Die wirtschaftliche Bedeutung des Leasings für den Standort Deutschland ist beachtlich. Der Anteil der Investitionen durch Leasing erhöhte sich in den letzten Jahren auf über 14% jährlich. Die Anbieterzahl im Leasing-Geschäft stieg auf über 1800 Leasing-Gesellschaften an. Für den Mittel-stand als Leasing-Nehmer sind Leasing-Verträge inzwischen ein fester Bestandteil des Finanzierungsinstrumentariums geworden. Diese positive Entwicklung der vergangen Jahre fand statt in einem Markt, der wie alle anderen auch von veränderten Rahmenbedingungen beeinflusst wird. Durch die zunehmende Globalisierung verstärkt sich der nationale und internationale Konkurrenzdruck auf die Unternehmen. Hier sind vor allem kleinere und mittlere Unternehmen aus dem mittelständischen Bereich betroffen. Neue Technologien veranlassen die Unternehmen zu ständig veränderten und innovativen Angeboten. Veränderungen in steuer- und handelsrechtlichen Vorschriften auf nationaler und internationaler Ebene zwingen Unternehmen zur Reaktion. Hier sind an erster Stelle die Bestimmungen durch Basel II zu nennen, die vor allem auf das Finanzierungsverhalten der Unternehmen einwirken. Aber auch die Unternehmenssteuerreform aus dem Jahr 2001 hat die Rahmenbeding-ungen für Leasingverträge beeinflusst. Die Bedeutung der Finanzierungs-funktion des Leasings nimmt vor diesem Hintergrund immer mehr zu. Als Finanzinnovation greifen immer mehr Unternehmen gerade aus dem mittelständischen Bereich zu diesem Instrument.
Um die Vorteilhaftigkeit des Leasings für das eigene Unternehmen beurteilen zu können, sind jedoch eine Reihe von Informationen not-wendig. Sowohl auf Leasing-Geber- als auch auf Leasing-Nehmer-Seite sollte einschlägiges Wissen vorhanden sein, um die Vorteilhaftigkeit der Alternative Leasing beispielsweise gegenüber einem kreditfinanzierten Kauf beurteilen zu können. Erst dann können Leasing-Geber durch die Beratung des Kunden und Leasing-Nehmer als Endkunde alle Vorteile des Leasings adäquat nutzen. Die vorliegende Arbeit kann dazu beitragen, das grundlegende leasingbezogene Wissen zu vermitteln. Sie kann insbesondere den Blick auf eine kritische Beurteilung der Finanzierungsalternative Leasing schärfen. Gerade der Mittelstand, der als Leasing-Nehmer noch ein großes Potential für die weitere Entwicklung des Leasing-Marktes birgt, steht hierbei im Mittelpunkt der Betrachtung. Das Hauptaugenmerk wird auf das Finance-Leasing im Mobilien-Bereich gelegt.
Inhaltsverzeichnis
1 Einführung
2 Grundlegende Darstellungen und notwendige Definitionen
2.1 Definition: Leasing
2.2 Definition: Kredit
2.3 Abgrenzung des Begriffs Mittelstand
2.3.1 Quantitative Merkmale
2.3.2 Qualitative Merkmale
2.4 Grundlegende Darstellungen zur Finanzierungssituation des Mittelstandes vor dem Hintergrund von Basel II
2.4.1 Die Finanzierungssituation des Mittelstandes
2.4.2 Zu Basel II und den Auswirkungen der neuen EK-Vereinbarungen auf das Kreditvergabeverhalten
2.4.3 Auswirkungen der neuen EK-Vereinbarungen auf den Mittelstand
3 Die Entwicklung des Leasingmarktes in Deutschland
3.1 Historische Entwicklung des Leasingmarktes
3.2 Der deutsche Leasingmarkt im internationalen Vergleich
3.3 Nutzung der verschiedenen Leasingarten und –formen und deren Entwicklung
3.4 Leasing als alternative Finanzierungsform für den Mittelstand
4 Zur Relevanz des Leasings im Mittelstand mit kritischem Blick auf die Vorteilhaftigkeit dieses Finanzierungsinstruments
4.1 Betriebswirtschaftliche Aspekte des Leasings allgemein
4.2 Liquiditäts- und Steuereffekt
4.1.2 Anschaffungs- und Herstellungskosten
4.1.3 Risiken
4.2 Relevanz des Leasings in mittelständischen Unternehmen
4.2.1 Branchenspezifische Nutzung des Leasings
4.2.2 Verbreitung des Leasings im Mittelstand
4.2.3 Akzeptanz des Leasings
4.3 Kritische Abwägung ausgewählter Vor- und Nachteile des Leasings aus der Perspektive mittelständischer Unternehmen
4.3.1 Steuerliche Vor- und Nachteile
4.3.2 Qualitative Aspekte
4.3.2.1 Einfluss des Leasings auf die EK-Quote
4.3.2.2 Einfluss auf die Möglichkeiten der Kreditinanspruchnahme
4.3.2.3 Sale-and-lease-back
4.3.3 Gesamtbeurteilung der Vor und Nachteile
4.4 Vergleichsrechnung „Leasing oder Kredit“
4.4.1 Leasingmodell
4.4.2 Kreditfinanzierungsmodell
4.4.3 Beurteilung des Wirtschaftlichkeitsvergleichs
4.4.4 Beurteilung der Finanzierungsalternative unter Betrachtung der betriebswirtschaftlichen Aspekte
5 Schlussbetrachtung
Zielsetzung & Themen
Die Diplomarbeit untersucht die wirtschaftliche Bedeutung und Entwicklung des Leasings als Finanzierungsalternative für den deutschen Mittelstand. Ziel ist es, die Vorteilhaftigkeit des Leasings gegenüber klassischen Kreditfinanzierungen vor dem Hintergrund veränderter Rahmenbedingungen – insbesondere der Auswirkungen von Basel II – kritisch zu beurteilen und somit als Entscheidungshilfe für Unternehmen zu dienen.
- Finanzierungssituation mittelständischer Unternehmen und Basel II
- Historische und aktuelle Entwicklung des deutschen Leasingmarktes
- Betriebswirtschaftliche Analyse von Vor- und Nachteilen des Leasings
- Vergleichsrechnungen zwischen Leasing- und Kreditfinanzierungsmodellen
Auszug aus dem Buch
2.1 Definition: Leasing
Der Begriff Leasing leitet sich ab aus dem englischen Verb „to lease“, welches mieten oder pachten bedeutet. Leasinggeschäfte haben in der Praxis viele Gestaltungsmöglichkeiten, da den Beteiligten diverse Nutzungsmöglichkeiten offen stehen. In der Literatur ist deshalb kein einheitlich definierter Leasingbegriff zu finden, sondern viele verschiedene Definitionen, die sich an den unterschiedlichen Erscheinungsformen des Leasings orientieren. Perridon/Steiner definieren Leasing übergreifend als die zeitabhängige Nutzungsüberlassung eines Wirtschaftsgutes gegen Entgelt. Das Vermietungsgeschäft wird von Finanzierungsinstituten oder anderen Unternehmen auf gewerblicher Basis betrieben. Diesem Leasingbegriff wird in der vorliegenden Arbeit gefolgt.
Leasing kann aus verschiedenen Blickwinkeln betrachtet werden, wodurch immer andere Aspekte in den Mittelpunkt rücken. Es handelt sich hier im eine Verschachtelung wirtschaftlicher und rechtlicher Einflusse. Aus der rechtlichen Perspektive gesehen ist das Leasing-Geschäft mit der Vermietung oder Verpachtung von Investitionsgütern oder langlebigen Gütern des privaten Bedarfs vergleichbar. In der Finanzwirtschaft wird dagegen der Aspekt der Nutzungsüberlassung eines Investitionsobjektes gegen Entgelt durch einen unabhängigen Eigentümer hervorgehoben. In der Wirkung muss der Nutzer des Leasingobjektes die Anschaffung des Investitionsobjektes nicht aus eigenen Mitteln bezahlen. Vor diesem Hintergrund bekommt das Leasing seinen Charakter als Investitions- und Finanzierungsalternative.
In der Praxis erfährt das Leasing immer neue Ausgestaltungen, die im Leasingvertrag geregelt werden. Die Übergänge können aufgrund der zivilrechtlichen Vertragsfreiheit fließend sein, die Grenzen zwischen den einzelnen Leasingarten sind dabei nicht exakt gezogen. Eine Orientierung kann an den Hauptmerkmalen erfolgen. Die am häufigsten anzutreffenden Formen des Leasings werden im Kontext des Kapitels 3.3 beschrieben.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einführung: Diese Einleitung erläutert die steigende wirtschaftliche Bedeutung von Leasing als Finanzierungsinstrument für deutsche Unternehmen und benennt die Zielsetzung der kritischen Analyse.
2 Grundlegende Darstellungen und notwendige Definitionen: In diesem Kapitel werden grundlegende Fachbegriffe definiert, der Mittelstandsbegriff abgegrenzt und die Finanzierungssituation vor dem Hintergrund von Basel II analysiert.
3 Die Entwicklung des Leasingmarktes in Deutschland: Dieser Teil beleuchtet die historische Entwicklung, die internationale Marktsituation sowie die verschiedenen Leasingarten und deren spezifische Nutzung im Mittelstand.
4 Zur Relevanz des Leasings im Mittelstand mit kritischem Blick auf die Vorteilhaftigkeit dieses Finanzierungsinstruments: Hier erfolgt eine detaillierte betriebswirtschaftliche Analyse, eine kritische Abwägung der Vor- und Nachteile sowie ein quantitativer Vergleich zwischen Leasing und Kreditkauf.
5 Schlussbetrachtung: Die Arbeit endet mit einem Fazit, das die zentrale Bedeutung des Leasings für mittelständische Unternehmen unterstreicht und einen Ausblick auf die zukünftige Marktentwicklung gibt.
Schlüsselwörter
Leasing, Kreditfinanzierung, Mittelstand, Basel II, Eigenkapitalquote, Investition, Finanzierungsalternative, Liquidität, Betriebswirtschaft, Finanzierungsmodell, Rentabilität, Leasingmarkt, Fremdkapital, Bonität, Investitionsobjekt
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Diplomarbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert die Bedeutung des Leasings als Finanzierungsalternative für den deutschen Mittelstand und untersucht kritisch dessen Vorteilhaftigkeit gegenüber klassischen Krediten.
Was sind die zentralen Themenfelder der Arbeit?
Die Arbeit deckt die Finanzierungssituation des Mittelstandes, die Auswirkungen von Basel II, die Entwicklung des deutschen Leasingmarktes sowie betriebswirtschaftliche Vor- und Nachteilsanalysen von Leasingverträgen ab.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es, fundiertes Wissen über Leasing zu vermitteln und durch eine kritische Beurteilung die Entscheidungsgrundlage für mittelständische Unternehmen bei Investitionen zu verbessern.
Welche wissenschaftliche Methode verwendet der Autor?
Der Autor stützt sich auf eine Literaturanalyse sowie eine quantitative Vergleichsrechnung, um die wirtschaftlichen Unterschiede zwischen Leasing und Kreditkauf im Modell darzustellen.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Im Hauptteil werden sowohl theoretische Definitionen und rechtliche Aspekte als auch eine detaillierte praktische Vergleichsrechnung zwischen einem Leasing- und einem Kreditfinanzierungsmodell durchgeführt.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit lässt sich primär mit Begriffen wie Leasing, Mittelstand, Finanzierungsalternative, Basel II, Investitionsentscheidung und betriebswirtschaftliche Vorteilhaftigkeit umschreiben.
Wie wirkt sich Basel II auf die Finanzierung von Unternehmen aus?
Basel II führt zu strengeren Anforderungen bei der Kreditvergabe, was insbesondere Unternehmen mit geringer Bonität oder Eigenkapitalquote vor Finanzierungsprobleme stellt.
Welche Rolle spielt die Liquidität beim Leasing?
Leasing ermöglicht einen Liquiditätsschonungseffekt, da keine hohen Anschaffungskosten anfallen und die Raten gleichmäßig über die Laufzeit verteilt werden.
Was unterscheidet das Operate-Leasing vom Finance-Leasing?
Das Operate-Leasing ähnelt eher einem klassischen Mietvertrag mit kurzfristigen Kündigungsoptionen, während das Finance-Leasing langfristig angelegt ist und meist keine Kündigungsmöglichkeiten während der Grundmietzeit bietet.
- Quote paper
- Betriebswirt (VWA) Mario Wunderlich (Author), 2006, Entwicklung und Vorteile des Leasingmarktes in Deutschland. Finanzierungsalternative für den Mittelstand, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/76648