Das Verhältnis von Mündlichkeit und Schriftlichkeit am Beispiel mittelalterlicher Gesetzgebung


Essay, 2007
6 Seiten, Note: 1,0

Leseprobe

Zunächst ist anzumerken, dass es im Mittelalter keine Verfassungen oder schriftlich fixierten Gesetze gab, die man nach der modernen Rechtsauffassung exakt als solche bezeichnen könnte. Ebenso wenig gab es im Mittelalter ein staatliches bzw. herrscherliches Gewaltmonopol, auch nicht im Bereich der Legislative. Diese Errungenschaften entwickelten sich erst relativ spät im Laufe der Neuzeit, auch wenn es ab dem Hoch- und Spätmittelalter schon einige Tendenzen in diese Richtung gab, auf die ich später noch zu sprechen komme.

Im Mittelalter gab es einerseits nicht schriftlich fixierte gesellschaftliche Normen, die über eine lange Zeit einen Großteil der Kommunikation und der rechtlichen Handlungen regelten. Daneben existierte eine ganze Reihe von Varianten kodifizierten Rechts, beginnend im Frühmittelalter bis hin ins Spätmittelalter. Im Folgenden gehe ich auf das Verhältnis dieser beiden Bereiche zueinander ein und erläutere die einzelnen Aspekte anhand von Beispielen.

Auch heute gibt es immer noch gesellschaftliche Normen, die zwar wichtig im alltäglichen Leben sind, deren Bruch aber keine strafrechtlichen, sondern höchstens soziale Konsequenzen nach sich zieht. Im Mittelalter verschwimmt die Grenze zwischen diesen Bereichen, es gibt keine klare Trennung zwischen Gesetzen und Regeln. Daher übernehmen gewisse ungeschriebene Normen im Mittelalter die Funktion von kodifiziertem Recht in einem modernen Staat. Althoff spricht von ‚Spielregeln der Politik’. Diese regelten z.B. die Interaktion von König und Adel und dem Adel unter sich. Er sieht drei Hauptbereiche, für die diese Spielregeln von Bedeutung waren. Erstens Verhaltensnormen, die das Verhalten in Abhängigkeit von der Rangordnung der Akteure regeln, zweitens Verhaltensnormen, die der Konfliktführung bzw. -beilegung dienen und drittens allgemein die symbolische, demonstrative Kommunikation mittels Ritualen, wie z.B. der deditio, dem Unterwerfungsritual. (Althoff, Ungeschriebene Gesetze, S. 289). Diese Normen waren sehr verbindlich und obwohl sie nicht verschriftlicht waren, konnte ein Verstoß gravierende Folgen haben. Althoff kommt zu dem Schluss, dass die mittelalterliche Gesellschaft auch ohne schriftliche Gesetze aus verschiedenen Gründen, u. a. der hierarchischen Struktur, sehr gut und stabil funktioniert hat (Althoff, Ungeschriebene Gesetze, S. 304).

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Ende der Leseprobe aus 6 Seiten

Details

Titel
Das Verhältnis von Mündlichkeit und Schriftlichkeit am Beispiel mittelalterlicher Gesetzgebung
Hochschule
Westfälische Wilhelms-Universität Münster  (Historisches Seminar)
Veranstaltung
Gesetzgebung im Mittelalter
Note
1,0
Autor
Jahr
2007
Seiten
6
Katalognummer
V76791
ISBN (eBook)
9783638823449
ISBN (Buch)
9783656563990
Dateigröße
356 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Verhältnis, Mündlichkeit, Schriftlichkeit, Beispiel, Gesetzgebung, Mittelalter
Arbeit zitieren
David Seidel (Autor), 2007, Das Verhältnis von Mündlichkeit und Schriftlichkeit am Beispiel mittelalterlicher Gesetzgebung, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/76791

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