Bataver in römischen Diensten - Von Oktavian bis zum Ende des 1. Jahrhunderts n. Chr.


Hausarbeit, 2001

28 Seiten, Note: 1,3


Leseprobe

Gliederung

1. Einleitung

2. Die Bataver
2.1. Einwanderung nach Niedergermanien
2.2 Die militärischen Qualitäten der Bataver

3. Bataver im römischen Heer
3.1. Volksaufgebote
3.2. Reguläre Auxilien
3.3. Der Aufstand der Bataver und die Folgen

4. Bataver in der Leibwache der römischen Kaiser
4.1. Entstehung der Leibwache und Rolle der Bataver
4.2. Organisation
4.3. Aufgaben und Funktionen
4.4. Soziale Stellung
4.5. Entlassung der kaiserlichen Leibwache und andere Leibwachen

5. Fazit

6. Quellen- und Literaturverzeichnis
6.1. Quellen
6.2. Literatur

1. Einleitung

Die Bataver machten vor allem in den Jahren 69 und 70 n. Chr. auf sich aufmerksam, als sie einen Aufstand initiierten, der Rom für längere Zeit in ernsthafte Bedrängnis brachte.

Aber auch in einem weniger Aufsehen erregenden Zusammenhang machten die Bataver von sich reden. Sie übernahmen wichtige militärische Funktionen im imperium Romanum: als Soldaten in den Auxiliarkohorten des römischen Heeres und in der Leibwache der Kaiser von Augustus bis Nero. Dies ist das Thema, dem diese Arbeit gewidmet ist. Der Aufstand der Bataver wird dabei nur soweit eine Rolle spielen, wie sich daraus Informationen über das eigentliche Thema ableiten lassen.

Zeitlich ordnet sich die Arbeit, wie es der Titel bereits andeutet, vor allem in die Phase der Frühen Kaiserzeit ein, reicht jedoch zum Teil bis in die flavische Zeit hinein.

Während die Leibwache durch Heinz Bellen im Jahre 1980 bereits eine umfassende Untersuchung erfahren hat, die im wesentlichen bis heute Gültigkeit hat, sind auf dem Gebiet der Bataverauxilien Forschung und Diskussion noch in vollem Gange. Daher beschränke ich mich, was die Leibwache angeht, größtenteils auf eine Skizze der wichtigsten Argumente und Ergebnisse Bellens und möchte bei weitergehendem Interesse am Thema auf seine Arbeit selbst verweisen. Dem gegenüber werde ich in der Frage der batavischen Auxilien die Diskussion und den gegenwärtigen Forschungsstand detaillierter und ausführlicher darlegen.

Die Quellenlage zu den Batavern ist - verglichen mit anderen germanischen Stämmen - günstig, aber nicht immer eindeutig, so dass sich die Forschung gelegentlich in Spekulationen verliert.

Über die batavischen Hilfstruppen sind wir - in erster Linie durch das Werk des Tacitus - gut informiert. Dies gilt vor allem für die Zeit des Aufstandes, der die Aufmerksamkeit der Römer und natürlich auch des Tacitus auf sich zog, der den Aufstand in seinen Historien behandelte. Als Quelle für seine Berichte über die Bataver nutzte Tacitus besonders die Arbeiten des Plinius.1

Die Untersuchung der Leibwache stützt sich vor allem auf die Grabinschriften der Wächter. Es handelt sich dabei um 6 Tafeln und 17 Steine, die in der Nähe Roms gefunden wurden.2

Einen außergewöhnlich günstigen Umstand für die Beschäftigung mit den Batavern stellen die umfassenden archäologischen Untersuchungen im Rheindelta dar, die von 1978-80 erfolgten. Die Ergebnisse wurden 1981 und 1984 durch Willem J. H. Willems veröffentlicht und zu anderen Quellen in Beziehung gesetzt. Sie geben einen sehr guten Einblick in die Entwicklungen des Stammesgebietes sowie des Stammes selbst.

2. Die Bataver

2.1. Einwanderung nach Niedergermanien

Die Wurzeln der Bataver liegen im heutigen Nordhessen. Darauf verweisen archäologische Quellen.3 Sie gehörten zum Stammesverband der Chatten, trennten sich aber von diesen auf Grund innerer Zwistigkeiten. Ihre neue Heimat waren das Land zwischen Rhein und Maas, sowie Gebiete südlich der Maas.4

Der Zeitpunkt dieser Wanderung lässt sich nicht genau bestimmen. Während des Gallischen Krieges wurde das Rhein-Maas-Delta in seinem westlichen Teil hauptsächlich vom gallischen Stamm der Menapier bewohnt, in seinem östlichen stellten die Eburonen, ein germanischer Stamm, die Mehrheit der Bevölkerung.5 Dieses Gebiet spielte in den Plänen Caesars eine untergeordnete Rolle und rückte erst spät, im sechsten Kriegsjahr, in sein Interesse. Obwohl es sich nur um einen Nebenkriegsschauplatz handelte, hatten die Auseinandersetzungen schwere Verwüstungen zur Folge.6

Diese Verwüstungen - verbunden mit einer zumindest teilweisen Entvölkerung des

Gebietes - ermöglichten die Ansiedlung germanischer Stämme von Osten her, unter ihnen auch die Bataver. Möglicherweise wurde ihre Ansiedlung, ebenso wie die der Canninefaten und Cugerner, von den Römern gefördert, um die Gefahr von Einfällen anderer germanischer Stämme in die Belgica zu verringern:7 eine Maßnahme, die für die Ubier sicher bezeugt ist.8

Als Drusus in dieses Gebiet vorstieß, fand er die Bataver bereits dort vor.9 Demnach muss die Wanderung in den Jahren zwischen 53 und 12 v. Chr. stattgefunden haben.

Möglicherweise kam der Stamm erst in dem neuen Siedlungsgebiet im Delta des Rheins zu seinem Namen. Denn eine etymologische Analyse lässt den Schluss zu, dass der Wortstamm batav sich aus den Komponenten bat bzw. bet und aue zusammensetzt, was sich übersetzen lässt als gutes/fruchtbares Wasserland bzw. Flussinsel. Demnach wäre es die insula Batavorum gewesen, die den Batavern ihren Namen gab und nicht umgekehrt.10

Woher er auch stammen mag, unter diesem Namen stieg dieser Stamm zu einigem Ruhm auf, der sich vor allem auf die militärischen Qualitäten seiner Mitglieder gründete.

2.2. Die militärischen Qualitäten der Bataver

Über die außergewöhnlichen militärischen Fähigkeiten der Bataver sind sich die antiken Autoren einig. Plutarch, Dio, Tacitus - sie alle berichten vom Mut und der Kampfkraft der batavischen Kohorten.11 Bei derartigen Berichten antiker Autoren muss einerseits natürlich berücksichtigt

werden, dass sie ein fest gefügtes Bild von den sogenannten Barbaren hatten. Dazu gehörte nicht nur ein wildes Aussehen und Benehmen, sondern auch große Körperkraft und Kampfesmut. Dieses Bild zu relativieren, hätte es der eigenen Erfahrungen mit den Nachbarn im Norden bedurft, über die allerdings die wenigsten Römer verfügten. Daher muss immer mit dem Einfluss dieser Klischees gerechnet werden.

Andererseits stachen die Bataver offensichtlich auch aus dem germanischen Umfeld heraus. Sie galten nicht nur in Bezug auf die Römer oder andere Mittelmeervölker als außerordentlich kampfkräftig, sondern auch im Vergleich mit anderen Germanen. Man kann also davon ausgehen, dass die Quellen sich nicht auf die Wiedergabe eines verbreiteten Stereotyps beschränken, sondern tatsächlich eine überdurchschnittliche militärische Tüchtigkeit der Bataver bestand.

Dabei spielten immer auch die besonderen Kampftechniken der Bataver eine Rolle. Sie galten nicht nur als hervorragende Reiter, Schwimmer und Kämpfer, sie wussten diese Fähigkeiten auch miteinander zu verbinden, indem sie in voller Kampfausrüstung neben ihren Pferden schwimmend große Flüsse wie Rhein oder Donau überquerten, manchmal sogar im geschlossenen Verband.12

Das war sicherlich auch der Grund dafür, dass batavische Truppen immer - zumindest teilweise - beritten waren. Für die Leibwache sind wir darüber durch Cassius Dio informiert,13 und für die Kohorten durch Tacitus.14 Dass die Bataver auch reine Kavallerieeinheiten aufstellten, bestätigt dieses Bild nur noch.15

Welche Vorteile es bringen konnte, wenn Bataver im eigenen Heer kämpften, dessen waren sich auch die römischen Legionäre bewusst. Als der Feldherr Fabius Valens während des Bürgerkrieges die Kohorten von den Legionen trennen und aus Rom abziehen wollte, widersetzten sich die Legionäre. Sie wollten die Bataver an ihrer Seite haben, um ihre Gegner, die Anhänger Othos, besser von Italien fernhalten zu können. Es hieß, man dürfe nicht die kräftigsten Glieder vom

Heereskörper abtrennen.16 Die Bataver selbst waren sich ihrer Fähigkeiten und ihres Rufes ebenfalls durchaus bewusst. Das wird deutlich, wenn Tacitus schreibt: „Die batavischen Kohorten [...] führten sich damals übermütig auf; sooft sie zu den Zeltlagern einer Legion kamen, prahlten sie, sie hätten die Vierzehner gebändigt, Italien dem Nero entrissen, das ganze Kriegsglück liege in ihrer Hand.“17

Besonders deutlich tritt das batavische Selbstbewusstsein in einer Inschrift vom Beginn des 2. Jh. n. Chr. zutage. Dort heißt es:

Ich bin jener, künftig berühmt in den Grenzen Pannoniens, tapfer und der erste unter tausend batavischen Männern, der es fertigbrachte, mit Hadrian als Richter, die unermesslichen Fluten der tiefen Donau mit allen Waffen zu durchschwimmen18

Welche Schlagkraft die batavischen Truppen wirklich besaßen, zeigt der Verlauf des Bataveraufstandes. Beim Kampf vor Bonn standen acht batavische Kohorten einer römischen Übermacht gegenüber, zu der 3000 Legionäre gehörten und einige belgische Kohorten. Trotzdem gelang es den römischen Truppen nicht, einen Sieg zu erringen. Sie mussten sich geschlagen geben und die Kohorten weiterziehen lassen. So konnten sich die Bataver mit dem Heer des Civilis vereinigen, das selbst schon einige Erfolge gegen Legionen zu verzeichnen hatte.19

Was den militärischen Einsatz der Bataver darüber hinaus noch begünstigte, wenn nicht sogar erst ermöglichte, war die traditionelle Spezialisierung ihrer Landwirtschaft auf die Viehzucht. Das erlaubte einen flexiblen Einsatz der Bataver, denn „it is notoriusly difficult to part a farmer from his plough, let alone hundreds or thousands of them, and not provoke reaction.“20

[...]


1 Norden, 207-218, v.a. 217f.

2 Sie sind zusammen mit anderen, ebenfalls relevanten Inschriften aufgeführt in Bellen, 105-120. Eine weitere Inschrift, die Bellen noch nicht zugänglich war, findet sich bei Polverini, L.: Il lapidario Zeri di Mentana, 1982, S. 102f., Nr. 45. Zitiert nach Speidel, 31. Dort auch der genaue Wortlaut der Inschrift.

3 Willems, 211 mit Bezug auf Roymans, Nico / Van der Sanden, Wijnand: Celtic Coins from the Netherlands and their Archaelogical Context, in: Berichten van de Rijksdienst voor het Oudheidkundig Bodemonderzoek 30 (1980), S. 173-254, S. 212.

4 Willems, 211; Tac. Hist. 4, 12; Germ. 29, 1.

5 Eburonen saßen zwischen Maas und Rhein: Caes. Gall. 5, 24, 4. Eburonen und Menapier sind Nachbarn: Caes. Gall. 6, 5, 4. Menapier wohnten links und rechts des Rhein Caes. Gall. 4, 4, 1-2. Ethnische Zugehörigkeit der Menapier: Caes. Gall. 3, 28, 1; der Eburonen: Caes. Gall. 2, 4, 10. Vgl. auch Willems, 199.

6 Caes. Gall. 6, 34, 8-6; 6, 35, 7.

7 Diese These vertritt Willems, 206-208.

8 Tac. Germ. 28, 4.

9 Cass. Dio 54, 32, 2.

10 Willems, 210 mit Bezug auf Sprey, W.: Tacitus over de opstand der Bataven, Groningen 1953, S. 14-5 und Heidinga, H. A.: De Veluwe in de Vroege Middelleeuwen. Aspecten van de nederzettingsarcheologie von Kootwijk en zijn buren, Amsterdam 1984, S. 196. Diese Interpretation des Namens erklärt auch die Erwähnung der insula Batavorum in Caes. Gall. 4, 10, 2 die ansonsten wohl als Interpolation aufgefasst werden muss.

11 Plut. Otho 12, 4. Dio und Tacitus äußern sich an mehreren Stellen positiv über die Stärke der Bataver. Auf diese Stellen werde ich im Verlauf der Arbeit eingehen.

12 Tac. Hist. 4, 12, 3; 2, 17, 2. Cass. Dio 69, 9, 6. Eine fehlgeschlagene Aktion: Tac. Ann. 2, 8, 3.

13 Cass. Dio 55, 24, 6-7. Außerdem verweist Bellen, 55f. darauf, dass die Aufgaben der Leibwache oft nur zu Pferd erfüllt werden konnten.

14 Tac. Hist. 4, 33, 1 in Verbindung mit 4, 33, 4. Dass die Kohorten Reiterabteilungen hatten, lässt sich außerdem auch aus ihrer Forderung nach einer Erhöhung des Reiteranteils ersehen. (Tac. Hist. 4, 19, 1.) Dass es auch nach dem Aufstand noch Reiter in den cohortes Batavorum gab, beweist CIL III 11918 für die cohortem VIIII Batavorum. Für die anderen lässt es sich lediglich vermuten.

15 Tac. Hist. 4, 18, 1-4; CIL XVI 108.

16 Tac. Hist. 2, 28, 2.

17 Tac. Hist. 2, 27, 2. Mit den Vierzehnern ist die 14. Legion gemeint, der sie als Hilfstruppen zugeordnet waren.

18 CIL III 3676 = ILS 2558. Im weiteren beschreibt er, wie er dabei auch noch seinen Bogen trocken hielt und rühmt sich, der Einzige zu sein, der eine solche Leistung je zustande brachte.

19 Tac. Hist. 4, 18, 1-3; 4, 20, 1-4.

20 Willems, 233f.

Ende der Leseprobe aus 28 Seiten

Details

Titel
Bataver in römischen Diensten - Von Oktavian bis zum Ende des 1. Jahrhunderts n. Chr.
Hochschule
Humboldt-Universität zu Berlin  (Istitut für Geschichtswissenschaften)
Veranstaltung
Hauptseminar
Note
1,3
Autor
Jahr
2001
Seiten
28
Katalognummer
V76808
ISBN (eBook)
9783638821469
Dateigröße
529 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Bataver, Diensten, Oktavian, Ende, Jahrhunderts, Hauptseminar
Arbeit zitieren
Martin Miehe (Autor), 2001, Bataver in römischen Diensten - Von Oktavian bis zum Ende des 1. Jahrhunderts n. Chr., München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/76808

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