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Die Darstellung innerer Konflikte und Bewusstseinsvorgänge in Arthur Millers Dramen am Beispiel von "All my Sons", "Death of a Salesman", "After the Fall" und "The Price"

Title: Die Darstellung innerer Konflikte und Bewusstseinsvorgänge in Arthur Millers Dramen am Beispiel von "All my Sons", "Death of a Salesman", "After the Fall" und "The Price"

Examination Thesis , 2005 , 94 Pages , Grade: 1,3

Autor:in: Barbara Groß-Langenhoff (Author)

English Language and Literature Studies - Literature
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Summary Excerpt Details

Das menschliche Innenleben entzieht sich einer konkreten, unmittelbaren Anschaulichkeit. Was im Kopf eines Menschen vor sich geht, welche inneren Konflikte er durchmacht, kommt nur bedingt hinter der physischen Fassade zum Vorschein. Zwar können teilweise emotionale Stimmungen und Bewusstseinsinhalte jemandem „ins Gesicht geschrieben stehen“ oder auch anderweitig in der Körpersprache und in Verhaltensweisen andeutungsweise zum Ausdruck kommen, aber hauptsächlich und möglichst differenziert lassen sich Gedankengänge, Assoziationen, Gefühle und Erinnerungen nur dadurch vermitteln, indem man sie in Worte zu fassen versucht. Die Versprachlichung innerer Vorgänge wiederum setzt eine gewisse Selbstkenntnis voraus – bzw. eine Kenntnis des Mitmenschen, dessen Psyche man zu analysieren gedenkt. Weiterhin erfordert sie eine gewisse Artikulationsfähigkeit sowie das persönliche Interesse an einer ehrlichen Wiedergabe.

Welche vielfältigen Möglichkeiten dagegen das Theater besitzt, um subjektives Erleben anschaulich vorzuführen, beweist der große amerikanische Dramatiker Arthur Miller (*1915, †2005) in seinen Dramenwerken. Als Beispiele bieten sich vier seiner Bühnenstücke an, die sich aufgrund ihrer thematischen bzw. formalen Verwandtschaft besonders gut vergleichen lassen. Dazu gehören das realistisch-analytische Stück All my Sons, mit dem Miller 1947 seinen ersten Bühnenerfolg verzeichnete, die beiden Bewusstseinsdramen Death of a Salesman und After the Fall, und nicht zuletzt The Price, mit dem Miller 1968 wieder ein realistisches Drama auf die Bühne brachte. Während All my Sons innerhalb der Konventionen des Realismus nur indirekt auf Bewusstseinsprozesse eingehen kann, ist das spätere realistische Stück mit hohem Symbolgehalt bereichert, durch den innere Vorgänge auch assoziativ verdeutlicht werden. Die Bewusstseinsdramen verschaffen dem Zuschauer hingegen durch szenische Darstellung einen direkten Einblick in den Kopf des Protagonisten. So hieß das Stück Death of a Salesman vor der Uraufführung im Jahre 1949 auch zunächst The Inside of His Head. Aus welchen Gründen dieser Arbeitstitel am Ende verworfen wurde und inwiefern dieses „The Inside of His Head“ Motiv in dem 1964 uraufgeführten After the Fall eine konsequente Umsetzung findet, wird im weiteren Verlauf herauszustellen sein.

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

I. Einleitung

II. Millers dramentheoretische Position

II.1. Millers Dramenverständnis, seine Grundthematik und seine Rolle als Autor

II.2. Grundzüge des Realismus und des Expressionismus

III. Einführung in die Thematik der Stücke: Vorstellung der Protagonisten

III.1. Joe Keller in der Doppelrolle des uneinsichtigen Verbrechers und sympathischen Familienvaters, und Kate Keller als Komplizin und Mutter

III.2. Fragwürdige Lebensträume eines Willy Loman

III.3. Die Identitätskrise Quentins

III.4. Die konträren Lebenswege der Brüder Franz

IV. Die dramaturgische Umsetzung innerer Konflikte und Bewusstseinsvorgänge

IV.1. Präsentation innerer Vorgänge in All my Sons

IV.1.1. Plot und Verhaltensmuster bei Joe Keller

IV.1.2. Sprache, Dialog und Gebärde

IV.1.3. Raumgestaltung

IV.1.4. Darstellung des Konflikts zwischen Illusion und Hellsichtigkeit bei Kate Keller

IV.2. Das „The Inside of His Head“ Motiv in Death of a Salesman

IV.2.1. Plot, Erinnerungsszenen und Halluzinationen

IV.2.2. Sprache, Dialog und szenische Bilder

IV.2.3. Raumgestaltung

IV.2.4. Geräuschkulisse und optische Signale

IV.3. Das „The Inside of His Head“ Motiv in After the Fall

IV.3.1. Fehlender Plot und dramatisierte Gedankengänge

IV.3.2. Monolog, Sprache und szenische Bilder

IV.3.3. Raumgestaltung

IV.3.4. Geräuschkulisse und optische Signale

IV.4. Präsentation innerer Vorgänge in The Price

IV.4.1. Der Plot und seine Symbolik

IV.4.2. Sprache, Dialog und Gebärde

IV.4.3. Raumgestaltung

V. Bewertung der Dramenformen im Hinblick auf eine gelungene Darstellung des seelischen Dilemmas der Protagonisten

V.1. Joe Kellers allzu plötzlicher Sinneswandel

V.2. Der Einblick in den Kopf des geistig verwirrten Willy Loman

V.3. Der Einblick in das hoch entwickelte Bewusstsein Quentins

V.4. Die konträren Standpunkte der Brüder Franz im offenen Schlagabtausch

VI. Abschließendes Fazit

Zielsetzung & Themen

Die Arbeit untersucht die dramaturgische Umsetzung innerer Konflikte und Bewusstseinsprozesse in vier zentralen Werken von Arthur Miller. Ziel ist es, zu analysieren, mit welchen formalen und theatralen Mitteln – wie beispielsweise dem „The Inside of His Head“-Motiv – der Autor das subjektive Innenleben seiner Protagonisten auf die Bühne bringt und wie sich diese Darstellung zwischen den realistisch-analytischen Stücken und den Bewusstseinsdramen unterscheidet.

  • Vergleich der dramatischen Form und Technik in All my Sons, Death of a Salesman, After the Fall und The Price.
  • Analyse der Protagonisten und ihrer individuellen Identitätskrisen sowie ihres Umgangs mit Schuld und Vergangenheit.
  • Untersuchung der Bedeutung von Bühnenraum, Geräuschkulisse und Beleuchtung als Instrumente der Innenschau.
  • Bewertung der Effektivität der eingesetzten Dramenformen zur Darstellung seelischer Dilemmata.
  • Einordnung von Millers Werken in den Kontext von Realismus und Expressionismus.

Auszug aus dem Buch

IV.1. Präsentation innerer Vorgänge in All my Sons

Die Wahl des von Ibsen geprägten analytischen Dramentyps für All my Sons ist unter anderem damit zu begründen, dass sich der Konflikt des Stückes vor einem harmonischen Hintergrund entfalten soll. Miller erklärt in einem Interview, dass die realistische Form

best expressed what [he] was after, which was an ordinariness of the environment from which this extraordinary disaster was going to spring. The amoral nature of that environment; that is, people involved in cutting the lawn and painting the house and keeping the oil burner running; the petty business of life in the suburbs. (1996 [1985]: 421/422)

So präsentiert das Stück zu Beginn das freundschaftliche Verhältnis der Kellers zu den Nachbarn, die sich an einem idyllischen Sonntagmorgen zu Joe Keller in seinen Garten gesellen. Die angenehme Ruhe des Tages wird durch schwärmerische Kommentare unterstrichen: „Every Sunday ought to be like this“ (59). Völlig entspannt wird über Alltägliches wie das Wetter und Neuigkeiten aus der Zeitung geplaudert, so dass die Einführungsphase sogar für ein realistisches Drama extrem lang ausfällt. Miller verteidigt seinen gemächlichen Einstieg durch die Absicht, eine Alltagsatmosphäre zu schaffen, in die das Desaster völlig unerwartet, und deshalb um so schockierender hineinplatzt:

It was made so that even boredom might threaten, so that when the first intimation of the crime is dropped a genuine horror might begin to move into the heart of the audience, a horror born of the contrast between the placidity of the civilization on view and the threat to it that a rage of conscience could create. (1996 [1957]: 129/130)

Zudem sieht Miller den Vorteil in der „Ibsenschen Analyse“, dass sie die Geschehnisse auf der Bühne in einen größeren kausalen Zusammenhang setzt, indem sie in aller Ausführlichkeit die Vergangenheit der Figuren in der dramatischen Gegenwart aufrollt.

Zusammenfassung der Kapitel

I. Einleitung: Die Einleitung erläutert das zentrale Anliegen der Arbeit, die Darstellung des menschlichen Innenlebens im Theater anhand ausgewählter Stücke von Arthur Miller zu untersuchen.

II. Millers dramentheoretische Position: Dieses Kapitel skizziert Millers Verständnis von Drama, sein Verhältnis zu Traditionen wie dem Realismus und Expressionismus sowie seine moralische Auffassung als Autor.

III. Einführung in die Thematik der Stücke: Vorstellung der Protagonisten: Die Protagonisten Joe Keller, Willy Loman, Quentin und Victor Franz werden vorgestellt, wobei ihre individuellen Lebenskrisen und Schuldthematiken im Vordergrund stehen.

IV. Die dramaturgische Umsetzung innerer Konflikte und Bewusstseinsvorgänge: Dies ist der Hauptteil der Untersuchung, der detailliert die verschiedenen Techniken der Illus-trationsdarstellung (Plot, Dialog, Raumgestaltung) in den vier Dramen analysiert.

V. Bewertung der Dramenformen im Hinblick auf eine gelungene Darstellung des seelischen Dilemmas der Protagonisten: Hier findet eine kritische Reflexion darüber statt, wie erfolgreich die gewählten Dramenformen die jeweilige seelische Not der Figuren spiegeln.

VI. Abschließendes Fazit: Das Fazit fasst die Ergebnisse zusammen und resümiert die Entwicklung von Millers formaler Gestaltung hin zur intensiven Innenschau in seinen späten Bewusstseinsdramen.

Schlüsselwörter

Arthur Miller, Dramentheorie, Bewusstseinsdrama, Realismus, Expressionismus, Innenschau, Identitätskrise, Schuldthematik, Verantwortung, Bühnenraum, psychologische Interpretation, All my Sons, Death of a Salesman, After the Fall, The Price.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit analysiert, wie der amerikanische Dramatiker Arthur Miller innere Konflikte und psychische Bewusstseinsprozesse seiner Charaktere auf der Theaterbühne darstellt.

Was sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?

Im Zentrum stehen die Konzepte von Schuld, Verantwortung, gesellschaftliche Anpassung und die Auseinandersetzung mit der eigenen Vergangenheit.

Was ist das primäre Ziel der Forschungsarbeit?

Das Ziel ist der Vergleich zwischen realistischen Darstellungsformen und expressionistischen Bewusstseinsdramen, um zu zeigen, wie sich die dramaturgischen Mittel zur Illustration subjektiven Erlebens unterscheiden.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Es wird eine psychologisch-individuelle Interpretation der Dramen vorgenommen, gestützt auf dramentheoretische Analysekriterien, insbesondere in Anlehnung an Manfred Pfister.

Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?

Der Hauptteil widmet sich der detaillierten Analyse dramatischer Techniken wie Raumgestaltung, Dialogführung, Symbolik und dem Einsatz von Erinnerungsszenen in vier spezifischen Werken.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Die zentralen Begriffe umfassen "Bewusstseinsdrama", "Realismus", "Millers Dramentheorie" sowie die Analyse der Protagonisten in seinen vier Hauptwerken.

Wie unterscheidet sich die Darstellung in "All my Sons" von "After the Fall"?

"All my Sons" nutzt eine realistisch-analytische Form, in der innere Konflikte indirekt durch die Handlung sichtbar werden. "After the Fall" hingegen ist als explizites Bewusstseinsdrama konzipiert, das den Kopf des Protagonisten zum permanenten Bühnenort macht.

Warum spielt das "Inside of His Head"-Motiv eine so große Rolle für den Autor?

Miller wollte mit diesem Motiv visuell erfahrbar machen, was "in einem Kopf" vorgeht, um das subjektive Erleben des Menschen intensiver und unmittelbarer mit dem Zuschauer zu teilen als es durch reine Dialoge möglich wäre.

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Details

Title
Die Darstellung innerer Konflikte und Bewusstseinsvorgänge in Arthur Millers Dramen am Beispiel von "All my Sons", "Death of a Salesman", "After the Fall" und "The Price"
College
University of Cologne
Grade
1,3
Author
Barbara Groß-Langenhoff (Author)
Publication Year
2005
Pages
94
Catalog Number
V76578
ISBN (eBook)
9783638696005
ISBN (Book)
9783638715942
Language
German
Tags
Darstellung Konflikte Bewusstseinsvorgänge Arthur Millers Dramen Beispiel Sons Death Salesman After Fall Price
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Barbara Groß-Langenhoff (Author), 2005, Die Darstellung innerer Konflikte und Bewusstseinsvorgänge in Arthur Millers Dramen am Beispiel von "All my Sons", "Death of a Salesman", "After the Fall" und "The Price", Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/76578
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