Die Deutsche Bank und die NS-Eroberungspolitik – 1938 bis 1941


Seminararbeit, 2006

19 Seiten, Note: 1,3


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Historischer Kontext

3. Die Einflusssteigerung der Deutschen Bank in Österreich bis zum „Anschluss“

4. Vom „Anschluss“ Österreichs bis zum „Münchner Abkommen“

5. Die schrittweise Annexion der Tschechoslowakei bis März 1939

6. Die Expansion der Deutschen Bank während des Krieges bis 1941
6.1. Die Besetzung Osteuropas
6.2. Die Besetzung Westeuropas

7. Schlussbetrachtung

8. Quellen- und Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Vor und vor allem während der Industrialisierung im 18. und 19. Jahrhundert, welche nicht nur eine massive Steigerung der betroffenen Volkswirtschaften von Großbritannien, Deutschland, Frankreich und den USA mit sich brachte, fand eine zweite mit der Industrialisierung verbundene Entwicklung statt – die Bedeutungszunahme der Finanzmärkte und die dazugehörigen Kapitalvernetzungen zwischen den Volkswirtschaften der Welt.

Im 20. Jahrhundert gewann diese Entwicklung noch mehr an Bedeutung und wurde teilweise zum alles bestimmenden Faktor der Volkswirtschaften zuvor genannter Nationen. Unweigerlich verbunden mit den Finanzmärkten waren und sind die Banken, welche vor allem in Deutschland die industrielle Entwicklung maßgeblich mitbestimmt haben und so katalysatorisch wirkten. Der Einfluss der Banken stieg mit der zunehmenden Verflechtung der Finanzmärkte in aller Welt. Auch expansionistische und imperialistische Bestrebungen großer Nationen wurden von Banken teilweise mit beeinflusst und finanziert, so auch in Deutschland.

Die ungeheuren Rüstungsausgaben Deutschlands, vor allem während der beiden Weltkriege, wurden ebenso von einigen Banken finanziert wie in anderen Ländern ebenfalls. Aufgrund der Tatsache, dass der Einfluss von Banken aus unserer heutigen und auch schon aus der damaligen Gesellschaft bzw. Wirtschaft nicht mehr wegzudenken ist, möchte ich mich mit diesem Thema in meiner Hausarbeit auseinandersetzen. Daher habe ich im Rahmen des Hauptseminars „Banken und Finanzmärkte in Deutschland von der Mitte des 19. Jahrhunderts bis zum 2. Weltkrieg“ jene Zeitspanne gewählt, die nach dem Zweiten Weltkrieg so massiv von Historikern diskutiert worden ist – die Zeit zwischen der „friedlichen“ Expansion Deutschlands (1938/39) und der „kriegerischen“ Expansion Deutschlands (1939 bis 1942). Das spezielle Fallbeispiel hierfür ist die Deutsche Bank, welche gegenwärtig immer noch existiert.

In dieser Hausarbeit werde ich weitestgehend chronologisch vorgehen, um so die Entwicklung der Expansionsbestrebungen der Deutschen Bank von 1938 bis 1942 besser darstellen zu können. Die Fragestellung dieser Arbeit bezieht sich eindeutig auf die Vorgehensweise der Deutschen Bank zur Einflussgewinnung und Expansion in den jeweiligen besetzten Gebieten. Gab es strukturelle bzw. prozessuale Unterschiede zwischen dem Vorgehen in Ost- und Westeuropa? Wenn ja, welches Ausmaß erreichten diese? War das Vorgehen in Friedenszeit anders, als in Kriegszeiten? Da diese Fragen ohne den historischen Kontext nicht zu verstehen ist, werde ich in Punkt 2. versuchen diesen Kontext in groben Zügen darzustellen. In Punkt 3. gehe ich dann spezieller auf die Entwicklungen der Expansionsbestrebungen der Deutschen Bank bis zum „Anschluss“ Österreichs ein, um anschließend im Punkt 4. den „Anschluss“ Österreichs in Bezug auf die Deutsche Bank expliziter darzustellen. Ebenfalls in Punkt 4. beleuchte ich die Aktivitäten der Deutschen Bank bis zum „Münchner Abkommen“ im September 1938. Punkt 5. umfasst anschließend die letzten Monate der Tschechoslowakei bezüglich der Aktivitäten der Deutschen Bank bis zum März 1939, womit dann auch der Abschnitt der „friedlichen Expansion“ Deutschlands beendet ist.

Punkt 6. befasst sich demnach mit der „kriegerischen Expansion“ Deutschlands, allerdings hier nur bis 1940 (mit geringen Anmerkungen bis 1943), wobei ich speziell die „Vorgehensweise“ der Deutschen Bank geographisch in Westeuropa (Punkt 6.1.) und Osteuropa (Punkt 6.2.) unterteilen werde. Dem folgt abschließend eine Schlussbetrachtung, welche versuchen wird, die wichtigsten Darstellungen zusammenzufassen und die eingehende Fragestellung zu beantworten.

2. Historischer Kontext

Die Weltwirtschaftskrise, welche bereits 1929 begann, veränderte den deutschen Bankensektor sehr stark, und führte zu einer Bankenkrise, welche die Wirtschaftskrise in jenen Jahren sogar noch verstärkt habe.[1] Die Arbeitslosigkeit im Deutschland der frühen 1930er Jahre war hoch und die NSDAP – eine aufstrebende junge „Massenorganisation mit Parteistatus“ - bekam recht großen Mitglieder- und Sympathisantenzulauf in diesen Jahren. Die Erfolge der Nationalsozialisten führten letztlich zu deren so genannten „Machtergreifung“ in Deutschland und veränderten die politische Lage gravierend.

In den Jahren 1933 bis 1938 wurde von den politischen Gegebenheiten soviel Einfluss auf die deutsche Wirtschaft ausgeübt, dass Deutschland in dieser Zeitspanne seine Rüstungsanstrengungen vervielfachen konnte. „Die Rüstungskonjunktur war so durchschlagend, dass die Arbeitslosigkeit bis zum Ausbruch des Krieges vollständig beseitig werden konnte. Die Arbeitslosenquote, die 1934 noch 13,5 Prozent betragen hatte, sank 1938 auf 1,9 Prozent und betrug 1939 noch 0,5 Prozent.“[2] Außenpolitische „Erfolge“, wie zum Beispiel die Besetzung des Rheinlandes 1936, die Olympischen Spiele 1936 in Berlin - welche noch in der Zeit der Weimarer Republik vergeben worden waren – und der „Anschluss“ Österreichs verschärften die Spannungen zwischen Deutschland und dem Rest der Welt rasch.

Die gefährliche Kombination der aggressiven Außenpolitik und starken Rüstungsproduktion hatte nur ein politisch-militärisches Ziel für das nationalsozialistische Regime – Krieg.[3]

Als am 1. September 1939 der Zweite Weltkrieg mit dem Überfall der deutschen Wehrmacht auf das neutrale Land Polen begann, war dieses Ziel erreicht und es war noch nicht abzusehen, welch schreckliche Zerstörung und unsagbares Leid dieser globale Konflikt bringen sollte.[4] Die Banken mit ihren Kapitalmengen spielten in diesem Konflikt – gleich welches dabei involvierte Land – eine gewichtige Rolle, stellten sie doch zum großen Teil die Kriegskapitalien zur Verfügung, welch eine kontinuierliche Rüstung gewährleisteten.[5]

Durch die anfänglichen militärischen Erfolge der deutschen Armee zu Kriegsbeginn 1939/40 gerieten weite Teile Ost- und Westeuropas unter die politische und damit auch verbundene wirtschaftliche Kontrolle Deutschlands. Von dieser wirtschaftlichen Kontrolle profitierten unter anderem auch die Banken, so zum Beispiel die Deutsche Bank. Wie genau dieser „Profit“ aussah und welche „Methoden“ dabei angewandt wurden soll in den nachfolgenden Kapiteln aufgezeigt werden.

3. Die Einflusssteigerung der Deutschen Bank in Österreich bis zum „Anschluss“

„Die Deutsche Bank war von jeher auch auf internationaler Ebene aktiv. Ja, sie war sogar explizit mit dem Ziel gegründet worden […].“[6] Nach dem Tod Gustaf Schliepers im August 1937, welcher dem Auslandsressort der Deutschen Bank vorstand, trat Hermann Joseph Abs dessen Nachfolge an. Mit Abs als Vorstand des Auslandsressorts gewann diese Abteilung der Deutschen Bank einen fachkundigen und kompetenten Leiter, welcher die Auslandsbemühungen der Bank verstärkt unterstützte.[7] Bereits in den Jahrzehnten vor dem so genannten „Anschluss“ unterhielt die Deutsche Bank sehr ausgedehnte und freundschaftliche Beziehungen zur österreichischen Bankenwelt. Die größte und einflussreichste Kreditanstalt in Österreich war der Wiener Bankverein, der aufgrund einer Fusionierung 1934 mit der Creditanstalt zur Österreichischen Creditanstalt – Wiener Bankverein wurde.

Beide Banken brachten unterschiedliche, aber im weiteren Verlauf sich als nützlich erweisende Auslandsbeziehungen in die Fusion ein. Die Creditanstalt unterhielt „[…] ein [weitläufiges] Beziehungsnetz in [die] Ländern der früheren Doppelmonarchie und darüber hinaus in [den] Südosten Europas“.[8] Weitreichende Kapitalbeteiligungen an ausländischen – vorzugsweise südosteuropäischen - Firmen bzw. Banken wurden so nach der Fusion übernommen.[9]

Die österreichischen Banken, allen voran die Österreichische Creditanstalt – Wiener Bankverein, besaßen in Österreich ein sehr dichtes Filialnetz. Aufgrund dessen bewilligte der Reichskommissar für das Kreditwesen keine Genehmigung zur Errichtung weiterer bzw. eigener Filialen der Deutschen Bank. So gab es lediglich nur eine Möglichkeit für die Deutsche Bank ihre Kreditgeschäfte auch in Österreich auszudehnen, der Erwerb von Kapitalmehrheiten an den österreichischen Banken.[10] Darüber hinaus bestanden zwischen der Deutschen Bank und der Creditanstalt gleichgerichtete Interessen, die die Verhandlungen zwischen den beiden Banken durchaus einfacher gestalteten.

Bereits vor dem eigentlichen „Anschluss“ Österreichs an das Deutsche Reich begannen die Verhandlungen um den Einfluss der deutschen Großbanken auf das österreichische Bankennetz. Die guten Beziehungen von Abs zum Reichswirtschaftsminister Hjalmar Schacht spielten eine gewisse Rolle bei diesen „Übernahmeverhandlungen“ im Vorfeld der Eingliederung Österreichs in das deutsche Staatsgebiet. Dennoch überwogen die politischen Erwägungen stets die wirtschaftliche Logik, wenn es um den Umgang Deutschlands mit Österreich ging.[11]

Aus diesem Grund gab es ab 1937 drei verschiedene „Wege“ der deutschen Österreichpolitik:

Franz von Papen bevorzugte eine evolutionäre Lösung, welche eine nationalsozialistische Machtergreifung in Österreich befördern sollte. Herman Göring erwägte den direkten „Anschluss“, während Adolf Hitler sich nur für die außenpolitischen und strategischen Gesichtspunkte interessierte – sicher auch für seine Planungen in Bezug auf die Tschechoslowakei.[12] Mit der Eingliederung Österreichs in das Deutsche Reich konnte zusätzlicher Druck auf die Tschechoslowakei ausgeübt werden, da man diese strategisch fast völlig umgab.

[...]


[1] Vgl. hierzu die Ausführungen von Karl Erich Born, Vom Beginn des Ersten Weltkrieges bis zum Ende der Weimarer Republik (1914-1933), in: Deutsche Bankengeschichte, Bd. 3, Frankfurt/Main 1983, S. 105-138.

[2] Vgl. Ludolf Herbst, Nationalsozialistische Wirtschafts- und Beschäftigungspolitik, in: Bernd Sösemann (Hg.), Der Nationalsozialismus und die deutsche Gesellschaft – Einführung und Überblick, München 2002, S. 181.

[3] Eine sehr gute Darstellung zum Wandel der deutschen Außenpolitik bietet Wolfgang Michalka, der die Entwicklung der deutschen Außenpolitik in zehn Schritten skizziert. Vgl. hierzu Wolfgang Michalka, Hitlers Außenpolitik und der Weg zum deutschen Weltmachtanspruch, in: Bernd Sösemann (Hg.), Der Nationalsozialismus und die deutsche Gesellschaft – Einführung und Überblick, München 2002, S. 282-297.

[4] „Hitler verkündete am Vormittag des 1. September 1939 im Reichstag, seit 5.45 Uhr früh werde ‚zurückgeschossen’. Der Zweite Weltkrieg hatte begonnen.“, Vgl. Wolfgang Benz, Geschichte des Dritten Reiches, München 2000, S. 165.

[5] Die Kapitalmengen, welche von der Deutschen Bank dem Deutschen Reich zur Verfügung gestellt wurden waren enorm. 1939 betrugen die Schatzwechsel des Deutschen Reiches bei der Deutschen Bank ca. 1,15 Mrd. RM, 1940 waren es schon ca. 1,08 Mrd. RM und 1941 bereits ca. 2,91 Mrd. RM. Vgl. hierzu Deutsche Bank – Geschäftsbericht für 1939, 1940, 1941.

[6] Vgl. Lothar Gall, u.a. (Hg.), Die Deutsche Bank 1870-1995, München 1995, S. 364.

[7] Ebd., S. 365.

[8] Vgl. Harold James, Die Deutsche Bank und die „Arisierung“, München 2001, S. 130.

[9] So zum Beispiel eine 45%ige Kapitalbeteiligung am Allgemeinen Jugoslawischen Bankverein und eine 25%ige Beteiligung am tschechischen Berghütte-Konzern Prag. Siehe hierzu: Christopher Kopper, Zwischen Marktwirtschaft und Dirigismus – Bankenpolitik im „Dritten Reich“ 1933-1939, Bonn 1995, S. 292f.

[10] Ebd., S. 294.

[11] Vgl. Harold James, Deutsche Bank und „Arisierung“, S. 130.

[12] Siehe hierzu Klaus Hildebrand, Das vergangene Reich – Deutsche Außenpolitik von Bismarck bis Hitler, Stuttgart 1996, S. 645 und R. A. C. Parker (Hg.), Vom Imperialismus bis zum Kalten Krieg, in: Fischer Weltgeschichte, Bd. 2, Europa 1918-1945, Frankfurt/Main 2003, S. 290ff, sowie Winston S. Churchill, Der Zweite Weltkrieg, Frankfurt/Main 2003, S. 136-146.

Ende der Leseprobe aus 19 Seiten

Details

Titel
Die Deutsche Bank und die NS-Eroberungspolitik – 1938 bis 1941
Hochschule
Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg
Veranstaltung
Banken und Finanzmärkte in Deutschland von der Mitte des 19. Jahrhunderts bis zum 2. Weltkrieg
Note
1,3
Autor
Jahr
2006
Seiten
19
Katalognummer
V76979
ISBN (eBook)
9783638812931
Dateigröße
434 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Deutsche, Bank, NS-Eroberungspolitik, Banken, Finanzmärkte, Deutschland, Weltkrieg
Arbeit zitieren
René Cremer (Autor), 2006, Die Deutsche Bank und die NS-Eroberungspolitik – 1938 bis 1941, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/76979

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