Eine der ältesten Lehr- und Lernmittel in der Schule ist das Lehrbuch . Das Lehrbuch ist vom Unterricht so wenig wegzudenken wie der Lehrer selbst. Trotz aller Modernisierung, Technisierung und Programmierung des Unterrichts haben Medien wie das Schulbuch ihren didaktischen Stammplatz behaupten, wenn nicht sogar ausweiten können (MEIßNER 1977, S. 38). Dennoch gerät das Schulbuch nicht sel-ten in die Kritik. In die pädagogische Diskussion haben unter anderem folgende Fra-gen Einzug gehalten: Welche Funktion und Bedeutung hat das Schulbuch im Unterricht? Welche Funktionen könnte oder sollte es übernehmen? Wie kann und wie wird das Schulbuch im Unterricht seitens der Lehrer eingesetzt?
Ziel der vorliegenden Arbeit ist es, besonders vor dem Hintergrund handlungsorientierten Unterrichtens Antworten auf diese Fragen zu finden. Aus diesem Grund werde ich in Kapitel 2 zunächst das Konzept des handlungsorientierten Unterrichts vorstellen. Im Anschluss daran werde ich im ersten Teil des Kapitels 3 auf die unterschiedlichen Funktionen des Schulbuchs im Allgemeinen und im zweiten Teil des Kapitels auf die speziellen Funktionen des Schulbuchs im Kontext handlungsorientierten Unterrichts eingehen.
Da die Produktion und der Vertrieb von Schulbüchern privatwirtschaftlich organisiert ist, stehen bei der Produktion von Schulbüchern häufig nicht nur didaktische Gesichtspunkte im Vordergrund sondern auch die Bedürfnisse des Marktes. Daher werden im Rahmen dieser Arbeit die Motive von Schulbuchautoren und deren Verlage mit den Erwartungen von Lehrern konfrontiert werden. Inhalt des Kapitels 4 ist daher
zunächst eine Betrachtung von Autorenmotiven. Für die Erhebung der Lehrererwartungen und der tatsächlichen Verwendung von Schulbüchern habe ich eine Untersuchung durchgeführt. Aufbau, Durchführung und Ergebnisse dieser Untersuchung befinden sich im Kapitel 5 dieser Arbeit. Das anschließende Kapitel 6 wird sich mit der kritischen Analyse des Schulbuchs im Kontext handlungsorientierten Unterrichts befassen. Aus diesem Grund werden zunächst die Ansprüche der Schulbuchautoren der unterrichtlichen Wirklichkeit im Schulalltag gegenübergestellt. Ferner erfolgt eine Gegenüberstellung von Anspruch und Wirklichkeit des Nutzens handlungsorientierter Schulbücher.
Das letzte Kapitel dieser Arbeit schließt mit einer Zusammenfassung ab und soll gleichzeitig einen Ausblick und Empfehlungen für die künftige Handhabung von Schulbüchern liefern.
Inhaltsverzeichnis
1. Problemstellung
2. Das Konzept des handlungsorientierten Unterrichts
2.1. Der Handlungsbegriff
2.2. Handlungsorientierte Unterrichtskonzeption
2.3. Didaktische Einordnung des handlungsorientierten Unterrichtskonzepts
2.3.1. Der Begriff „Didaktik“
2.3.2. Vom Berliner Modell zum Hamburger Modell der Didaktik
2.3.3. Das Konzept „ganzheitlicher handlungsorientierter Ausbildung“
3. Funktion und Bedeutung des Schulbuchs
3.1. …für Unterricht allgemein
3.2. …für handlungsorientierten Unterricht
4. Die praktische Bedeutung des Schulbuchs aus der Sicht von Schulbuchautoren
5. Die praktische Bedeutung des Schulbuchs im Schulalltag
5.1. Definition der Befragungsgruppe und Methodik der Untersuchung
5.2. Aufbau und Ergebnisse des Probeinterviews
5.3. Durchführung und Ergebnisse der Hauptuntersuchung
5.4. Grenzen der Untersuchung
6. Kritische Analyse des Schulbuchs im Kontext handlungsorientierten Unterrichts
6.1. Gegenüberstellung der Ansprüche von Schulbuchautoren und Lehrern
6.2. Anspruch und Wirklichkeit des Nutzens handlungsorientierter Schulbücher für einen handlungsorientierten Unterricht
7. Schlussbetrachtung
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Diplomarbeit befasst sich mit der Rolle des Lehrbuchs im Kontext des handlungsorientierten Unterrichts. Das primäre Ziel ist es, die Diskrepanz zwischen den didaktischen Ansprüchen, die an moderne Schulbücher gestellt werden, und der tatsächlichen Nutzungspraxis im Unterricht kritisch zu analysieren, um Empfehlungen für eine zukunftsorientierte Lehrbuchkonzeption abzuleiten.
- Grundlagen und Didaktik des handlungsorientierten Unterrichts
- Allgemeine und spezifische Funktionen von Schulbüchern
- Autorenmotive und Konzeption von Schulbüchern
- Empirische Untersuchung zur Lehrbuchnutzung im Schulalltag
- Kritische Evaluation: Anspruch versus Wirklichkeit
Auszug aus dem Buch
3.1. …für Unterricht allgemein
Schulbücher leben von der Hoffnung, dass die folgende Kommunikationskette funktioniert: Jemand (der Autor) hat über einen bestimmten Bereich der Wirklichkeit zuverlässige Kenntnisse; diese bringt er zu Papier und den so entstandenen Text liest ein anderer (der Schüler) mit dem Ergebnis, dass nun auch er zuverlässige Kenntnisse über die Wirklichkeit hat (REETZ/WITT 1973, S. 8).
Der Lernerfolg, der durch das Schulbuch erzielt werden kann, hängt zu einem großen Teil von der Buchkonzeption ab und von der unterrichtlichen Art seiner Verwendung. Auf diese beiden Faktoren werde ich im Rahmen dieses Kapitels näher eingehen.
Aufschlüsse über die Konzeption von Schulbüchern liefert der Biochemiker Frederic VESTER, der auf biologischer Ebene untersuchte, wie der Mensch lernt, denkt und vergisst. Dabei untersuchte er auch, welchen Beitrag Schulen zu einem effektiven Lernen beitragen können. Außerdem untersuchte VESTER, wie Schulbücher den Lernprozess von Schülern unterstützen können. Insbesondere kritisiert er zunächst zu exakte akademische Formulierungen, die inexakt von Schülern assoziiert werden und dadurch Schüler verwirren, die Lust am Lernen verhindern und das Aufnahmeverständnis blockieren. Ein abstrakter, pseudowissenschaftlicher Jargon verhindert beim Lesen im Schüler von Anfang an wichtige Assoziationsfelder des visuellen Bereichs, des Bewegungsbereichs und des Gefühlsbereichs, so dass auch andere Eingangskanäle zum Gehirn des Schülers gar nicht erst mitschwingen können. Dadurch wiederum sinken Motivation und Aufmerksamkeit (VESTER 1973, S. 169).
Zusammenfassung der Kapitel
1. Problemstellung: Einleitung in die Relevanz des Schulbuchs als Lehr- und Lernmittel sowie Vorstellung der Forschungsabsicht.
2. Das Konzept des handlungsorientierten Unterrichts: Theoretische Herleitung des Handlungsbegriffs und Einordnung in verschiedene didaktische Modelle.
3. Funktion und Bedeutung des Schulbuchs: Analyse der allgemeinen didaktischen Funktionen und spezieller Anforderungen im handlungsorientierten Unterricht.
4. Die praktische Bedeutung des Schulbuchs aus der Sicht von Schulbuchautoren: Untersuchung der Motive und Konzepte ausgewählter Schulbuchverlage.
5. Die praktische Bedeutung des Schulbuchs im Schulalltag: Darstellung der Methodik und Ergebnisse der empirischen Lehrerbefragung.
6. Kritische Analyse des Schulbuchs im Kontext handlungsorientierten Unterrichts: Zusammenführende Evaluation der theoretischen Ansprüche und der empirischen Praxis.
7. Schlussbetrachtung: Fazit und Empfehlungen für die zukünftige Konzeption und Verwendung von Schulbüchern.
Schlüsselwörter
Handlungsorientierter Unterricht, Schulbuch, Lehrbuchkonzeption, Didaktik, Berufsbildung, Handlungskompetenz, Lernfeldkonzept, Lehrerbefragung, Unterrichtsplanung, Mediennutzung, Fachdidaktik, Schulpraxis, Schulbuchautoren.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert die Bedeutung und Funktion von Schulbüchern speziell vor dem Hintergrund handlungsorientierter Unterrichtskonzepte in der beruflichen Bildung.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die zentralen Felder umfassen die Didaktik des handlungsorientierten Unterrichts, die konzeptionellen Ansprüche von Schulbuchautoren und die tatsächliche Nutzungssituation in der Schulpraxis.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es, aufzudecken, inwieweit aktuelle Schulbücher den theoretischen Anforderungen eines handlungsorientierten Unterrichts gerecht werden und wo Diskrepanzen zur schulpraktischen Wirklichkeit bestehen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit nutzt eine Kombination aus theoretischer Literaturanalyse und einer qualitativen empirischen Untersuchung (Experteninterviews mit zehn Lehrkräften).
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die theoretische Begründung des Unterrichtskonzepts, die Analyse der Autorenperspektiven und die detaillierte Auswertung der Lehrerbefragung zur Nutzungspraxis.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Handlungsorientierung, Lernfeldkonzept, Didaktische Modelle, Lehrerbefragung und Medienkompetenz sind die zentralen Begriffe.
Wie stehen Lehrer laut Untersuchung zum Einsatz von Schulbüchern?
Lehrer nutzen Schulbücher vor allem als Aufgabensammlung und Nachschlagewerk, stehen jedoch kritisch gegenüber dem Prädikat „lernfeldorientiert“, da sie oft lediglich eine Umstrukturierung alter Inhalte wahrnehmen.
Ist die Einbeziehung von Schülern als Co-Autoren realistisch?
Die befragten Lehrer bewerten den Vorschlag von Frederic Vester grundsätzlich positiv, halten ihn jedoch aus wirtschaftlichen Gründen und wegen der Praxisnähe für schwer umsetzbar, schlagen aber vor, Absolventen in den Prozess einzubinden.
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- Dennis Hilbert (Author), 2006, Die Bedeutung des Lehrbuchs für handlungsorientierten Unterricht, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/76720