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Die pragmatischen Axiome der Kommunikationstheorie von P. Watzlawick in Darstellung und Kritik

Verifizier- oder Falsifizierbarkeit einer Theorie?

Title: Die pragmatischen Axiome der Kommunikationstheorie von P. Watzlawick in Darstellung und Kritik

Term Paper , 2007 , 22 Pages , Grade: 1,7

Autor:in: Thomas Grimme (Author)

Sociology - Communication
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Die Semiotik besteht aus den Teilgebieten der Syntax, Semantik und Pragmatik, welche sich gegenseitig bedingen und deren Grenzen fließend ineinander übergehen. „In many ways it is true to say that syntax is mathematical logic, semantics is philosophy or philosophy of science, and pragmatics is psychology, but these fields are not really all distinct” (George 1973, S. 38). Während die Syntax und Semantik relativ durchdringend erforscht sind, stellt die pragmatische Redundanz menschlicher Kommunikationsprozesse in vielerlei Hinsicht eine Ausnahme dar. Angefangen bei den genuinen Wurzeln einer derartigen Analyse in Systemen und sich hinziehend bis in unsere Gegenwart hat die Pragmatik nichts an ihrem Forschungs- und Diskussionsreiz verloren. Die pragmatische Theorie und ihre Axiome der Kommunikationswissenschaftler Paul Watzlawick , Janet H. Beavin und Don D. Jackson, publiziert 1969 in dem Werk „Menschliche Kommunikation. Formen, Störungen und Paradoxien“, werden in dieser Arbeit auf ihren Wahrheits- und Scheingehalt hin überprüft. Daran angelehnt werden die Methodologien der Verifizier- und Falsifizierbarkeit auf Watzlawicks Werk transferiert, mit dem Ziel, den realen Wahrheitsgehalt der Theorie und der Axiome herauszufiltern. Um eine vollständige Beurteilung zu gewährleisten, bedarf es primär eines chronologischen Rückbezugs in die Anfänge der Systemtheorie und Kybernetik.

Die relevanten Anfänge der Systemtheorie und Kybernetik lassen sich auf Mitte des 20. Jahrhundert datieren. Systemtheorie wird dabei genuin mit dem österreichischen Biologen und Systemtheoretiker Ludwig von Bertalanffy in Verbindung gebracht. „Die erste Ausarbeitung einer allgemeinen Systemtheorie legte v. Bertalanffy 1937 im Philosophie-Seminar von Charles Morris an der Universität Chicago vor“ (Meister 1987, S. 5). Die Anfänge der Kybernetik werden im Konnex des Mathematikers Norbert Wiener gesehen. „Als endgültig etabliert darf die moderne Kybernetik spätestens seit 1948 angesehen werden, als Norbert Wiener ... sein grundlegendes Werk ´Cybernetics or Control and Communication in the Animal and the Machine´ veröffentlichte“ (Meister 1987, S. 5). In Bezug auf die kognitive Beeinflussung Watzlawicks sind vor allem die Kybernetiker verantwortlich. Letztere beschäftigten sich bis zur Mitte des 20. Jahrhunderts nur mit basalen Analysen von beispielsweise Feedback-Mechanismen oder Definitionsbestimmungen.

Excerpt


Gliederung

1. Einleitung

1.1 Chronologie der Systemtheorie und Kybernetik

2. Die Kommunikationstheorie und ihre Axiome

3. Der „Kritiker-Dreiklang“

3.1 Axiom I

3.2 Axiom II

3.3 Axiom III

3.4 Axiom IV

3.5 Axiom V

4. Verifikation oder Falsifikation einer Theorie

4.1 Verifizierbarkeit

4.2 Falsifizierbarkeit

5. Persönliche Bewertung und Kritik

6. Fazit

7. Quellen und Literaturverzeichnis

Zielsetzung und thematische Schwerpunkte

Die vorliegende Arbeit untersucht die pragmatischen Axiome der Kommunikationstheorie von Paul Watzlawick auf ihren Wahrheits- und Scheingehalt hin. Dabei wird kritisch hinterfragt, ob die Theorie wissenschaftstheoretischen Standards der Verifizier- oder Falsifizierbarkeit standhält oder ob es sich primär um ein spekulatives Modell handelt.

  • Chronologische Einordnung der Systemtheorie und Kybernetik als Grundlagen.
  • Detaillierte Darstellung und wissenschaftstheoretische Kritik der fünf Kommunikationsaxiome.
  • Anwendung der Methodologien von Verifikation und Falsifikation auf das Watzlawick-Modell.
  • Diskussion der empirischen Belastbarkeit und Operationalisierbarkeit der Theorie.
  • Kritische Würdigung der Relevanz und des "gedanklichen Monopols" von Watzlawicks Ansatz.

Auszug aus dem Buch

3.1 Axiom I

Die primäre Schwäche des Axioms I beruht auf der watzlawickschen Verallgemeinerung menschlichen Verhaltens, dessen kommunikativer Gleichsetzung und der Nichtbeachtung von Persönlichkeit sowie situativem Kontext.

Der doppelt negierte Terminus, dass man sich nicht nicht verhalten oder nicht nicht kommunizieren kann, ergibt nach seiner Aufsplittung nichts anderes, als das man sich verhalten oder kommunizieren muss. Diese Aussage ist aufgrund ihrer Verallgemeinerung jedoch nahezu bedeutungslos, ganz im Gegensatz zu einer möglichen dualen Trennung in „man kann kommunizieren oder auch nicht“. Humane Umgangsformen oder eine Berufs- und Lebenspartnerwahl fordern menschliche Reaktionen und Verhaltensweisen, die durchaus ein „nicht verhalten“ zulassen würden, deren Tragweite für die betreffenden Personen aber immens negativ wäre. „So erweist sich die Behauptung, Verhalten habe kein Gegenteil, als töricht, denn sie lenkt ab von den wirklich tragischen Konflikten, in denen sich ein Mensch zwischen zwei gleichermaßen unerträglichen Alternativen entscheiden muß“ (Girgensohn-Marchand 1992, S. 39). Damit einhergeht die Frage, welche Eigenschaften sich zu „kein Gegenteil haben“ in einer definierten Untermenge zuschreiben lassen. Klassenlogisch würde die Übersetzung des Axioms lauten: „´Zu der klasse, der verhalten als element angehört, existiert keine komplementärklasse´“ (Ziegler 1978, S. 55). Hierin liegt also ein logisches Problem der Denkweise Watzlawicks verborgen.

Anhand der illustrierten Beispiele Watzlawicks entsteht der Eindruck, dass jedes interpersonale menschliche Verhalten gleichbedeutend ist, was realerweise keineswegs der Fall ist, da die Informationsgehalte und sozialen Kontexte stark differieren (vgl. Schülein 1977, S. 171f.). „Was den Verfassern bei ihrem theoretischen Kurzschluss entgeht, ist, daß der kommunikative Aspekt oder Mitteilungscharakter keine Eigenschaft von Verhalten, sondern von interpersonalen Situationen ist“ (Meister 1987, S. 69f.)! Weiterhin spiegelt das Verhalten Schizophrener, nicht kommunizieren zu wollen, keine verallgemeinerbare Tatsache wieder, sondern eine Spezifische. So sagt dieser Ansatz lediglich etwas über spezifisches Verhalten von Personen aus, welches durch ihre Individualität und den situativen Kontext bestimmt wird.

Zusammenfassung der Kapitel

1. Einleitung: Einführung in die Semiotik und Darstellung des Ziels, Watzlawicks Kommunikationstheorie kritisch zu hinterfragen.

1.1 Chronologie der Systemtheorie und Kybernetik: Historischer Rückblick auf die Ursprünge der Systemtheorie und Kybernetik, die Watzlawicks Arbeit beeinflussten.

2. Die Kommunikationstheorie und ihre Axiome: Kurze Vorstellung der fünf pragmatischen Axiome, auf denen Watzlawicks Modell basiert.

3. Der „Kritiker-Dreiklang“: Einleitung in die kritische Auseinandersetzung mit Watzlawicks Werk durch drei Autoren aus wissenschaftstheoretischer Sicht.

3.1 Axiom I: Kritik an der Verallgemeinerung menschlichen Verhaltens und der logischen Haltbarkeit des Axioms.

3.2 Axiom II: Analyse der Schwächen in Bezug auf Kontextmissachtung und fehlende Historizität.

3.3 Axiom III: Diskussion der Problematik der Interpunktionsregel und der willkürlichen Zuweisung von Strukturen.

3.4 Axiom IV: Kritik an der falschen Interpretation semantischer Grundlagen und dem Verständnis von Analogie.

3.5 Axiom V: Untersuchung der Widersprüche zwischen Symmetrie und Komplementarität in längeren Interaktionsverläufen.

4. Verifikation oder Falsifikation einer Theorie: Untersuchung der wissenschaftstheoretischen Einordnung des Modells.

4.1 Verifizierbarkeit: Prüfung der empirischen Nachvollziehbarkeit und Problematik der analytischen Aussagen.

4.2 Falsifizierbarkeit: Diskussion der Anwendbarkeit des Falsifikationskriteriums nach Popper auf das Werk.

5. Persönliche Bewertung und Kritik: Zusammenfassende Einschätzung der logischen Mängel und der Rolle suggestiver Beispiele.

6. Fazit: Reflektion über das Bestehen der Theorie trotz ihrer wissenschaftstheoretischen Defizite.

7. Quellen und Literaturverzeichnis: Auflistung der verwendeten Sekundärliteratur und Quellen.

Schlüsselwörter

Kommunikationstheorie, Paul Watzlawick, Systemtheorie, Kybernetik, Axiome, Verifizierbarkeit, Falsifizierbarkeit, Wissenschaftstheorie, Pragmatik, Menschliche Kommunikation, Interaktion, Inhaltsaspekt, Beziehungsaspekt, Konstruktivismus, Kritik.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in der Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit untersucht die wissenschaftliche Fundierung der Kommunikationstheorie von Paul Watzlawick und prüft die darin enthaltenen Axiome auf ihre logische Konsistenz.

Was sind die zentralen Themenfelder?

Im Fokus stehen die Systemtheorie, Kybernetik, Wissenschaftstheorie sowie die Analyse von Kommunikationsprozessen nach dem "Menschliche Kommunikation"-Modell.

Was ist das primäre Ziel der Forschungsfrage?

Das Ziel ist es zu klären, ob Watzlawicks Theorie wissenschaftlich verifizierbar oder falsifizierbar ist oder ob sie lediglich auf spekulativen Beobachtungen beruht.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Die Arbeit nutzt einen wissenschaftstheoretischen Ansatz zur Prüfung von Theorien, insbesondere die Kriterien der Verifikation und Falsifikation nach Popper.

Was wird im Hauptteil behandelt?

Der Hauptteil analysiert die fünf Axiome Watzlawicks einzeln und stellt sie der Kritik namhafter Autoren sowie eigenen wissenschaftstheoretischen Untersuchungen gegenüber.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Wichtige Begriffe sind Kommunikationstheorie, Axiome, Falsifizierbarkeit, Systemtheorie, Inhalts- und Beziehungsaspekt sowie wissenschaftstheoretische Kritik.

Wie bewertet der Autor Watzlawicks "Metakommunikation"?

Der Autor sieht den Begriff "Meta" kritisch als bloßen Zusatz, der genutzt wird, um nichterklärbare Tatsachen zu verschleiern, anstatt einen echten empirischen Mehrwert zu liefern.

Warum hält der Autor die Theorie für "antiquiert"?

Aufgrund massiver logischer Mängel und einer mangelnden empirischen Operationalisierbarkeit, die schon vor Jahrzehnten kritisiert wurden, hält der Autor das Modell für wissenschaftlich überholt, auch wenn es in der Praxis weiterhin gelehrt wird.

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Details

Title
Die pragmatischen Axiome der Kommunikationstheorie von P. Watzlawick in Darstellung und Kritik
Subtitle
Verifizier- oder Falsifizierbarkeit einer Theorie?
College
Helmut Schmidt University - University of the Federal Armed Forces Hamburg  (Helmut-Schmidt-Universität )
Course
Ein Kommunikationsmodell in der Kritik - das Inhalts-Beziehungs-Modell der Kommunikation von P. Watzlawick in systematischer Sicht unter verschiedenen Kriterien
Grade
1,7
Author
Thomas Grimme (Author)
Publication Year
2007
Pages
22
Catalog Number
V77161
ISBN (eBook)
9783638826105
ISBN (Book)
9783638827232
Language
German
Tags
Axiome Kommunikationstheorie Watzlawick Darstellung Kritik Kommunikationsmodell Inhalts-Beziehungs-Modell Kommunikation Sicht Kriterien
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Thomas Grimme (Author), 2007, Die pragmatischen Axiome der Kommunikationstheorie von P. Watzlawick in Darstellung und Kritik , Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/77161
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