Eine der ersten schweren globalen Krisen der Weltwirtschaft war die so genannte „Große Depression“ in den dreißiger Jahren des 20. Jahrhunderts: Ein unbändiger Konjunkturoptimismus und der Glaube an eine anhaltende Prosperität der amerikanischen Wirtschaft führten in den USA zu umfangreichen Aktienspekulationen. Allein zwischen 1927 und 1929 verdoppelten sich die Aktienkurse. Diese spekulative Loslösung der Aktienkurse vom realen Unternehmenswert und das Zusammentreffen mit einer Überproduktionskrise führten letztendlich zu der uns bekannten Weltwirtschaftskrise...
Die große Krise führte zu radikaler Neuorientierung in Wirtschaftstheorie und Wirtschaftspolitik, sie bedeutete für ein halbes Jahrhundert das Ende des Laisser-faire und den Beginn einer antizyklischen, Vollbeschäftigung anstrebenden Wirtschaftspolitik. Ab den 1950er Jahren trat die Weltwirtschaft in eine schier unaufhaltsame Wachstumsphase.
Gerade in Industrieländern, in denen man sich, wie in der Bundesrepublik Deutschland, an ein stetiges Wachstum des Bruttosozialprodukts gewöhnt hat, ist es nach dem Ölpreisschock von 1973 wiederholt zu Rezessionen gekommen. Seit den 1970er Jahren mussten diese einen Rückgang des wirtschaftlichen Wachstums, einen Anstieg der Massenarbeitslosigkeit sowie steigende Staatsverschuldungen verzeichnen.
Um die Wirtschaftskrise(n) der 1970er Jahre einordnen zu können, soll der Ausgangspunkt unserer Betrachtung die Weltwirtschaftskrise Ende der 20er - Anfang der 30er Jahre des 20.Jahrhunderts sein. In der Wirtschaftsgeschichte stellt sie aufgrund ihrer Schwere und tiefgreifenden Wirkung auf das zeitgenössische ökonomische, politische und soziale System ein geeignetes Objekt zur Bewertung wirtschaftlicher Rezessionen dar. Die sich anschließende Betrachtung der bundesrepublikanischen Entwicklung hin zu den Krisen der 1970er Jahre soll hier den Vergleich ermöglichen. Die wirtschaftlichen Krisen seit den 1970er Jahren können gemäß ihren Erscheinungen als kleinere, weniger offensichtliche Weltwirtschaftskrisen interpretiert werden Vordergründig soll nichtsdestotrotz eine Analyse der bundesrepublikanischen Wirtschaftsstruktur erfolgen.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Die Weltwirtschaftskrise
2.1. Der Zusammenbruch
2.2. Das Scheitern des Liberalismus
3. Der Neubeginn
4. Die Krisen der frühen 1970er Jahre
4.1. Internationaler Zusammenbruch
4.2. Die Strukturkrise
4.2.1. Strukturwandel
4.2.2. Anhaltende Arbeitslosigkeit
5. Schlussbetrachtung
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht die Wirtschaftskrisen der Bundesrepublik Deutschland in den 1970er und 1980er Jahren und setzt diese in den Kontext der historischen Weltwirtschaftskrise der 1920er und 1930er Jahre. Ziel ist es, durch diesen Vergleich die bundesrepublikanische Entwicklung sowie die strukturellen Ursachen und Erscheinungsformen der neueren Wirtschaftskrisen besser einzuordnen und zu analysieren.
- Historische Einordnung der Weltwirtschaftskrise und deren langfristige Folgen.
- Analyse des "Goldenen Zeitalters" und des anschließenden wirtschaftlichen Wandels.
- Untersuchung der Strukturkrise und des Strukturwandels ab den 1970er Jahren.
- Evaluation staatlicher Reaktionen und der Rolle des Sozialstaates in Krisenzeiten.
- Diskussion der Massenarbeitslosigkeit und der sozialen Folgen des ökonomischen Umbruchs.
Auszug aus dem Buch
2.1. Der Zusammenbruch
Das jahrelange beständige Ansteigen der Aktienkurse nahm mit dem 23. Oktober 1929 sein vorläufiges Ende. Der schier unbegrenzte Optimismus ließ bis dato für kritische Stimmen, welche in den „ungehemmten Spekulationen“ Gefahren einer „allgemeinen Depression“ sahen, kaum Platz. Ausgelöst durch die Unsicherheit der Aktionäre wurde die New Yorker Börse von einer „Welle“ panikartiger Aktienverkäufe überrollt. Hauptgrund der Panik war die Unsicherheit über den eigentlichen Stand der Aktienkurse. Diese Verunsicherung zeichnete sich am 23.Oktober ab, steigerte sich am „Black Thursday“ und erreichte ihren vorläufigen Höhepunkt am „Schwarzen Freitag“. Die Kursverluste Ende 1929 bedeuteten einen Abbau bzw. eine Angleichung der recht unverhältnismäßigen Kursentwicklungen der Vormonate. Der Börsenkrach hatte zur Folge, dass sich der völlig übersteigerte Optimismus in sein Gegenteil verkehrte. Dem Zusammenbruch des Aktienmarktes folgte die Dekade der „Großen Depression“. Mit dem Börsenkrach bahnte sich eine Krise an, die aufgrund der internationalen Verflechtungen der Volkswirtschaften mit dem amerikanischen Kapital fast alle Wirtschaftsbereiche der Industrieländern erfasste und eine enorme, über mehrere Jahre hinweg auftretende, Schrumpfung der Wirtschaft zur Folge hatte.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung skizziert die historische Weltwirtschaftskrise der 1930er Jahre als Ausgangspunkt für das Verständnis wirtschaftlicher Rezessionen und leitet die Fragestellung zur bundesrepublikanischen Wirtschaftsentwicklung ein.
2. Die Weltwirtschaftskrise: Dieses Kapitel behandelt den Zusammenbruch der Aktienmärkte 1929 und das darauffolgende Scheitern liberaler Wirtschaftsdoktrinen, was zu einer radikalen wirtschaftspolitischen Neuorientierung führte.
3. Der Neubeginn: Hier wird der Wiederaufbau nach 1945 und das „Wirtschaftswunder“ analysiert, wobei der Übergang zu staatlich gelenkten keynesianischen Wirtschaftskonzepten in den 1960er Jahren im Fokus steht.
4. Die Krisen der frühen 1970er Jahre: Dieses Kapitel untersucht das Ende der Hochkonjunktur durch das Bretton-Woods-Ende und die Ölkrise 1973 sowie die daraus resultierende Strukturkrise und den tiefgreifenden Wandel von Arbeitswelt und Wirtschaft.
5. Schlussbetrachtung: Die Schlussbetrachtung vergleicht die Krisen ab 1973 mit der großen Depression und reflektiert die Rolle des Sozialstaats sowie die ordnungspolitische Idee der sozialen Marktwirtschaft im Kontext heutiger Herausforderungen.
Schlüsselwörter
Weltwirtschaftskrise, Bundesrepublik Deutschland, Wirtschaftskrise, Ölkrise, Strukturwandel, Arbeitslosigkeit, Keynesianismus, Soziale Marktwirtschaft, Globalisierung, Rezession, Wirtschaftspolitik, Inflation, Stagnation, Bretton Woods, Wirtschaftsstruktur.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert die Ursachen und Auswirkungen der Wirtschaftskrisen, die die Bundesrepublik Deutschland in den 1970er und 1980er Jahren trafen, im Vergleich zur historischen Weltwirtschaftskrise der 1930er Jahre.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Zu den zentralen Feldern gehören die Geschichte der Weltwirtschaft, der Strukturwandel innerhalb der westdeutschen Wirtschaft, staatliche Krisenbewältigung sowie die Auswirkungen von Arbeitslosigkeit auf das Sozialgefüge.
Was ist das primäre Ziel der Forschungsfrage?
Ziel ist es, die spezifische wirtschaftliche Situation der 1970er und 1980er Jahre durch den Vergleich mit historischen Krisenerfahrungen einzuordnen und die Wirksamkeit staatlicher Maßnahmen zu bewerten.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es wird eine historisch-analytische Methode angewandt, die auf der Auswertung wirtschaftsgeschichtlicher Literatur und statistischer Daten basiert, um Entwicklungsverläufe in der Bundesrepublik zu rekonstruieren.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil behandelt den Übergang vom "Goldenen Zeitalter" in die Krise, das Scheitern des klassischen Liberalismus nach 1929 sowie die strukturellen Probleme der Schwerindustrie und den Wandel zur Dienstleistungsgesellschaft.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit wird durch Begriffe wie "Soziale Marktwirtschaft", "Strukturwandel", "Ölkrise", "Keynesianismus" und "Arbeitslosigkeit" definiert.
Warum wird die Weltwirtschaftskrise von 1929 als Vergleichsfolie genutzt?
Sie dient aufgrund ihrer Schwere und tiefgreifenden Wirkung auf das gesamte ökonomische und soziale System als geeignetes Analysemodell, um spätere Rezessionen in der Bundesrepublik besser zu bewerten.
Welche Rolle spielten die Gastarbeiter in der deutschen Wirtschaftsstruktur?
Sie dienten zunächst als notwendiges "Reservoir" für Arbeitskräfte in einer wachsenden Wirtschaft, bevor ihr Anteil an der Beschäftigung bis 1973 deutlich stieg und die spätere Anpassung an neue Realitäten nach 1973 die politische Debatte prägte.
Was bedeutet der Begriff "Tertiarisierung" in diesem Kontext?
Er beschreibt die zunehmende Bedeutung des Dienstleistungssektors gegenüber der produzierenden Industrie im Rahmen des Strukturwandels der deutschen Wirtschaft ab den 1970er Jahren.
- Arbeit zitieren
- Torsten Hänel (Autor:in), 2006, Déjà-vu!? - Die Wirtschaftskrisen der Bundesrepublik Deutschland in den 1970er und 1980er Jahren, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/76774