In dieser Arbeit wird der Frage nachgegangen werden, welche Funktionen die beiden Politikwissenschaftler Winfried Steffani und Ulrich von Alemann den Parteien von heute in einer Demokratie zumessen. Dabei sollen die Gemeinsamkeiten und Unterschiede herausgearbeitet werden und im Lichte der oben skizzierten differenzierenden Theorieansätze sowie paradigmatischen Herangehensweisen anschaulich gemacht werden. Außerdem werden die Funktionskataloge dieser beiden Personen mit der Stellung der Parteien im Grund- wie im Parteiengesetz verglichen werden.
Diesen Teilen der Arbeit wird ein kurzer Abriss über die Forschungsergebnisse der Parteienforschung der Nachkriegszeit zu diesem Themengebiet vorangestellt werden.
Inhaltsverzeichnis
I. Einleitung und Hinführung zum Thema
I.1. Die theoretischen Grundlagen der Parteienforschung
I.2. Fragestellung und Anlage der Arbeit
II. Politische Parteien in der Demokratie
II.1. Funktionen von demokratischen Parteien- ein Überblick über die Forschungsergebnisse der 60er und 70er Jahre
II.2. Die Stellung und Funktion der Parteien im politischen System der Bundesrepublik
III. Parteien als soziale Organisationen- die Funktionen von Parteien nach Winfried Steffani
III.1. Die vier Sektoren politologischer Parteienanalyse
IV. Die Funktionsweise von Parteien nach Ulrich von Alemann
IV.1. Die sieben Funktionen moderner Parteien
IV.2. Exkurs: Unterschiede und Gemeinsamkeiten der Funktionen von Parteien und Interessenorganisationen
V. Fazit- Gemeinsamkeiten sowie Unterschiede der Ergebnisse von Steffani und Alemann
Zielsetzung und thematische Schwerpunkte
Diese Arbeit analysiert und vergleicht die Funktionskonzepte politischer Parteien der Politikwissenschaftler Winfried Steffani und Ulrich von Alemann vor dem Hintergrund der Parteienforschung. Ziel ist es, Gemeinsamkeiten und Unterschiede ihrer Ansätze herauszuarbeiten und diese mit der verfassungsrechtlichen Stellung der Parteien in Deutschland in Beziehung zu setzen.
- Theoretische Grundlagen und Paradigmen der Parteienforschung.
- Vergleichende Analyse der Funktionskataloge von Winfried Steffani und Ulrich von Alemann.
- Stellung der Parteien im Grundgesetz und im Parteiengesetz.
- Unterscheidung und Gemeinsamkeiten zwischen politischen Parteien und Interessenorganisationen.
- Reflektion über den Funktionswandel politischer Parteien in der modernen Demokratie.
Auszug aus dem Buch
III.1. Die vier Sektoren politologischer Parteienanalyse
Winfried Steffani stellt seinem Aufsatz über die Funktionen politischer Parteien die Frage nach der Rolle ( = strukturelle Erscheinungsform + systembedeutsame Funktionen) der Parteien im politischen Gestaltungsprozess (Willenbildungs- und Entscheidungsprozesse) eines sozialen Gemeinwesens sowie dessen politischem System voraus. Auf diese Weise möchte er das Handlungsfeld der Parteien umreißen. Sodann arbeitet Steffani heraus, dass mit Willensbildungsprozess jene Abläufe gemeint sind, „in denen Einzelne, Gruppen oder Organisationen unter verschiedenen Möglichkeiten einen zunächst nur für sie mehr oder weniger verbindlichen politischen Willen zu finden und festzulegen versuchen“. Der Begriff der Entscheidung bezieht sich demgegenüber auf die politischen Vorgänge, in denen von Organen des Staatsapparates ein bestimmter Wille für jeden verbindlich gemacht wird.
Nachdem Steffani diese Vorarbeiten getätigt hat, stellt er sein Konzept der Funktionen von politischen Parteien vor. Es ist dies das Konzept der vier Sektoren politologischer Parteienanalyse, wobei jeder Analysesektor mit einer gesamtgesellschaftlichen Hauptfunktion moderner Parteien identisch ist. Die vier Sektoren lauten:
(1) Parteien als Ausdruck sozialer Kräfte sowie ideologischer und/oder programmatischer Ziele und Forderungen
(2) Parteien als Instrumente der Machtausübung (Parteien als Herrschaftsinstrumente)
(3) Parteien als Vermittler demokratischer Legitimation für verbindliche Entscheidungen
(4) Parteien als Interessengruppen in eigener Sache und als Vermittler politischen Führungspersonals (Parteien als Karrierevehikel)
Zusammenfassung der Kapitel
I. Einleitung und Hinführung zum Thema: Dieses Kapitel führt in die Theoriedefizite der Parteienforschung ein und erläutert die methodische Vorgehensweise sowie die Fragestellung der Arbeit.
II. Politische Parteien in der Demokratie: Es wird ein Überblick über die Forschungsergebnisse zur Parteienfunktion der 60er und 70er Jahre gegeben und die verfassungsrechtliche Stellung der Parteien in der Bundesrepublik erläutert.
III. Parteien als soziale Organisationen- die Funktionen von Parteien nach Winfried Steffani: Dieses Kapitel stellt Steffanis Konzept der vier Sektoren der Parteienanalyse vor, das die verschiedenen Rollen von Parteien in einem politischen System systematisiert.
IV. Die Funktionsweise von Parteien nach Ulrich von Alemann: Hier werden die sieben Funktionen moderner Parteien nach Alemann sowie ein Exkurs zum Vergleich mit Interessenorganisationen präsentiert.
V. Fazit- Gemeinsamkeiten sowie Unterschiede der Ergebnisse von Steffani und Alemann: Das Fazit führt die verschiedenen Ansätze zusammen und reflektiert sie vor dem Hintergrund des aktuellen Funktionswandels des Parteiensystems.
Schlüsselwörter
Parteienforschung, Parteienfunktion, Winfried Steffani, Ulrich von Alemann, Parteiendemokratie, Parteienstaat, Interessenorganisationen, Willensbildung, Politische Partizipation, Politische Integration, Funktionswandel, Grundgesetz, Parteienanalyse, Politische Soziologie, Systemtheorie.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundlegend?
Die Arbeit untersucht die verschiedenen wissenschaftlichen Ansätze zur Bestimmung der Aufgaben und Funktionen politischer Parteien in einer modernen Demokratie.
Was sind die zentralen Themenfelder der Analyse?
Im Zentrum stehen die Konzepte von Winfried Steffani und Ulrich von Alemann sowie deren Einordnung in die Parteienforschung und das bundesdeutsche Rechtssystem.
Welches ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Hauptziel ist der Vergleich der theoretischen Funktionskataloge von Steffani und Alemann, um Gemeinsamkeiten und Unterschiede in der wissenschaftlichen Betrachtung von Parteien aufzuzeigen.
Welche wissenschaftliche Methode wird hier angewendet?
Die Arbeit nutzt eine komparative Analyse politikwissenschaftlicher Literatur und Theorien, um Funktionskataloge in Beziehung zu setzen.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Vorstellung der Funktionskonzepte von Steffani (vier Sektoren) und Alemann (sieben Funktionen) sowie einen Exkurs zum Vergleich zwischen Parteien und Interessenverbänden.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren den Text?
Zentrale Begriffe sind Parteiendemokratie, Funktionswandel, politische Integration und Parteienanalyse.
Wie unterscheiden sich Parteien nach Steffani von Interessengruppen?
Steffani betont, dass Parteien über das bloße Interessenspektrum hinaus auch als Vermittler demokratischer Legitimation und Instrumente der Machtausübung fungieren.
Was ist das zentrale Merkmal von Alemanns Funktionskatalog?
Alemanns Katalog ist als Verknüpfung früherer Forschungen konzipiert und versucht, einen umfassenden, auf die heutige Zeit zugeschnittenen Rahmen zu bilden.
Warum ist der Vergleich zwischen Steffani und Alemann für die Forschung relevant?
Der Vergleich verdeutlicht die theoretische Entwicklung und die unterschiedlichen Schwerpunkte – Systemtheorie versus Binnenperspektive – in der Betrachtung der Parteienrolle.
Welche Schlussfolgerung ziehen die Autoren zum Parteiensystem?
Beide betonen, dass Parteien trotz ihres Funktionswandels und sinkender Mitgliederzahlen für die Stabilität des politischen Systems in der Demokratie unverzichtbar bleiben.
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- Tobias Thiel (Author), 2003, Aufgaben und Funktionen von Parteien, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/76607