Gebet hat viele Gesichter - Konzeptionelle Überlegungen zur Umsetzung des 24-7prayer in einer Evang.-Luth. Kirchengemeinde


Studienarbeit, 2005

38 Seiten, Note: 2,5


Leseprobe

Gliederung

Einführung

A. Reden mit Gott – Das Gebet
1. Was ist Gebet?
2. Gebet in der Bibel
2.1. Altes Testament
2.2. Neues Testament
3. Gebet in der Geschichte des Christentums
4. Ort und Zeit des Gebets
4.1. Gemeinsames Gebet
4.1.1. Im Gottesdienst beten
4.1.2. Beten in Gebetsgemeinschaften
4.2. Einzelgebet – privat und individuell
4.2.1. Persönliche Gebetszeit
4.2.2. Das Gebet im alltäglichen Leben
4.2.3. Das Stoßgebet
5. Formen des Gebets
5.1. Vorformuliertes Gebet
5.2. Freies Gebet
5.3. Meditatives Gebet
5.4. Wortloses Gebet
6. Inhalt des Gebets
6.1. Bitte und Fürbitte
6.2. Dank
6.3. Lobpreis und Anbetung
6.4. Klage
7. Die persönliche Dimension von Gebet
7.1. Beziehung mit Gott
7.2. Beziehung mit anderen Christen
7.3. Persönliches Resümee

B. Konzeptionelle Überlegungen zur Umsetzung eines 24-7prayer in der Jugendarbeit einer Evang.-Luth. Kirchengemeinde in Bayern
1. Was ist das 24-7prayer?
2. Durchführung und Koordination
3. Grundlagen für die Durchführung
3.1. Christliche Wertorientierung in der kirchlichen Jugendarbeit
3.2. Gesetzliche Vorgaben für die kirchliche Jugendarbeit
4. Die Situation des Gebets in der evangelischen Jugendarbeit
5. Die Zielgruppe
6. Die Ziele
6.1. Grundsatzziel eins: Motivation zu Gebet
6.2. Grundsatzziel zwei: Begeisterung für den Glauben
6.3. „Nebeneffekte“ – Das Wirken des Heiligen Geistes
7. Was beinhaltet ein 24-7prayer?
8. Wie wird die Aktion umgesetzt?
8.1. Räumlichkeiten
8.2. Organisatorischer Ablauf
8.3. Inhaltlicher Ablauf
8.4. Anleitung zum Gebet
8.5. Umsetzung in den Alltag
9. Wichtige Rahmenbedingungen
10. Chancen und Grenzen des 24-7prayer – ein persönliches Resümee

Literaturverzeichnis

Anhang: Stundenplan

Einführung

„Das Gebet ist der Moment, in dem der Mensch ganz eins ist mit seinem Glauben, in dem er sich ganz bewußt ist, daß er nicht aus sich selbst heraus leben kann: Mit leeren, weit geöffneten Händen steht er vor Gott.“ Dies behauptet Frère John (1993, S.8) auf der zweiten Seite seines Buches zum Vaterunser. Für ihn ist Gebet eine der wichtigsten Quellen des geistlichen Lebens.

In der vorliegenden Jahresarbeit möchte ich die vielen Gesichter betrachten die dieses Gebet haben kann. Im Teil A. geht es um die Theorie von Gebet. Durch die Darstellung der einzelnen Aspekte soll deutlich werden wie vielfältig Gebet sein kann. Das heißt aber nicht, dass diese Aspekte nur getrennt voneinander vorkommen. Im Gegenteil in einem Gebet können und sollen diese bunt gemischt vorkommen. Immer aber geht es um das Gebet von Christen an den dreieinigen Gott. Im Teil B. geht es um eine besondere Art von Gebet – das 24-7prayer. Hierbei handelt sich um eine weltweite Gebetsbewegung von Jugendlichen. Meist wird es im freikirchlichen Bereich umgesetzt, bietet aber auch für die Evangelisch-Lutherische Kirche einen guten Ansatz den Jugendlichen die Vielfalt von Gebet näher zu bringen. In dieser vorliegenden Arbeit sollen allerdings nicht die theoretischen Aspekte des 24-7prayer beleuchtet werden, sondern die praktische Umsetzung. Es werden somit konzeptionelle Überlegungen zur Umsetzung in einer Kirchengemeinde vorgestellt.

Die Bibelzitate der vorliegenden Arbeit stammen aus der Lutherbibel, welche im Literaturverzeichnis angegeben ist. Aus Gründen der Lesbarkeit habe ich immer dort, wo eine neutrale Schreibweise nicht möglich war die männliche Schreibweise verwendet. Frauen sind hierbei immer mit einbezogen.

A. Reden mit Gott – Das Gebet

„Wie groß ist doch die Macht des Gebets! . . . Es ist durchaus nicht nötig, ein schönes, für den entsprechenden Fall formuliertes Gebet aus einem Buch zu lesen, um Erlösung zu finden. Ich sage Gott ganz einfach, was ich ihm sagen will, ohne schöne Worte zu machen, und er versteht mich. Für mich ist das Gebet ein einfacher Blick zum Himmel, ein Ruf der Dankbarkeit und der Liebe, aus der Mitte der Mühsal wie aus der Mitte der Freude. Es ist etwas Großes, das mir die Seele weitet und mich mit Jesus vereint.“

Mit diesen Worten beschreibt Therese von Lisieux (zitiert nach Evangelisch-Lutherische Kirche in Bayern [ELKiB], 1995, S.1528) was Gebet für sie bedeutet. Es wird deutlich, dass Gebet etwas großes und vielleicht auch etwas schwer begreifbares ist. Gleichzeitig erfahren wir etwas über seine Vielfältigkeit und wie einfach es doch eigentlich sein kann zu beten. Ausgerichtet ist dieses Gebet auf den Gott, der in Jesus Christus Mensch wurde. Für die folgende Darstellung der vielen Gesichter von Gebet soll diese Sichtweise das Fundament sein.

1. Was ist Gebet?

In fast allen Religionen der Welt ist Gebet zu finden. Ausnahmen bilden hier der Buddhismus und die australischen Ureinwohner. (vgl. Alles, 2000, S.483) Aber was genau ist Gebet und was macht das Spezifische eines christlichen Gebets aus?

Eine wesentliche Voraussetzung für Gebet ist der Glaube daran, dass ein Gott existiert, welcher ein personales Wesen besitzt und mit dem der Mensch in Beziehung treten kann. Für jemanden der diesen Glauben nicht besitzt wäre beten sinnlos. (vgl. Brümmer, 2000, S.497) In welcher Form das Gebet stattfindet hängt von der Art des Glaubens ab. (vgl. Schlatter, 1989, S.364) In jedem Fall ist Gebet ein Ausdruck der menschlichen Zuwendung zu einer Gottheit. In diesem spricht der Mensch vor seinem Gott zu seinem Gott. (vgl. Ratschow, 1984, S.31-32) Somit ist Gebet also der Weg, auf dem Gläubige mit ihrem Gott in Beziehung treten. (vgl. Brümmer, 2000, S.496) Durch dieses Verständnis lässt sich Gebet von anderen religiösen Handlungen, wie Beschwörung oder Meditation abgrenzen. (vgl. Alles, 2000, S.483) Das Beten ist ein zutiefst menschliches Phänomen; es wurde schon immer gebetet und vermutlich wird auch in Zukunft weiterhin gebetet werden. (vgl. Müller, 1984, S.84) „Das Gebet ist deswegen auch in derselben Weise offen und

anfällig für alles menschliche Irren und Sich-Verfehlen wie alle anderen Formen menschlichen Agierens und Reagierens.“ (Müller, 1984, S.84)

Das christliche Gebet basiert auf dem Glauben an den dreieinigen Gott; es ist „Gebet an den Vater, durch den Sohn, im Heiligen Geist.“ (Müller, 1984, S.86) Im Gebet begeben wir uns in die Gegenwart des Gottes, der uns durch Leben, Sterben und Auferstehung von Jesus Christus geoffenbart wurde. (vgl. John, 1993, S.7-9) Durch Jesus Christus werden wir zu Kindern Gottes und Gott kann von uns als Vater angerufen werden. (vgl. Müller, 1984, S.85-86) Dem Menschen ist es dadurch möglich geworden, im Gebet eine persönliche Verbindung mit Gott herzustellen. (vgl. Schlatter, 1989, S.364) Der Heilige Geist gibt uns Beistand im Gebet (vgl. Ulrich, 1986, S.18) und „vertritt uns mit unaussprechlichem Seufzen.“ (Röm. 8,26,) Das bedeutet, wenn wir zu Gott beten, betet Gott selbst durch uns. (vgl. Kießig, Stempin, Echternach & Jetter, 2000, S.754)

Im Gebet wird sich der Mensch „bewußt, daß er nicht aus sich selbst heraus leben kann: Mit leeren, weit geöffneten Händen steht er vor Gott.“ (John, 1993, S.8) Das Gebet selbst ereignet sich nach Luther als Reden mit oder zu Gott. (vgl. Müller, 1984, S.88) Bonhoeffer betont dass es im Gebet nicht nur darum geht sein Herz auszuschütten sondern „den Weg zu Gott (zu) finden und mit ihm (zu) reden.“ (Ulrich, 1986, S.14)

2. Gebet in der Bibel

Sowohl im AT als auch im NT lassen sich zahlreiche Beispiele für Gebet finden. Die christliche Tradition von Gebet steht auf dem Boden der Bibel und im Abendland wurde das Gebet sozusagen von den hebräischen Orientalen gelernt. (vgl. Kießig et al., 2000, S.754; Lexikonverlag, n.d., S.766) Die folgenden Punkte sollen einen kurzen Überblick darüber geben, wie Gebet in der Bibel gesehen und beschrieben wird.

2.1. Altes Testament

Im AT lässt sich kein einheitlicher Oberbegriff für Gebet feststellen. (vgl. Albertz, 1984, S.34) Stattdessen gibt es mehr als 40 unterschiedliche Wörter, die mit Gebet übersetzt werden können. (vgl. Bargheer, 1973, S.142)

„Beter und Beterin sprechen im AT nicht in die Leere des Weltraums hinein, sondern richten ihr G. an einen lebendigen Gott, der sich Israel in Schöpfung und Gesch. offenbart hat.“ (Reventlow, 2000, S.487) Die Gebete sind eine unmittelbare

Lebensäußerung und zeichnen sich durch eine große Direktheit im Umgang mit Gott aus. (vgl. Albertz, 1984, S.35-36) Auch wenn das Gebet im AT häufig mit gottesdienstlichen Handlungen verbunden ist, ist es nicht untrennbar an bestimmte Zeiten oder Orte gebunden. Es kann überall und zu jeder Zeit an Gott gerichtet werden. (vgl. Albertz, 1984, S.35)

Laut Albertz (1984, S.34) sind Klage und Lob die grundlegenden Pole von Gebet im AT. Nach Reventlow (1986, S.5) können vielfältige Formen des Betens unterschieden werden:

- Kurzgebete in der älteren Prosa, z.B. die Omenbitte und das Gelübde
- das Loben (Hymnus)
- das Bitten in Form der Klage des Einzelnen, des Volkes und des Königs
- das Danken
- die Fürbitte
- Kunstformen des Gebets in der Spätzeit, z.B. Gebetsformen bei Hiob
- redaktioneller Einbau von Psalmen in jüngere Textzusammenhänge

Im Unterschied hierzu werden im Evangelischen Erwachsenen Katechismus (Kießig et al., 2000, S.754-755) Gebet und Gebetsformen einzelner biblischer Personen unterschieden:

- Abraham antwortet auf Gottes Anrede. Mit Hilfe des Mediums Wort geschieht direkte Kommunikation. Abraham kann somit als Anfänger des Gebets bezeichnet werden.
- Mose macht die Erfahrung der göttlichen Allgegenwart. Er erfährt als Erster den Namen Gottes.
- David beugt sich im Gebet vor Gott.
- Persönliche Gebete vieler Männer und Frauen aus biblischer Zeit, z.B. die jubelnde Mirjam, die weinende Hanna und der um den Segen ringende Jakob.

Eine Sonderstellung nehmen die Psalmen ein. Sie hatten ihren Platz im rituellen Gottesdienst. Der Psalter ist somit das Gebet- und Gesangbuch Israels. Auch wenn Psalmen vorformulierte und zur Wiederverwendung gedachte Gebete sind, ist die persönliche Aneignung erlaubt und überraschenderweise oft sogar möglich. (vgl. Kießig et al., 2000, S.755; Reventlow, 2000, S.487)

2.2. Neues Testament

Der Ausgangspunkt für Gebet im NT ist Jesus selbst. In den Evangelien wird immer wieder berichtet dass Jesus betet. (vgl. Lexikonverlag, n.d., S.766) Es kann nicht daran gezweifelt werden, dass Jesus als Jude eine in das jüdische Leben eingebettet Gebetspraxis hatte. (vgl. Gebauer, 2000, S.488) Er nimmt am Gebet im Tempel teil zieht sich aber auch oft in die Einsamkeit zurück. (vgl. Kießig et al., 2000, S.755)

Neben seinem persönlichen Gebet lehrt Jesus seinen Jüngern das Beten. (Lexikonverlag, n.d., S.766) „Matthäus hat in der Bergpredigt die Gebetslehre Jesu katechismusartig zusammengefasst (Mt 6,5-15).“ (Kießig et al., 2000, S.756) Das Herzstück ist hierbei das Vaterunser, durch welches Jesus seine Nachfolger in sein besonderes Gottesverhältnis mit hinein nimmt. (vgl. Gebauer, 2000, S.488-489) Er gibt seinen Jüngern mit dem Vaterunser eine knappe und am Wesentlichen orientierte Hilfe zum Beten. (vgl. Kießig et al., 2000, S.756; Schlatter, 1989, S.368) Die Formulierungen dieses besonderen Gebets haben ihre Wurzeln im AT und sind fast alle bereits in jüdischen Gebeten zu finden. (vgl. John, 1993, S.10) Das Besondere und Neue an diesem Gebet im NT ist die untypische Anrede Gottes, als Abba (Vater), durch Jesus. (vgl. Gebauer, 2000, S.488; Kießig et al., 2000, S.756) Diese Anrede wurde in der aramäischen Alltagssprache von Kindern benutzt um ihren Vater anzureden. Es war nicht üblich Gott mit diesem Namen anzureden, da dies unpassend gewesen wäre. (vgl. John, 1993, S.15-16) Hierdurch wird der Unterschied zum Gebetsverständnis im AT deutlich. „G. ist nach dem Zeugnis des NT der unmittelbare Ausdruck der durch Jesus eröffneten neuen Gottesbeziehung des Menschen“ (Gebauer, 2000, S.488)

Ein weiterer wesentlicher Aspekt von Gebet im NT, im Unterschied zum AT, ist die Zusicherung der Gebetserhörung durch Jesus. Im AT wird diese nur bestimmten Freunden Gottes, z.B. Abraham zuteil. Durch Jesus sind alle Christen in den Status des Freundes aufgerückt. (vgl. Berger, 1984, S.56)

Für den Ort oder die Zeit des Betens lassen sich im NT keinerlei Anweisungen finden. Vielmehr kann festgestellt werden, dass Jesus an jedem Ort und zu jeder Zeit betete. Er hat eine ständige Gebetsverbindung mit dem Vater. (vgl. Schlatter, 1989, S. 367) So wie Jesus ohne Unterlass betet werden die Jünger und Nachfolger Christi im NT mehrmals – durch Jesus, Paulus und in verschiedenen Briefen - zu ständigem, vertrauensvollen Gebet in jeder Lebenslage ermahnt. (vgl. Gebauer, 2000, S.489-491; Schlatter, 1989, S.367)

Bei Paulus erhält das durch den Geist gewirkte Gebet eine besonders Bedeutung. (vgl. Bargheer, 1973, S.144) Das Gebet wird hier als die Wirkung des Geistes im Glaubenden gesehen. Er gibt die Erkenntnis der Gotteskindschaft (Röm 8,15; Gal 4,6) und durch ihn überwindet der Mensch die Unfähigkeit zum Gebet (Röm 8,26f). Als eine besondere Gebetsform gibt der Geist auch die Gabe des Sprachengebets, die Glossolalie (1.Kor 12,10; bei Luther mit Zungenrede übersetzt). (vgl. Ebert & McNeil, 1999, S.8; Gebauer, 2000, S.490; Kießig, 2000, S.761)

3. Gebet in der Geschichte des Christentums

Im Laufe der Geschichte des Christentums und der Kirche haben sich die vielfältigsten Formen von Gebet entwickelt. (vgl. Kießig et al., 2000, S.757) Im Folgenden soll diese Entwicklung kurz skizziert werden.

In der Alten Kirche bildete die jüdische Gebetspraxis den Ausgangspunkt zur Entwicklung einer eigenen christlichen Gebetspraxis. Das tägliche dreimalige Gebet wurde z.B. übernommen und durch das Vaterunser ergänzt. Im 2. Jh. macht sich der Einfluss der griechisch-römischen Umwelt und die Auseinandersetzung mit dem Gnostizismus in der Gebetspraxis bemerkbar. Gleichzeitig entstanden die ersten schriftlichen Sammlungen von Gebeten und der Psalter wurde zum Gebetbuch der Kirche. Ab dem 3. Jh. wird das Gebet zum Thema theoretischer Reflexion. Gebete und Gottesdienstabläufe werden festgeschrieben. Im Laufe der Zeit kam es zu dogmatischen Auseinandersetzungen darüber, wie ein richtiges Gebet auszusehen hat und auch die Rolle des Beters veränderte sich. (vgl. Baumeister, 1984, S.60-65; Förster, 2000, S.491-492)

Die Reformation führte zu einem tiefgreifenden Umbruch in der Gebetspraxis. Nach Luther ist das Gebet die Antwort des Menschen auf das Wort Gottes. Er verwarf die Gebetbücher mit vorformulierten Gebeten und forderte, dass das Gebet frei aus dem Herzen kommen müsse. Allerdings kam es ab 1560 im Protestantismus wieder zur Entstehung von Gebetbüchern. Dies entwickelte sogar solche Ausmaße, dass ganze Gebetsenzyklopädien entstanden. Im Pietismus wurde dann wieder das freie Herzensgebet gefordert. (vgl. Wallmann, 2000, S.492-494)

Durch die Aufklärung verlor das Gebet an Bedeutung. Es kam zu einer Individualisierung und Verinnerlichung von Gebet. Kant ging sogar noch einen Schritt weiter und verwarf das Gebet als abergläubischen Wahn. (vgl. Wallmann, 2000,

S.494)

Im 19. Jh. kam es zu einer Erweckungsbewegung. Als Folge kam es zu einer Wiederbelebung der älteren Gebetskultur. Im 20 Jh. überwiegt in Europa die Neubesinnung auf das Gebet. Durch charismatische Bewegungen kommt es in der 2. Hälfte des 20 Jh. zu einer neuen Gebetspraxis, welche das Sprachengebet einschließt. (vgl. Wallmann, 2000, S.494)

4. Ort und Zeit des Gebets

In der Nachfolge Christi befolgten die Urchristen die Mahnung Jesu zum Gebet und gaben diese weiter. (Lexikonverlag, n.d., S.766) So wie Jesus zu jeder Zeit und an jedem Ort betete (vgl. Pkt. 2.2.) ist auch die christliche Gebetspraxis unabhängig von Raum und Zeit. (ELKiB, 1995, S.1528) Dennoch hat das Gebet als christliche Praxis und Teil des religösen Lebens einen festen Sitz im privaten und gemeindlichen Leben der Gläubigen erhalten. (vgl. Bargheer, 1973; S.33; Bloth, 1984, S.95-98) Aus diesem Grund bietet sich eine Unterscheidung zwischen gemeinsamen Gebet und Einzelgebet als Ordnungsprinzip an. (Ratschow, 1984, S.33)

4.1. Gemeinsames Gebet

Dem gemeinsamen Gebet misst Jesus eine besondere Bedeutung bei. Sobald sich zwei Menschen in ihrem Bitten einig werden, wird dieses erhört (Mt 18,19). Es ist schon ein kleines Wunder an sich, wenn zwei Menschen sich einig werden. Aber vom gemeinsamen Gebet geht wohl eine besondere situationsverändernde Kraftwirkung aus. (vgl. Kießig et al., 2000, S.759-760) Auch Luther betont die besonders starke und kräftige Wirkung des gemeinsamen Gebets, hebt aber gleichzeitig hervor, dass zu jeder Zeit und an jedem Ort gebetet werden soll. (vgl. Schulz, 1984, S.71) Hiermit schließt er sich der Forderung von Paulus an, ohne Unterlass zu beten (1.Thess 5,17).

Das gemeinsame Gebet hat auch positive soziale Aspekte, betont Krötke (1987, S.96-97). Das Beten mit andern Christen, dem Ehepartner od. den Kindern „schafft eine Bindung, die erbaut und erfreut.“ (Krötke, 1987, S.97) Neben dem öffentlichen Gebet im Gottesdienst bieten vor allem auch Gebetsgemeinschaften die Möglichkeit gemeinsam zu beten. (vgl. Bargheer, 1973, S.33-42)

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Details

Titel
Gebet hat viele Gesichter - Konzeptionelle Überlegungen zur Umsetzung des 24-7prayer in einer Evang.-Luth. Kirchengemeinde
Note
2,5
Autor
Jahr
2005
Seiten
38
Katalognummer
V77130
ISBN (eBook)
9783638825870
Dateigröße
556 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Gebet, Gesichter, Konzeptionelle, Umsetzung, Evang, Kirchengemeinde
Arbeit zitieren
Tabea Kroll (Autor), 2005, Gebet hat viele Gesichter - Konzeptionelle Überlegungen zur Umsetzung des 24-7prayer in einer Evang.-Luth. Kirchengemeinde, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/77130

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