Es gibt in unserer Gesellschaft immer noch Krankheiten, für die die Menschheit keine bzw. geringe Möglichkeiten sieht diese in ausreichender Form zu behandeln oder sogar zu heilen.
Trotz intensiver Forschungen im Bereich der Medizin kann der Status „chronisch“ daher vielen Krankheiten nicht oder nicht gänzlich abgesprochen werden.
Ein solches Beispiel, bei der die Medizin an ihre Grenzen stößt, ist das Auftreten der Krankheit Epilepsie, die in dieser Hausarbeit näher betrachtet werden soll und mit der biographischen Situation und Konstruktion des betroffenen Epileptikers in Beziehung gesetzt werden soll.
Dabei soll nicht nur die Krankheit im Mittelpunkt der Betrachtung stehen, sondern vor allem der Mensch, der sich mit der neuen Situation, verursacht durch die Krankheit, arrangieren und lernen muss diese in seine Biographie zu integrieren. Angeknüpft an Erkenntnissen von Corbin und Strauss , die sich in ihrem Werk „Weiterleben lernen – Chronisch Kranke in der Familie“ insbesondere mit den Wesensmerkmalen einer chronischen Krankheit auseinandergesetzt haben, soll in dieser Hausarbeit deutlich werden, inwieweit die Biographie eines chronisch Kranken beeinflusst werden kann. Im Zusammenhang mit der Krankheit soll das Konzept der Verlaufskurve von Strauss und Corbin erläutert werden und Phasen des Krankheitsprozesses hervorgehoben werden. Bevor diese Analyse jedoch beginnen kann, sollten wichtige Aspekte der Krankheit Epilepsie, die als chronische Krankheit in dieser Hausarbeit Betrachtung findet, aufgezeigt werden. Im Anschluss daran sollte eine genaue Definition von Epilepsie erfolgen, um zu verdeutlichen, was darunter überhaupt zu verstehen ist, wie ein epileptischer Anfall stattfindet und welche Folgen das für einen epileptisch Kranken haben kann.
Im zweiten Teil der Hausarbeit wird anhand einer Transkription eines selbst geführten Interviews mit einer Epilepsie-Kranken eine Analyse erfolgen. Zuvor soll die Wahl der Methode für die Interviewführung begründet, sowie die Phasen der Erhebung kurz dargestellt werden. Anhand von Textstellen werden dann thematische Dimensionen veranschaulicht, mit deren Hilfe offensichtlich werden soll, welche biographische Arbeit der Epilepsieerkrankte leisten muss, um diese Krankheit in seine Lebenssituation zu involvieren und so damit leben zu können.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Die medizinische Diagnose Epilepsie
2.1. Die Bezeichnung Epilepsie
2.2. Verschiedene Erscheinungsformen von Epilepsie
2.3. Epilepsie als biographische Konstruktion
2.3.1. Das zentrale Konzept der Verlaufskurve
2.3.2. Einzelne Phasen einer Verlaufskurve
3. Analyse anhand des Beispielinterviews
3.1. Entstehungskontext zum Interview
3.2. Wahl der Methode
3.3. Die Analyse anhand des Beispielinterviews
4. Fazit
5. Literatur:
Zielsetzung & Themen
Diese Arbeit untersucht die Auswirkungen der chronischen Krankheit Epilepsie auf das Leben junger Menschen unter besonderer Berücksichtigung biographischer Bewältigungsprozesse. Anhand eines narrativen Experteninterviews wird analysiert, wie Betroffene die Krankheit in ihre Lebensgeschichte integrieren und welche sozialen sowie persönlichen Herausforderungen dabei entstehen.
- Medizinische und soziale Aspekte der Epilepsie
- Das Konzept der biographischen Verlaufskurve nach Strauss und Corbin
- Methodik des narrativen Interviews in der Biographieforschung
- Analyse der Krankheitsverarbeitung und Identitätsbildung
- Stigmatisierungserfahrungen und Veränderungen im sozialen Umfeld
Auszug aus dem Buch
3.2. Wahl der Methode
Grundlegend sollte man sich fragen, was man mit dem Interview erreichen bzw. was man in Erfahrung bringen möchte. Es schien im Fall der Epilepsieerkrankten wichtig zu sein, Einblicke in den Prozess des Erkrankens zu bekommen und so ist ein methodischer Zugang zum Kranken notwendig geworden. Des weiterem war es erforderlich eine Vorgehensweise zu wählen, die auf die Zeitlichkeit der Biographie abzielt und somit einen Einblick in den gesamten Krankheitsprozess gibt. Denn vorrangig, war es gewollt etwas über den Ablauf, über Veränderungen, Brüche und Konstanten im Ablauf des Lebens der Erkrankten zu erfahren. Eine zentrale Rolle spielten ebenso die subjektiven Sinnsetzungen und die individuellen Rekonstruktionsleistungen, die ein Mensch machen muss, wenn er mit der Krankheit Epilepsie verfährt.33 Vor allem lag das Interesse bei den Betrachtungen gezielt auf dem Einzelfall, der sowohl forschungsökonomisch als auch inhaltlich von großer Bedeutung ist. Die Untersuchung des Einzelfalls hat zudem den Vorteil, dass man anhand der Erzählungen des Einzelnen sich vor Augen führen kann, was sonst abstrakte Theorie von klinischen Phänomenen ist. Dennoch steht die Frage im Raum, inwieweit Aussagen des Einzelnen über die Biographie Aussagen zum psychosomatischen Geschehen aller Epilepsie-Erkrankten zulassen.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung stellt die Forschungsfrage vor und erläutert die Relevanz der Epilepsie als chronische Erkrankung im Kontext biographischer Forschung.
2. Die medizinische Diagnose Epilepsie: Dieses Kapitel definiert die medizinischen Grundlagen der Epilepsie und beleuchtet sowohl die physischen Aspekte als auch die soziologische Sicht auf Epilepsie als biographische Konstruktion.
3. Analyse anhand des Beispielinterviews: Dieser Teil enthält die methodische Begründung für das narrative Interview und die detaillierte Auswertung eines Interviews mit einer betroffenen Person.
4. Fazit: Das Fazit fasst die zentralen Erkenntnisse über die Krankheitsverarbeitung der Interviewten und die Eignung des Konzepts der Verlaufskurve zusammen.
5. Literatur: Verzeichnis der verwendeten Quellen und Forschungsliteratur.
Schlüsselwörter
Epilepsie, chronische Krankheit, Biographieforschung, Verlaufskurve, narratives Interview, Krankheitsbewältigung, Identitätsbildung, Stigmatisierung, soziale Wirklichkeit, Lebensgeschichte, Rehabilitation, Medikation, Autonomie.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit der soziologischen Analyse der Epilepsie und deren Auswirkungen auf die Lebensgestaltung und Biographie junger Menschen.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Im Fokus stehen die Krankheitsverarbeitung, die Integration der Diagnose in die eigene Identität sowie die Herausforderungen im sozialen und beruflichen Umfeld.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Ziel ist es, durch ein narratives Interview zu verstehen, wie eine junge Frau ihren Alltag und ihre Zukunftsplanung trotz der chronischen Epilepsie-Erkrankung konstruiert.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es wird das narrative Interview angewandt, um lebensgeschichtliche Erfahrungen und Rekonstruktionsleistungen der betroffenen Person im Kontext der Biographieforschung zu erfassen.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine theoretische Erläuterung der "Verlaufskurve" nach Strauss und Corbin sowie die praktische Analyse des geführten Interviews.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind insbesondere Biographieforschung, Verlaufskurve, chronische Krankheit und Krankheitsbewältigung.
Wie geht die Interviewte mit der Stigmatisierung durch ihr Umfeld um?
Sie berichtet von einem "Filtern" ihres sozialen Umfeldes, wobei sich zeigt, wer wahre Freunde sind, und betont gleichzeitig ihre Bemühungen, trotz der Erkrankung aktiv am Leben teilzunehmen.
Welchen Einfluss hatte die Medikamenteneinstellung auf ihr Leben?
Die Medikamente führten zu starken Nebenwirkungen und schwierigen Phasen, die ihren schulischen Werdegang und ihre psychische Verfassung massiv beeinträchtigten.
Wie bewertet die Autorin die Optimismushaltung der Interviewten?
Die Autorin stellt fest, dass die Interviewte eine bewundernswerte positive Sichtweise beibehalten hat, die jedoch als Bewältigungsstrategie für die tiefgreifenden Eingriffe der Krankheit in ihr Leben fungiert.
- Quote paper
- Doreen Gleissner (Author), 2007, Epilepsie - ein Eingriff in das Leben junger Menschen, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/76719