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Semiotik - Fallibilismus - Transzendentalpragmatik: Der Zusammenhang von Sprache und Wissen bei Peirce und Apel

Title: Semiotik - Fallibilismus - Transzendentalpragmatik: Der Zusammenhang von Sprache und Wissen bei Peirce und Apel

Thesis (M.A.) , 2007 , 67 Pages , Grade: 1,0

Autor:in: Sven Trantow (Author)

Speech Science / Linguistics
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„Und ich will so lange weiter vordringen, bis ich irgend etwas Gewisses, oder, wenn nicht anderes, so doch wenigstens das für gewiß erkenne, daß es nichts Gewisses gibt.“ (René Descartes: „Meditationen über die Grundlagen der Philosophie“)

Mit der ebenso berühmten wie evidenten Einsicht des cogito, ergo sum hatte Descartes´ Streben nach einer unerschütterlichen Gewissheit bekanntlich ein Ende gefunden. Diese faszinierende Suche nach einem archimedischen Punkt unserer Erkenntnis kommt in heutigen Zeiten eher der Arbeit des Sisyphus als der eines Wissenschaftlers gleich. Die umgreifende Relativität unserer Erkenntnisse ist zu einem fundamentalen Prinzip nicht nur innerhalb der Philosophie und Geisteswissenschaften, sondern innerhalb der öffentlichen Meinung westlicher Kulturkreise überhaupt avanciert. Dabei hat gerade die Besinnung auf den elementaren Stellenwert der Sprache für die Erzeugung und Strukturierung unseres Wissens einen wesentlichen Anteil an dieser Entwicklung. Die Reflexion auf das eigene Bewusstsein wurde im Zuge der linguistischen und pragmatischen Wende durch eine Reflexion auf unsere sprachlich-kommunikativen Voraussetzungen substituiert.

Wer heute also wissen will, was er wissen kann, kommt an einer Analyse der Möglichkeiten und Leistungen von sprachlicher Kommunikation nicht vorbei. Welche Art von Wissen erlaubt uns die Sprache eigentlich? Liegt der Grund für den modernen Wissensrelativismus womöglich schon in der Sprachlichkeit unserer Einsichten? Oder sind wir vielleicht doch, vielleicht gerade durch Sprache in der Lage, absolutes, unfehlbares und universales Wissen zu formulieren? Der Fallibilismus Karl Poppers und die Transzendentalpragmatik Karl-Otto Apels geben zwei kontradiktorische Antworten auf diese Fragen. Die grundsätzliche Fehlbarkeit unseres Wissens steht hier den invarianten und unfehlbaren Voraussetzungen des Argumentierens und Kommunizierens gegenüber.

Doch wie kommen zwei derart unterschiedliche Ansichten zustande, wenn sich beide Ansätze auf die semiotische Erkenntnistheorie von Charles S. Peirce gründen? In diesem Buch finden sich damit nicht nur jene Argumente und Problemstellungen, die den Kern der Diskussion über die Grenzen und Möglichkeiten unseres expliziten Wissens ausmachen; denn darüber hinaus gibt die kritische Auseinandersetzung mit Fallibilismus und Transzendentalpragmatik Antworten auf die Frage nach angemessenen Interpretationen der semiotischen Erkenntnistheorie von Charles S. Peirce.

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

2. Einleitung

3. Der semiotische Ansatz zu Erkenntnis und Realität bei Charles S. Peirce

3.1 Semiotik und die triadische Struktur des Zeichens

3.1.1 Repräsentamen – Die Materialität des Zeichens

3.1.2 Objekt – Der Gegenstandsbezug des Zeichens

3.1.3 Interpretant – Die Wirkung des Zeichens

3.1.4 Semiose – der unendliche Prozess der Zeichenvermittlung

3.2 Realität und Erkenntnis

3.2.1 Wahrheit als Konsens in der finalen Meinung

3.2.2 Zweifel und Überzeugung

3.2.3 Abduktion, Deduktion und Induktion

4. Fallibilismus und die Crux des Münchhausen-Trilemmas

4.1 Die Suspendierung der Begründungsidee und die impliziten Voraussetzungen des Münchhausen-Trilemmas

4.2 Können wir das Zweiflen bezweiflen? Die Grenzen sinnvoller Kritik

4.2.1 Der Sprechakt der Behauptung und die Selbstauflösung des konsequenten Fallibilismus

4.2.2 Evidentes Handlungswissen – der Ausweg aus dem Münchhausen-Trilemma?

5. Transzendentalpragmatik und das Sprachspiel der Argumentation

5.1 Das Apriori der Kommunikationsgemeinschaft und der harte Kern des Argumentierens

5.2 Das Aufdecken der Unhintergehbaren – Reflexive Argumente als Lösung des Münchhausen-Trilemmas?

5.2.1 Die performativ-propositionale Doppelstruktur der Rede

5.2.2 Das Prinzip des zu vermeidenden performativen Selbstwiderspruchs

5.2.3 Die Methode der strikten Reflexion

5.2.4 Selbstexplikationen des Handlungswissens

6. ...denn sie wissen nicht, was sie tun? Das Problem der Transformation von implizitem in explizites Wissen

Zielsetzung & Themen

Die Arbeit untersucht den Zusammenhang zwischen Sprache und Wissen, indem sie von Charles S. Peirces Semiotik über den fallibilistischen Kritischen Rationalismus zum transzendentalpragmatischen Ansatz Karl-Otto Apels führt, um Bedingungen für eine unhintergehbare Wissensbasis aufzudecken.

  • Semiotische Struktur des Zeichens (Repräsentamen, Objekt, Interpretant)
  • Die Rolle der Semiose als unendlicher Prozess der Erkenntnis
  • Kritik am konsequenten Fallibilismus und am Münchhausen-Trilemma
  • Sprachpragmatische Voraussetzungen von Argumentation und Kritik
  • Transzendentalpragmatische Letztbegründung durch reflexive Argumente

Auszug aus dem Buch

3.1.2 Objekt – Der Gegenstandsbezug des Zeichens

Wie bereits zu Beginn dieses Kapitels erwähnt, ist jeglicher Bewusstseinsinhalt und damit jegliches Denken notwendig an den Gebrauch von Zeichen gebunden. Diese Annahme impliziert natürlich, dass alle Erfahrungsgegenstände bereits einen zeichenhaften Charakter haben. Ist das repräsentierte Objekt dann nicht selbst notwendig ein Zeichen, im Sinne einer mentalen Idee, einer Vorstellung? Rekurriert das Wort „Rose“ auf ein Zeichen, das eine Rose ist oder auf ein von unserer Erfahrung und Bezeichnung unabhängiges Objekt, welches wir eine Rose nennen? Peirce war sich durchaus bewusst, dass das intendierte Objekt eines Zeichensetzers selbst nur ein Zeichen sein kann. Aber eben diese Idee ist keine zufällige, sondern orientiert sich an einem realen Objekt, einem zeichenunabhängig Existierenden:

This requaesitum I term the object of the sign: – the immediate object, if it be the idea which the sign is built upon, the real object, if it be that real thing or circumstance upon which that idea is founded as on bed-rock.20

Peirce unterscheidet also zwei Typen von Objekten: ein unmittelbares und ein reales (dynamisches) Objekt. Während das unmittelbare Objekt dem bereits bezeichneten Gegenstand – im Sinne einer mentalen Idee oder Vorstellung – entspricht, auf den sich ein Zeichen bezieht, verkörpert das reale Objekt jene Gegenständlichkeit der äußeren Welt, die durch unsere Verwendung von Zeichen unverändert bleibt. Bereits an dieser Stelle deutet sich der realistische Charakterzug der Peirceschen Philosophie an, welcher in den folgenden Kapiteln noch deutlicher zum Vorschein kommen wird. Denn trotz der prinzipiellen Zeichenabhängigkeit eines jeden erfahrbaren Gegenstands kann das reale, unbezeichnete Objekt nicht grundsätzlich getilgt werden.

Zusammenfassung der Kapitel

2. Einleitung: Die Arbeit thematisiert den elementaren Zusammenhang von Sprache und Wissen und führt in die behandelten philosophischen Ansätze ein.

3. Der semiotische Ansatz zu Erkenntnis und Realität bei Charles S. Peirce: Dieses Kapitel erläutert die triadische Struktur des Zeichens und den Prozess der Semiose als Grundlage für Erkenntnistheorie.

4. Fallibilismus und die Crux des Münchhausen-Trilemmas: Hier wird untersucht, wie der Kritische Rationalismus die Begründungsidee hinterfragt und warum dies aus Sicht des Autors problematisch ist.

5. Transzendentalpragmatik und das Sprachspiel der Argumentation: Dieses Kapitel analysiert das transzendentalpragmatische Konzept als Versuch, eine unhintergehbare Erkenntnisbasis durch reflexive Argumente zu etablieren.

6. ...denn sie wissen nicht, was sie tun? Das Problem der Transformation von implizitem in explizites Wissen: Das Abschlusskapitel reflektiert kritisch über die Möglichkeiten und Grenzen der Transformation unseres impliziten Handlungswissens in explizites Wissen.

Schlüsselwörter

Semiotik, Charles S. Peirce, Erkenntnistheorie, Realität, Wahrheit, Fallibilismus, Münchhausen-Trilemma, Kritischer Rationalismus, Sprachspiel, Argumentation, Transzendentalpragmatik, Karl-Otto Apel, Letztbegründung, Handlungswissen, Zeichen

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in der Arbeit grundlegend?

Die Arbeit untersucht den engen Zusammenhang von Sprache und Wissen und analysiert verschiedene philosophische Konzepte hinsichtlich ihrer Fähigkeit, eine tragfähige Wissensbasis zu begründen.

Was sind die zentralen Themenfelder?

Im Zentrum stehen die Peircesche Semiotik, der fallibilistische Ansatz des Kritischen Rationalismus und die transzendentalpragmatische Begründungstheorie.

Was ist die primäre Forschungsfrage?

Die Arbeit fragt nach den Bedingungen der Möglichkeit und Gültigkeit sprachlich-expliziten Wissens angesichts der Fehlbarkeit menschlicher Erkenntnis.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Die Arbeit bedient sich einer philosophisch-analytischen Rekonstruktion und kritischen Gegenüberstellung der Theorien von Peirce, Albert, Apel und Wittgenstein.

Was wird im Hauptteil behandelt?

Der Hauptteil analysiert die Struktur der Semiose, die erkenntnistheoretische Relevanz des Münchhausen-Trilemmas und die Möglichkeiten einer transzendentalpragmatischen Letztbegründung.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Die Arbeit lässt sich durch Begriffe wie Semiotik, Fallibilismus, Transzendentalpragmatik, Erkenntnis, Wahrheit und Handlungswissen charakterisieren.

Wie unterscheidet sich die Transzendentalpragmatik vom Fallibilismus?

Während der Fallibilismus prinzipiell alles bezweifelbar macht, sucht die Transzendentalpragmatik nach unhintergehbaren Argumentationsregeln, die sich durch Reflexion als letztbegründet erweisen.

Was ist das "Münchhausen-Trilemma" in diesem Kontext?

Es beschreibt das Dilemma jedes Begründungsversuchs, das entweder in einen infiniten Regress, einen logischen Zirkel oder einen dogmatischen Abbruch der Begründung führt.

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Details

Title
Semiotik - Fallibilismus - Transzendentalpragmatik: Der Zusammenhang von Sprache und Wissen bei Peirce und Apel
College
RWTH Aachen University  (Institut für Sprach- und Kommunikationswissenschaften)
Grade
1,0
Author
Sven Trantow (Author)
Publication Year
2007
Pages
67
Catalog Number
V77252
ISBN (eBook)
9783638743150
Language
German
Tags
Semiotik Fallibilismus Transzendentalpragmatik Zusammenhang Sprache Wissen Peirce Apel
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Sven Trantow (Author), 2007, Semiotik - Fallibilismus - Transzendentalpragmatik: Der Zusammenhang von Sprache und Wissen bei Peirce und Apel, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/77252
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