Arbeitsmigration, globale Migrations- und Modernisierungsprozesse haben nicht nur die demografische, sondern auch die kulturelle Zusammensetzung der Bundesrepublik Deutschland verändert. Gewollte oder ungewollte Zu- und Einwanderung sorgten und sorgen im gesellschaftlichen Bild für kontroverse Diskussionen. In diesem Jahrhundert stellt sich in Anbetracht von sinkenden Schülerzahlen bei gleichzeitig starker sozialer und wachsender migrationsspezifischer Heterogenität eine noch größere „Herausforderung an das Bildungssystem und an die dieses System tragende Gesellschaft“ (Avenarius 2003: 18). Denn den Kindern und Jugendlichen aus allen sozialen Schichten und Kulturkreisen sollen laut dem Bildungsbericht für Deutschland gleiche Bildungschancen geboten werden. Der Umgang mit kultureller Heterogenität wird in dem selbigen ausdrücklich als ein eigenständiges Problem des Bildungssystems hervorgehoben (vgl. ebd.: 229).
Ausgehend von den Problemen, die durch eine kulturelle Durchmischung der Gesellschaft entstehen, kommt im deutschen Schulsystem der Institution Grundschule als dem Ort an dem alle Kinder einer bestimmten Altersstufe gemeinsam aufeinandertreffen, eine besondere Bedeutung zu. Laut Krüger-Potratz findet sich in allen bundesdeutschen Lehr- bzw. Rahmenplänen für die Grundschule ein Abschnitt wie der folgende:
„Veränderungen für die Arbeit der Grundschule ergeben sich [...] daraus, dass heute Kinder unterschiedlicher ethnischer Herkunft mit verschiedenen kulturellen Normen und Traditionen zusammen leben und lernen. Hierbei geht es [nach den Bildungspolitikern] nicht nur um die schwierige Aufgabe der sozialen Integration der ausländischen Kinder, sondern ebenso sehr darum, das gemeinsame Leben und Lernen für kulturelle Erfahrungen und Lernprozesse zu nutzen.“ (Krüger-Potratz 2006: 110)
Der vorliegenden Arbeit liegt die Bestrebung zugrunde, Grundlagen des pädagogisch-didaktischen Umgangs mit Heterogenität in der Institution Grundschule, die sich in einer multikulturellen Gesellschaft behaupten muss, darzustellen und einen Überblick über dieses breite Themenfeld zu geben. Damit ist die Absicht verknüpft, resümierend einige Handlungsperspektiven aufzuzeigen, die versuchen, neue demografische, institutionelle und pädagogisch-didaktische Ergebnisse zu berücksichtigen.
Inhaltsverzeichnis
Einleitung
Vorklärungen: Verwendungsweisen der Attribute multi- und interkulturell
1. Merkmale der multikulturellen Gesellschaft
1.1. Multikulturalität als vorausgesetzte Norm
1.1.1. Bedeutung einer multikulturellen Gesellschaft
1.1.2. Auswirkungen von multikulturellem Zusammenleben
1.2. Migration als Faktor für die Zunahme kultureller Heterogenität
1.2.1. Einwanderungsland Deutschland
1.2.2. Demografische Merkmale
1.2.3. Konsequenzen für die zukünftige Schülerpopulation
1.3. Globale Entwicklungstendenzen als epochale Rahmenbedingung
1.4. Auswirkungen auf deutsche Bildungsinstitutionen
2. Grundschule im Kontext kultureller Vielfalt
2.1. Der Bedeutungszusammenhang von Schule und Multikulturalität
2.2. Heterogenität als Bedingung der Schulgemeinschaft
2.2.1. Heterogenität in der Grundschule
2.2.2. Kulturelle Heterogenität
2.2.3. Kinder ausländischer Herkunft an Frankfurter Grundschulen
2.3. Monolinguale Ausrichtung
2.4. Institutionelle Diskriminierung in den Primarschuljahren
2.4.1. Eintritt in die Grundschule
2.4.2. Sonderschulaufnahmeverfahren
2.4.3. Übergang in die Sekundarstufe
2.5. Bildungsbeteiligung von Migrantenkindern
3. Diskussionsverlauf zur pädagogischen Arbeit im Horizont kultureller Heterogenität
3.1. Von der Ausländerpädagogik zur Interkulturellen Pädagogik
3.2. Neue Wege – Transkulturelle Pädagogik
3.2.1. Transkulturalität als verändertes Kulturverständnis
3.2.2. Auflösung kollektiver Identität
3.2.3. Pädagogische Konzepte auf transkultureller Basis
3.3. Zusammenfassung
4. Multikulturelle Grundschularbeit - im Spiegel der Zeitschrift „Grundschule“
4.1 Ziel der Untersuchung
4.2 Ergebnisse der Untersuchung
4.2.1 Konjunkturelle Darstellung
4.2.2 Pädagogische und didaktische Ausrichtung der Beiträge
4.2.3 Fächerorientierte Ausrichtung der Beiträge
4.3 Resümee der Untersuchung
5. Handlungsperspektiven
5.1. Institutionelle Ebene
5.2. Didaktische Ebene
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Hausarbeit untersucht die Herausforderungen, die sich für die Grundschule in einer multikulturellen Gesellschaft aus der zunehmenden kulturellen Heterogenität der Schülerschaft ergeben. Ziel ist es, den Status quo zu analysieren, pädagogische Konzepte zu diskutieren und Perspektiven für einen chancengerechten Umgang mit Vielfalt im Grundschulalltag aufzuzeigen.
- Demografischer Wandel und Zunahme der Heterogenität in der Schülerschaft
- Kritische Analyse institutioneller Diskriminierungsprozesse im Schulsystem
- Diskussionsverlauf von der Ausländerpädagogik zur transkulturellen Pädagogik
- Empirische Untersuchung der Berichterstattung über kulturelle Vielfalt in der Fachzeitschrift „Grundschule“
- Entwicklung institutioneller und didaktischer Handlungsperspektiven
Auszug aus dem Buch
1.2.1 Einwanderungsland Deutschland
An der Schwelle des dritten Jahrtausends erfährt die Wanderung von Menschen über Regionen, Staatsgrenzen und Kontinente hinweg eine neue Dimension. Zwar variieren die Schätzungen über die Tatsache, wie viele Menschen sich global gesehen nicht in ihren ursprünglichen Lebensräumen aufhalten, teilweise stark. Dennoch konstatiert Bös, dass sich ihr Wert zwischen 80 und 200 Millionen bewegt (vgl. Bös 1997: 94).
Migration ist in unseren Breitengraden oft ein negativ behafteter Begriff. Er wird gleichgesetzt mit Asylsuchenden und problematischen Kulturdifferenzen mit der Majoritätsgesellschaft. Positive Konnotationen, sei es auf politischer oder wirtschaftlicher Ebene, werden oft lediglich nur mit bestimmten Gruppen von Migranten verbunden. Hochqualifizierte Arbeitskräfte werden angeworben und in der Öffentlichkeit begrüßt. Allerdings stellen diese Wanderungswilligen eine Minderheit im weltweiten Migrationsprozess dar (vgl. Sprung 2002: 44).
Zusammenfassung der Kapitel
1. Merkmale der multikulturellen Gesellschaft: Dieses Kapitel erläutert die Begriffe Multikulturalität und Migration als prägende Faktoren für die heutige gesellschaftliche Zusammensetzung in Deutschland.
2. Grundschule im Kontext kultureller Vielfalt: Hier wird die Rolle der Grundschule als Institution im Spannungsfeld zwischen dem Anspruch der Gleichheit und der Realität von Heterogenität und institutioneller Diskriminierung beleuchtet.
3. Diskussionsverlauf zur pädagogischen Arbeit im Horizont kultureller Heterogenität: Dieser Abschnitt zeichnet die Entwicklung pädagogischer Ansätze nach, von der Ausländerpädagogik über die interkulturelle hin zur transkulturellen Pädagogik.
4. Multikulturelle Grundschularbeit - im Spiegel der Zeitschrift „Grundschule“: Eine Untersuchung von Fachartikeln, die analysiert, inwieweit das Thema kulturelle Vielfalt in der grundschulpädagogischen Praxiszeitschrift präsent ist.
5. Handlungsperspektiven: Das abschließende Kapitel formuliert Empfehlungen für institutionelle und didaktische Veränderungen, um einen positiven Umgang mit kultureller Heterogenität zu ermöglichen.
Schlüsselwörter
Grundschule, Multikulturelle Gesellschaft, Migration, Heterogenität, Interkulturelle Pädagogik, Transkulturelle Pädagogik, Institutionelle Diskriminierung, Schulerfolg, Bildungsgerechtigkeit, Integration, Sprachförderung, Zweitspracherwerb, Diversität, Schulentwicklung.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert die pädagogisch-didaktischen Herausforderungen, die sich durch die zunehmende kulturelle Heterogenität in Grundschulklassen ergeben.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Im Fokus stehen Migration, institutionelle Diskriminierung, Konzepte der Inter- und Transkulturalität sowie die praktische Umsetzung dieser Themen im schulischen Kontext.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Ziel ist es, den Umgang mit kultureller Vielfalt zu untersuchen und Handlungsperspektiven zu entwickeln, die einen chancengerechten Unterricht für alle Kinder ermöglichen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit basiert auf einer theoretischen Fundierung durch Fachliteratur sowie einer eigenen Untersuchung von Fachzeitschriftenartikeln der Zeitschrift „Grundschule“ im Zeitraum 1997 bis 2005.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine Analyse der gesellschaftlichen Ausgangslage, eine Untersuchung der institutionellen Rahmenbedingungen an Grundschulen sowie einen Vergleich pädagogischer Theoriekonzepte.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Zu den zentralen Begriffen zählen Grundschule, kulturelle Heterogenität, Migration, institutionelle Diskriminierung und inter- bzw. transkulturelle Pädagogik.
Was sagt die Arbeit über den Übergang in die Sekundarstufe aus?
Sie thematisiert den Übergang als zentrale Selektionsschwelle, an der Migrantenkinder aufgrund von Sprachdefiziten und anderen Faktoren häufiger in niedrigere Schulformen zugewiesen werden.
Welche Rolle spielt die Zeitschrift „Grundschule“ in der Untersuchung?
Die Zeitschrift dient als Indikator für den Stellenwert und die Art der Auseinandersetzung mit kultureller Vielfalt in der aktuellen grundschulpädagogischen Praxis.
- Quote paper
- Andrea Zimmermann (Author), 2007, Grundschule in multikultureller Gesellschaft, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/76618