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Das Verhältnis von Mündlichkeit und Schriftlichkeit am Beispiel mittelalterlicher Gesetzgebung

Title: Das Verhältnis von Mündlichkeit und Schriftlichkeit am Beispiel mittelalterlicher Gesetzgebung

Essay , 2007 , 6 Pages , Grade: 1,0

Autor:in: David Seidel (Author)

History of Europe - Middle Ages, Early Modern Age
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Knappe Auseinandersetzung mit dem Nebeneinander von nicht-schriftlichem Recht auf der einen Seite und kodifiziertem Recht auf der anderen vom Frühmittelalter bis in die Neuzeit.

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Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Mündlichkeit und symbolische Kommunikation

3. Die Entwicklung kodifizierter Gesetze

4. Der Übergang zur autonomen Schriftlichkeit

Zielsetzung & Themen

Die vorliegende Arbeit untersucht das Spannungsfeld zwischen ungeschriebenen gesellschaftlichen Normen, symbolischer Kommunikation und der sukzessiven Entwicklung schriftlich fixierter Rechtssysteme im mittelalterlichen Europa. Es wird analysiert, wie Recht im Mittelalter ohne moderne Gewaltmonopole oder autonome Gesetzestexte funktionierte und welche Faktoren den Übergang zu einem verschriftlichten, modernen Rechtsverständnis begünstigten.

  • Die Funktion ungeschriebener Normen als „Spielregeln der Politik“
  • Die Rolle der symbolischen Kommunikation und Rituale im Rechtswesen
  • Die Entstehung und der Wandel des karolingischen Kapitularienrechts
  • Die Kodifizierungswelle des 12. Jahrhunderts und der Einfluss des römischen Rechts
  • Die Transformation zur Autonomie von Gesetzestexten im Spätmittelalter

Auszug aus dem Buch

Die Entwicklung kodifizierter Gesetze

Erst einige Jahrhunderte nach dem Scheitern des karolingischen Kapitularienrechts kam es erneut zu einem Prozess der Verschriftlichung von Gesetzen. In Folge der Wiederentdeckung des römischen Rechts Kaiser Justinians auf weltlichem Gebiet und durch die systematische Gesetzessammlung Gratians im Bereich des kanonischen Rechts kam es im 12. Jahrhundert zu einer Kodifizierungswelle in Europa, Dilcher und Keller sprechen sogar von einer ‚Revolution des 12. Jahrhunderts’, in deren Verlauf zum ersten Mal ein Rechtssystem entsteht, das Ähnlichkeiten zum modernen Recht aufweist. Von einem Herrscher werden Gesetze erlassen, deren Übertretung unter Strafe gestellt ist (Dilcher, S. 28, Keller, Oberitalienische Statuten, S. 286-287). Früher als im übrigen Europa entwickelte sich dieser Prozess in Italien. Einige Gründe dafür waren z.B. die Tatsache, dass hier seit der Antike ein gewisser Grad an Laienschriftlichkeit erhalten geblieben ist und dass die italienischen Städte aufgrund ihrer günstigen geographischen Lage über ein hoch entwickeltes Verwaltungs- und Handelssystem und einen enormen Wohlstand verfügten. Die ältesten datierbaren Rechtsquellen dieser Zeit sind die Statuten der norditalienischen Stadtkommunen, die ab ca. 1140 kodifiziert wurden (Keller, S. 303). Etwa zur selben Zeit entstanden die sog. ‚Assisen von Ariano’, das Gesetzeswerk König Rogers II. von Sizilien. Keller räumt ein, dass es zwar auch schon im Frühmittelalter eine hoch entwickelte Schriftkultur gab, verweist aber darauf, dass diese auf bestimmte Bereiche beschränkt war. Ab dem 12./13. Jahrhundert erweiterten sich die Anwendungsbereiche und es kam zur konsequenten Verschriftlichung von Recht, was einige Vorteile brachte, wie z.B. einen gewissen Schutz vor willkürlicher oder unwillkürlicher Veränderung der Gesetze (Keller, S. 287-288).

Zusammenfassung der Kapitel

1. Einleitung: Die Einleitung legt dar, dass im Mittelalter kein staatliches Gewaltmonopol bestand und schriftlich fixierte Gesetze im modernen Sinne fehlten, weshalb die Rechtswirklichkeit durch andere Mechanismen bestimmt wurde.

2. Mündlichkeit und symbolische Kommunikation: Dieses Kapitel erläutert, wie gesellschaftliche „Spielregeln“ und Rituale als verbindliche Normen fungierten, die das politische Handeln und die Konfliktbeilegung stabilisierten.

3. Die Entwicklung kodifizierter Gesetze: Hier wird der historische Wandel von frühen Versuchen wie den karolingischen Kapitularien hin zur Kodifizierungswelle des 12. Jahrhunderts unter dem Einfluss des römischen Rechts untersucht.

4. Der Übergang zur autonomen Schriftlichkeit: Das Schlusskapitel thematisiert den Prozess, in dem Gesetzestexte ihre Bindung an rituelle Akte verloren und zu autonomen, modernen Rechtsquellen wurden.

Schlüsselwörter

Mittelalter, Gesetzgebung, Schriftlichkeit, Mündlichkeit, Rechtsgeschichte, Gewohnheitsrecht, Kodifizierung, symbolische Kommunikation, Kapitularien, Statuten, Rechtsgewohnheit, Dinggenossenschaft, Rechtssystem, Autonomie, Politik

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit befasst sich mit der Transformation des Rechtsverständnisses im Mittelalter, speziell dem Verhältnis zwischen traditioneller mündlicher Kommunikation und der zunehmenden Verschriftlichung von Gesetzen.

Welche zentralen Themenfelder werden behandelt?

Zentrale Themen sind die ungeschriebenen gesellschaftlichen Normen, die Rolle von Ritualen als Rechtsinstrumente, die historische Entwicklung kodifizierter Rechtswerke sowie die Ausbildung moderner staatlicher Rechtsstrukturen.

Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?

Das Ziel ist es aufzuzeigen, wie mittelalterliche Gesellschaften ohne schriftliche Gesetze funktionierten und welche Entwicklungen schrittweise zur Entstehung autonomer und schriftlich fixierter Rechtssysteme führten.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Es handelt sich um eine historische Analyse, die auf einer Auswertung der fachwissenschaftlichen Literatur zu den Themen Rechtsgewohnheit, Ritualistik und Schriftkultur basiert.

Was wird im Hauptteil behandelt?

Im Hauptteil wird der Bogen von den ungeschriebenen „Spielregeln“ über die karolingischen Kapitularien bis hin zu den Stadtstatuten des 12. und 13. Jahrhunderts gespannt.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Die Arbeit wird durch Begriffe wie Mittelalter, Gesetzgebung, Kodifizierung, Gewohnheitsrecht und symbolische Kommunikation charakterisiert.

Welche Bedeutung hatten die „Spielregeln der Politik“?

Sie dienten als verbindliche, wenngleich ungeschriebene Verhaltensnormen, die die Interaktion von König und Adel sowie die Konfliktbeilegung auch ohne kodifiziertes Gesetz stabilisierten.

Warum waren die karolingischen Kapitularien kein modernes Gesetz?

Sie fungierten eher als Verwaltungsordnung für den direkten Bereich des Herrschers und scheiterten an der fehlenden Akzeptanz und der Abwesenheit einer ausführenden Gewalt zur Durchsetzung der Normen.

Wann und warum setzte sich die Schriftlichkeit im Recht stärker durch?

Mit der Wiederentdeckung des römischen Rechts im 12. Jahrhundert begann eine Kodifizierungswelle, die Schutz vor Willkür bot und in den entwickelten Handelsstädten eine stabile Rechtsgrundlage sicherte.

Wann kann man von einem modernen Rechtsgebrauch sprechen?

Von einem modernen Gebrauch spricht man, wenn der Gesetzestext als autonom gilt und seine Gültigkeit nicht mehr durch einen rituellen Akt oder Eid beglaubigt werden muss, was sich vermehrt im ausgehenden Spätmittelalter zeigte.

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Details

Title
Das Verhältnis von Mündlichkeit und Schriftlichkeit am Beispiel mittelalterlicher Gesetzgebung
College
University of Münster  (Historisches Seminar)
Course
Gesetzgebung im Mittelalter
Grade
1,0
Author
David Seidel (Author)
Publication Year
2007
Pages
6
Catalog Number
V76791
ISBN (eBook)
9783638823449
ISBN (Book)
9783656563990
Language
German
Tags
Verhältnis Mündlichkeit Schriftlichkeit Beispiel Gesetzgebung Mittelalter
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
David Seidel (Author), 2007, Das Verhältnis von Mündlichkeit und Schriftlichkeit am Beispiel mittelalterlicher Gesetzgebung, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/76791
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