauf oder Akzent sind nach heutigen Erkenntnissen nicht mehr haltbar. Auch haben sich in den letzten über 40 Jahren zahlreiche Veränderungen im Phoneminventar bzw. in der Standardlautung des Englischen und Französischen vollzogen, sodass Delattre (1965) zwar als vorbildliche Pionierstudie, nicht aber ohne weiteres als aktuell gültig gelten kann. Cling (1972) und Cureau/Vuletic (1974) sind meines Erachtens wenig erhellend; Picard (1987) und Ostiguy/Sarrasin/Irons (1996) beschränken sich überwiegend auf einen Vergleich des Frankokanadischen (des Französischen in Québec) mit dem amerikanischen Englisch; die kontrastiven Kurzdarstellungen neueren Datums in Ginésy (2000) und Yavaş (2006: 187 ff.) können nur einem ersten Überblick dienen. – Zum Französischen in Nordamerika cf. u. a. Brasseur (1998), Martel et al. (1996), Neumann-Holzschuh (2003), Pöll (1998: 61-93) und Valdman et al. (2005).

[2] Zur Begriffsklärung quantitativ vs. qualitativ cf. unter anderem Flick (1999), Flick et al. (2000) und Witt (2001). Im Übrigen ist, wie Flick et al. (2000) zeigen, der Gegensatz der beiden Forschungs-methoden künstlich und eine Methodenintegration durchaus praktikabel und nutzbringend.

[3] Die gebräuchlichsten Transkriptionsmodelle von Gimson, Lewis und Wells – die alle aus dem Ur-Modell von Jones hervorgehen und IPA-Symbole verwenden – wurden speziell für die Transkription der Received Pronunciation entwickelt (auch – und passender – BBC Pronunciation oder BBC Accent), dem Standardakzent des südlichen britischen Englisch; zur RP und der Frage der Aussprachenorm cf. 5. Die genannten Modelle „nehmen keine Rücksicht darauf, ob ein bestimmtes von ihnen verwendete Symbol in der Transkription einer anderen Sprache eventuell einen anderen Laut darstellt“, so Kortmann (1999: 22). Zu den Unterschieden der verschiedenen Modelle (einschließlich zweier amerikanischer Tanskriptionsmodelle und dem IPA-Modell) cf. Kortmann (1999: 22 f.). Cf. auch das alternative Transkriptionsmodell im Oxford Dictionary of Pronunciation (ODP, Upton et al. 2003). - Bei aller notwendiger Treue zu phonetischen Realitäten muss einschränkend erwähnt werden, dass trotz Veränderung der Aussprachegewohnheiten „there is a general reluctance among users of phonemic transcription to change the symbols used too frequently, as this causes existing teaching materials and textbooks to become out of date” (EPD 2003: ix).

[4] In der britischen Standardlautung wird ein normalerweise nach Vokal am Wortende nicht gesprochenes (aber in der Graphie vorhandenes) /r/ häufig gesprochen, wenn das folgende Wort vokalischen Anlaut besitzt (linking r), cf. far away /´fA:rE`weI/. Viele Sprecher hängen an ein auf Vokal endendes Wort ein (in der Graphie nicht vorhandenes) /r/ an, wenn das folgendes Wort vokalisch anlautet (intrusive r), cf. china and glass /`tSaInErEn(d)`glA:s/.

[5] Dies geschieht in Analogie zu /Ar/ und /Or/.

[6] Cf. hierzu ausführlich 5.2.

[7] Zur französischen Standardlautung cf. 5.1.

[8] Carton (2001: 7-23) berichtet über fünf besonders bemerkenswerte Entwicklungen: /O/ > /EU/, zunehmende Palatalisierung, Veränderungen beim Bindungsverhalten (enchaînement) sowie bei der Akzentuierung (oxyton > baryton) und Entwicklung einer vokalischen Epithese. Carton zitiert hierzu übrigens Beobachtungen von vor bis zu einem Jahrhundert.

[9] Anders sieht es bei den gefährdeten Oppositionen aus, die in 3.1.1.2 aufgeführt werden.

[10] Cf. hierzu etwa Aitchison (2001: 84-97).

[11] Einen kurzen Überblick über die Alphabete von IPA, Atlas und das romanistische Alphabet geben Argod-Dutard (1996: 13-15) und Léon/Léon (2004: 11-14).

[12] Zu unterschiedlichen Zeitpunkten wurden in unterschiedlichen Studien folgender Anteil englischsprachiger Seiten im Internet ermittelt: 82,3 % (1997), 68,4 % (2001), 65,4 % (2002) (cf. http://www.netz-tipp.de/sprachen.html, 12.10.2005). 2001 suchten 64 % der Google -Nutzer auf Englisch, 2002 57 % (cf. ibid).

[13] 31,7 % (cf. http://www.internetworldstats.com/stats7.htm) bis 35,8 % (cf. http://global-reach.biz/globstats) der Internetnutzer haben Englisch als Muttersprache (12.10.05). – Zur Stellung von Google cf. den Internet-Ranking-Service Alexa, der die meistbesuchten Seiten (national und weltweit) auflistet: http://www.alexa.com/site/ds/top_500.

[14] Cf. http://www.internetworldstats.com/stats.htm (12.10.05).

[15] Cours élémentaire deux, etwa: ‚dritte Grundschulklasse’.

[16] Die fragwürdige Bezeichnung anglo-américain – als „Sprachhüter“ sollte man bedenken, dass auch in Amerika Englisch gesprochen wird und nicht etwa *(Anglo-)Amerikanisch (sondern amerikanisches Englisch) – soll hier nicht weiter kommentiert werden. (Zu * Amerikanisch und ähnlichem sprachtypologischen Unfug cf. Gauger (2004: 73 f.). Die Variante franricain (Hagège 1987: 16), eine Verschmelzung aus français und américain, sollte aus demselben Grund ebenso besser vermieden werden.

[17] Nicht ganz vernachlässigen sollte man bei der Betrachtung der Beeinflussung des Französischen durch das Englische die Tatsache, dass Entlehnungen aus anderen Sprachen auch im Französischen schon immer stattfanden: Im 15. Jahrhundert wurde das Französische vor allem durch das Deutsche beeinflusst, im 16. Jahrhundert durch Italienisch, Arabisch und Provenzalisch, im 17. durch Spanisch, im 18. und 19. Jahrhundert durch Englisch aus England und im 20. Jahrhundert mit dem Weltkrieg durch das Englische vor allem aus Amerika.

[18] Entspricht la regrettée langue française; Deutsch etwa: ‚die tote Sprache Französisch’, oder ‚Gott hab die französische Sprache selig’.

[19] Auffällig oft wird im Zusammenhang mit der Sprachpolitik und Sprach verteidigung (!) militärisches Vokabular bemüht (cf. défense, guerre, invasion, combat, mort etc.).

[20] Cf. dagegen Pergniers These, dass das Franglais erst durch die mangelnde Kenntnis des Englischen entstanden ist und nicht etwa mit einer zu großen Kenntnis des Englischen zu tun hat (Pergnier 1989) und Walter (2001), die gar von einer „incroyable histoire d’amour entre le français et l’anglais“ berichtet, die beiden Sprachen also als Liebespaar betrachtet, das vor einander gar keine Angst zu haben braucht.

[21] Eine sehr umfangreiche Bibliografie zur Défense de la langue française findet sich hier: http://www.languefrancaise.net/dossiers/dossiers.php?id_dossier=54 (13.11.05).

[22] Cf. aber Ager (1999: 128): „[T]he official list of language legislation starts with the Strasbourg oaths of 842”; ebenso Schiffman (1996: 78).

[23] Drei Etappen bei Braselmann (2001: 165 ff.); cf. auch Ager (1999: 128-144), Braselmann (1999: 4-25).

[24] Zur Ordonnance de Villers-Cotterêts cf. auch Dubu (1991), Fiorelli (1950), Trudeau (1983) und Wolf (1969: 49-52).

[25] Zur Académie française cf. Baum (1989), Caput (1986), Castries (1985), Jaeger (1978), Rodegra (1996) und Winkelmann (1990: 342 ff.). – Zu beachten ist auch, dass es für die englische Sprache keine vergleichbare einzelne „höhere Instanz“ gibt, die festlegt, ob ein Ausdruck als „richtig“ oder „falsch“ zu bewerten ist.

[26] Zum bon usage cf. Baggioni (1993), Barrera-Vidal et al. (1986), Baum (1986), Dumonceaux (1986), Körver (1992), Spillner (1981), Vaugelas (1981) und Weinrich (1960).

[27] Zur Sprache (zur Zeit) der Französischen Revolution cf. auch Auroux (1989), Balibar/Laporte (1974), Certeau et al. (1975), Guilhaumou (1989), Koch/Oesterreicher (1990: 138), Oesterreicher (1990), Schlieben-Lange (1980, 1981, 1983: 64-77, 130-137 und 1987), Schmitt (2000: 697-702) und Trabant (1981).

[28] Zur crise du français cf. Bally (2004), Müller (1985: 46-50), Söll (1983), Winkelmann (1990: 346-349). Die Krise meint aber zusätzlich auch die „innere Erschütterung des französischen Diasystems selbst, d. h. die Tatsache, dass die gute alte Norm der Pariser Stände (bon usage) nicht mehr das unumstrittene Modell für die Literatur und andere öffentliche Erscheinungsformen des Französischen ist“ (Trabant 2003: 134), was mit Söll (1983: 283) nicht zuletzt daran liegt, dass „die aus der Literatursprache des 17. Jh. tradierte Zielnorm für viele Sprecher unerreichbar zu sein scheine und so dem ‚Verfall’ der französischen Sprache Vorschub gleistet werde“ (Ossenkop 2002: 71). Koch/Oesterreicher (1990: 141) weisen darauf hin, dass „zwar von einer Krise der präskriptiven Norm des Französischen, nicht aber von einer Krise der Einzelsprache Französisch mit all ihren Varietäten die Rede sein kann“, und machen die „typische Bipolarität des Französischen [als] […] eigentliche Wurzel der crise du français“ aus (ibid.: 237): erst die für das Französische charakteristische große Diskrepanz zwischen gesprochener und geschriebener Sprache (starke diglossische Tendenz) erzeuge den „Leidensdruck“.

[29] Seit 1975 richtet sich die französische Sprachgesetzgebung „erstmals an den einzelnen Bürger und sieht zivil- und strafrechtliche Sanktionen vor“ (Braselmann 1999: 8).

[30] Mit dem abwertenden Schachtelwort franglais (aus français und anglais) wandte Etiemble sich gegen die Vermischung von Englisch und Französisch zu einem „babélien“ (dass die Bildung einer Mischsprache nicht droht, zeigt Beinke 1990: 96 f.), die Etiemble als Folge einer Amerikanisierung sieht und die zum Verlust der Sprache und des politischen Einflusses führe (zu Etiemble cf. auch Beinke 1990: 118-134; zur Anglizismenkritik seitens anderer exponierter Einzelpersonen cf. ibid.: 135-210). Etiemble verwendet für franglais auch sabir (atlantique), was Yaguello (1988: 83) als „une forme de langage déformé utilisé unilatéralement par les membres d’un groupe mal acculturé dans leurs relations avec le groupe dominant“ definiert. – Der Begriff franglais wurde bereits in den 1950er Jahren von André Rigaud geprägt, wird aber in erster Linie mit Etiemble assoziiert (cf. Beinke 1990: 119, Rigaud 1969: 55).

[31] Zu den Ersatzwörtern für Anglizismen und der Anpassung von englischem Lehngut im Französischen cf. Braselmann (1999: 68-111) und Gilder (1999: 10-14). Zu den Terminologiekommissionen, ihrer Entstehung, ihrem Status und ihren Aufgaben, cf. de Bessé (1980). – Die Zahl der Anglizismen im Französischen ist seitdem sicherlich angestiegen; Gilder (1999) etwa listet über 8000 auf, für die er „französische“ Äquivalente vorschlägt.

[32] Online-Ausgabe: http://www.cilf.org/%20%20Termofficiels.html (14.11.05). Interessant ist in diesem Zusammenhang auch der Hinweis von Braselmann (1999: 5), dass die „Kreativität des Französischen […] in der traditionellen Sprachpflege unterdrückt [wird und] die Sprache dadurch geradezu zwangsläufig mehr als andere Sprachen überdimensional auf Importe angewiesen ist“.

[33] Auch für den wohl internationalsten Bereich, das Internet, werden seit 1999 von der Délégation générale à la langue française (DGLF) Listen herausgegeben, um Internetvokabular zu französisieren (cf. die Liste vom 20.05.2005, http://www.legifrance.gouv.fr/WAspad/UnTexteDeJorf?numjo= CTNX0508288K).

[34] Zur Loi Bas-Lauriol cf. auch Beinke (1995: 80-88).

[35] Das Gesetz sowie andere relevante Texte können hier eingesehen werden: http://www.culture.gouv.fr/culture/dglf/loi.htm (14.11.05). Cf. zur Loi Toubon auch Braselmann (1999: 9-23), Trabant (1995: 175 ff.).

[36] Die öffentliche Verwendung von Anglizismen (etwa in Werbe- oder Verpackungstexten, Gebrauchsanweisungen, Stellenanzeigen, Arbeitsverträgen etc.) kann ab sofort „mit Geldstrafen bis zu 50.000 FF [etwa 7600 Euro; Zusatz von T. H.] oder einem halben Jahr Gefängnis geahndet werden“ (Braselmann 1999: 8; cf. auch Trabant 1995: 176 und 2002: 77, 80 f.).

[37] Cf. hierzu auch Ager (1999: 141 f.) und Trabant (2002: 81).

[38] Cf. auch Ager (1999: 150 ff.), Winkelmann (1990: 349 f.). – Das 1966 ins Leben gerufene Haut Comité pour la défense et l’expansion de la langue française ist – heute unter anderem Namen und anders organisiert – direkt dem französischen Premierminister unterstellt (cf. Ossenkop 2002: 73).

[39] Cf. Trabant (1995: 15): „Wahrscheinlich ist keine andere Kultursprache so intensiv ‚verteidigt’ worden wie das Französische“.

[40] Cf. Schlieben-Lange (1987) und Trabant (2003: 135).

[41] Die Bildung dieser unité findet auch im Französischunterricht statt, wie es schon im Bulletin officiel von 1921 steht: „Nos instituteurs […] sentent bien que donner l’enseignement du français, ce n’est pas seulement travailler au maintien et à l’expansion d’une belle langue et d’une belle littérature, c’est fortifier l’unité nationale“ (Désirat/Hordé in Battye et al. 2000: 42).

[42] Zur Frankophonie cf. Ager (1996, 1999: 165-190), Barrat (1997), Deniau (1998), Kolboom/Rill (2002), Kolboom (2004), Le Marchand (1999), Majumdar (2003), Massard-Piérard/Maron (2000/5), Schmitt (2000: 715-725), Tétu (1997) und http://www.diplomatie.gouv.fr („Francophonie“), http://www.frankophonie.de, http://www.francophonie.org (18.11.05).

[43] Zum Sprachpurismus cf. Thomas (1991).

[44] Jacques Toubon war von 1993 bis 1995 französischer Kultusminister (genauer: Ministre de la Culture et de la Francophonie).

[45] Cf. auch Beck-Busse (1995: 123 f.): „[D]ie französische Sprache ist Teil all dessen, was das Eigene bzw. das Spezifische ausmacht, das im kulturellen Erbe (patrimoine) seinen Ausdruck findet“. Die allgemein identitätsstiftende Funktion von Sprache formuliert Benveniste (in Yaguello 1988: 11): „C’est dans et par le langage que l’homme se constitue comme sujet“.

[46] Druon ruft an anderer Stelle gar zur Seelenrettung auf, die es im Kampf um das Französische zu bewerkstelligen gilt: „une langue, c’est une âme commune“ (1994: 24; cf. auch Trabant 2002: 99 f.).

[47] Eine fast höhere Dringlichkeit als der Unterricht im Fach Französisch hat offensichtlich der Unterricht auf Französisch (im Gegensatz zum Unterricht auf etwa Englisch), wie folgendes Beispiel zeigt: „The 1995 Report [on the programmes for French in education] had threatened to pursue the Grandes Ecoles Commerciales which continued to teach business management in English“ (Ager 1999: 137).

[48] Cf. auch Georges Cogniot in einer Senatsrede vom 23.10.1975: „La langue est un facteur puissant de la conscience nationale, le véhicule par excellence de cet héritage national dont l’école ne peut pas ne pas être le principal organe de transmission“ (Cogniot in Schiffman 1996: 79/290).

[49] Cf. Bulletin officiel de l’éducation nationale vom 14.02.02, http://www.education.gouv.fr/bo/2002/hs1/default.htm (18.12.05), und Ager (1999: 67). Im Vergleich hierzu etwa der Lehrplan für die bayerische Grundschule: je nach Schwerpunktsetzung, die dem Lehrer obliegt, werden zwischen 4 und 8 Wochenstunden Deutsch in der 1. und 2. Klasse unterrichtet (cf. Bayerisches Staatsministerium für Unterricht und Kultus 2001: 331).

[50] Die Französischkompetenz ist beispielsweise ein Kriterium bei der Beförderung von Beamten (cf. Ager 1999: 211).

[51] In den Medien finden übrigens Regelungen wie zum Beispiel eine Quote von 40 % an Liedern auf Französisch im Radio und die gesetzliche Verankerung einer Sprachkontrolle Anwendung (vor allem durch Mitglieder der Défense de la Langue Française, die über korrekte Grammatik, Wortwahl [Vermeidung von Anglizismen!] und Aussprache wachen und auch darüber, was über Sprache gesagt wird; Notwendigkeit eines „Spachberaters“; cf. Ager 1999: 140).

[52] Cf. die Beispielfragen aus den Championnats d’orthographe in Keller (1991: 2). Cf. zum Diktatwettbewerb auch Feschet (2002) und die interaktiven Diktate auf http://www.tv5.org/TV5Site/dictee (04.01.06).

[53] Souverän und vollständig zu beherrschen jedoch scheint die französische Orthographie niemand. 70 % der befragten Franzosen befanden die französische Orthographie für schwierig. Die Abiturprüfungen zum Beispiel seien „bourrées de fautes“ (Blanche-Benveniste/Chervel 1969: 12). Deshalb wohl verfügt jeder ernstzunehmende Schreibtischtäter mindestens über das Hilfsmittel Le Petit Robert, um die Klippen der französischen Orthographie erfolgreich zu umschiffen.

[54] Zum Französischen als Prestigeobjekt cf. Sarter (1990: 201 f.).

[55] „Ce qui n’est pas clair n’est pas français ; ce qui n’est pas clair est encore anglais, italien, grec ou latin” (Rivarol 1991: 72). Cf. auch Hagège (1987: 164-170), Koch (1990: 194 f.), Meschonnic (1997), Sarter (1990: 204), Trabant (2002 : 100-122), Weinrich (1961), Yaguello (1988: 119-126).

[56] Cf. auch „La mission civilisatrice”, „The superiority of French language and culture“ und „The concept of ‘rank’” in Ager (1999: 192-197), Gordon (1978: 5 f.) sowie Koch (1990: 184) zur fast dreihundertjährigen Dominanz des Französischen in Europa: „[B]esonders im 11. und 12. Jahrhundert und wieder im 18. und 19. Jahrhundert war es die Sprache des Hofes und der Städte, also des höfischen Adels und des gebildeten Bürgertums, eben der damals gebildeten Schichten, Raffinement und Subtilitäten einer elitären Lebensform spiegelten sich in ihren bewusst kultivierten, rhetorisch-geistvollen Nuancierungen, auch in der bewunderten Geschmeidigkeit oder Klarheit, die sie zur ersten Sprache aller Diplomatie Europas gemacht hatte“ (Koch 1990: 184).
Trabant (2006: 109) weist in Zusammenhang mit dem vermeintlichen Vorrang des Französischen vor anderen Sprachen auf eine von Du Bellay (1549) in seiner Défense de la langue française ausgerufene „translatio der hohen Würde des Lateinischen auf das Französische“ hin.

[57] Zur Kritik an der Zuschreibung bestimmter Eigenschaft einer Sprache und nicht – wie es angebrachter scheint – seiner Sprecher cf. Trabant (2002: 11 ff., 59 f.).

[58] Zur französischen Außenpolitik cf. auch Howarth/Varouxakis (2003: 188-208), Kolboom/Stark (2005: 365-383) und Stark (2004: 49-57).

[59] Cf. hierzu auch Beinke (1990: 7 ff.), Grosser (1989), Woyke (1975 und 1981).

[60] Cf. hierzu auch Herzinger (2002).

[61] Für eine recht aktuelle Beleuchtung der französisch-amerikanischen Beziehungen cf. auch (und im Besonderen) Brenner/Parmentier (2002); daneben Dreyfus (2004), Mathy (2000), Védrine (2001 und 2003).

[62] Dass die französisch-amerikanischen Beziehungen im „zwischenmenschlichen“ bzw. nicht-politischen Bereich auch durchaus positiv ausfallen können, dokumentiert Wickert (2002: 306-317): „supersympathisch sind die konkreten Menschen, und abscheulich ist nur die abstrakte Politik“ (ibid.: 316). Cf. auch die Antworten der Informanten im Fragebogen (http://www.thomasheim.de/zula).

[63] Für eine ausführliche Darstellung fehlt in dieser Arbeit der Platz; cf. dazu etwa Morgan (1982).

[64] Zum Enfluss amerikanischer Kultur auf Europa cf. Epitropoulos/Roudometof (1998). – Vielleicht wirkt hier aber auch das Gefühl der Ausgrenzung hinein: wer die Sprache nicht versteht, kann nicht mitreden, kann nicht teilhaben – und fühlt sich ausgeschlossen.

[65] Cf. auch die von Vertretern der französischen Intelligenzia unterzeichnete Déclaration en faveur de la langue française in Le Monde vom 17./18. April 1983 (in Beinke 1990: 290 f.).

[66] Zum Anteil der Anglizismen am Gesamtwortschatz cf. Beinke (1990: 72-75).

[67] Helfrich (1993) entwickelt zur Ermittlung der Akzeptanz französischer Neologismen ein Modell, das aus zwei Filtern besteht, die ein Neologismus passieren muss: Filter 1 auf der Ebene der „Zugriffsmöglichkeit“ beinhaltet die Kriterien – mit abnehmender Wichtigkeit – „Gebräuchlichkeit“, „Bekanntheit“, „Einfachheit“ und „Verständlichkeit“. Filter 2 auf der Ebene der „Benutzbarkeit“ umfasst die Kriterien „Nützlichkeit“, „Adäquatheit“, „Korrektheit“, „Ästhetische Qualitäten“ und „Normalität“ (cf. Helfrich 1993: 288-293). Je mehr dieser Kriterien ein französischer Neologismus erfüllen kann, desto höher ist die Wahrscheinlichkeit, dass er von einem französischen Muttersprachler akzeptiert und somit in den usage der Sprechergemeinschaft aufgenommen wird.

[68] Cf. hierzu auch Ager (1999: 143 f.).

[69] Cf. hierzu auch Meisenburg (2001) und Yaguello (1988: 137-141). Meisenburg lässt nach bunter Beleuchtung des Themas die Frage „Sind nicht alle Sprachen schön?“ allerdings mehr oder weniger unbeantwortet.

[70] Zu diesen und ähnlichen Perzeptionsphänomenen cf. auch 7.1.1.

[71] Cf. hierzu ausführlich Labov (1976 und 1994).

[72] Zur akustischen Darstellung der Phoneme empfehlen sich das interaktive IPA Lab (cf. http://web.uvic.ca/ling/resources/ipa/ipa-lab.htm) sowie die Sound-Dateien für (amerikanisches) Englisch (cf. http://web.uvic.ca/ling/resources/ipa/handbook/American-English.zip) und Französisch (cf. http://web.uvic.ca/ling/resources/ipa/handbook/French.zip) zum Handbook of the International Phonetic Association (HIPA, 2003).

[73] Mougeon (1998: 144) berichtet für das Französische Frankreichs von einer weiterhin zunehmenden Nivellierung der Aussprache zugunsten dieser Standardvarietät (und damit von einer fortschreitenden Zurückdrängung anderer diatopischer – und auch diastratischer – Varietäten). – Cf. auch Kapitel 5.

[74] Das Französische nimmt mit dieser Anzahl eine Sonderstellung besonders unter den romanischen Sprachen ein (cf. Pompino-Marschall 2003: 214 f.).

[75] Eine spektrographische Analyse und anschließende Anordnung der Vokale nach den durchschnittlichen Frequenzen ihrer beiden ersten Formanten (cf. A 5) in einem Koordinatensystem zeigt bei Verbindung der Schnittpunkte zwischen den Werten ein Vokaltrapez, das dem durch die akustische/auditive Platzierung der Vokale gewonnenen Vokaltrapez sehr ähnlich ist (cf. Delattre 1965: 49, Meisenburg/Selig 1998: 65 f., Straka 1972: 48 und 53, Renard 1971: 21).

[76] Zu den französischen Nasalvokalen cf. auch Delvaux (1999).

[77] Die Opposition /äž/ : /֞/ „connaît […] depuis un siècle un mouvement vers son élimination progressive dans une partie de la France non méridionale“ (Walter 1998: 168; cf. auch Hansen 1998, Malécot/Lindsay 1976, Tuaillon 1985 und Walter 1987). Nach Martinet (1990: 19) ist diese Unterscheidung in Paris „un signe de l’origine provinciale de certains adultes“ geworden.

[78] Cf. hierzu auch Martinet (1990: 20), der eine Tendenz von /a/ in Richtung [Ã] (kein Phonem des Französische, aber etwa des Englischen) verzeichnet, welches in der Abkürzung mac (< maquereau ‚Zuhälter’) mitunter als [mäk] wahrgenommen werde. Im Gegenzug bewirke der Druck von /A/ : /O/, dass /O/ zu /Ö/ wird.

[79] Fagan (1989) untersucht unter anderem die Möglichkeit der phonologischen und morphologischen Konditionierung von /A/ > /a/ (die er letztlich nahezu ausschließt) und stellt die Vielfalt der phonetischen Pfade dar, denen diese Phonemkollision zu folgen scheint. Cf. auch Martinet (1990: 20).

[80] Carton (1974: 106), Martinet (1990: 21) und Meisenburg/Selig (1998: 86 f.) weisen jedoch darauf hin, dass die Vokallänge im heutigen Französisch generell nicht mehr phonologisch distinktiv ist (anders etwa im Französischen Belgiens, der Schweiz, wo die Quantitätsopposition überwiegend bewahrt wird, cf. Pöll 1998: 50 und Schmitt 2003: 100, 103).

[81] Außer hein: un, Hun (cf. Röder 1996: 99) lassen sich wohl kaum mehr lexikalische Minimalpaare finden. Zusätzliche Minimalpaare ergeben sich jedoch in der chaîne parlée, wenn der bestimmte Artikel [Ö{] und das Wortbildungspräfix [äž] mit berücksichtigt werden (cf. Rothe 1978: 66 f.).

[82] Im Französischen Kanadas, Belgiens und der Schweiz (cf. Pöll 1998, der auch die Bewahrung der Opposition /o/ : /O/ im Auslaut in der Schweiz – hier auch /e/ : /ä/ – und Belgien beschreibt) jedoch wird die Opposition /äž/ : /Ö{/ aufrechterhalten; anders /a/ : /A/ (cf. Walter 1998: 167 f.). – Die von Müller (1975: 201 f.) prognostizierte Aufhebung der Opposition /A{/ : /O{/ (cf. auch Martinet 1990: 20 f.) scheint (noch) nicht die gegenwärtige überwiegende sprachliche Wirklichkeit abzubilden, findet sich teilweise aber im français populaire.

[83] Geht man davon aus, dass der Vorgang bereits abgeschlossen ist, die Opposition in allen Positionen aufgegeben wurde und somit die jeweils ursprünglich in Opposition stehenden Phoneme zusammenfallen, kann man hier auch von Phonemkollision (cf. Rothe 1978: 63) sprechen. Meisenburg/Selig (1998: 82) sprechen bei der Aufhebung der Opposition /a/ : /A/ von „Neutralisierung“; es ist aber genau genommen eine Entphonologisierung (Phonemkollision).

[84] Müller (1975: 205 f.) weist hingegen darauf hin, dass /o/ besonders im français familier – und damit, so Müller, zukünftig auch in der Normaussprache – als [O], /O/ hingegen als [E] realisiert wird. Die im français familier übliche Reduktion der Vokale in tonschwachen Vortonsilben zu offeneren Qualitäten (oder Mittelzungenvokalen) wirkt sich wie folgt aus: /u/ und /o/ > [O], /O/ > [E], /ö/ > [Ö], /e/ (m é decin) > [ä] oder auch /ä/ > [e] (ai mer). – Auf eine (nötige) detailgenauere Erörterung der gefährdeten Oppositionen muss an dieser Stelle verzichtet werden. Cf. hierfür u. a. Carton (2001: 8 f.), Meisenburg/Selig (1998: 79-87), Röder (1996: 89-100), Selig (2003: 160 f.), Tranel (1998: 51 ff.), Walker (1993; 2001: 59 ff., 63 f.).

[85] Kremnitz (1981: 4) geht gar von nur 7 bis 8 vokalischen Phonemen in der südlichen Varietät aus (aber auch von 16 – oder 15 – im Nordfranzösischen), da er die Nasalvokale „nur als kombinatorische Varianten der Oralvokale vor Nasalkonsonanten in geschlossener Silbe“ betrachtet.

[86] Die stark gespannten Vokale der (nordfranzösischen) Standardlautung ließen vielleicht auch die Wendung parler pointu ‚“spitz“ sprechen’ > ‚mit Pariser Akzent sprechen’ entstehen (cf. TLFi, PLF; ).

[87] Cf. hierzu auch Arnold/Hansen (1998: 102-115), Gimson (2001: 97 ff.), Sauer (1990: 17), Scherer/Wollmann (1986: 131 ff.). Zu den Parametern gespannt (tense) vs. ungespannt (lax) cf. u. a. Yavaş 2006: 78 f.). Die distinktive Funktion der Vokalphoneme zeigt die Tabelle in Gimson (2001: 88).

[88] Die Oralität/Nasalität muss nicht eigens berücksichtigt werden, da das Englische keine Nasalvokalphoneme enthält. Es gibt jedoch zu jedem englischen Vokal auch eine stellungsbedingte nasalierte Variante, die – wie im Altfranzösischen, das noch keine phonologisierten Nasalvokale kannte – vor einem Nasalkonsonanten realisiert wird, etwa [ı{] in bean (cf. Yavaş 2006: 79).

[89] In den Fällen, in denen die Opposition zwischen /i:/ und /I/ aufgegeben wurde, wird in den Transkriptionen mit Jones (2003) /i/ notiert, obwohl [i] streng genommen kein Phonem ist (cf. hierzu Roach 2000: 84 ff.).

[90] Das ODP notiert hierfür [ä]. Cf. die Anmerkung zu /[Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten]:/ bzw. /ä:/ in der folgenden Fußnote.

[91] Das ODP notiert hierfür /ä:/, „as this reflects the lowering of this RP sound“ (ODP 2003: xiii) und bringt dies nach Gimson (1989: 106) mit der Veränderung von [æ] zu [a] in Verbindung: „/e/ once tended to be the close variety, [e], this maintaining a marked qualitative distinction between the /a/ and /e/ phonemes at a time when /a/ was [æ]. As /a/ has become lowered from the higher [æ] to the lower [a], so /e/ as [ä], long an acknowledged variant, has come to be the norm.”

[92] In der Advanced RP (cf. 5.2) wird hierfür /o:/ realisiert (cf. Arnold/Hansen 1998: 109 f.).

[93] Das ODP notiert hierfür im britischen Englisch bereits [a], „the BR [British English] vowel having in recent years come to be articulated in a more open position than the [æ] commonly (though not universally) used by phoneticians for the RP phoneme […]. The use of the more open vowel is an RP change which […] is carrying BR further away from AM [American English] (where [æ] is generally found)” (ODP 2003: xiii). Im amerikanischen Englisch für britisch-englisches [a] dann je nach Stellung [æ], cf. hat, bag, oder [ä] angenommen, cf. charity, marry. Cf. auch Windsor-Lewis (2003).

[94] Das EPD weist darauf hin, dass / ó / mittlerweile kein palataler Vokal mehr, sondern ein zentraler Vokal ist und aus diesem Grund ein alternatives Symbol in Betracht gezogen werden sollte (cf. EDP 2003: ix).

[95] /A/ wird für das Englische zentral-velar, für das Französische velar angenommen.

[96] Es stellt sich allerdings wohl die Frage, ob die Vokallänge (Quantität) als unterscheidendes Kriterium sinnvoll ist. In älteren Sprachstufen des Englischen war die Unterschiedung kurz : lang noch distinktiv; seit der Great Vowel Shift (cf. Baugh/Cable 2002: 238 f., Chomsky/Halle 1968) im 15. Jahrhundert jedoch werden (ursprünglich) lange Vokale überwiegend gespannt (tense) gesprochen (cf. das Gegensatzpaar tense: lax in Chomsky/Halle 1968). Zumindest im amerkanischen Englisch ist die für RP angenommene Unterschiedung kurz : lang nicht vorhanden bzw. stellungsbedingt variabel. – Die Vokallänge [:] im Englischen wird im Übrigen auch nicht in allen gebräuchlichen Transkriptionsmodellen notiert (cf. Kortmann 1999: 22 f.).

[97] Arnold/Hansen (1998: 118) notieren hierfür /AU/.

[98] Arnold/Hansen (1998: 120) notieren hierfür /äE/ (nach Gimson bzw. IPA) und ergänzen noch einen vierten zentralen Diphthong /OE/, der jedoch – wie zunehmend auch /UE/ (cf. Davis 2004: 128) – durch /O:/ ersetzt werden kann.

[99] Eine andere Klassifikation unterscheidet fallende (falling oder diminuendo diphthongs) und steigende Diphthonge (rising oder crescendo diphthongs). Cf. hierzu Davis (2004: 126).

[100] Cf. hierzu auch Davis (2004: 43-46), der zusätzlich die Diphthonge des General American präsentiert.

[101] Die altfranzösischen Diphthonge wurden etwa im 13. Jahrhundert monophthongiert, cf. afr. buef */bUäf/ > nfr. bœuf /bÖf/, afr. moudre */moUdrE/ > nfr. moudre /mud†/, afr. oure */oUrE/ > eure > nfr. heure /ֆ/ (cf. Klare 2002: 68). Das Altfranzösische kennt sogar Triphthonge, cf. beaus (< beals) (cf. Schroeder 2003: 23), allerdings wird der Bestandteil <u> als Halbvokal angenommen, der im Neufranzösischen in der Regel zum Konsonantismus des Französischen gezählt wird. – Cf. aber auch, u. a. zu den Diphthongen des kanadischen Französisch, Mougeon (1998: 18 f.).

[102] Die Allegro-Aussprache von z. B. théâtre [te^at†] mit nicht-silbischem (nicht-nuklearem) [e] wird hier nicht berücksichtigt.

[103] Cf. hierzu auch Röder (1996: 80). Nach Pompino-Marschall (2000a: 160) ist ein Diphthong eine Vokal(!)sequenz „mit artikulator[ischem] gleitendem Übergang zwischen zwei distinkten isosyllabischen [!], artikulator[ischen] und akust[ischen], aber zeitl[ich] nicht begrenzten Vokalstellungen“.

[104] Überdies werden Triphthonge im britischen Englisch oft als Diphthonge (oder gar Monophthonge) realisiert, wenn zwischen Diphthong und Schwa keine Silben- oder Morphemgrenze liegt, cf. fire auch [fa:E, fa:], layer auch [leE], our auch [A:E, A:] (cf. Arnold/Hansen 1998: 125 f.).

[105] Zu den Nasallauten im Englischen – dort meist unter Einfluss des Französischen – cf. 6.1.5.

[106] Adaptiert nach Selig (2003: 158) und Straka (1990: 17). Straka schlägt sieben Klassifikations-kriterien vor: Artikulationsmodus und –stelle, Artikulationsorgan, Sonorität, Nasalität, Dauer (momentanées, prolongeables, continues) und impression auditive (explosives, fricatives oder spirantes, liquides, vibrantes).

[107] Wird /N/ nicht als eigenes Phonem des Französischen betrachtet, kann der Parameter „Artikulationsstelle“ auf nur noch drei Merkmale reduziert werden: [labial], [apikal], [dorsal] (cf. Meisenburg/Selig 1998: 78 und Ternes 1987: 148 f.).

[108] Cf. Selig (2003: 158 f.), Stein (1998: 16) und Straka (1990: 17). Auch Gleitlaut oder Approximant genannt. „Der Artikulationsmodus […] ist durch eine Zwischenposition zwischen vokalischem und frikativem Modus gekennzeichnet: die Zunge wird weiter angehoben als für den entsprechenden hohen Vokal, doch diese Engebildung erfolgt ohne die für Frikative typische Geräuschbildung“ (Meisenburg/Selig 1998: 27).

[109] /d/ und /t/ werden bei Selig (2003: 158) (und Geckeler-Dietrich 1997: 74 [„apiko-dental“] und Tranel 1998: 126) als dental, bei Straka (1990: 17) als alveodental und bei Stein (1998: 16) als entweder apikodental oder alveolar (dental oder alveolar bei Price 2005: 35, apico-alvéolaire bei Léon/Léon 2004: 25) klassifiziert.

[110] /G/ und /S/ werden auch als postalveolar (Straka 1990: 17), dorsal-alveolar (Geckeler-Dietrich 1997: 74), pré-dorso pré-palatale (Léon/Léon 2004: 25) oder alveopalatal (Tranel 1998: 126) klassifiziert.

[111] Léon/Léon (2004: 25) spezifizieren /ñ/ zu médio-dorso-palatale.

[112] Stein (1: 16) klassifiziert /N/ (wie /ñ/) als palatal.

[113] /g/ und /k/ sind bei Selig (2003: 158) und Straka (1990: 17) velar (wie auch bei Geckeler/Dietrich 1997: 74 [„dorso-velar“], Léon/Léon 2004: 25 [„dorso-vélaire“], Price 2005: 35 und Tranel 1998: 126), bei Stein (1998: 16) velar oder palatal.

[114] Braselmann (1999: 73 ff.) unterscheidet drei Typen der Scheinentlehnung: 1. Neubildung eines Wortes in der Sprache B aus Monemen der Sprache A, 2. Bedeutungsentwicklung, 3. Verkürzung + semantische Veränderung.

[115] Cypionka (1994) behandelt Pseudoanglizismen (bzw. „Lehnformationen“, wie Cypionka sie schließlich nennt) in 45 Fallstudien und unterscheidet darauf aufbauend sieben Typen der Scheinentlehnung: 1. Lehnzusammensetzung, 2. Lehnableitung, 3. Lehnkürzung, 4. Entlehnung mit semantischer Verschiebung, 5. Entlehnung mit morphologischer Veränderung, 6. graphisch-phonetische Anglisierung durch pseudoenglische Graphie und/oder Aussprache, 7. Namensentlehnung.

[116] Wenig erstaunt es daher auch, dass die Artikulation von /N/ für französische Sprecher heute keine sonderliche Hürde mehr darstellt (cf. die Artikulation der Informanten in Lexemen wie rang [T: 1], sitting [T: 1], knitting [T: 2], lying [T: 2], gnawing [T: 2], signalling [T: 4] etc. in A2 bzw. A 7 und schon Walter (1983: 28), die zudem darauf hinweist, /N/ fülle eine Leerstelle im französischen Phoneminventar). Die vor einigen Jahrzehnten noch beschriebene Variationsbreite (cf. Söll 1968: 575, Martinet/Walter 1973 und A 1) hat sich praktisch reduziert auf die Realisierung als /N/, wie sie im Englischen vorkommt.

[117] 1. ‚Plaine dont le sol est généralement siliceux, sableux ou caillouteux, et porte souvent des landes ou des résineux’, 2. ‚Petite poularde fine élevée sur ces terres’ (TLFi).

[118] Zu den L-Allophonen cf. 3.3.2.

[119] Zu den R-Allophonen cf. 3.3.1.

[120] Für eine detailgenaue Beschreibung der Artikulation der englischen Konsonanten cf. Arnold/Hansen (1998: 126-160).

[121] Zur Artikulation: „Das Gaumensegel (weicher Gaumen) schließt den Durchgang vom Rachen zum Nasenraum ab. Der hintere Zungenrücken nähert sich dem Zäpfchen. Es entsteht eine Enge zwischen dem hinteren Zungenrücken und dem Zäpfchen (dorsouvulare Enge)“ (Mangold 1974: 51 f.).

[122] Zur Artikulation: „Das Gaumensegel (weicher Gaumen) schließt den Durchgang vom Rachen zum Nasenraum ab. Der hintere Zungenrücken nähert sich dem Zäpfchen. Das Zäpfchen schlägt ein oder mehrere Male gegen den hinteren Zungenrücken (dorsouvulare Artikulation)“ (Mangold 1974: 51).

[123] Zur Artikulation: „Das Gaumensegel (weicher Gaumen) schließt den Durchgang vom Rachen zum Nasenraum ab. Die Zungenspitze schlägt zwei bis dreimal gegen die oberen Schneidezähne oder gegen die Alveolen“ (Mangold 1974: 51).

[124] Bis ins 17. Jahrhundert wurde standardmäßig ein apikodentales bzw. apikoalveolares [r] artikuliert (cf. Posner 1997: 288 ff., Straka 1965: 572 ff.).

[125] Für eine ausführliche diachrone Beschreibung der Artikulation von /r/ im Französischen cf. Martinet (1962), Straka (1965: 572) und Webb (2005).

[126] Zur Artikulation: „Die Zungenspitze schlägt einmal gegen die oberen Schneidezähne oder gegen die Alveolen. Sonst wie beim mehrschlägigen Zungenspitzen-R“ (Mangold 1974: 51). – Ostiguy/Sarrasin/Irons (1996: 73-76) nehmen im amerikanischen Englisch [—] zudem als Allophon von /t/ bzw. /d/ an.

Ende der Leseprobe aus 176 Seiten

Details

Titel
Typische Aussprachemerkmale französischer Sprecher im Englischen
Untertitel
Eine phonologisch-psycholinguistische Ursachenbestimmung vor kulturell-sprachpolitischem Hintergrund
Hochschule
Ludwig-Maximilians-Universität München  (Institut für Englische Philologie)
Note
1
Autor
Jahr
2006
Seiten
176
Katalognummer
V76576
ISBN (eBook)
9783638744751
ISBN (Buch)
9783638745055
Dateigröße
2021 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Typische, Aussprachemerkmale, Sprecher, Englischen
Arbeit zitieren
Thomas Heim (Autor:in), 2006, Typische Aussprachemerkmale französischer Sprecher im Englischen, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/76576

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