Als Eltern und Erwachsene wollen wir, dass Kinder fröhlich sind, lachen und spielen. Wir glauben nicht daran, dass es für ein Kind schon von Bedeutung sein könnte, über den Tod zu reden. Denn oft fehlt uns der Mut, die Worte oder auch die Einsicht, dass es notwendig ist mit Kindern darüber zu sprechen. Es macht vielen Menschen Angst, und wenn sie in ein oder andere Form damit konfrontiert werden, können sie nicht adäquat reagieren.
In der vorliegenden Arbeit möchte ich mich mit dem Thema „Sterben, Tod und Trauer von geistig behinderten Kindern und Jugendlichen“ befassen. Dabei möchte ich Antworten auf folgende Fragen finden: Welche Vorstellungen vom Tod haben Kinder und Jugendliche? In welchem Alter kann man mit Kindern über Tod reden? Welche Worte sind hilfreich? Sind Kinder überhaupt in der Lage zu trauern und welche Möglichkeiten der Unterstützung gibt es? Sollte darüber im Unterricht gesprochen werden und wenn ja, wie?
In meinen Ausführungen werde ich jedoch nicht unterscheiden zwischen Todesvorstellungen von Behinderten und nicht Behinderten. Ich werde auch nicht unterscheiden zwischen dem Trauerverhalten von Behinderten und nicht Behinderten. Ich werde hierzu lediglich Äußerungen von Wickert und Hoogers-Dörr anführen. Denn Tod und Trauer ist ein Thema, welches meiner Meinung nach individuell zu betrachten ist. Es gibt hierfür kein allgemeingültiges Rezept. Jeder hat seine individuellen Vorstellungen und Strategien mit dem Tod umzugehen, ob geistig Behindert oder nicht.
Zur Erarbeitung habe ich mich hauptsächlich auf das Buch von H. Iskenius-Emmler „Psychologische Aspekte von Tod und Trauer bei Kindern und Jugendlichen“ gestützt. Zur Ergänzung meiner Aufzeichnungen verwendete ich Literatur von T. Brocher, A. Boogert, E. Fischer und einige andere (siehe Literaturliste).
Zunächst werden die Todeskonzepte von Kindern und Jugendlichen von verschiedenen Autoren vorgestellt sowie Grundsätze, wie man mit Kindern über den Tod sprechen könnte. Im weiteren werde ich kurz auf die Unterschiede vom Trauerverhalten von Kindern und Erwachsenen eingehen sowie auf Möglichkeiten, wie man gesunde Trauerarbeit unterstützt. Dann werde ich auf die Frage eingehen, wie das Thema im Unterricht aufbereitet werden könnte. Darauf folgt die Darstellung des Todes im Märchen mit einem Beispiel von Susan Varley.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Todesvorstellungen von Kindern und Jugendlichen
2.1. Die kognitive Entwicklung des Todeskonzeptes nach Nagy
2.2. Das Todesbewusstsein von Kindern und Jugendlichen nach Stern
2.3. Das Todesverständnis des Kindes nach Furman
2.4. Mit Kinder über den Tod sprechen- Grundsätze nach Brocher
3. Tod und Trauer in der Gesellschaft
4. Das Trauerverhalten von Kindern und Jugendlichen
4.1. Unterschiede zwischen dem Trauerverhalten von Kindern und Erwachsenen
4.2. Bedingungen, die eine gesunde Trauerarbeit von Kindern und Jugendlichen begünstigen oder erschweren
4.3. Tod und Trauer im Erleben von geistig Behinderten
5. Umgang mit Sterben, Tod und Trauer in der Schule
5.1. Progredient erkrankte Kinder und Pädagogik
6. Beispiel: Leb wohl, lieber Dachs
6.1. Tod und Sterben im Märchen
7. Zusammenfassung
8. Literaturverzeichnis
Zielsetzung und thematische Schwerpunkte
Die vorliegende Arbeit untersucht den Umgang mit den Themen Sterben, Tod und Trauer in der pädagogischen Arbeit mit Kindern und Jugendlichen, mit einem speziellen Fokus auf geistig behinderte Menschen. Das primäre Ziel ist es, Möglichkeiten aufzuzeigen, wie Erwachsene Kindern und Jugendlichen in Verlustsituationen unterstützend zur Seite stehen können, wobei die Bedeutung der Aufklärung und Kommunikation im Vordergrund steht.
- Entwicklung kindlicher Todeskonzepte in verschiedenen Altersstufen.
- Analyse des Trauerverhaltens von Kindern und Jugendlichen im Vergleich zu Erwachsenen.
- Bedeutung der Trauerbegleitung bei geistig behinderten Menschen.
- Möglichkeiten der Thematisierung von Tod und Sterben im schulischen Kontext.
- Die Rolle von Literatur und Märchen als Mittel zur Trauerbewältigung.
Auszug aus dem Buch
6.1. Beispiel: „Leb wohl, lieber Dachs“
Das Buch „Leb wohl, lieber Dachs“ von Susan Varley erzählte die Geschichte vom alten, weisen Dachs, der wusste das er bald sterben würde. „Der Dachs fürchtet sich nicht vor dem Tod. Sterben bedeutet nur, dass er seinen Körper zurückließ“ (Varley 1992, S.2). Seine einzige Sorge ist, dass er seine Freunde allein lassen muss. Er bereitet sich auf seinen Tod vor, indem er sich an seinen Tisch setzt, um einen Abschiedsbrief an seine Freunde zu schreiben. Als die Zeit gekommen war, dass er sterben muss, hatte er einen seltsamen, aber zu gleich wundervollen Traum. „Vor ihm öffnete sich ein langer Tunnel. Seine Beine trugen ihn kräftig und sicher dem Tunnel entgegen. [...] Dachs lief leicht und behende, schneller und immer schneller durch den langen Gang, bis seine Pfoten den Boden gar nicht mehr berührten“ (Varley 1992, S.6). Am nächsten Morgen finden seine Freunde den Abschiedsbrief. Alle sind sehr traurig und betrübt. Mit Tränen und voller Trauer gehen sie in den Winterschlaf. Doch der einsetzende Schnee kann die Traurigkeit nicht begraben. Als das Frühjahr einsetzt, besuchen sich die Freunde oft und erinnern sich gemeinsam an die Zeit, als der Dachs noch lebte. “Jedes der Tiere bewahrte eine besondere Erinnerung an den Dachs – irgend etwas, was er sie gelehrt hatte und was sie jetzt ausnehmend gut konnten.[...] Mit dem letzten Schnee schmolz auch die Traurigkeit der Tiere dahin. Sooft der Name des Dachses fiel, kam einem von ihnen eine neue Schmunzelgeschichte in den Sinn“ (Varley 1992, S.20/22).
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Autorin legt dar, warum das Thema Sterben, Tod und Trauer in der pädagogischen Arbeit mit Kindern und Jugendlichen von zentraler Bedeutung ist und beschreibt ihren individuellen Zugang zu diesem sensiblen Feld.
2. Todesvorstellungen von Kindern und Jugendlichen: Es werden verschiedene theoretische Ansätze zur Entwicklung des Todesbegriffs im Kindesalter dargestellt, wobei insbesondere der Einfluss von kognitiver Reife und Sozialisation beleuchtet wird.
3. Tod und Trauer in der Gesellschaft: Dieses Kapitel kritisiert die gesellschaftliche Verdrängung und Tabuisierung des Todes und zeigt auf, welche Folgen dieses Erfahrungsdefizit für den Umgang mit Sterbenden und Trauernden hat.
4. Das Trauerverhalten von Kindern und Jugendlichen: Der Text diskutiert kontroverse Meinungen zur Trauerfähigkeit bei Kindern und hebt die individuellen Unterschiede in der Ausdrucksweise von Verlusten hervor.
5. Umgang mit Sterben, Tod und Trauer in der Schule: Es wird die Notwendigkeit begründet, Tod und Trauer fächerübergreifend in den Schulalltag zu integrieren, um Kindern einen geschützten Raum für ihre Fragen und Gefühle zu bieten.
6. Beispiel: Leb wohl, lieber Dachs: Die Autorin analysiert, wie Märchen und Geschichten als pädagogische Mittel genutzt werden können, um den Zugang zum Tod zu erleichtern und Bewältigungsstrategien zu fördern.
7. Zusammenfassung: Die Kernaussagen der Arbeit werden rekapituliert, wobei die Notwendigkeit einer offenen Auseinandersetzung mit dem Tod betont wird, um Kindern und Jugendlichen bei der Trauerarbeit kompetent zu helfen.
Schlüsselwörter
Tod, Sterben, Trauer, Kindheit, Jugendliche, Todeskonzept, Trauerarbeit, Pädagogik, Tabuisierung, Trauerbegleitung, Schule, Märchen, Verlust, Bewältigungsstrategien, geistige Behinderung
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit der pädagogischen Herausforderung, Kindern und Jugendlichen den Umgang mit den Themen Sterben, Tod und Trauer zu ermöglichen, um ihnen bei der Bewältigung von Verlusten zu helfen.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Zentrale Themen sind die kognitive Entwicklung des Todesverständnisses, gesellschaftliche Tabus, die Unterschiede zwischen kindlicher und erwachsener Trauer sowie konkrete pädagogische Ansätze zur Trauerbegleitung.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Das Ziel ist es, aufzuzeigen, wie Erwachsene – insbesondere Pädagogen und Eltern – Kindern und Jugendlichen helfen können, ein natürliches Verhältnis zum Tod zu entwickeln und Trauerprozesse konstruktiv zu durchlaufen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es handelt sich um eine theoretische Auseinandersetzung, die auf der Analyse psychologischer Fachliteratur sowie soziologischer Betrachtungen zum Umgang mit Tod und Trauer basiert.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil behandelt theoretische Konzepte zur Todesvorstellung, den gesellschaftlichen Kontext der Tabuisierung, das kindliche Trauerverhalten, die Trauerbegleitung bei geistig Behinderten sowie didaktische Möglichkeiten zur Thematisierung in der Schule.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind Trauerarbeit, Todeskonzept, kindliche Entwicklung, Tabuisierung, Pädagogik, Trauerbegleitung und Bewältigungsstrategien.
Warum ist die Thematisierung in der Schule so wichtig?
Da Kinder in ihrem Alltag häufig mit dem Tod konfrontiert werden, bietet die Schule einen geschützten Rahmen, um Fragen zu stellen und Gefühle gemeinsam zu verarbeiten, statt das Thema zu verdrängen.
Welche Rolle spielen Märchen bei der Trauerarbeit?
Märchen helfen Kindern, ihre existentiellen Ängste zu externalisieren und Identifikationsmuster zu finden, wodurch sie einen indirekten und behutsamen Zugang zu den Themen Tod und Abschied erhalten.
- Citation du texte
- Yvonne Schuhmnann (Auteur), 2001, Mit geistig behinderten Kindern und Jugendlichen über Sterben und Tod sprechen. Möglichkeiten für den Umgang mit Trauer finden, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/7698