Da die Materialkosten, die Kosten für Bestände an Roh-, Hilfs- und Betriebsstoffen sowie die des gebundenen Kapitals in Halb- und Fertigfabrikaten zu den wichtigsten Ansatzpunkten zur Verbesserung der Liquidität und des Unternehmensergebnisses zählen, muss der Materialwirtschaft, besonders den Maßnahmen zur Bestandssenkung, eine große Bedeutung zugewiesen werden. Die Liquidität und die Reaktionsfähigkeit des Unternehmens werden besonders durch totes, verlorenes Kapital, welches aus zu hohen Lagerkosten bzw. Beständen, schlechtem Materialumschlag und Ladenhütern bzw. Lagerhütern resultiert, beeinträchtigt. Auf der anderen Seite kann durch Nachfrageschwankungen, die Erfüllung von Sonderwünschen sowie durch lange Durchlaufzeiten ein zu niedriger Lagerbestand schnell bestraft werden, indem durch fehlendes Material die Fertigung stockt. Die daraus resultierenden Fehlmengenkosten, z.B. ein entgangener Gewinn oder Rüstkosten, können dann um einiges höher sein als die eingesparten Lagerhaltungskosten. In dieser Arbeit sollen zuerst die Aufgaben und Bedeutung der Materialwirtschaft kurz dargestellt werden, bevor dann im Einzelnen die Lagerhaltung und speziell Verfahren zur Bestimmung des Sicherheitsbestandes erläutert werden.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Materialwirtschaft
2.1 Begriffsabgrenzung
2.2 Aufgaben der Materialwirtschaft
3. Lagerhaltung
3.1 Lagerarten
3.2 Lagerhaltungspolitiken
3.2.1 Bedarfsorientierte Bestandsergänzung
3.2.2 Verbrauchsorientierte Bestandsergänzung
3.3 Bestandsmanagement
3.3.1 Voraussetzungen für ein erfolgreiches Bestandsmanagement
3.3.2 Charakteristik von Beständen
3.3.3 Bestandsarten
3.3.4 Instrumente zur Analyse der Bestände
3.3.5 Maßnahmen zur Bestandssenkung
3.3.6 Zusammenfassung
4. Ansätze zur Bestimmung des Sicherheitsbestandes
4.1 Der Faktor Unsicherheit
4.1.1 Arten der Unsicherheit
4.1.2 Methoden zur Kompensation der Unsicherheit
4.2 Sicherheitsbestand
4.2.1 Vorteilhaftigkeit des Sicherheitsbestandes
4.2.2 Servicegrad als Instrument zur Berechnung des Sicherheitsbestandes
4.2.3 Ansätze zur Bestimmung des Sicherheitsbestandes in der Literatur
5. Zusammenfassung
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die Bedeutung der Materialwirtschaft für den Unternehmenserfolg und fokussiert dabei insbesondere auf die Methoden zur Festlegung von Sicherheitsbeständen. Ziel ist es, die theoretischen Ansätze zur Bestimmung des Sicherheitsbestandes zu analysieren und deren Eignung unter verschiedenen Unsicherheitsfaktoren kritisch gegenüberzustellen.
- Grundlagen und Aufgaben der Materialwirtschaft und Lagerhaltung
- Analyse von Bestandsmanagement-Strategien und deren Einflussfaktoren
- Klassifizierung von Unsicherheitsarten in Produktionsprozessen
- Vergleichende Darstellung und Bewertung verschiedener Verfahren zur Berechnung von Sicherheitsbeständen
Auszug aus dem Buch
4.1.2 Methoden zur Kompensation der Unsicherheit
Da nun die Unsicherheitsfaktoren bekannt sind, gilt es jetzt entsprechende Gegenmaßnahmen zu treffen, um diese Unsicherheiten und deren Auswirkungen, besonders in mehrstufigen Produktionsprozessen, auszugleichen. Hierzu findet man in der Literatur eine Vielzahl von Möglichkeiten. Es sollen daher die vier am häufigsten verwendeten Methoden kurz charakterisiert werden.
Puffermechanismen:
Die Puffermechanismen werden in Mengenpuffer, wie Sicherheitsbestand, Überschätzung der Nachfragemenge bzw. Unterschätzung der Ausbringungsmenge einer Produktionsstufe, und in Zeitpuffer, wie Sicherheitsvorlaufzeiten, unterschieden.
Der Sicherheitsbestand ist eine sehr einfache Methode, um Unsicherheiten zu berücksichtigen. Hierbei wird ein Teil des Lagerbestandes als Sicherheitsbestand festgelegt, der unter normalen Umständen nicht angegriffen werden darf. Er dient einerseits zum Ausgleich unvorhergesehener Bedarfserhöhungen und andererseits dazu, Verringerungen des Materialnachschubs während der Wiederbeschaffungs- bzw. Produktionszeit zu kompensieren. Die Grundlage für die Berechnung von Sicherheitsbeständen für Endprodukte und untergeordnete Erzeugnisse sind Wahrscheinlichkeitsverteilungen der Periodenbedarfsmengen oder der Prognosefehler. Die unterschiedlichen Berechnungsarten werden in Abschnitt 4.2.3 erläutert.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Beschreibt die Relevanz der Materialwirtschaft für die Liquidität und das Unternehmensergebnis und führt in die Problematik der Bestandsoptimierung ein.
2. Materialwirtschaft: Dient der fachlichen Abgrenzung der Begriffe Einkauf, Beschaffung und Materialwirtschaft sowie der Erläuterung der operativen und strategischen Aufgabenbereiche.
3. Lagerhaltung: Analysiert verschiedene Lagertypen, Lagerhaltungspolitiken und Instrumente des Bestandsmanagements zur Senkung der Bestandsrisiken.
4. Ansätze zur Bestimmung des Sicherheitsbestandes: Untersucht die Arten der Unsicherheit und vergleicht wissenschaftliche Ansätze und Formeln zur Berechnung des Sicherheitsbestandes.
5. Zusammenfassung: Fasst die Ergebnisse zusammen und betont die Notwendigkeit einer periodischen Überprüfung und Anpassung der gewählten Sicherheitsbestandsmethoden.
Schlüsselwörter
Materialwirtschaft, Lagerhaltung, Sicherheitsbestand, Bestandsmanagement, Unsicherheit, Prognosefehler, Servicegrad, Liefertreue, Fehlmengenkosten, Lagerkosten, Bestandsarten, Lagerhaltungspolitik, Beschaffungszeit, ABC-Analyse, Produktionsprozess
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Seminararbeit behandelt die Grundlagen der Materialwirtschaft und analysiert insbesondere die Herausforderung, mittels Sicherheitsbeständen den richtigen Ausgleich zwischen Lagerhaltungskosten und Fehlmengenkosten bei Unsicherheit zu finden.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Zu den zentralen Themen zählen die Lagerhaltungspolitiken, die Analyse von Beständen, die Klassifizierung von Unsicherheitsfaktoren in der Produktion sowie die verschiedenen mathematischen Ansätze zur Sicherheitsbestandsberechnung.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Das primäre Ziel ist es, die theoretischen Ansätze zur Bestimmung des Sicherheitsbestandes darzustellen, zu erläutern und in ihrer Anwendbarkeit auf Basis der vorliegenden Unsicherheitsfaktoren zu analysieren.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit basiert auf einer Literaturanalyse, die verschiedene theoretische Ansätze, Modelle (z.B. nach Bichler, Hinterberger, Weber) und Ergebnisse aus Simulationsstudien systematisch vergleicht.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Darstellung der Lagerhaltung als Instrument der Materialwirtschaft und eine detaillierte Auseinandersetzung mit der Berechnung des Sicherheitsbestandes unter Einbeziehung des Servicegrads und verschiedener Unsicherheitskategorien.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit wird durch Begriffe wie Materialwirtschaft, Sicherheitsbestand, Bestandsmanagement, Servicegrad, Fehlmengenkosten und Prognoseunsicherheit charakterisiert.
Warum ist der Servicegrad für die Bestimmung des Sicherheitsbestandes so wichtig?
Der Servicegrad dient als Leistungskriterium, das das Verhältnis zwischen Nachfrage und Bestandsverfügbarkeit misst. Er ermöglicht es, ein kalkuliertes Risiko einzugehen, um die Lagerkosten zu optimieren, anstatt jede einzelne Nachfrage mit extrem hohen Beständen abzusichern.
Welchen Unterschied macht es, ob Unsicherheit durch Mengenpuffer oder Zeitpuffer kompensiert wird?
Ein Mengenpuffer (Sicherheitsbestand) gleicht unvorhersehbare Bedarfsschwankungen direkt ab, während ein Zeitpuffer (Sicherheitsvorlaufzeit) in der Durchlaufzeit integriert ist und bei sporadischem Bedarf oft effizienter sein kann, da er meist zu niedrigeren Lagerbeständen führt.
Inwiefern beeinflusst die "Art der Unsicherheit" die Wahl der Methode?
Die Wahl der Methode hängt davon ab, ob die Unsicherheit beispielsweise produktbezogen (z.B. Fehlmengenausschuss) oder ressourcenbezogen (z.B. Maschinenstörung) auftritt. Verschiedene Autoren schlagen hierfür unterschiedliche Formeln vor, die spezifisch auf die jeweilige Ursache (z.B. Lieferverzögerung vs. Bedarfsschwankung) abgestimmt sind.
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- Enrico Ebert (Autor), 2005, Ansätze zur Festlegung der Menge des Sicherheitsbestandes, Múnich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/76666