Radio in Peru


Hausarbeit, 2004

18 Seiten, Note: 2,0


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung

2 Radiogeschichte
2.1 Einführung des Radios in Südamerika
2.2 Die Anfänge in Peru

3 Radio als Sprachrohr für die indigene Bevölkerung Perus
3.1 Die programas folclóricos
3.2 Radio in der Entwicklungshilfe
3.3 Tierra Fecunda

4 Schluss

5 Literaturverzeichnis

1 Einleitung

Welche Bedeutung haben Medien und speziell das Radio in einem unterentwickelten Land wie Peru? Welche Auswirkungen haben sie auf die Gesellschaft? Wie werden sie von der Bevölkerung allgemein und im Besonderen von den Campesinos (Bauern) rezipiert? Um diese Fragen beantworten zu können, muss man einiges Wissen über die politischen und ökonomischen Umstände in diesem Land in seine Überlegungen miteinbeziehen. Außerdem hat sich in den letzten 80 Jahren, in denen es Radio in Südamerika gibt, in technologischer sowie in entwicklungspolitischer Hinsicht viel verändert. Ich werde deshalb versuchen, die Entwicklung des Radios und seine Rolle als Unterhaltungs- und Informationsmedium im Wandel der Zeit angemessen zu beschreiben.

Zuerst möchte ich jedoch einen kurzen Abriss über die Einführung des Radios in Südamerika und über die Einflüsse nordamerikanischer bzw. europäischer Konzepte geben. Danach möchte ich auf Perus damalige Regierung unter Präsident Augusto B. Leguía und deren Intention beim Gebrauch des Radios eingehen.

Der Hauptteil meiner Arbeit soll aber den Blick auf die sozialen Komponenten im Umgang mit Radio lenken. Wie wird Radio eingesetzt? Was für Ideen werden umgesetzt? Welche Ziele werden beabsichtigt? Kann das Radio Bildungsarbeit leisten? Wie beeinflusst es das Bewusstsein der Bevölkerung? Trägt es positiv zur Entwicklung des Landes bei? Für die Beantwortung dieser Fragen werde ich den Blick sowohl auf die im Land verborgenen Kräfte, als auch auf die Arbeit der internationalen Entwicklungshilfe im Umgang mit Medien lenken und anhand von einem konkreten Projektbeispiel die Erfolge und Schwierigkeiten dieser Arbeit aufzeigen.

2 Radiogeschichte

2.1 Einführung des Radios in Südamerika

Argentinien behauptet von sich, der Vorreiter in der Ausstrahlung von Radiosendungen in Südamerika zu sein. Erste Versuche soll es schon um 1918 gegeben haben, aber am 26. 8. 1920 kam es in Buenos Aires zum Durchbruch: es wurde die Wagneroper „Parsifal“ gesendet. Die Begeisterung unter den Zuhörern war groß, es wurden innerhalb von 10 Jahren mehrere Radiosender (Radio Argentina, Radio Sudamérica, R. Belgrano, R. Splendid, R. Mitre, R. Municipal, Excelsior, Porteña, etc.) und das Unternehmen „Pekam Company“ gegründet, welches in der Produktion von Radioapparaten in Konkurrenz mit nordamerikanischen und europäischen Unternehmen trat.[1]

Andere Beispiele liefern Kuba und Mexiko, deren Anfänge mit dem Medium Radio sehr stark von nordamerikanischen Interessen gelenkt wurden. In den Vereinigten Staaten hatte sich schon eine richtige Radioindustrie entwickelt. Darin miteinbegriffen war die Produktion von Radioapparaten, Grammophonen und Schallplatten, denn die Livesendungen waren damals noch zu teuer. Somit gab es auch eine große Nachfrage an Musikern und Orchestern, die ihre Stücke auf Platte aufnahmen.[2]

Die Radiostationen in Mexiko wurden hauptsächlich von Industrieunternehmen zu kommerziellen Zwecken gegründet. So entstand z. B. im Juni 1922 der Sender Liga Nacional de Radio, über den ein Erfahrungsaustausch über die Industrie stattfand. Im selben Jahr wurde JH von der Zigarettenfirma „El Buen Tono“ und 1923 vier Sender (IJ, El Mundo, El Universidad Ilustrado, la CYJ) von dem Elektrounternehmen „General Electric“ gegründet. In den Jahren darauf kamen auch staatliche und parteiliche Sender (z.B. CFE u. XEFO) dazu.[3]

Auf Kuba wurde im Oktober 1922 die Cuban Telephone Company gegründet. Schon 1921 verkaufte die Radio Corporation of Cuba Radiogeräte, um die Hörerzahl und das Sendegebiet der US-amerikanischen Radiostationen zu vergrößern. Bis 1930 entstanden ca. 40 kommerzielle Sender auf Kuba.[4] Eine wichtige Rolle spielte hierbei auch das nordamerikanische Unternehmen Western Electric, welches auch in Brasilien, Puerto Rico und Venezuela Sender bereitstellte.[5]

2.2 Die Anfänge in Peru

Über die genauen Umstände, wie es zur Einführung von Radio in Peru kam, bestehen nur wenige Fakten. Der Autor Juan Gargurevich hat seine Informationen hauptsächlich aus Zeitungsartikeln und anhand von Geschichtsdokumenten und Biografien über den damaligen Präsident Augusto B. Leguía seine Rückschlüsse gezogen. In der Microsoft Encarta 2002 steht folgende kurze Zusammenfassung:

„1908 startete der Präsident Augusto Leguía y Salcedo ein Programm wirtschaftlicher Reformen. Nach seiner ersten Amtsperiode (1908-1912) reiste Leguía nach Großbritannien und in die Vereinigten Staaten, um Methoden des Bankwesens und der Finanzwirtschaft, die er später in Peru umsetzte, kennen zu lernen. Durch einen militärischen Staatsstreich kam er 1919 erneut an die Macht und regierte daraufhin diktatorisch.“[6]

Aus diesen paar Zeilen kann man schon Einiges über die Person Leguía ablesen: er war ein geschäftsfreudiger Mensch und pflegte enge Kontakte zu ausländischen Unternehmen. Auch schon sein Vorgänger Cáceres, während dessen Amtperiode das erste Telefonunternehmen in Lima (Peruvian Telephone Company) entstand[7], hatte mit England ein Handelsabkommen über den Export von Rohstoffen und den Import von englischen Fertigwaren abgeschlossen. Außerdem war es den Engländern gestattet, die peruanischen Handelswege und Telegrafenverbindungen zu nutzen.[8]

Peru begab sich also schon sehr früh in die Abhängigkeit der führenden Industriestaaten, was in verteidigungspolitischer Hinsicht von Vorteil, in ökonomischer Hinsicht aber nicht die beste Lösung war. In Konflikten mit Chile, Kolumbien und Ecuador bekam Peru Unterstützung von den USA, dafür machte Leguía in seiner zweiten Amtsperiode Schulden über 138 Millionen US-Dollar.[9]

Die Anfänge von Radio in Peru liefen unter der Mitarbeit der Marconi Wireless Co.[10]. Leguía entschied sich ganz bewusst für diese Zusammenarbeit. Die Gründe für diese Entscheidung lagen wohl in seiner autoritären Haltung und der Angst, dass ein freies Rundfunkkonzept, wie es in Nordamerika ausgeübt wurde, seiner Kontrolle entgleiten und sich gegen ihn wenden könnte. Leguías Begeisterung für das neue Medium kam nämlich auch daher, dass er sich einen erheblichen Einfluss auf die Hörerschaft und damit einen gewissen Machtaspekt ausmalte.[11] Seine Diktatur fing damit an, dass er am 14. Januar 1921 die Monopolisierung von Telegraphie und Funk veranlasste, womit er heimliche Kommunikation verhindern wollte, die eine Gefahr für die Souveränität des Staates darstellte. Weiterhin verordnete er am 21. Januar desselben Jahres die Übergabe des Rundfunkdienstes an das Ministerio de Gobierno y Policía (Ministerium für Regierung und Polizei), dessen Chef sein Cousin Germán Leguía y Martínez war. Die Regierung stärkte sich, indem viele Ämter von Familienmitgliedern und Freunden bekleidet wurden.[12] Doch auch das britische Konzept entsprach nicht seinen Wünschen, da das Radio dort als kulturelles Instrument einer Körperschaft aus Staat, Öffentlichkeit und Unternehmen zugleich unterlag. Leguía entschied sich für folgende Idee: die Gründung eines privaten peruanischen Unternehmens zusammen mit Verwandten und Freunden, welches in direkter Partizipation von Marconi, das für die Technologie und Programmgestaltung zuständig sein sollte, stand.[13]

So kam es im April 1921 zu einem Abkommen zwischen Leguía und dem Unternehmen Marconi, welches besagte, dass dem Unternehmen ab 1. Mai 1921 das gesamte Rundfunksystem für 25 Jahre zur Verwaltung übergeben werde.[14] Daraufhin veröffentlichten die großen Zeitungen kritische Artikel. Da Leguía überhaupt keine Kritik vertrug, wurden die Stimmen seiner Widersacher Luis Fernán Cisneros (La Prensa) und Ruiz Bravo (El Tiempo) kurzerhand erstickt. La Prensa wurde von einem kolumbianischen Freund Leguías übernommen, aber El Tiempo begann nun mit der Kritik an Marconi. Am 1. April erschien ein Zeitungsartikel mit folgender Überschrift: „La Marconi Wireless y el público. Ya no es posible seguir tolerando las irregularidades de esta empresa.“[15] (Die Marconi Wireless und die Öffentlichkeit. Es ist nicht möglich die Unregelmäßigkeiten dieses Unternehmens weiterhin zu tolerieren.(Übers.C.Z.)). So ähnlich sahen auch die anderen Schlagzeilen aus.

Das Abgeordnetenhaus bildete daraufhin einen Untersuchungsausschuss, welcher dem Präsidenten am 27.11.22 die Kündigung mit der Firma riet. Die Senatskammer beschloss aber am 27.12.22 lediglich einige Änderungen im Vertrag, welche die großen ökonomischen Vorteile für Marconi nicht beeinflussten.[16] Erst am 1. Februar 1926 wird das Abkommen in ein Vertragsgesetz (Nr.5363) aufgenommen. La Crónica hatte bereits 1925 eine Reihe von Artikeln über die Post und den Vertrag gedruckt. Der Autor Humberto Ugolotti Dansay war der Ansicht, dass dieser nicht den Interessen des Landes gerecht werde und hoffte auf Rücknahme des Gesetzes - erfolglos. Der spätere Präsident Sánches Corro jedoch bezog sich auf eben dieses Gesetz Nr.5363 und nicht auf das frühere Abkommen von 1921. Somit forderte er die von Marconi eingenommenen Gelder der ersten fünf Jahre zurück, da er diese als nicht legal betrachtete.[17]

Nachdem ich nun einen Überblick über die Rahmenbedingungen in Peru zur damaligen Zeit gegeben habe, möchte ich jetzt auf die Gründung des ersten peruanischen Senders eingehen.

Die Urväter waren natürlich dieselben, denen das 1921 entstandene Unternehmen gehörte. Am 29. August 1924 wird von folgenden Personen ein Dokument unterschrieben, das die Entscheidung zur Gründung der Peruvian Broadcasting Company Ltd., auch OAX genannt, beinhaltete: César Coloma, der auch Geschäftsführer wurde, Santiago Acuña Vázquez, Fernando G. Carbajal, Luis G. Tirado, alles Peruaner mit einflussreichen Positionen. Außerdem waren da noch Walter F. Ford, Nordamerikaner, Ronald M. J. Gordon, Engländer und Paul Widmer, Belgier.[18] Die Gemeinsamkeit dieser sieben Gründer war, dass sie alle sehr gute Freunde des Präsidenten oder seiner Söhne waren. Neben den ökonomischen und politischen Interessen teilten sie auch Leguías Begeisterung für den Fortschritt und glaubten an dessen Vision, dass „Peru in großen Schritten einer Zukunft entgegenschreitet, die zur Zeit noch nicht einmal zu erahnen ist.“[19] (Übers.C.Z.)

[...]


[1] Gargurevich 1995:30 f

[2] Gargurevich 1995:17

[3] Gargurevich 1995:31 f

[4] ebd.:32 f

[5] ebd.:34 f

[6] Microsoft® Encarta® Professional 2002. © 1993-2001 Microsoft Corporation. Alle Rechte vorbehalten.

[7] Gargurevich 1995:98

[8] ebd.:43

[9] ebd.:40 f

[10] Guglielmo Marconi Jameson (1874-1937), Erfinder des Funk, Lizenz in England, 1897: Wireless Telegraph and Signal Company Limited (London), 1899: Marconi Wireless Telegraph Company of America; nach 1.WK:

Verkauf v. Transmittern, Rezeptoren und Verwaltungsdiensten im Ausland. (Gargurevich 1995:44 ff)

[11] Gargurevich 1995:57

[12] ebd.:54

[13] ebd.:57

[14] ebd.:47

[15] nach ebd.:50

[16] ebd.:51

[17] ebd.:52 f

[18] ebd.:67

[19] nach ebd.:70

Ende der Leseprobe aus 18 Seiten

Details

Titel
Radio in Peru
Hochschule
Humboldt-Universität zu Berlin  (Institut für Kultur- und Kunstwissenschaften)
Veranstaltung
Radiogeschichte und Hörspiel
Note
2,0
Autor
Jahr
2004
Seiten
18
Katalognummer
V76937
ISBN (eBook)
9783638808736
Dateigröße
515 KB
Sprache
Deutsch
Anmerkungen
12 Literaturangaben, davon 3 Internetadressen
Schlagworte
Radio, Peru
Arbeit zitieren
Carolyn Zeck (Autor), 2004, Radio in Peru, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/76937

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