Die Motivation zur effektiven Umsetzung der IT-Governance wird in erster Linie durch die wirtschaftsrechtlichen Entwicklungen der letzten Jahre angetrieben. In besonderem Maße hebt sich dabei der im Jahr 2002 in den USA verabschiedete Sarbanes-Oxley Act (SOX) hervor, der weitreichende Konsequenzen für die Konzernrechnungslegung hat und dafür explizit die Umsetzung von Corporate Governance verlangt. Besondere Relevanz kommt in diesem Kontext den Sections 302 und 404 zu, welche die Geschäftsleitung in die Haftung für ihre Jahresabschlüsse nehmen und zur Implementierung interner Kontrollmechanismen für die Finanzberichterstattung verpflichten. Die IT muss hierbei einen wesentlichen Beitrag zur Konformität mit den neuen Bestimmungen leisten.
Die Praxis des IT-Qualitätsmanagements zeigt, dass Implementierung und Umsetzung einer IT-Governance Strategie komplexe Aufgaben implizieren und IT-Manager vor große Herausforderungen stellen. Die notwendigen Anpassungen der Geschäftsprozesse und strategischen Umstrukturierungen ganzer Organisationseinheiten müssen präzise geplant und nach genau definierten Vorgaben realisiert werden. Im Rahmen dieser Arbeit soll hierfür untersucht werden, inwieweit sich die Bestimmungen des Sarbanes-Oxley Act auf die IT-Governance auswirken und inwiefern IT-Governance unter Berücksichtigung des Sarbanes-Oxley Act mit dem ITIL-Framework und dem COBIT-Referenzmodell umgesetzt werden kann.
Die vorliegende Arbeit stützt sich auf den Grundgedanken, dass Standards des IT-Qualitätsmanagements wertvolle Methoden und Prozesse zur Verfügung stellen, die zur Umsetzung von IT-Governance beitragen können. In diesem Zusammenhang spielt die Ausrichtung von Geschäftsprozessen eine zentrale Rolle, so dass eine Annäherung an die Thematik aus prozessorientierter Sicht vorgenommen wird. Elementarer Gegenstand der Untersuchung ist das Aufzeigen der Möglichkeiten und Grenzen dieser Standards.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
1.1 Vom IT-Qualitätsmanagement zur IT-Governance in Unternehmen
1.2 Motivation und Zielsetzung der Arbeit
1.3 Aufbau der Arbeit
2 Prozessorientiertes IT-Qualitätsmanagement
2.1 Begriffe und Definitionen
2.1.1 Begriff Qualität
2.1.2 Begriff Prozess
2.1.3 Begriff IT-Qualitätsmanagement
2.2 Geschäftsprozesse
2.2.1 Begriff Geschäftsprozess
2.2.2 Abgrenzung zu IT-Services
2.2.3 Unterstützung von Geschäftsprozessen durch IT-Services
2.2.4 Architektur von Geschäftsprozessen
2.2.5 Management von Geschäftsprozessen
3 IT-Governance und Sarbanes-Oxley Act
3.1 Corporate Governance
3.1.1 Vorbemerkungen zu Corporate Governance
3.1.2 Gesetze und Verhaltensrichtlinien der Corporate Governance in der Bundesrepublik Deutschland und den USA
3.2 IT-Governance als Bestandteil der Corporate Governance Strategie
3.2.1 Begriffsverständnis von IT-Governance
3.2.2 Integration in die Corporate Governance Strategie
3.2.3 Motivation und Zielsetzung der IT-Governance
3.3 Sarbanes-Oxley Act
3.3.1 Entstehung des Sarbanes-Oxley Act
3.3.2 Überblick über die Paragraphen des Sarbanes-Oxley Act
3.3.2.1 Title I – Public Company Accounting and Oversight Board
3.3.2.2 Title II – Auditor Independence
3.3.2.3 Title III – Corporate Responsibility
3.3.2.4 Title IV – Enhanced Financial Disclosures
3.3.2.5 Title V – Analyst Conflicts of Interest
3.3.2.6 Title VI – Commission Resources and Authority
3.3.2.7 Title VII – Studies and Reports
3.3.2.8 Title VIII – Corporate and Criminal Fraud Accountability
3.3.2.9 Title IX – White-Collar Crime Penalty Enhancements
3.3.2.10 Title X – Corporate Tax Returns
3.3.2.11 Title XI – Corporate Fraud and Accountability
3.3.3 IT-spezifische Anforderungen des Sarbanes-Oxley Act
3.3.3.1 Vorbemerkung
3.3.3.2 Section 302: Management Anforderungen
3.3.3.3 Section 404: Management Anforderungen
3.3.4 Auswirkungen des Sarbanes-Oxley Act auf die IT-Governance
3.3.4.1 Vorbemerkung
3.3.4.2 Konsequenzen der Section 302
3.3.4.3 Konsequenzen der Section 404
4 Standards des IT-Qualitätsmanagements: ITIL und COBIT
4.1 Umsetzung von IT-Governance
4.2 ITIL (Information Technology Infrastructure Library)
4.2.1 Grundlagen und Überblick
4.2.2 Struktur des ITIL-Frameworks
4.2.3 ITIL-Module außerhalb des IT-Service Managements
4.2.3.1 Business Perspective
4.2.3.2 Planning to Implement Service Management
4.2.3.3 Applications Management
4.2.3.4 ICT Infrastructure Management
4.2.3.5 Security Management
4.2.4 IT-Service Management: Service Delivery
4.2.4.1 Service Level Management
4.2.4.2 Capacity Management
4.2.4.3 Availability Management
4.2.4.4 IT-Service Continuity Management
4.2.4.5 Financial Management
4.2.5 IT-Service Management: Service Support
4.2.5.1 Incident Management
4.2.5.2 Problem Management
4.2.5.3 Change Management
4.2.5.4 Release Management
4.2.5.5 Configuration Management
4.2.6 IT-Governance mit ITIL
4.2.6.1 Beitrag von ITIL zur IT-Governance
4.2.6.2 Grenzen von ITIL in Bezug auf die IT-Governance
4.3 COBIT (Control Objectives for Information and Related Technology)
4.3.1 Grundlagen und Überblick
4.3.2 Struktur des COBIT-Referenzmodells
4.3.3 IT-Governance mit COBIT
4.3.3.1 Beitrag von COBIT zur IT-Governance
4.3.3.2 Grenzen von COBIT in Bezug auf die IT-Governance
5 Zusammenfassung
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht, wie IT-Governance unter Einhaltung der gesetzlichen Anforderungen des Sarbanes-Oxley Act (SOX) durch die Standards ITIL und COBIT effektiv in Unternehmen umgesetzt werden kann. Der Fokus liegt dabei auf der prozessorientierten Ausrichtung der IT-Organisation zur Sicherstellung von Qualität und Compliance.
- Analyse der Auswirkungen des Sarbanes-Oxley Act auf die IT-Governance.
- Untersuchung der Eignung von ITIL für eine IT-Governance-konforme Unternehmensführung.
- Bewertung des COBIT-Referenzmodells hinsichtlich der Unterstützung bei Compliance-Anforderungen.
- Vergleich und Kombination von ITIL und COBIT zur Synergienutzung.
- Herausarbeitung der Möglichkeiten und Grenzen der betrachteten Frameworks.
Auszug aus dem Buch
3.3.4.2 Konsequenzen der Section 302
In der Vergangenheit wurde dem Anspruch einer durchgängig korrekten Rechnungslegung seitens des Managements oftmals nur unzureichend Rechnung getragen. Mit SECTION 302 des Sarbanes-Oxley hat sich die Situation – insbesondere für den CEO – entscheidend gewandelt. Der CEO haftet heute persönlich für Richtigkeit der Jahresabschlüsse und kann sich nicht länger auf den guten Glauben berufen. Aus dieser Rechtslage ergibt sich eine direkte Relevanz für die IT-Governance, die für den Informationsfluss vom Rechnungswesen hin zum Management den höchstmöglichen Servicegrad garantieren muss:
“The rules require these principal executive and financial officers to certify that the report is accurate, complete, and fairly presented and to take responsibility for maintaining and evaluating the issuer´s “disclosure controls and procedures”.”
Die gesamte IT-Infrastruktur muss vor dem Hintergrund von SECTION 302 auf die internen Prozesse der Informationsversorgung ausgerichtet werden.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Dieses Kapitel führt in die Thematik des IT-Qualitätsmanagements ein und erläutert die Bedeutung der IT-Governance vor dem Hintergrund gesetzlicher Anforderungen wie dem Sarbanes-Oxley Act.
2 Prozessorientiertes IT-Qualitätsmanagement: Der Hauptteil beschreibt die komplexen Beziehungen zwischen IT und Geschäftsprozessen und definiert grundlegende Begriffe des prozessorientierten Qualitätsmanagements.
3 IT-Governance und Sarbanes-Oxley Act: Hier wird der Sarbanes-Oxley Act analysiert, seine Anforderungen an die Unternehmenskontrolle dargelegt und die Notwendigkeit der IT-Governance als Teil der Corporate Governance verdeutlicht.
4 Standards des IT-Qualitätsmanagements: ITIL und COBIT: Dieses Kapitel beschreibt ITIL und COBIT als ausgewählte Standards und untersucht ihre Möglichkeiten sowie Grenzen bei der Umsetzung von IT-Governance.
5 Zusammenfassung: Die Arbeit schließt mit einer Bilanz der Möglichkeiten zur IT-Governance-Umsetzung und dem Hinweis, dass eine Kombination der Standards ITIL und COBIT Synergieeffekte ermöglicht.
Schlüsselwörter
IT-Governance, Sarbanes-Oxley Act, ITIL, COBIT, IT-Qualitätsmanagement, Corporate Governance, Geschäftsprozessmanagement, Compliance, Risikomanagement, Finanzberichterstattung, Prozessorientierung, Section 302, Section 404, IT-Services, interne Kontrollsysteme.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der Arbeit grundlegend?
Die Arbeit beschäftigt sich mit der Implementierung und effektiven Umsetzung von IT-Governance in Unternehmen unter Berücksichtigung regulatorischer Anforderungen, insbesondere durch den Sarbanes-Oxley Act.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die zentralen Schwerpunkte sind das prozessorientierte IT-Qualitätsmanagement, die Corporate Governance Strategie, die regulatorischen Anforderungen des Sarbanes-Oxley Act sowie die IT-Governance Frameworks ITIL und COBIT.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Das Ziel ist es zu untersuchen, wie IT-Governance unter Einhaltung des Sarbanes-Oxley Acts mithilfe von ITIL und COBIT gestaltet werden kann und wo die Möglichkeiten sowie Grenzen dieser Standards liegen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit basiert auf einer theoretischen Analyse und prozessorientierten Betrachtung, bei der Standards und Modelle (ITIL, COBIT, ARIS) hinsichtlich ihrer Eignung für IT-Governance-Ziele evaluiert werden.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Darstellung der Prozessorientierung, eine detaillierte Analyse der SOX-Paragraphen (insb. 302 und 404) und eine kritische Würdigung von ITIL und COBIT als Governance-Instrumente.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit wird maßgeblich durch Begriffe wie IT-Governance, Sarbanes-Oxley Act, ITIL, COBIT, Compliance und IT-Qualitätsmanagement geprägt.
Welche Rolle spielt die Section 404 des Sarbanes-Oxley Acts?
Die Section 404 wird als eine der kritischsten Anforderungen identifiziert, da sie Unternehmen zur expliziten Einrichtung und Prüfung interner Kontrollsysteme für die Finanzberichterstattung verpflichtet, was Auswirkungen auf IT-Prozesse hat.
Warum ist die Kombination von ITIL und COBIT sinnvoll?
Die Arbeit kommt zu dem Schluss, dass die Kombination Synergieeffekte bietet, da ITIL Schwächen in der Rollendefinition von COBIT kompensieren kann, während COBIT feingranulierte Kontrollziele liefert, die ITIL zur IT-Governance-Konformität ergänzen.
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- René Moch (Author), 2006, Die Umsetzung von IT-Governance mit ITIL® und COBIT® vor dem Hintergrund von Sarbanes-Oxley, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/76587