Das Attentat auf Abraham Lincoln


Seminararbeit, 2006
27 Seiten, Note: 1,0

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Vorwort

2. Begriffserklärung: Attentat

3. Attentäter John Wilkes Booth
3.1 Biographische Aspekte
3.2 Beweggründe, die Booth dazu führten, Lincoln als Opfer auszusuchen
3.3 Psychologische Sichtweise auf den Charakter des Attentäters

4. Abraham Lincoln ist das ausgewählte Opfer
4.1 Biographische Besonderheiten
4.2 Gründe, die aus Lincoln ein Opfer machten

5. Zielgruppen
5.1. Auswirkungen

6. Der Ablauf des Attentats
6.1 Ausführung des Plans

7. Folgen und Auswirkungen für das amerikanische Land
7.1 Die politischen Folgen und Auswirkungen
7.2 Die wirtschaftlichen Folgen
7.3 Die sozialen Auswirkungen und Folgen
7.4 Die Stärken und Schwächen, die Amerika aus dem Attentat entwickelte

8. Das Attentat und dessen Bedeutung in der Geschichte
8.1 Booth und seine Absichten, die er durch das Attentat erreichen wollte
8.2 Diskussionen im Fall: ‚Attentat auf Lincoln’
8.3 Der Mythos Lincoln
8.4 Internationalisierung des Attentats
8.5 Einfluss des Attentats im Hinblick auf Gewaltverbrechen

9. Resümee

10. Anhang
10.1 Bilder

11. Literaturverzeichnis

1. Vorwort

Das 21. Jahrhundert ist gerade in seiner Anfangsphase und schon jetzt lässt es sich nicht abstreiten, dass sich als wahrscheinlich prägender Punkt dieses Jahrhunderts, das „Heranwachsen von Gewaltverbrechen“, im besonderen Fall der Attentate, abzeichnet. Dazu lässt sich sagen, dass immer wieder und vor allem häufiger Attentate den Alltag erreichen.

Noch nicht lang zurückliegende Themen, wie das Attentat auf den ehemaligen Oberstleutnant des russischen Geheimdienstes, Alexander Litwinenko, am 23. November 2006, aber auch der terroristische Anschlag des 11. September 2001 in den USA, haben dazu geführt, dass der Stellenwert der Attentate durch Aufmerksamkeit der Bevölkerung gestiegen ist. „Jedes Attentat verläuft dramatisch und endet tragisch“[1]. „Diese Spannung im Geschehen überträgt sich auf den Betrachter“[2] und verleitet den Menschen zur Anteilnahme.

Trotz der Aktualität ist es zu erwähnen, dass ein Attentat das Ergebnis ist, welches es in „allen Zeiten in allen Ländern und Systemen gegeben hat und geben wird“[3].

Da ein Attentat immer ein Angriff auf ein Repräsentant ist, geht man davon aus, dass solch ein Angriff zu einem „Bestandteil des historischen Ablaufes der Weltgeschichte“[4] wird, da die Entwicklung des betroffenen Landes dadurch verändert werden kann.

Um die historische Bedeutung eines Attentats zu verdeutlichen, braucht man nicht aktuelle Themen zu diskutieren. Vielmehr ist es zu betrachten, was für Auswirkungen die Attentate aus der Geschichte mit sich bringen, um daraus Erfahrungen sammeln zu können.

Das Jahr 1865 ist beispielsweise ein prägendes Jahr für die amerikanische Geschichte. Und dieses war bedingt sowohl durch den Sezessionskrieg, als auch durch den Mord am US-Präsidenten Abraham Lincoln.

Diese Arbeit beschäftigt sich deswegen vorrangig mit dem Attentat auf den 16. Präsidenten der Vereinigten Staaten und dessen Mörder.

Es wird darauf eingegangen, weshalb der Attentäter Lincoln als Opfer aussuchte und welche Gründe er hatte, um einen so bemerkenswerten Anschlag auszuführen.

Das ‚Attentat Lincoln’ beeinflusste die amerikanische Geschichte; warum und in welchen Ausmaßen wird zusätzlich in dieser Arbeit diskutiert werden.

2. Begriffserklärung: Attentat

Durch die geschehenen und aktuellen Gewalttaten ist der Begriff ‚Attentat’ in die Alltagssprache integriert worden. Eine korrekte Begriffsverwendung bleibt dabei oft im Hintergrund. Attentat stammt aus dem Lateinischen (attentatum) und bedeutet soviel wie ‚versuchtes Verbrechen’. Dabei ist ein geplanter, versuchter oder verübter Mord an einer öffentlichen Symbolfigur gemeint. Täter sind dabei meist einzelne oder kleine Gruppen, die demonstrativ gegen die herrschende Macht sind. Zu unterscheiden ist, dass ein Attentat nicht mit einem terroristischen Anschlag gleichgesetzt werden darf, da bei diesem eine wahllose Tötung mehrerer Personen definiert wird und nicht die Tötung einer einzelnen Person.

3. Attentäter John Wilkes Booth

Beschäftigt man sich mit einem Attentat so reicht es nicht, nur den eigentlichen Hergang zu betrachten. Ein Mord bedarf auch immer eines Mörders und nicht jeder Mörder ist mit einem anderen gleich zu setzen. So schreibt auch Bruce Hoffman:

„Es ist nicht leicht, Terroristen als irrationale, von wahnhaften Vor-stellungen getriebene Mörder abzutun. Viel schwieriger ist es, die tiefe Frustration der Terroristen ihrer Zielsetzung und den Kern ihrer Motive zu begreifen und daraus zu erschließen, in welcher Weise diese Faktoren ihre taktische Entscheidung und ihre Zielauswahl beeinflussen.“[5]

3.1 Biographische Aspekte

In diesem Hinblick betrachtet man zuerst das Leben des Attentäters.

John Wilkes Booth[6] ist am 10. Mai 1838 bei Bel Air/Maryland als Kind einer Schauspieler-Familie geboren. Vater und Bruder waren begnadete Schauspieler und auch er selbst stand bereits mit 17 Jahren das erste Mal auf der Bühne. Seine Schauspieler-Karriere entwickelte sich schnell; so wurde er 1858 festes Mitglied des Richmond Theater[7] und somit ein populärer Darsteller, der sich selbst als schöner Mann verstand[8].

Aus politischer Sicht war Booth ein Sympathisant der Südstaaten, der mit dem Ergebnis des Sezessionskriegs unzufrieden war. Trotz dieser Einstellung stand Booth während des Krieges zuerst auf der Seite der Union und äußerte sich auch nicht zu der Sklavenfrage[9]. Doch im Jahre 1859 nahm er schließlich an einer Exekution eines Abolitionisten namens John Brown teil, der wegen Beteiligung an einem Sklavenaufstands hingerichtet werden sollte[10].

Weitere politische Verwicklungen entstanden durch eine Verhaftung 1862 in St. Louis, da er Kritik gegen die Regierung richtete[11]. Auch als Booth im Norden während eines Bühnenauftritts, die Nachricht bekam, dass es einen Angriff auf Fort Sumter (der Süden griff den Norden an) gegeben hatte, äußerte er sich mit: „Die Schüsse seien die heldenmutigste Tat, die es in der Geschichte der USA je gegeben hat.“[12] Daraufhin wurde er verhaftet und aus dem Norden verwiesen.

Da er als Schauspieler in verschiedenen Staaten spielte, konnte er unauffällig mit Agenten aus dem Süden Kontakt aufnehmen und Botschaften überbringen. Trotz dieses Engagements für den Süden kämpfte er nicht im Krieg für die Konföderierten. Während Tausende für die Flagge des Südens starben, starb er als Hamlet auf der Bühne für 500$[13].

Schon vor dem Attentat begegneten sich Mörder und Opfer, denn am 9. November 1863 sah Lincoln Booth im Ford Theater bei einem Theaterstück in der Loge zu, in der er später umgebracht werden sollte. Am 4. März 1865, keine zwei Wochen vor dem Attentat, war Booth ein geladener Gast bei Lincolns zweiter Amtseinweihung, da er mit der Tochter des amerikanischen Botschafters in Spanien, Lucy Hale, verlobt war.

3.2 Beweggründe, die Booth dazu führten, Lincoln als Opfer auszusuchen

Booth war, wie die meisten Südstaatler, unzufrieden mit dem Ergebnis des Bürgerkrieges. Es war abzusehen, dass der Süden durch die Sklavenbefreiung vor einer wirtschaftlichen Bedrohung stand und eine Abhängigkeit vom Norden daraus resultierte. Booth war ein

politisch motivierter Mörder und somit ein Überzeugungstäter. Er glaubte daran, dass sein Land von einem Tyrannen, Lincoln, befreit werden müsse. Er beschuldigte Abraham Lincoln für das Elend des Krieges und für die Bedrohung des „alten Friedens“[14] im Süden.

So schrieb Booth in sein Tagebuch:

„Ihm (Lincoln) verdankt unser Land all sein Unglück. Gott hat mich einfach zum Instrument seiner Vergeltung erkoren.“[15]

Somit spricht man im Fall ‚Lincoln’ auch von einem Tyrannenmord. Booth war persönlich von der Kriegssituation betroffen und wollte sich und seine Gemeinschaft von einer bedrohenden Herrschaft befreien. Zugleich wollte er deswegen den Helden für sein Land spielen. Er war kein Mörder aus niedriger Motivation, sondern er handelte aus Ruhmsucht.[16]

2.3 Psychologische Sichtweise auf den Charakter des Attentäters

Ekkehart Krippendorff schreibt:

„Scheitern sie für eine gute Sache, so werden sie Märtyrer, haben sie Erfolg, so werden sie Helden.“[17]

Diese Aussage galt nicht nur für Politiker, sondern auch für Booth trifft diese Meinung zu. Er wollte mit dem Mord an Lincoln ein Held im Süden werden, er war von Ruhmsucht geplagt.

Booth durchdachte seinen Plan und verstand, seiner Meinung nach, auch das politische Geschehen. Doch betrachtet man das politische Geschehen zur Zeit des Attentats, so wird deutlich, das Booth die politischen Verhältnisse in seiner Zeit nicht verstand. Zum Ende des Krieges wurde offensichtlich, dass der Süden verlieren würde. Am Tag des Attentats und zwar noch vor dem Angriff auf Lincoln, kapitulierte der Süden durch General Robert E. Lee bei Appomattox Court House.

Hier hätte Booth erkennen können und müssen, dass der Mord an Lincoln dem Süden nicht mehr helfen konnte. Im Gegenteil, Lincoln setzte sich gegen Kriegsende für den Süden ein, er versprach Hilfe und gab dem Süden Hoffnung. Booth wollte dieses nicht wahr haben. Er war so damit beschäftigt ein Held zu werden, dass er die Situation nicht erkannte. Booth verdrängte die Wirklichkeit. Psychologisch ist dieses durch eine Entwicklung eines starren „Selbstkonzepts“[18] zu erklären.

In seiner Kindheit hatte Booth zu kämpfen. Sein Vater und älterer Bruder waren auch als Schauspieler berühmt und zwar berühmter als er. Sein Bruder ließ Booth im Schatten stehen und somit konnten seine Wünsche, selbst im Mittelpunkt zu stehen, nicht erfüllt werden. Daraus entwickelte sich zunächst ein starres Selbstkonzept. Zwar war Booth ein attraktiver großer Mann, jedoch übertrieb er seine Selbstdarstellungen, indem er sich oft als schönsten Mann Washingtons[19] betitelte und Mengen von eigenen Portraits in seiner Tasche bei sich trug[20]. Er stellte sich besser dar als er war[21]. Er untergrub sein „Real-Selbst“[22] mit einer Verleugnung seinerseits. Aus dem daraus entstandenen starren Selbstbild, welches aus den Frustrationen von unerfüllten Wünschen entstand, entwickelte sich so auch eine starre Wahrnehmung.

Booth nahm seine fatale Kriminalität nicht wahr. So schrieb er in sein Tagebuch:

„ Ich bin verzweifelt. Und warum? Weil ich das getan habe, wofür Brutus geehrt wurde und das Tell zu einem Helden machte. Aber ich, der ich einen größeren Tyrannen getötet habe, als sie je kennen gelernt haben, werde als ein gemeiner Mörder betrachtet.“[23]

Booth dachte, er tat das Richtige um ein Held zu werden und verstand nicht, warum er als Mörder betitelt wurde. Er schrieb nicht in sein Tagebuch, dass sein Ziel die Volksbefreiung oder die Rache für Krieg war, sondern nur, dass er ein Held sein wollte. Seine Persönlichkeit überschattete sein politisches Bewusstsein.

So lässt sich davon ableiten, dass Booth Lincoln nicht nur aus politischen, sondern auch aus persönlichen Gründen töten wollte, da er sich Ruhm erhoffte und somit einmal der Held sein konnte.

[...]


[1] Zit. nach Alexander Demandt (Hrsg.), Das Attentat als Ereignis, in: Das Attentat in der Geschichte, Erftstadt 2004², S. 461.

[2] Zit. nach ebd., S. 460.

[3] Zit. nach ebd., S. 450.

[4] Zit. nach Wolfgang Plat, Attentate. Eine Sozialgeschichte des politischen Mordes, Düsseldorf und Wien 1982, S. 9.

[5] Zit. nach Bruce Hoffman, Terrorismus – der unerklärte Krieg. Neue Gefahren politischer Gewalt, Frankfurt am Main ²2006, S. 445.

[6] Siehe Anhang Bild 1

[7] Artikel „John Wilkes Booth”. In: Wikipedia: Die freie Enzyklopädie.

URL: http://de.wikipedia.org/wiki/John_Wilkes_Booth (Stand 03.01.07, 18.24 Uhr)

[8] Ebd.

[9] Sabine Hackländer, Abraham Lincoln. Indizien einer Verschwörung. URL: http://www.rockys-online.de/WCRM/history/texte/lincoln2.pdf (Stand 03.01.07, 18.37 Uhr), S. 3.

[10] Artikel „John Wilkes Booth”. In: Wikipedia: Die freie Enzyklopädie. URL: http://de.wikipedia.org/wiki/John_Wilkes_Booth

[11] Ebd.

[12] Zit. nach Hackländer, Abraham Lincoln. Indizien einer Verschwörung. URL: http://www.rockys-online.de/WCRM/history/texte/lincoln2.pdf

[13] Ebd.

[14] Zit. nach Ekkehart Krippendorff, Abraham Lincoln, in: Alexander Demandt (Hrsg.), Das Attentat in der Geschichte, Erftstadt 2004², S. 246.

[15] Zit. nach Tod im Theater, Vor 140 Jahren: Attentat auf US-Präsident Abraham Lincoln. URL: http://www.wdr.de/themen/kultur/stichtag/2005/04/14.jhtml (Stand 03.01.07, 19.06 Uhr)

[16] Ekkehart Krippendorff, Abraham Lincoln, in: Alexander Demandt (Hrsg.), Das Attentat in der Geschichte, Erftstadt 2004², S. 239.

[17] Zit. nach Ekkehart Krippendorff, Abraham Lincoln, in: ebd., S. 238.

[18] „Das Selbstkonzept stellt die durch Erfahrung zu Stande gekommene Gesamtheit der Sichtweisen dar, die eine Person von sich hat, einschließlich deren Wertung“. (Zit. nach Herman Hobmair (Hrsg), Psychologie, Troisdorf ³2003, S. 421.)

[19] Hackländer, Abraham Lincoln. Indizien einer Verschwörung . URL: http://www.rockys-online.de/WCRM/history/texte/lincoln2.pdf , S. 4.

[20] Ebd.

[21] Ebd.

[22] Realselbst ist, „ das tatsächliche Bild einer Person über das, was sie ist und was sie kann“. (Zit. nach Herman Hobmair (Hrsg.), Psychologie, S. 422.)

[23] Zit. nach Ekkehart Krippendorff, Abraham Lincoln, in: Alexander Demandt (Hrsg.), Das Attentat in der Geschichte, Erftstadt 2004², S. 239.

Ende der Leseprobe aus 27 Seiten

Details

Titel
Das Attentat auf Abraham Lincoln
Hochschule
Universität Hildesheim (Stiftung)  (Inistitut für Geschichte)
Veranstaltung
Proseminar Attentate und Terrorismus im 19. und 20. Jahrhundert
Note
1,0
Autor
Jahr
2006
Seiten
27
Katalognummer
V76706
ISBN (eBook)
9783638821940
ISBN (Buch)
9783638822671
Dateigröße
1209 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Attentat, Abraham, Lincoln, Proseminar, Attentate, Terrorismus, Jahrhundert
Arbeit zitieren
Kathrin Unger (Autor), 2006, Das Attentat auf Abraham Lincoln, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/76706

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