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Die Funktion des Lesens in Karl Philipp Moritz' "Anton Reiser"

Title: Die Funktion des Lesens in Karl Philipp Moritz' "Anton Reiser"

Term Paper , 2007 , 21 Pages , Grade: 1,7

Autor:in: Alexandra Stoßnach (Author)

Literature - General
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Der von Karl Philipp Moritz geschaffene Charakter Anton Reiser ist eine Figur, deren Biografie von Lektüre bestimmt ist. Der fiktive Leser Anton Reiser empfindet das faktische Leben und seine erträumte Wirklichkeit als unüberwindliche Gegensätze. Das Lesen soll für ihn dabei zwei Hauptaufgaben erfüllen: Zum einen stellt es die Quelle dar, aus der seine idealisierte Welt gespeist wird, zum anderen instrumentalisiert er das Lesen, um eben diese Diskrepanz zwischen Realität und PHantasie zu überwinden - was aber nicht gelingt.

In der Arbeit werden die Funktionen des Lesens erläutert und die Figur des Anton Reiser im sozialen und kulturellen Zusammenhang des 18. Jahrhunderts betrachtet - epochenspezifische Funktionen des Lesens werden aufgezeigt und unterschiedliche Textsorten auf ihre rezeptorischen Spezifika hin betrachtet.

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Allgemeines

2.1 Formen und Funktionen des Lesens

2.2 Soziale und kulturelle Umbrüche in der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts

2.3 Epochenspezifische Funktionen und Charakteristika des Lesens

3. Prägung der psychischen Kontur der fiktiven Leserfigur Anton Reiser

4. Motivationen, Funktionen und Wirkungen der Lektüre

4.1 Religiöse Lektüre in der Kindheit

4.2 Romane und Komödien

4.3 Die weitere Leseentwicklung Anton Reisers

5. Schluss

6. Bibliogaphie

6.1 Primärliteratur

6.2 Sekundärliteratur

Zielsetzung & Themen

Die vorliegende Arbeit untersucht die zentrale Funktion der Lektüre im Leben der Romanfigur Anton Reiser aus Karl Philipp Moritz' gleichnamigem Werk. Dabei liegt der Fokus auf der Analyse, inwiefern Lektüre als Instrument zur Bewältigung der Diskrepanz zwischen realer Lebenswelt und idealisierter Phantasie sowie als Mittel der Identitätsbildung eingesetzt wird.

  • Analyse des evasorischen Leseverhaltens als Kompensationsmechanismus
  • Einfluss der familiären Sozialisation auf das Lektüreverhalten
  • Bedeutung von Identifikationsfiguren innerhalb literarischer Texte
  • Zusammenhang zwischen gesellschaftlichen Umbrüchen im 18. Jahrhundert und Lektürepraktiken
  • Produktive Rezeptionsformen als Reaktion auf soziale Isolation

Auszug aus dem Buch

4.2 Romane und Komödien

Das Phänomen der „Lesesucht“ tritt zum ersten Mal in der Zeit, in der Anton die Prima besucht, in aller Deutlichkeit auf. In dieser Zeit liest er wahllos alles an Romanen und Komödien – Stoffe, die eigentlich verpönt sind. Lesen ist für ihn in dieser Zeit ein Rauschmittel, sein Verhalten nimmt deutliche Züge eines Suchtkranken an:

„Das Lesen war ihm nun einmal so zum Bedürfnis geworden, wie es den Morgenländern das Opium sein mag; wodurch sie ihre Sinne in eine angenehme Betäubung bringen. – Wenn es ihm an einem Buche fehlte, so hätte er seinen Rock gegen den Kittel eines Bettlers vertauscht, um nur eins zu bekommen.“

Anton liest einerseits selbstvergessend: das Lesen wird ihm ein Bedürfnis, das stärker ist als das Bedürfnis nach Nahrung, Kleidung und Bildung. Er versäumt seine Essenszeiten und vernachlässigt die Pflege seiner Kleidung und seines Körpers. Er verschuldet sich, er liest im Unterricht und verkauft seine Schulbücher. Andererseits ist seine Lektüre jedoch auch selbstbezogen: Im Hunger des Ugolino sieht er seinen eigenen Hunger dargestellt.

Zusammenfassung der Kapitel

1. Einleitung: Vorstellung der Forschungsfrage bezüglich der Funktion von Lektüre als Mittel zur Überwindung von Lebenskrisen und Diskrepanzen bei der Hauptfigur Anton Reiser.

2. Allgemeines: Erläuterung der verschiedenen Leseformen sowie Einordnung in die soziokulturellen Umbrüche des 18. Jahrhunderts, die den Kontext der Leseentwicklung bilden.

3. Prägung der psychischen Kontur der fiktiven Leserfigur Anton Reiser: Analyse des familiären Einflusses auf die Identitätsbildung durch Lektüre und die daraus resultierende psychische Disposition des Protagonisten.

4. Motivationen, Funktionen und Wirkungen der Lektüre: Detaillierte Untersuchung von religiöser Lektüre, Romanen und philosophischen Werken als Bewältigungs- und Kompensationsmechanismen in verschiedenen Lebensphasen.

5. Schluss: Zusammenfassung der Ergebnisse, wonach das Lesen sowohl ein Instrument zur Flucht als auch zur Reflexion der eigenen Persönlichkeit in einer sich wandelnden Gesellschaft darstellt.

6. Bibliogaphie: Auflistung der verwendeten Primär- und Sekundärliteratur zur Fundierung der Analyse.

Schlüsselwörter

Anton Reiser, Karl Philipp Moritz, Literarische Anthropologie, Lesesucht, Evasion, Identitätsbildung, 18. Jahrhundert, Aufklärung, Pietismus, Romananalyse, Leseforschung, Sozialisation, Fiktion, Wirklichkeit, Psychologischer Roman

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit?

Die Arbeit analysiert die Funktion und die Wirkung von Lektüre im Leben der Romanfigur Anton Reiser aus dem gleichnamigen Werk von Karl Philipp Moritz.

Welche Themenfelder werden in der Untersuchung primär behandelt?

Im Zentrum stehen die Lesesucht, der Eskapismus durch Literatur, der Einfluss der familiären Sozialisation und die Rolle von Identifikationsfiguren.

Was ist das zentrale Ziel oder die Forschungsfrage?

Ziel ist es zu untersuchen, warum und in welchen Situationen Anton Reiser liest und welche Auswirkungen diese Lektürepraktiken auf sein Leben und seine psychische Entwicklung haben.

Welche wissenschaftliche Methode kommt zum Einsatz?

Es handelt sich um eine literaturwissenschaftliche Analyse, die den Text unter Einbeziehung von Leseforschung, kulturwissenschaftlichen Ansätzen und anthropologischen Aspekten interpretiert.

Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?

Der Hauptteil gliedert sich in eine Untersuchung der familiären Prägung, die Analyse der religiösen Kindheitslektüre sowie die Auswirkungen von Romanen und philosophischen Werken auf Anton Reisers Selbstbild.

Welche Begriffe charakterisieren die Arbeit am besten?

Die Arbeit wird maßgeblich durch Begriffe wie Lesesucht, Evasion, Identitätsbildung und die sozio-historische Einordnung der Lektüre im 18. Jahrhundert geprägt.

Welche Rolle spielt die Figur des Philipp Reiser für die Analyse?

Philipp Reiser dient als Spiegelbild zum Protagonisten, an dem Moritz sowohl Gemeinsamkeiten als auch komplementäre Eigenschaften aufzeigt, um die Isolation Anton Reisers zu verdeutlichen.

Warum spielt die Begegnung mit dem Theologen Tischer eine besondere Rolle?

Die Begegnung verdeutlicht Antons Tendenz, nicht nur Bücher, sondern auch reale Personen als „lebendige Lektüre“ zu rezipieren, was seinen Hang zur Idealisierung und seine religiöse Prägung unterstreicht.

Wie unterscheidet sich Antons Lektüre von religiösen Schriften zu seiner Romanlektüre?

Während religiöse Schriften den väterlichen Werten folgen und Ordnung stützen sollen, dienen Romane als verbotene, aber notwendige Fluchtwege in eine imaginäre Welt der individuellen Befreiung.

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Details

Title
Die Funktion des Lesens in Karl Philipp Moritz' "Anton Reiser"
College
University of Hagen
Course
Kurs Literarische Anthropologie im 18. Jahrhundert
Grade
1,7
Author
Alexandra Stoßnach (Author)
Publication Year
2007
Pages
21
Catalog Number
V77013
ISBN (eBook)
9783638825320
ISBN (Book)
9783640598083
Language
German
Tags
Funktion Lesens Karl Philipp Moritz Anton Reiser Literarische Anthropologie
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Alexandra Stoßnach (Author), 2007, Die Funktion des Lesens in Karl Philipp Moritz' "Anton Reiser", Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/77013
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