Im Gegensatz zum HGB enthält der IAS ausführliche Regelungen zur Behandlung von Sicherungsgeschäften. Der erste Entwurf des IAS 39 zum Ansatz und zur Be-wertung von Finanzinstrumenten wurde im Juni 1998 veröffentlicht. Seitdem wurde der IAS 39 einige Male modifiziert und ergänzt. Die Vorschriften zur Abbildung von Sicherungsbeziehungen gelten als die in der Rechnungslegung am meisten disku-tierten Regelungen der IFRS. Die Problematik ergibt sich aus dem so genannten „Mixed Model“. Mixed Model bedeutet, dass nach IAS 39 verschiedene Kategorien von Finanzinstrumenten unterschiedlich bewertet werden . Sicherungsinstrumente werden in der Regel zum Fair Value bewertet, Grundgeschäfte können, je nach ihrer Kategorie, sowohl zum Fair Value, als auch zu fortgeführten Anschaffungs-kosten bewertet werden. Ohne die speziellen Regelungen des IAS 39 zum Hedge Accounting würden aus der unterschiedlichen Bewertung von abgesicherten Grundgeschäften und Sicherungsinstrumenten ungleichgewichtige Effekte in der Gewinn- und Verlustrechnung entstehen. Bei Anwendung der Vorschriften des Hedge Accountings erfolgt eine Kompensation der Wertänderungen in der GuV. Die heftigen Diskussionen um die Regelungen des Hedge Accountings entstehen durch einen Interessenkonflikt zwischen der Kreditwirtschaft und den Unterneh-men. Während der IAS versucht den Unternehmen zu ermöglichen alle Vermö-gensgegenstände zum aktuellen Zeitwert anzusetzen, fürchtet die EZB um Kapi-talmarktstabilität.
Inhaltsverzeichnis
1. EINLEITENDER TEIL
1.1 BEGRIFFSABGRENZUNG
1.2 PROBLEMSTELLUNG
2. RAHMENBEDINGUNGEN DER FINANZINSTRUMENTE NACH IAS 39
2.1 WIRTSCHAFTLICHE RAHMENBEDINGUNGEN
2.2 RECHTLICHE RAHMENBEDINGUNGEN
2.3 FINANZINSTRUMENTE UND SICHERUNGSBEZIEHUNGEN
2.3.1 Derivative und nicht-derivative Finanzinstrumente
2.3.2 Grundgeschäft und Sicherungsinstrument
2.3.3 Arten von Sicherungsbeziehungen
2.4 ZIELE DES IAS 39
3. BILANZIERUNG VON SICHERUNGSGESCHÄFTEN (HEDGE ACCOUNTING)
3.1 HEDGE ACCOUNTING
3.1.1 Regeln des Hedge Accounting
3.1.2 Formen des Hedge Accounting
3.1.2.1 Fair Value Hedge
3.1.2.2 Cash Flow Hedge
3.2 ANSATZ VON SICHERUNGSGESCHÄFTEN
3.3 BEWERTUNG VON SICHERUNGSGESCHÄFTEN
3.3.1 Zugangsbewertung
3.3.2 Folgebewertung
3.4 AUSWEIS VON SICHERUNGSGESCHÄFTEN
3.4.1 Ausweis Fair Value Hedge
3.4.2 Ausweis Cash Flow Hedge
3.5 KRITISCHE WÜRDIGUNG
4. FAZIT UND AUSBLICK
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die bilanzielle Behandlung von Sicherungsgeschäften nach IAS 39. Ziel ist es, die Herausforderungen durch das sogenannte "Mixed Model" der IAS-Rechnungslegung zu analysieren und aufzuzeigen, wie das Hedge Accounting durch eine synchronisierte Erfassung gegenläufiger Wertänderungen von Grundgeschäften und Sicherungsinstrumenten bilanzielle Verzerrungen in der Gewinn- und Verlustrechnung minimieren kann.
- Rechtliche und wirtschaftliche Rahmenbedingungen der IAS 39-Anwendung
- Klassifizierung und Bewertung von Finanzinstrumenten
- Methodik des Fair Value Hedges und Cash Flow Hedges
- Anforderungen an die Dokumentation und Effektivitätsmessung
- Kritische Reflexion der Komplexität und Volatilität bei der Bilanzierung
Auszug aus dem Buch
3.1.1 Regeln des Hedge Accounting
“Unter Hedge Accounting-Regeln sind spezielle Bilanzierungsregelungen für Sicherungsgechäfte zu verstehen, deren Ziel die synchrone Erfassung der gegenläufigen Auswirkungen der Änderungen des Fair Value oder der Cash-flows eines Sicherungsinstruments und des mit ihm verbundenen gesicherten Grundgeschäfts auf den Gewinn oder Verlust der Periode ist.“ Die folgende Abbildung zeigt die Problematik ohne Hedge Accounting und die Zielsetzung des Hedge Accounting auf einen Blick:
Die unterschiedliche Bewertung der Finanzinstrumente nach IAS, die durch den Mixed-Modell-Ansatz festgelegt ist, führt dazu, dass Grundgeschäfte, die zu fortgeführten Anschaffungskosten bewertet werden, nicht erfolgswirksam, aber ihre entsprechenden Sicherungsgeschäfte in der GuV berücksichtigt werden. Das wirtschaftliche Risiko ist zwar kompensiert, aber für das Unternehmen besteht ein bilanzielles Risiko. Es werden sozusagen Gewinne bzw. Verluste ausgewiesen, die in Wirklichkeit aufgrund der Kompensation gar nicht entstehen. So stellt sich die Situation ohne die Regelungen des Hedge Accounting dar. Um jenen Ausweis zu vermeiden, werden spezielle Regelungen für eine kompensatorische Bewertung von Sicherungsgeschäften erforderlich. Zur Absicherung von Grundgeschäften werden in der Regel derivative Finanzinstrumente benutzt. Nur im Ausnahmefall können zur Wechselkursabsicherung auch originäre Finanzinstrumente verwendet werden. Derivate sind nach IAS grundsätzlich erfolgswirksam zu bewerten. Hedge Accounting wird somit dann notwendig, wenn das Grundgeschäft nicht erfolgswirksam zum Fair Value bewertet wird. Dies ist entweder dann der Fall, wenn zum Fair Value bewertet wird, aber die Fair Value-Änderungen optional im Eigenkapital ausgewiesen werden, oder wenn das Grundgeschäft zu Anschaffungskosten bewertet wird, oder wenn das Grundgeschäft als schwebendes oder antizipiertes Geschäft bilanzunwirksam ist.
Zusammenfassung der Kapitel
1. EINLEITENDER TEIL: Diese Einleitung definiert die Begriffe des Hedge Accountings im Kontext des IAS 39 und erläutert die Problemstellung der bilanziellen Behandlung von Sicherungsgeschäften.
2. RAHMENBEDINGUNGEN DER FINANZINSTRUMENTE NACH IAS 39: Dieses Kapitel beleuchtet die ökonomischen und regulatorischen Rahmenbedingungen sowie die Klassifizierung von Finanzinstrumenten und die Ziele des Standards.
3. BILANZIERUNG VON SICHERUNGSGESCHÄFTEN (HEDGE ACCOUNTING): Der Hauptteil beschreibt detailliert die Regeln, Arten, Ansatz- und Bewertungsvorschriften sowie den Ausweis von Sicherungsgeschäften und schließt mit einer kritischen Würdigung ab.
4. FAZIT UND AUSBLICK: Das Fazit fasst die Bedeutung der Risikosteuerung durch Hedge Accounting zusammen und diskutiert mögliche zukünftige Entwicklungen hin zu einem "Full Fair Value"-Ansatz.
Schlüsselwörter
IAS 39, Hedge Accounting, Sicherungsgeschäft, Grundgeschäft, Sicherungsinstrument, Fair Value, Cash Flow Hedge, Derivate, Rechnungslegung, Risikomanagement, GuV, Effektivität, Bewertung, Finanzinstrumente, Bilanzierung
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit behandelt die komplexe bilanzielle Behandlung von Sicherungsgeschäften (Hedge Accounting) gemäß dem internationalen Rechnungslegungsstandard IAS 39.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Zentral sind die Darstellung der Rahmenbedingungen, die Abgrenzung von Finanzinstrumenten, die spezifischen Regeln für Hedge Accounting-Formen und deren kritische Würdigung.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Das Ziel ist die Analyse der kompensatorischen Bewertungsmechanismen, um bilanzielle Verzerrungen durch das sogenannte "Mixed Model" der IFRS zu vermeiden.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es handelt sich um eine theoretische Analyse auf Basis von Fachliteratur, Standards und Kommentierungen zum IAS 39.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil erörtert die Definition von Sicherungsbeziehungen, die Unterschiede zwischen Fair Value und Cash Flow Hedges sowie die Dokumentations- und Effektivitätsanforderungen.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wesentliche Begriffe sind IAS 39, Hedge Accounting, Fair Value, Risikomanagement und Effektivität der Absicherung.
Wie unterscheidet sich der Fair Value Hedge vom Cash Flow Hedge?
Während beim Fair Value Hedge der beizulegende Zeitwert eines Postens abgesichert wird, dienen Cash Flow Hedges der Absicherung künftiger schwankender Zahlungsströme.
Welche Rolle spielt die "Effektivität" im Hedge Accounting?
Die Effektivität ist eine zwingende Voraussetzung für die Anwendung des Hedge Accountings; sie misst den Grad, zu dem das Sicherungsinstrument die Risiken des Grundgeschäfts tatsächlich ausgleicht.
- Quote paper
- Diplom-Kaufmann (FH) Hendrik Möhlenbruch (Author), 2006, Bilanzielle Behandlung von Sicherungsgeschäften (Hedge Accounting) nach IAS 39, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/77145