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Das Übel in der besten aller möglichen Welten

Leibniz und die Theodizee

Title: Das Übel in der besten aller möglichen Welten

Seminar Paper , 2000 , 24 Pages , Grade: 1,0

Autor:in: Martin Feyen (Author)

Philosophy - Philosophy of the 17th and 18th Centuries
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Summary Excerpt Details

„Unter einer Theodizee versteht man die Verteidigung der höchsten Weisheit des Welturhebers gegen die Anklage, welche die Vernunft aus dem Zweckwidrigen in der Welt gegen jene erhebt.“ Diese erste genaue Definition des Begriffs „Theodizee“ steht ironischerweise am Beginn jener Schrift Kants, die 1794 getreu ihrem Anspruch tatsächlich das Ende aller ernstzunehmenden philosophischen Erörterungen zu diesem Thema einläutete. Sie steht am Ende eines Jahrhunderts, das in seinen ersten Jahren den umfassendsten Versuch einer Verteidigung jener „Weisheit des Welturhebers“ erlebte, den es bis dahin gegeben hatte: Leibniz’ Versuch einer Theodizee, erschienen 1710. Soweit bekannt, ist Leibniz selbst der Erfinder des Wortes „Theodizee“ (zusammengesetzt aus gr. θεός = Gott und δίκη = Gerechtigkeit), doch auch wenn man ihn später deswegen als Vater des „Theodizee-Problems“ überhaupt betrachtete, gab er damit doch im Grunde nur einem alten Kind einen neuen Namen. Denn die Frage, die Leibniz in seinem Werk zu beantworten sucht, ist im Grunde so alt wie der Monotheismus, und lautet schlicht und einfach: „Unde malum?“ - Woher kommt das Übel, wenn Gott, der allmächtige Schöpfer der Welt, doch gut ist? Und wenn es schon Übel gibt, warum ist es dann nicht wenigstens gerecht verteilt?
Im Rahmen dieser Arbeit sollen die verschiedenen Antwort dargestellt werden, die monotheistische Denker darauf im Laufe der Jahrhunderte gegeben haben. Der Schwerpunkt liegt dabei auf Leibniz und seiner Theodizee, jedoch ist dieser nur angemessen zu verstehen und einzuordnen vor dem Hintergrund der bereits in der Antike entwickelten Lösungsansätze. Daher ist der erste Teil der Untersuchung ganz dem Theodizee-Problem in der Antike gewidmet, beginnend beim biblischen Buch Hiob bis hin zu Augustinus, der in seinem Denken für die ganze christliche Philosophie bis Leibniz maßgebend war. Im zweiten Teil wird dann zunächst Leibniz’ Gottesbegriff beleuchtet, sowie die Schlussfolgerung, die er daraus zieht, seine Überzeugung nämlich, dass die hiesige auch die „beste aller möglichen Welten“ sein müsse. Schließlich werden die zwei Lösungsansätze dargestellt, die Leibniz für die Herkunft des Übels anbietet. Im Schlussteil erfolgt eine Bewertung der vorgestellten Ansätze hinsichtlich ihrer Überzeugungskraft, sowie eine Erörterung der Konsequenzen, die sich aus dem Scheitern der philosophischen Theodizee für den Gottesbegriff und den Glauben an Gott überhaupt ergeben.

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

I.) Einleitung

II.) Antworten auf die Theodizeefrage in der Antike

II.1) Gott ist verantwortlich

II.1.1) Hiob

II.1.2) Laktanz

II.2) Gott ist nicht verantwortlich

II.2.1) Philo

II.2.2) Augustinus

III.) Leibniz’ Versuch einer Theodizee

III.1) Gott und die Welt

III.1.1) Ein vollkommener Schöpfer

III.1.2) Die beste aller möglichen Welten

III.2) Der Ursprung des Übels

III.2.1) Gott ist nicht verantwortlich

III.2.2) Gott ist verantwortlich

IV.) Schluss

Zielsetzung & Themen

Die vorliegende Arbeit untersucht die philosophische Fragestellung nach der Herkunft des Übels in der Welt unter der Voraussetzung eines gütigen und allmächtigen Schöpfergottes. Der Schwerpunkt liegt dabei auf der Analyse von Gottfried Wilhelm Leibniz’ Theodizee-Konzept, welches im historischen Kontext antiker Lösungsansätze betrachtet wird, um die Tragfähigkeit philosophischer Rechtfertigungsversuche des Gottesbegriffs kritisch zu hinterfragen.

  • Historische Entwicklung des Theodizee-Begriffs und der Fragestellung "Unde malum?".
  • Antike Lösungsansätze von Hiob, Laktanz, Philo von Alexandrien und Augustinus.
  • Leibniz’ Theorie der "besten aller möglichen Welten" als zentraler Erklärungsversuch.
  • Differenzierung zwischen metaphysischem, physischem und moralischem Übel.
  • Kritische Bewertung der Vereinbarkeit von menschlicher Freiheit und göttlicher Allmacht.

Auszug aus dem Buch

III.1.2) Die beste aller möglichen Welten

Leibniz’ Überzeugung, dass die Welt, in der wir leben, zugleich auch die beste ist, die es überhaupt geben kann, gründet sich allein auf dem Begriff Gottes. Diesem nämlich kommen Macht, Weisheit und Güte im höchsten Grade zu, und dies hat auch Folgen für seine Tätigkeit als Schöpfer: „Nun hat aber diese höchste Weisheit in Verbindung mit einer Güte, die nicht weniger unendlich ist als sie, nur das Beste wählen können. Denn da ein geringeres Übel eine Art Gut ist, ist ebenso ein geringeres Gut eine Art Übel, wenn es einem größeren Gut hinderlich ist, und es würde an den Handlungen Gottes etwas zu rügen sein, wenn es ein Mittel gab, es besser zu machen.“

Anklänge an Platon sind hier nicht zu verkennen. Allerdings geht Gott bei Leibniz mit einer geradezu mathematischen Genauigkeit vor, denn in seiner Schöpfung soll eine möglichst geringe Zahl von Gesetzen für eine möglichst große Zahl von Erscheinungen sorgen: „Die Wege Gottes sind die einfachsten und gleichmäßigsten, weil er Regeln wählt, die einander am wenigsten beschränken. Ebenso sind sie hinsichtlich der Einfachheit der Wege die fruchtbarsten.“ Es ist zu beachten, dass es hier offenbar um eine andere als eine rein moralische Güte geht, vielmehr spielen bei Leibniz (wie bei Platon) immer auch ästhetische Erwägungen eine Rolle: die beste Welt ist zugleich auch die schönste. Daher will er auch den Einwand, dass eine Welt ohne Übel immer besser sei als eine Welt mit Übel, nicht gelten lassen: „Der beste Entschluss ist nicht immer der, der das Übel zu vermeiden strebt, da das Übel ein größere Gut im Gefolge haben kann.“

Zusammenfassung der Kapitel

I.) Einleitung: Definiert den Begriff der Theodizee und stellt die grundlegende Frage nach der Vereinbarkeit von Leiden mit einem gütigen Gott in den historischen Kontext.

II.) Antworten auf die Theodizeefrage in der Antike: Untersucht antike Modelle, die entweder die göttliche Verantwortung für das Übel betonen oder versuchen, Gott durch die Materie oder Privation vom Übel zu entlasten.

III.) Leibniz’ Versuch einer Theodizee: Analysiert Leibniz’ Gottesverständnis und seine Argumentation für die Notwendigkeit des Übels innerhalb der von Gott gewählten besten aller möglichen Welten.

IV.) Schluss: Reflektiert das Scheitern rein philosophischer Theodizee-Versuche und betont die Rolle des persönlichen Glaubens gegenüber einer rationalen Welterklärung.

Schlüsselwörter

Theodizee, Leibniz, Hiob, Antike, Gott, Schöpfung, Übel, Moral, Willensfreiheit, Materie, Privationslehre, beste aller möglichen Welten, Weisheit, Güte, Metaphysik.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit beschäftigt sich mit dem klassischen philosophischen und theologischen Problem, wie die Existenz von Leid und Übel in der Welt mit der Annahme eines allmächtigen und gütigen Gottes in Einklang gebracht werden kann.

Was sind die zentralen Themenfelder?

Die zentralen Felder sind die historische Entwicklung der Gottesvorstellung, die Problematik der menschlichen Freiheit sowie die Rechtfertigung göttlichen Handelns, insbesondere durch Leibniz.

Was ist das primäre Ziel der Arbeit?

Das Ziel ist es, Leibniz’ Theodizee-Versuch im Lichte antiker Vorbilder zu analysieren und zu prüfen, inwieweit philosophische Ansätze eine befriedigende Antwort auf die Frage "Woher kommt das Übel?" liefern können.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Es handelt sich um eine geisteswissenschaftliche Untersuchung, die primäre Quellen der Philosophiegeschichte und Theologie sowie relevante Sekundärliteratur vergleichend analysiert.

Was wird im Hauptteil behandelt?

Der Hauptteil gliedert sich in eine Untersuchung antiker Antwortmuster (Hiob, Laktanz, Philo, Augustinus) und eine detaillierte Auseinandersetzung mit Leibniz' metaphysischen Argumentationen.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Die Arbeit wird maßgeblich durch Begriffe wie Theodizee, Gottesgüte, Willensfreiheit, metaphysische Notwendigkeit und den Widerspruch zwischen empirischem Leid und Vernunftwahrheit charakterisiert.

Warum spielt die Unterscheidung zwischen "absoluter" und "hypothetischer" Notwendigkeit für Leibniz eine Rolle?

Leibniz nutzt diese Unterscheidung als "metaphysische Trickkiste", um zu erklären, dass Handlungen zwar von Gott vorhergesehen, aber dennoch nicht absolut notwendig sind, wodurch er die menschliche Verantwortung für die Sünde retten will.

Wie bewertet der Autor den Erfolg der philosophischen Theodizee im Fazit?

Der Autor kommt zu dem Schluss, dass jede rein philosophische Theodizee zum Scheitern verurteilt ist, da sie das menschliche Leid nicht ausreichend erklärt und letztlich an der existenziellen Frage der Sinnhaftigkeit des Leidens scheitert.

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Details

Title
Das Übel in der besten aller möglichen Welten
Subtitle
Leibniz und die Theodizee
College
Ruhr-University of Bochum
Grade
1,0
Author
Martin Feyen (Author)
Publication Year
2000
Pages
24
Catalog Number
V77007
ISBN (eBook)
9783638825290
ISBN (Book)
9783638825689
Language
German
Tags
Leibniz Theodizee Rationalismus Philosophie Metaphysik Übel
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Martin Feyen (Author), 2000, Das Übel in der besten aller möglichen Welten, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/77007
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