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Der Prozess gegen den Templerorden - ein politischer Prozess?

Title: Der Prozess gegen den Templerorden - ein politischer Prozess?

Seminar Paper , 2002 , 22 Pages , Grade: 1,0

Autor:in: Karin Busch (Author)

History of Europe - Middle Ages, Early Modern Age
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In der Geschichtswissenschaft ist man sich einig, dass es sich bei dem Ablauf, der schließlich zur Aufhebung des Templerordens führte, um einen Prozess gehandelt hat. Nun ist noch, trotz der desolaten Quellenlage, die Frage zu beantworten, ob man dies Geschehen sogar als einen politischen Prozess bezeichnen kann. In dieser Arbeit wird von der Definition nach Kirchheimer ausgegangen. Demnach ist damit ein Prozess gemeint, „mit dem das herrschende Regime das politische Verhalten seiner Widersacher als kriminell zu brandmarken trachtet, um sie auf diese Weise von der politischen Bühne zu entfernen1“.
Um diesen Nachweis antreten zu können, ist die Arbeit wie folgt aufgebaut: Zunächst werden die Geschichte und die Struktur des Templerordens kurz dargestellt. Danach wird der Prozessverlauf gegen die Templer skizziert, um so die Ähnlichkeit mit einem Inquisitionsprozess zu unterstreichen. Im dritten Teil der Arbeit wird dann die Person Philipp IV. von Frankreich durchleuchtet. Dessen Veränderungen in der Haltung zum Orden werden ab dem Jahre 1295 beschrieben und es soll herausgearbeitet werden, inwieweit er in den Verlauf eingriff. Zum Schluss folgt eine Zusammenfassung der Ergebnisse der Arbeit, und es soll herausgestellt werden, ob die These, dass es sich nach dieser Definition um einen politischen Prozess handelt, Gültigkeit erhält.
Wissenschaftlich haben sich eine Reihe von Historikern mit dem Thema der Aufhebung des Ordens beschäftigt. Da die grundlegenden Quellen jedoch erst um 1900 veröffentlicht worden sind, wird auf die mehrfach nur auf Vorurteilen beruhende, vorhergehende Literatur nicht eingegangen. Anzumerken ist auch, dass mehrere Dokumente aus dem 14. Jahrhundert erst in jüngster Zeit Beachtung fanden, so zum Beispiel die Protokolle aus den Untersuchungen der päpstlichen Kommission, und dass infolgedessen stets abgewägt werden muss, auf welche Sekundärliteratur man sich bei den unterschiedlichen Bereichen stützen kann. Neben rein wissenschaftlich orientierten Werken existieren aber eine Menge populistischer und auch mystischer Literatur, die außer Acht gelassen werden muss.

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Kurze Beschreibung der Geschichte und der Struktur des Templerordens

3. Der Prozessverlauf gegen den Templerorden

4. Philipp IV. als der Initiator des Untergangs des Templerordens? - Verhältnis Philipp IV. zum Templerorden zwischen 1295 und 1314

5. Schluss

Zielsetzung & Themen

Die Arbeit untersucht, ob der Untergang des Templerordens historisch als politischer Prozess im Sinne der Definition von Kirchheimer eingeordnet werden kann, wobei insbesondere die Rolle von Philipp IV. bei der Beeinflussung des Verfahrens analysiert wird.

  • Historische Einordnung und Struktur des Templerordens
  • Detaillierte Analyse des Prozessverlaufs und der Inquisition
  • Das Spannungsfeld zwischen Philipp IV. und dem Templerorden
  • Die Abhängigkeit des Papsttums vom französischen König
  • Überprüfung der politischen Natur des Verfahrens gegen den Orden

Auszug aus dem Buch

3. Der Prozessverlauf gegen den Templerorden

Am 14.10.1307 wurden auf Befehl Philipps des Schönen sämtliche Templer im Königreich Frankreich verhaftet. Als Ursache für diesen Gewaltakt, der als „einer der außergewöhnlichsten Polizeiaktionen aller Zeiten“ bezeichnet wurde, gilt die Denunziation durch Esquin de Floyran im Sommer 1307. Diese Person ist jedoch fragwürdig. Zeitgenössische Berichterstatter beschreiben ihn unabhängig voneinander sehr heterogen: Zum einen war es ein Templer, der wegen Teilnahme an einem Aufruhr bei Toulouse im Kerker saß und dort, seine Hinrichtung voraussehend, einem mit ihm eingesperrten Florentiner Noffodei gebeichtet und ihm dabei von den Gräueltaten, die in dem Orden begangen würden, gesprochen haben soll. Zum anderen war es ein Bürger aus Béziers, der Unsitten von einem Templer erfahren hat und diese dem König beichtete. In einer dritten Quelle wird von zwei Templerrittern, von denen einer de Floyran gewesen sein soll, gesprochen, die auf diese Weise ihr Leben zu retten versucht hätten.

Demgegenüber kommt dem Templer Johann de Fouillac nach Auffassung Schottmüllers hinsichtlich der Diffamierung eine größere Bedeutung zu. Denn dieser hat Philipp IV. verhältnismäßig genauere Nachrichten über die angeblichen Missstände im Templerorden durch einen Brief zukommen lassen. Außerdem tritt de Fouillac nicht nur in diesem Zusammenhang auf, sondern wird auch bei den Verhören in Paris und Poitiers als Erster vernommen.

Fest steht, dass Philipp daraufhin 12 Spione für Untersuchungen in den Templerorden einführte und am 14. September den Befehl zur Verhaftung an seine königlichen Beamten sandte, der genau einen Monat später ausgeführt werden sollte. Die Ordensspitze, d.h. Großmeister und Präzeptoren, befanden sich Mitte Oktober bei Philipp IV. bezüglich des Requiems für dessen Schwester und wurden so direkt in Paris gefangengenommen.

Zusammenfassung der Kapitel

1. Einleitung: Einführung in die Fragestellung, ob der Prozess gegen den Templerorden als politischer Prozess nach Kirchheimer zu definieren ist, sowie Darlegung der methodischen Vorgehensweise.

2. Kurze Beschreibung der Geschichte und der Struktur des Templerordens: Überblick über die Ursprünge, die hierarchische Organisation sowie die wirtschaftliche und politische Machtstellung des Ordens vor seinem Untergang.

3. Der Prozessverlauf gegen den Templerorden: Skizzierung der Inhaftierungen, der inquisitorischen Verfahrensweisen und der zunehmenden staatlichen Einflussnahme auf den Prozessverlauf.

4. Philipp IV. als der Initiator des Untergangs des Templerordens? - Verhältnis Philipp IV. zum Templerorden zwischen 1295 und 1314: Untersuchung der motivationsbedingten Spannungen zwischen dem König und dem Orden sowie der Instrumentalisierung der Machtverhältnisse gegenüber dem Papsttum.

5. Schluss: Synthese der Untersuchungsergebnisse und Bestätigung der These, dass der Fall die Merkmale eines politischen Prozesses erfüllt.

Schlüsselwörter

Templerorden, Philipp IV., politischer Prozess, Inquisition, Clemens V., Prozessverlauf, Machtpolitik, Ketzerei, Bonifaz VIII., Ordensstruktur, Mittelalter, Frankreich, Rechtsgeschichte, Geständnisse, Inquisitoren.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in der Arbeit grundlegend?

Die Arbeit analysiert den Untergang des Templerordens und prüft, ob die gerichtlichen Abläufe und die Rolle des französischen Königs Philipp IV. die Kriterien eines "politischen Prozesses" erfüllen.

Was sind die zentralen Themenfelder?

Im Fokus stehen die Geschichte des Ordens, die Dynamik des Inquisitionsprozesses sowie die politische Abhängigkeit und Strategie des französischen Königshauses gegenüber der Kirche.

Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?

Das Ziel ist der wissenschaftliche Nachweis, dass der Prozess gegen die Templer nicht als bloßes kirchliches Disziplinarverfahren, sondern als gezieltes politisches Instrument zur Beseitigung eines Widersachers zu werten ist.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Die Arbeit stützt sich auf die historische Analyse von Primär- und Sekundärquellen und wendet die Definition des "politischen Prozesses" nach Kirchheimer als theoretischen Rahmen an.

Was wird im Hauptteil behandelt?

Der Hauptteil gliedert sich in eine historische Bestandsaufnahme des Ordens, eine detaillierte Nachzeichnung der Prozessereignisse ab 1307 sowie eine Untersuchung der persönlichen und machtpolitischen Rolle Philipps IV.

Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren die Arbeit?

Zentrale Begriffe sind Templerorden, Inquisition, politische Prozessführung, Philipp der Schöne, Papst Clemens V. und die Machtkonflikte des 14. Jahrhunderts.

Warum war der Papst laut der Arbeit vom französischen König abhängig?

Die Abhängigkeit resultierte aus einer Kombination aus politischem Druck durch das französische Volk, der Instrumentalisierung des Konflikts mit Bonifaz VIII. und strategischen Zugeständnissen bei der Papstwahl.

Welche Bedeutung kommt der "Bulle Pastoralis praeeminentiae" zu?

Die Bulle markiert den Punkt, an dem das päpstliche Oberhaupt offiziell die Verantwortung für das Prozessgeschehen übernahm, nachdem der König bereits vollendete Tatsachen geschaffen hatte.

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Details

Title
Der Prozess gegen den Templerorden - ein politischer Prozess?
College
Technical University of Braunschweig
Grade
1,0
Author
Karin Busch (Author)
Publication Year
2002
Pages
22
Catalog Number
V77056
ISBN (eBook)
9783638804233
Language
German
Tags
Prozess Templerorden Prozess
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Karin Busch (Author), 2002, Der Prozess gegen den Templerorden - ein politischer Prozess?, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/77056
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