Clyfford Still ist eine der umstrittensten Figuren der amerikanischen Kunstszene der Nachkriegszeit. Sein Werk steht, zumindest in Europa, erst an den Anfängen der kunsthistorischen Bearbeitung, da der Künstler zu seinen Lebzeiten jeglichen wissenschaftlichen Publikationen einen Riegel vorgeschoben hat. Auch heute, 25 Jahre nach seinem Tod, existiert noch kein vollständiges Werkverzeichnis, da sich nur ein Bruchteil seines Œuvres in öffentlichen und privaten Sammlungen befindet.
Ziel dieser Arbeit ist es, die Entwicklung von Stills Stil vom ersten erfassbaren Frühwerk, über seine bekannteste Werkphase der frühen 50er bis zum Spätwerk nachzuzeichnen und dessen Besonderheiten herauszustellen. Dies geschieht, wo es nötig erscheint, im Rahmen einiger biographischer Eckdaten. Ferner soll dabei die Diskrepanz zwischen den Äußerungen und Absichten des Künstlers und der tatsächlichen Umsetzung in seinen Bildern untersucht werden.
Im Folgenden wird zu klären sein, ob Clyfford Stills Werk nach der vorherrschenden Meinung der Kunsthistoriker und -kritiker wirklich dem ‚Abstrakten Expressionismus“ zuzuordnen ist und in welche Stilrichtung innerhalb dieser Bewegung er sich gegebenenfalls einordnen lässt.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Das Œuvre
2.1 Die Anfänge
2.2 Von der Landschaft zur Figur
2.3 Primitive Kunst, Fruchtbarkeit und Symbolik
2.4 Höhepunkte
2.5 Spätwerk
2.6 Tabellarische Zusammenfassung
3. Abstrakter Expressionismus? Eine Einordnung
3.1 ‚Action Painting‘ oder ‚Color Field Painting‘?
3.2 Vergleich mit Rothko und Newman
4. Fazit
5. Literatur
Zielsetzung & Themen
Diese Arbeit untersucht die künstlerische Entwicklung von Clyfford Still von seinen Anfängen in den 1930er Jahren bis zu seinem Spätwerk. Dabei wird insbesondere der Frage nachgegangen, inwieweit eine Einordnung seines Werkes in den Abstrakten Expressionismus sowie in spezifische Stilrichtungen innerhalb dieser Bewegung gerechtfertigt ist und welche Diskrepanzen zwischen seinen Selbstaussagen und der künstlerischen Umsetzung bestehen.
- Biografische Eckdaten und künstlerische Anfänge
- Entwicklung von gegenständlichen Motiven zur Abstraktion
- Einflüsse von Regionalismus, Surrealismus und europäischer Moderne
- Analyse der Werksphasen zwischen 1930 und 1980
- Vergleichende Einordnung zu Mark Rothko und Barnett Newman
Auszug aus dem Buch
2.1 Die Anfänge
Clyfford Still wurde am 30. November 1904 in Grandin, North Dakota geboren. Ein Jahr später zog die Familie nach Spokane, Washington, um, wo der Vater als Buchhalter seinen Lebensunterhalt verdiente. 1910 versuchten seine Eltern ihr Glück als Farmer in der Nähe von Bow Island in Kanada. Da der Wohnsitz der Familie in Washington, wo Clyfford Still auch noch weiter zur Schule ging, beibehalten wurde, pendelte er als Kind ständig hin und her, was er später selbst als Nomadenleben bezeichnete.
Still war schon als Kind musisch begabt und zeigte starkes Interesse für Malerei, Musik und Literatur. Die Entwicklung seiner künstlerischen Ader stand jedoch im Kontrast zu seinen Lebensumständen. Trotz der eingeschränkten Möglichkeiten, die seine Herkunft mit sich brachte, saugte er alle Informationen, an die er gelangen konnte, wissbegierig auf und begann mit 14 Jahren zu zeichnen und zu aquarellieren. Seine frühen Themen waren seine Familie, Selbstporträts, Landschaftsbilder und Szenen aus dem Landleben.
1925 reiste Still mit nur 20 Jahren erstmals nach New York, um europäische Kunstwerke im Original zu sehen. Allerdings wurden seine hohen Erwartungen an die Bilder, die er bisher nur aus Reproduktionen kannte, enttäuscht.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Vorstellung der Problematik, dass Stills Werk trotz seiner Bedeutung bisher kunsthistorisch wenig aufgearbeitet wurde, sowie Formulierung der Forschungsfragen.
2. Das Œuvre: Chronologische Analyse der Entwicklung Stills, von den frühen, teils figurativen Arbeiten in den 30er Jahren bis hin zu den abstrakten Hauptwerken.
2.1 Die Anfänge: Beleuchtung der frühen Jahre und des Einflusses des Regionalismus auf seine ersten künstlerischen Versuche.
2.2 Von der Landschaft zur Figur: Untersuchung der stilistischen Wende weg vom Regionalismus hin zur Abstraktion, ausgehend von der menschlichen Figur.
2.3 Primitive Kunst, Fruchtbarkeit und Symbolik: Analyse der Aneignung und Umdeutung von Motiven aus der Kunst indianischer Stämme.
2.4 Höhepunkte: Darstellung der Phase ab 1947, in der Still seinen eigenen, monumentalen Stil der großflächigen Farbfelder entwickelte.
2.5 Spätwerk: Betrachtung der letzten Schaffensjahre, die von einer gewissen formalen Wiederholung und einem Rückzug aus der New Yorker Kunstszene geprägt waren.
2.6 Tabellarische Zusammenfassung: Übersichtliche Gegenüberstellung der Werkphasen, Themen, Einflüsse und exemplarischen Bilder.
3. Abstrakter Expressionismus? Eine Einordnung: Kritische Untersuchung der Zuordnung Stills zu dieser Kunstbewegung.
3.1 ‚Action Painting‘ oder ‚Color Field Painting‘?: Diskussion, welcher Unterkategorie des Abstrakten Expressionismus Stills Malweise am ehesten zuzuordnen ist.
3.2 Vergleich mit Rothko und Newman: Gegenüberstellung von Stills Arbeit mit seinen Zeitgenossen zur Schärfung des eigenen Profils.
4. Fazit: Zusammenfassende Bewertung, dass eine pauschale Einordnung schwierig ist und Still massiv von europäischer Moderne beeinflusst wurde, entgegen seiner eigenen Darstellung.
5. Literatur: Verzeichnis der verwendeten Sekundärquellen.
Schlüsselwörter
Clyfford Still, Abstrakter Expressionismus, Malerei, Farbfeldmalerei, Action Painting, Moderne, Kunstgeschichte, USA, Regionalismus, Surrealismus, Bildanalyse, Mark Rothko, Barnett Newman, 20. Jahrhundert, Biografie.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundlegend?
Die Arbeit analysiert das Werk des amerikanischen Künstlers Clyfford Still und dessen kunsthistorische Einordnung im Kontext des Abstrakten Expressionismus.
Was sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?
Die Schwerpunkte liegen auf der chronologischen Entwicklung seines Stils, der Diskrepanz zwischen Selbstinszenierung und tatsächlichem Werk sowie dem Vergleich zu anderen Größen der Moderne.
Welches primäre Ziel verfolgt die Arbeit?
Das Hauptziel ist es, die künstlerische Entwicklung von den Anfängen bis zum Spätwerk nachzuzeichnen und zu klären, ob die Einordnung in den Abstrakten Expressionismus sowie in spezifische Stilgruppen zulässig ist.
Welche wissenschaftliche Methode kommt zum Einsatz?
Die Arbeit nutzt eine kunsthistorische Werk- und Stilanalysetechnik unter Einbeziehung biographischer Eckdaten und vergleichender Studien zu zeitgenössischen Künstlern.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine detaillierte chronologische Analyse der Werkphasen, eine Untersuchung der Zuordnung zu Strömungen wie Color Field Painting und einen Vergleich mit Mark Rothko und Barnett Newman.
Welche Schlüsselwörter beschreiben die Arbeit am besten?
Clyfford Still, Abstrakter Expressionismus, Farbfeldmalerei, Moderne, Biografie und kunsthistorische Einordnung.
Warum spielt der Einfluss der europäischen Moderne eine besondere Rolle in der Arbeit?
Die Arbeit verdeutlicht, dass Still entgegen seiner Behauptung, völlig unabhängig zu sein, stark durch europäische Vorbilder beeinflusst wurde, was durch Bildvergleiche, etwa mit Paul Cézanne, untermauert wird.
Wie bewertet die Autorin die Rolle von Bildtiteln bei Clyfford Still?
Es wird aufgezeigt, dass Still ab 1947 bewusst auf inhaltliche Bildtitel verzichtete und diese durch Jahreszahlen und Indices ersetzte, um seine Bilder als autonomen Ausdruck seines Selbst und nicht als bloße Symbole zu definieren.
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- Nicole Giese (Author), 2006, Clyfford Still, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/76945