Die vorliegende Arbeit beschäftigt sich gleich mit zwei historischen Persönlichkeiten, ohne deren Einfluss die Welt heute eine andere wäre: Alexander, den die Nachwelt infolge seiner unglaublichen militärischen Erfolge den Grossen nennen wird, und Aristoteles, dessen philosophische Schriften das abendländische Denken entscheidend geprägt haben. Staunend und fasziniert entnehmen wir den Quellen, wie der berühmte Philosoph an den makedonischen Königshof gerufen wurde, um den Welteroberer zu unterrichten. Nur zu leicht vergessen wir dabei, dass weder Alexander zu jener Zeit bereits sein Schicksal kannte, noch Aristoteles dieses Ansehen genoss, das ihm heute zuteil wird. Wir, die wir versuchen die Vergangenheit zu verstehen und zu erklären, können erkennen, wie Entscheidungen einzelner Personen, die Zusammenkunft verschiedener Charaktere, materielle Einflüsse oder auch der bloße Zufall sich im Nachhinein zu dem verdichten, was wir den Verlauf der Geschichte nennen.
Inhaltsverzeichnis
1. EINLEITUNG
1.1. ZUR PROBLEMATIK DES GEGENSTANDES
1.2. ZU DEN QUELLEN
1.3. ZUR VORGEHENSWEISE
2. DIE ERZIEHUNG ALEXANDERS
2.1 DIE JUGEND AM MAKEDONISCHEN KÖNIGSHOF
2.2. DER SCHÜLER DES PHILOSOPHEN
2.3. VERLORENE QUELLEN
3. DER FELDHERR UND DER PHILOSOPH
3.1. DIE SCHULE DER PERIPATETIKER
3.2. ALEXANDERS PHILOSOPHISCHE NEIGUNG
3.3. ENTFREMDUNG VON SEINEM LEHRER
3.3.1 DAS PROBLEM „KALLISTHENES“
4. VORÜBERGEHENDE BEANTWORTUNG DER EINGANGS GESTELLTEN FRAGE
4.1. ARISTOTELES, DER ERZIEHER
4.2. ARISTOTELES, DER PHILOSOPH
5. ALEXANDER UND DIE ARISTOTELISCHE PHILOSOPHIE
5.1. DER IDEALE STAAT
5.2. ALEXANDER UND DIE BARBAREN
5.3. OFFENE FRAGEN - PERSPEKTIVEN
6. ABSCHLUSS UND AUSSICHT
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht den historischen Einfluss von Aristoteles auf den jungen Alexander den Großen und analysiert, inwieweit sich aristotelische Philosophien in Alexanders spätere Herrschaftspraxis und Weltanschauung integrieren ließen oder zu Konflikten führten.
- Die Erziehung Alexanders durch Aristoteles
- Das persönliche Lehrer-Schüler-Verhältnis und seine Entfremdung
- Die Bedeutung der antiken Quellenlage
- Aristoteles’ Lehre vs. Alexanders Realpolitik
- Die Rolle der Barbarenfrage im antiken Weltbild
Auszug aus dem Buch
3.1. Die Schule der Peripatetiker
Die gängige Meinung, Aristoteles’ Schule der Peripatetiker (Herumwandler) habe ihren Namen dadurch erhalten, dass er mit seinen Schülern gerne und oft die Lehrgespräche gehend geführt habe, ergänzt Diogenes Laertius durch die Anekdote, der Name sei darauf zurückzuführen, dass Aristoteles „mit dem von einer Krankheit wiedergenesenen Alexander Spaziergänge unter lehrreichen Gesprächen gemacht habe.“ Dies nur als Beispiel für die unzähligen verwirrenden Geschichten, die über Alexander verbreitet wurden.
Für Aristoteles ergab sich aus dieser Zeit am makedonischen Königshof der Vorteil, dass er jetzt über genügend finanzielle Mittel verfügte, um seine unabhängig wissenschaftliche Arbeit vorwärts zu treiben. Die moderne Forschung geht davon aus, dass diese letzte Lebensphase seine fruchtbarste war und in dieser Zeit die Schriften entstanden, die seinen späteren Ruhm begründeten. Ob sich die Gründung der peripatetischen Schule bereits zu seinen Lebzeiten vollzog, gilt als umstritten. Aristoteles gründete aber sicher ein Museum und eine Bücherei mit einer Sammlung von Landkarten und Manuskripten, darunter seine eigenen Vorlesungsunterlagen. Das Verhältnis zwischen ihm und Alexander scheint vorerst ungetrübt geblieben zu sein, denn Alexander unterstützte Aristoteles’ wissenschaftliches Streben weiterhin durch finanzielle Mittel und auch mit Personal.
Zusammenfassung der Kapitel
1. EINLEITUNG: Darstellung der methodischen Herausforderungen bei der Quellenanalyse und die Problematik der historischen Retrospektive.
2. DIE ERZIEHUNG ALEXANDERS: Analyse des makedonischen Hofumfelds und der pädagogischen Rolle von Aristoteles während Alexanders Jugend.
3. DER FELDHERR UND DER PHILOSOPH: Untersuchung des Zerwürfnisses zwischen den beiden historischen Persönlichkeiten, insbesondere im Kontext der Kallisthenes-Affäre.
4. VORÜBERGEHENDE BEANTWORTUNG DER EINGANGS GESTELLTEN FRAGE: Zwischenbilanz über Aristoteles' Wirken als Erzieher und Philosoph sowie dessen direkten Einfluss auf Alexanders Wissensdurst.
5. ALEXANDER UND DIE ARISTOTELISCHE PHILOSOPHIE: Vergleich zwischen aristotelischen Staatsidealen und der tatsächlichen Weltreichspolitik Alexanders sowie dessen Umgang mit fremden Völkern.
6. ABSCHLUSS UND AUSSICHT: Finales Fazit über das komplexe Wechselspiel von Philosophie und Historie sowie die Hoffnung auf zukünftige Quellenfunde.
Schlüsselwörter
Alexander der Große, Aristoteles, Makedonien, Erziehung, Philosophie, Kallisthenes, Peripatetiker, Weltreich, Quellenkritik, Hellenismus, Polis, Realpolitik, Antike, Weltbürger, Historische Forschung
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht das historische Verhältnis zwischen Alexander dem Großen und seinem Lehrer Aristoteles, um den Einfluss der philosophischen Ausbildung auf das spätere Handeln Alexanders zu bestimmen.
Welche zentralen Themenfelder werden behandelt?
Im Zentrum stehen die Ausbildung am makedonischen Hof, das Scheitern des persönlichen Verhältnisses, die Rolle von Aristoteles’ Schriften und der Vergleich von aristotelischen Idealen mit der realen Eroberungspolitik.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Das Ziel ist die kritische Evaluation der Frage, inwiefern aristotelisches Gedankengut Alexanders Wesen und seine Taten als Weltherrscher maßgeblich geformt hat.
Welche wissenschaftliche Methode verwendet der Autor?
Der Autor stützt sich auf eine quellenkritische Analyse, die antike Texte von Autoren wie Plutarch, Arrian und Diogenes Laertius sowie moderne Monographien vergleicht.
Was wird im Hauptteil der Untersuchung behandelt?
Der Hauptteil befasst sich mit der pädagogischen Tätigkeit am Königshof, der Entfremdung aufgrund politischer Differenzen und der kritischen Auseinandersetzung mit der aristotelischen Politik-Theorie.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Untersuchung?
Alexander der Große, Aristoteles, Erziehung, Philosophie, Quellenkritik, Realpolitik und Weltreichsgedanke.
Welche Bedeutung hat das "Problem Kallisthenes" für die Beziehung der beiden?
Die Hinrichtung von Kallisthenes, dem Neffen von Aristoteles, durch Alexander gilt als zentraler Wendepunkt, der zu einer dauerhaften Entfremdung und Antipathie zwischen Lehrer und Schüler führte.
Warum betont der Autor die Schwierigkeit der Quellenlage?
Da viele Quellen erst Jahrhunderte nach Alexanders Tod verfasst wurden, ist die Abgrenzung zwischen historischen Fakten und literarischer Verklärung für einen Historiker oft schwierig bis unmöglich.
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- Patrick Weber (Author), 2005, Alexander der Große und Aristoteles, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/76953