Der Prozess gegen den Templerorden - ein politischer Prozess?


Seminararbeit, 2002

22 Seiten, Note: 1,0


Leseprobe

Inhalt

1. Einleitung

2. Kurze Beschreibung der Geschichte und der Struktur des Templerordens

3. Der Prozessverlauf gegen den Templerorden

4. Philipp IV. als der Initiator des Untergangs des Templerordens? - Verhältnis Philipp IV. zum Templerorden zwischen 1295 und

5. Schluss

6. Literaturverzeichnis
6.1 Quellen
6.2 Sekundärliteratur
6.2.1 Monographien
6.2.2 Lexikonartikel

1. Einleitung

In der Geschichtswissenschaft ist man sich einig, dass es sich bei dem Ablauf, der schließlich zur Aufhebung des Templerordens führte, um einen Prozess gehandelt hat. Nun ist noch, trotz der desolaten Quellenlage, die Frage zu beantworten, ob man dies Geschehen sogar als einen politischen Prozess bezeichnen kann. In dieser Arbeit wird von der Definition nach Kirchheimer ausgegangen. Demnach ist damit ein Prozess gemeint, „mit dem das herrschende Regime das politische Verhalten seiner Widersacher als kriminell zu brandmarken trachtet, um sie auf diese Weise von der politischen Bühne zu entfernen[1] “.

Um diesen Nachweis antreten zu können, ist die Arbeit wie folgt aufgebaut: Zunächst werden die Geschichte und die Struktur des Templerordens kurz dargestellt. Danach wird der Prozessverlauf gegen die Templer skizziert, um so die Ähnlichkeit mit einem Inquisitionsprozess zu unterstreichen. Im dritten Teil der Arbeit wird dann die Person Philipp IV. von Frankreich durchleuchtet. Dessen Veränderungen in der Haltung zum Orden werden ab dem Jahre 1295 beschrieben und es soll herausgearbeitet werden, inwieweit er in den Verlauf eingriff. Zum Schluss folgt eine Zusammenfassung der Ergebnisse der Arbeit, und es soll herausgestellt werden, ob die These, dass es sich nach dieser Definition um einen politischen Prozess handelt, Gültigkeit erhält.

Wissenschaftlich haben sich eine Reihe von Historikern mit dem Thema der Aufhebung des Ordens beschäftigt. Da die grundlegenden Quellen jedoch erst um 1900 veröffentlicht worden sind, wird auf die mehrfach nur auf Vorurteilen beruhende, vorhergehende Literatur nicht eingegangen. Anzumerken ist auch, dass mehrere Dokumente aus dem 14. Jahrhundert erst in jüngster Zeit Beachtung fanden, so zum Beispiel die Protokolle aus den Untersuchungen der päpstlichen Kommission, und dass infolgedessen stets abgewägt werden muss, auf welche Sekundärliteratur man sich bei den unterschiedlichen Bereichen stützen kann. Neben rein wissenschaftlich orientierten Werken existieren aber eine Menge populistischer und auch mystischer Literatur, die außer Acht gelassen werden muss.

2. Kurze Beschreibung der Geschichte und der Struktur des Templerordens

Bevor man sich mit dem Untergang des Templerordens beschäftigt, ist es angebracht, diese Gemeinschaft kurz zu beschreiben, denn nur dadurch lässt sich das Ausmaß des Niedergangs erkennen. Im Folgenden soll aus diesem Grund einerseits grob die Geschichte von seinen Anfängen bis etwa 1291 geschildert werden, auf der anderen Seite ist auch die Struktur und das Wesen des Ordens bei dieser Thematik von Belang.

Der Orden der Templer wurde 1120 in Jerusalem von Hugo von Payns als erster geistlicher Ritterorden zum Schutz der christlichen Pilger gegründet. Sein Name geht zurück auf den „Tempel“, dem Haupthaus des Ordens, an dessen Stelle sich nach der Überlieferung der „Tempel Salomons“ befand. Neun Jahre später wurden auf dem Provinzialkonzil von Troyes die Ordensregeln in Gegenwart des Hl. Bernhard von Clairvaux manifestiert. Nun gehörte neben der Funktion des Gebets auch die Funktion des Kampfes zum Orden. Waffenfähigkeit war seitdem Voraussetzung für eine Aufnahme in Orden. Armut, Keuschheit und Gehorsamkeit wurden in jeder Situation von einem Templer erwartet, adlige Modebeschäftigungen waren dagegen verboten, und das oberste Ziel war der Sieg über die Feinde der Christenheit im Heiligen Land.[2]

Seit dem Jahre 1139, in dem sie mit der Bulle „Omne datum optimum“ unmittelbar der päpstlichen Autorität unterstellt wurden, empfingen sie fortwährend Privilegien von der Geistlichkeit. Ihr berühmtes Ordenshaus in Paris, welches später rund 1/3 der Fläche Paris’ einnehmen sollte, gründeten sie 1147. Dort wurden u.a. auch die Schätze der Könige von Frankreich und England aufbewahrt. Zudem bot es eine Schutzstätte, wie z.B. für Philipp des Schönen, als dieser 1306 wegen einer Wertänderung der Münzen vor dem Volk fliehen musste.[3]

Im Heiligen Land nahm der Orden seit 1187 stetig Niederlagen gegen Heere muslimischer Kämpfer hin, was schließlich am 25.5.1291 zum Verlust der letzten Festung Castel Pélerin führte.

Zur Struktur des Templerordens lässt sich nur schwerlich etwas sagen, da die ordenseigene Quellenüberlieferung spätestens mit dem Angriff des Osmanischen Reiches auf Zypern im Jahre 1571 verlorengegangen ist.[4]

Da die Templer im Okzident die materiellen und menschlichen Ressourcen fanden, die ihnen ihr Wirken im Orient erst ermöglichten, hatten sie sich Besitzungen in Nordfrankreich, Südengland, Südfrankreich, Aragón, Portugal, im antistaufischen Italien, später auch in Deutschland und Polen angeschafft. In den west- und mitteleuropäischen Ländern entstand ein Netz von Templerhäusern, die in Provinzen, Balleien und Kommenden verwaltet wurden. Templerhäuser waren in der Regel bescheidene feste Häuser mit einer einfachen Kapelle auf rechtwinkligem Grundriss. Das Hauptquartier lag ursprünglich in Jerusalem, wurde nach 1187 nach Akkon verlegt und schließlich auf die Burg Castel Pélerin, die 1291 der letzte von den Lateinern geräumte Stützpunkt war. Hiernach galt der ‚Temple’ in Paris als Hauptsitz.

Der Orden ist geprägt von einer straff hierarchischen, zentralistischen Ordnung. An der Spitze stand der Großmeister mit einem Konvent hoher Würdenträger und dem Generalkapitel, darunter befanden sich der Rangfolge nach die Vorsteher der Provinzen, (Groß-) Priorate, Kommenden und Häuser. Generell lässt sich festhalten, dass sich der Orden in zwei Mitgliederarten aufteilt: in die frères de couvent, d.h. in Ritter oder Kapläne, und in frères de métiers, die für die wirtschaftlichen Aufgaben zuständig waren.

Kritik rief der Templerorden bereits vor 1307 hervor. Die Privilegien beinhalteten z.B. die Befreiung vom königlichen Waffendienst, von Abgaben bei Eigentumswechsel, Steuern, Zehnten und Tributen[5], welche sie bei den übrigen geistlichen und weltlichen Oberen verhasst machte. Auch wurde ihnen arrogantes Auftreten vorgeworfen.[6] Man darf hierbei aber nicht vergessen, dass diese Vorwürfe auch andere Orden betrafen, wie z.B. den der Hospaliter und den Deutsch – Orden.

Die Anzahl der Templer belief sich, wenn man der Aussage des Bischofs von Angers auf dem Vienner Konzil Glauben schenken darf, auf rund 2 000 in Frankreich.[7] Hier nicht eingerechnet sind die bis 1312 geflohenen Templer. Finke rechnet zudem mit rund 1000 - 2000 Templern in außerfranzösischen Landen und kommt somit zu einer Gesamtanzahl von 3000 – 4 000 Templern.[8] Dies kann jedoch aufgrund der fehlenden Akten nicht überprüft werden. Fest steht allerdings ihre maßgebliche Rekrutierung aus dem Adel.[9]

Auch über ein mögliches Eigentum der Templer wurde in der Geschichtswissenschaft häufig diskutiert. Zwei Quellenüberlieferungen aus dem 13. Jahrhundert geben Aufschluss. Matthäus Paris schrieb 1244 von einem Besitz von 9 000 maneria. Zum Vergleich legt er das Vermögen der Hospaliter auf 19 000 maneria fest und gibt an, dass jedes manerium imstande ist, einen Ritter vollständig für den Kampf im Hl. Land auszurüsten und dort zu unterhalten. Dies ist reichlich viel Geld, wenn man bedenkt, dass es nur 3000 – 4000 Templer gegeben haben soll. 1240 berichtet Alricht von Trois – Fontaines von insgesamt 7050 Templerhäusern. Woher er diese Zahl jedoch hat und wie sie sich zusammensetzt, wird verschwiegen.[10] Nach Seiler waren die Templer aufgrund ihres intensiven und innovativen Landausbaus auf Steigerung des Profits bedacht und der Geldwirtschaft zugewandt.[11] Dieses erworbene Geld benötigten sie jedoch bis 1291 für den Kampf im Heiligen Land und zudem für die Finanzierung von Festungsbauten. Fest steht, dass die Einkünfte aus

1. den Aufnahmen in den Orden,
2. der Affiliation,
3. den Spenden und Erben von Geld,
4. den Kreuzzugskollekten,
5. den Vorrechten des „Passagium“,
6. dem Wirtschaften mit Naturallieferungen,
7. den Spekulationen,
8. dem Großhandel und
9. aus dem Bankgeschäft, z.B. das Ausleihen von Geld gegen Zinsen resultierten.[12]

3. Der Prozessverlauf gegen den Templerorden

Am 14.10.1307 wurden auf Befehl Philipps des Schönen sämtliche Templer im Königreich Frankreich verhaftet. Als Ursache für diesen Gewaltakt, der als „einer der außergewöhnlichsten Polizeiaktionen aller Zeiten[13] “ bezeichnet wurde, gilt die Denunziation durch Esquin de Floyran im Sommer 1307. Diese Person ist jedoch fragwürdig. Zeitgenössische Berichterstatter beschreiben ihn unabhängig voneinander sehr heterogen: Zum einen war es ein Templer, der wegen Teilnahme an einem Aufruhr bei Toulouse im Kerker saß und dort, seine Hinrichtung voraussehend, einem mit ihm eingesperrten Florentiner Noffodei gebeichtet und ihm dabei von den Gräueltaten, die in dem Orden begangen würden, gesprochen haben soll. Zum anderen war es ein Bürger aus Béziers, der Unsitten von einem Templer erfahren hat und diese dem König beichtete. In einer dritten Quelle wird von zwei Templerrittern, von denen einer de Floyran gewesen sein soll, gesprochen, die auf diese Weise ihr Leben zu retten versucht hätten.

Demgegenüber kommt dem Templer Johann de Fouillac nach Auffassung Schottmüllers hinsichtlich der Diffamierung eine größere Bedeutung zu. Denn dieser hat Philipp IV. verhältnismäßig genauere Nachrichten über die angeblichen Missstände im Templerorden durch einen Brief zukommen lassen.[14] Außerdem tritt de Fouillac nicht nur in diesem Zusammenhang auf, sondern wird auch bei den Verhören in Paris und Poitiers als Erster vernommen.

Fest steht, dass Philipp daraufhin 12 Spione für Untersuchungen in den Templerorden einführte und am 14. September den Befehl zur Verhaftung an seine königlichen Beamten sandte, der genau einen Monat später ausgeführt werden sollte.

Die Ordensspitze, d.h. Großmeister und Präzeptoren, befanden sich Mitte Oktober bei Philipp IV. bezüglich des Requiems für dessen Schwester und wurden so direkt in Paris gefangengenommen.

Bereits einen Tag nach der Inhaftnahme, am 15.10.1307, wurde ein Manifest vor Kanonikern von Notre – Dame und Mitgliedern der Sorbonne in Paris verlesen, welches die den Templern zur Last gelegten fünf Verbrechen öffentlich kundtat. Zu ihnen zählten die Verleugnung des Heilandes, die Gotteslästerung durch Bespeiung von Kreuzen, obszöne Riten, wie z.B. das Küssen des Rezeptors, die Sodomie und der Götzendienst. Zudem wurde angegeben, dass Molay, der Großmeister des Ordens, bereits einige Punkte eingestanden hätte.

Am 16. Oktober forderte Philipp IV. die Fürsten und Prälaten der anderen europäischen Herrschaftsgebiete auf, seinem Vorbild zu folgen und die Templer gefangen zu nehmen. Deren Antwort fiel jedoch lau und ausweichend aus.

Auf Anfrage des französischen Königs bei der Universität Sorbonne, ob er die Befugnisse zu solch einem Akt hatte, antwortete diese, dass keine weltliche Obrigkeit Recht habe ohne speziellen Auftrag der Kirche ein gerichtliches Verfahren gegen einen Ritterorden einzuleiten.[15] Nun musste Philipp eine dem Schein nach legale Untersuchung erzwingen und benötige hierzu berechtigte Organe. Die Dominikaner, die seit Gregor IX. mit der Inquisition neben den Bischöfen beauftragt waren, wurden aus diesem Grund beauftragt

[...]


[1] Zitiert nach: H.-J. Becker: Politische Prozesse, in: Handbuch zur deutschen Rechtsgeschichte, Spalte 1797.

[2] Seiler, Joachim: Aufhebung des Templerordens (1307 – 1314) nach neueren Untersuchungen, in: Zeitschrift für Kirchengeschichte, 109. Band 1998, Heft 1, S. 21ff..

[3] Charpentier, John: Die Templer, Stuttgart 1965, S. 54ff..

[4] Seiler, Joachim: Aufhebung des Templerordens (1307 – 1314) nach neueren Untersuchungen, S. 20.

[5] Charpentier, John: Die Templer, S. 55.

[6] Finke, Heinrich: Papsttum und Untergang des Templerordens, Band 1, Münster 1907, S. 85.

[7] Finke, Heinrich: Papsttum und Untergang des Templerordens, S. 72.

[8] Derselbe, S. 73.

[9] Schottmüller, Konrad: Der Untergang des Templer - Ordens, Band 1, Berlin 1887, Reprint Berlin 1991, S. 70.

[10] Finke, Heinrich: Papsttum und Untergang des Templerordens, S. 74.

[11] Seiler, Joachim: Die Aufhebung des Templerordens (1307 – 1314) nach neueren Untersuchungen, S. 25.

[12] Schottmüller, Konrad: Der Untergang des Templer - Ordens, S. 61ff.

[13] Lalou, E.: Templerprozess, in: Lexikon des Mittelalters, Bd. VIII, Zeile 537.

[14] Schottmüller, Konrad: Der Untergang des Templer – Ordens, S. 123.

[15] Schottmüller, Konrad: Der Untergang des Templer – Ordens, S. 139.

Ende der Leseprobe aus 22 Seiten

Details

Titel
Der Prozess gegen den Templerorden - ein politischer Prozess?
Hochschule
Technische Universität Carolo-Wilhelmina zu Braunschweig
Note
1,0
Autor
Jahr
2002
Seiten
22
Katalognummer
V77056
ISBN (eBook)
9783638804233
Dateigröße
468 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Prozess, Templerorden, Prozess
Arbeit zitieren
Karin Busch (Autor), 2002, Der Prozess gegen den Templerorden - ein politischer Prozess?, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/77056

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