Die Wortart Konjunktion – traditionelle Einteilung vs. Konnektoren-Modell


Hausarbeit (Hauptseminar), 2005

21 Seiten, Note: 2,0


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

A. Einleitung

B. Hauptteil
B.1. Die Konjunktion nach Eisenberg
B.1.1. Die subordinierende Konjunktion nach Eisenberg
B.1.2. Die koordinierende Konjunktion nach Eisenberg
B.2. Die Konjunktionen bzw. Konnektoren nach Pasch, Brauße, Breindl und Wagner
B.2.1. Der Subjunktor nach Pasch, Brauße, B. und W.
B.2.2. Der Postponierer nach Pasch, Brauße, B. und W.
B.2.3. Der Verbzweitsatz-Einbetter nach Pasch, Brauße, B. und W.
B.2.4. Der Konjunktor nach Pasch, Brauße und W.
B.3. Beurteilung der vorgestellten Modelle

C. Schluss

A. EINLEITUNG:

Eisenberg zufolge existieren in der deutschen Sprache ca. 70 bis 80 Konjunktionen[1]. Diese Summe bleibt mehr oder weniger konstant, da die Wortart Konjunktion zu der Klasse der geschlossenen Wortarten gezählt wird, das heißt, dass es so gut wie nie zu einer Neubildung von Konjunktionen kommt.

Konjunktionen werden in den traditionellen Grammatiken in der Regel nach koordinierende und subordinierende unterschieden. In der hier vorliegenden Arbeit möchte ich näher auf diese Einteilung eingehen.

Ich werde zu diesem Zweck auf den folgenden Seiten sowohl die Einordnung in die oben genannten Kategorien erläutern, als auch ein innovatives Modell vorstellen, das sich von der traditionellen Methode unterscheidet. Weiterhin möchte ich untersuchen, worin sich die beiden Typen unterscheiden.

Als Grundlage meiner Arbeit dient mir das im Jahre 2003 erschienene „Handbuch der deutschen Konnektoren“[2] von Renate Pasch, Ursula Brauße u.a., der „Grundriß der deutschen Grammatik“[3] von Peter Eisenberg, sowie einige andere Texte zu diesem Thema, die ich an gegebener Stelle nennen werde.

B. HAUPTTEIL:

Die Konjunktion wird in den traditionellen Grammatiken als unflektierbares Fügewort bezeichnet, das keinen Satzgliedwert und keine Kasusforderung hat[4].

In erster Linie kommt der Konjunktion eine Verknüpfungsfunktion zu. Sie verbindet Gliedteile, Satzglieder und Sätze.

Traditionell werden die Konjunktionen in koordinierende und subordinierende Konjunktionen eingeteilt. Alternativen dazu bieten beispielsweise Ulrich Engel in „Syntax der deutschen Gegenwartssprache“[5], der von Konjunktoren und Subjunktoren spricht, oder auch Bergenholtz und Schäder, die eine Gliederung in hypo- und parataktische Konjunktionen vorschlagen[6].

Einige Grammatiken lehnen sich in stärkerem Maße an die traditionelle Einteilung an, benennen die Klassen jedoch unterschiedlich. So sprechen Helbig und Buscha nur bei den koordinierenden Konjunktionen von Konjunktionen und bezeichnen die subordinierenden Konjunktionen mit dem Begriff Subjunktionen[7].

Weinrich hingegen bezeichnet mit dem Begriff Konjunktionen nur die in der traditionellen Grammatik genannten subordinierenden Konjunktionen[8]. Damit bildet er einen Gegenpol zu Helbig und Buscha sowie zu Regula, der ebenfalls nur die in der traditionellen Grammatik als koordinierende Konjunktionen bezeichneten Wörter Konjunktionen nennt.

Dieser knappe Überblick allein zeigt bereits, dass es bislang keine hinreichenden Kriterien für die Einheit der Konjunktionen gibt, die als allgemeingültig erachtet werden können.

B.1. Die Konjunktion nach Eisenberg

Eisenberg zählt die Konjunktion zu den nicht flektierbaren Einheiten. Das Kriterium der Nicht-Flektierbarkeit haben sie gemeinsam mit den Adverbien und den Präpositionen.

Der Konjunktion kommt dem Namen nach, lat. coniungere – verbinden, eine Verknüpfungsfunktion zu.

Eisenberg teilt die Konjunktionen nach syntaktischen Kriterien in zwei Wortkategorien ein: koordinierende und subordinierende Konjunktionen.

„Die Unterscheidung von koordinierenden und subordinierenden Konjunktionen beruft sich auf das unterschiedliche Verhalten bei der Verbindung von Sätzen.“[9]

Während die koordinierende Konjunktion Sätze gleichen Status miteinander verbindet, schließt die subordinierende Konjunktion Nebensätze an, bei denen das finite Verb an letzter Stelle steht – sog. Verbletztsätze. Dabei bleibt die koordinierende Konjunktion außerhalb der verknüpften Teile, wohingegen die subordinierende Konjunktion innerhalb der angeschlossenen Einheit steht.

(1)

a. Fritzchen isst, denn seine Mutter hat gekocht. (koordinierende Konjunktion)
b. Fritzchen isst, weil seine Mutter gekocht hat. (subordinierende Konjunktion)

B.1.1. Die subordinierende Konjunktion nach Eisenberg

Eisenberg bezeichnet es als schwierig, die subordinierenden Konjunktionen innerhalb ihrer Kategorie zu homogenen Einheiten zusammenzufassen. Er unterscheidet in erster Linie zwischen einfachen und zusammengesetzten subordinierenden Konjunktionen. Diese teilt er wiederum in jeweils drei Unterklassen ein.

In die erste Gruppe gehören „daß, ob und wie[10]. Eisenberg nennt sie Funktionswörter. Ihnen fehlt die lexikalische Bedeutung. Alle drei leiten Komplementsätze ein. Schon in dieser sehr kleinen Gruppe gibt es jedoch keine vollständige Homogenität. Eisenberg geht jedoch nur kurz auf die Sonderrolle von wie aufgrund seiner beschränkten Distributivität ein.

Die zweite Gruppe besteht ebenfalls aus Funktionswörtern. Diese haben jedoch im Gegensatz zu dass, ob und wie eine lexikalische Bedeutung. Die Konjunktionen der zweiten Gruppe sind zu finden in Adverbial- sowie in Attributsätzen. Dazu zählt Eisenberg unter anderem als, bevor, falls, weil.

In der nächsten Gruppe nennt er die Wörter anstatt, ohne und um. In anderen Grammatiken werden sie unter der Klasse der Infinitivsatzkonjunktionen zusammengefasst[11] oder auch als Präpositionen bezeichnet[12]. Kennzeichnend ist, dass sie Attribute einleiten, die im Infinitiv stehen.

Die vierte Einheit besteht aus zusammengesetzten subordinierenden Konjunktionen. Zu ihr gehören unter anderem als ob, auch wenn, ungeachtet dass. Ihr Verhalten ist vergleichbar mit dem der zweiten Gruppe.

Die fünfte und sechste Einheit sind von den restlichen Gruppen durch andersartige syntaktische Merkmale klar abgegrenzt.

Die Konjunktionen der fünften Einheit lauten als dass, als wenn, auf dass, nur dass und so dass / sodass. Nebensätze, die von ihnen eingeleitet werden, sind immer nachgestellt. In semantischer Hinsicht stehen Haupt- und Nebensatz in einem besonders engen Verhältnis.

Die beiden Konjunktionen der sechsten Gruppe je desto und je umso sind ebenso wie einige der fünften Klasse Vergleichssätzen vorbehalten. In Bezug auf die Stellung im Satz sind sie laut Eisenberg „[…] noch restringierter als die übrigen, insofern sie nur diskontinuierlich vorkommen […]“[13].

Eisenberg sieht generell eine enge Beziehung zwischen den subordinierenden Konjunktionen und den Präpositionen. Er stellt diesen Zusammenhang aufgrund der annähernd gleichförmig aufgebauten Konstituentenstruktur her. Die syntaktische Funktion der durch subordinierende Konjunktionen eingeleiteten Nebensätze und der durch Präpositionen angebundenen Einheiten sind in beiden Fällen Objekte, Adverbiale und Attribute. In semantischer Hinsicht besteht die Gemeinsamkeit, dass sowohl die Präpositionen als auch die Konjunktionen zweistellig relational sind.

„Aus all diesen Gründen ist es sehr wohl erwägenswert, die Präpositionen mit den subordinierenden Konjunktionen (>Satzpräpositionen<) zu einer Kategorie zusammenzufassen und sie den koordinierenden als den eigentlichen Konjunktionen gegenüberzustellen […]“.

B.1.2. Die koordinierende Konjunktion nach Eisenberg

Die Aufgabe der koordinierenden Konjunktionen besteht darin, syntaktische Einheiten zu koordinieren. In semantischer Hinsicht bestehen weniger Möglichkeiten als bei den subordinierenden Konjunktionen, zudem ist der Inhalt theoretischer.

Die Klassifizierung ist ebenso schwierig wie auch bei den subordinierenden Konjunktionen. Eisenberg teilt die koordinierenden Konjunktionen in vier Subklassen ein.

Die erste Gruppe besteht aus den Konjunktionen und, oder, aber, sondern, statt, denn. Diese Gruppe ist jedoch alles andere als homogen. Und und oder nehmen eine absolute Sonderstellung ein. Sie haben erstens laut Eisenberg eine bei weitem neutralere Bedeutung als beispielsweise aber und statt. Doch auch ein Vergleich der beiden Konjunktionen und und oder zeigt elementare Unterschiede: während und Einheiten zusammenfasst, zeigt die Konjunktion oder Alternativen auf. Ihnen gemeinsam ist allerdings eine generell große Anzahl von Möglichkeiten in Bezug auf die syntaktische Verwendbarkeit. Zudem ist die Koordination mit diesen beiden Konjunktionen unendliche Male wiederholbar. Dies unterscheidet sie wiederum grundsätzlich von den übrigen Konjunktionen der ersten Gruppe.

Die Konjunktion aber hat ebenfalls eine große Anzahl an Verwendungsmöglichkeiten. Bisweilen kann sie durch die Konjunktion sondern ersetzt werden.

Die Konjunktion statt nimmt durch die gleichlautende Präposition eine Sonderstellung in der ersten Gruppe ein.

Denn ist in dieser Gruppe diejenige Konjunktion, die die geringste Anzahl an Verwendungsmöglichkeiten hat, da damit nur Hauptsätze zusammengefügt werden.

Anhand einiger Beispiele kann man die Sonderstellung der Konjunktion und verdeutlichen:

(2)

c. Fritzchen und Hans verlieren.
d. Fritzchen oder Hans verliert.
e. Nicht Fritzchen, aber Hans verliert.
f. Nicht Fritzchen, sondern Hans verliert.

Die Konjunktion und fasst Fritzchen und Hans zusammen, wohingegen die Konjunktionen oder, aber und sondern die beiden als Alternativen darstellt. Darüber hinaus zeigen aber und sondern an, welche der beiden Personen verliert. In grammatischer Hinsicht unterscheidet man die o.g. Konjunktionen dadurch, dass bei der Konjunktion und + Subjekt das finite Verb im Plural steht, wohingegen bei den Konjunktionen oder, aber und sondern + Subjekt das Finitum im Singular steht.

Auch die zweite und dritte Gruppe der koordinierenden Konjunktionen führen in Verwendung mit dem Subjekt zum Singular des finiten Verbs. Die Konjunktionen sowohl als auch und weder noch bilden die zweite Subklasse. Die dritte besteht aus der Konjunktion nicht nur sondern auch.

Eisenberg bildet die vierte Subklasse der koordinierenden Konjunktionen aus als und wie. Diese beiden Wörter nehmen in vielen Grammatiken eine Sonderstellung ein. Helbig und Buscha führen für sie beispielsweise einen neuen Terminus ein: sie bezeichnen als und wie als Adjunktionen[14]. Auch Eisenberg hat Schwierigkeiten bei der genauen Zuordnung. Er spricht ebenfalls von einer Sonderstellung, da sie zusätzlich als subordinierende Konjunktion fungieren können. Zudem existiert wie als Frageadverb. Die Ähnlichkeit zu den Präpositionen ist in mancher Hinsicht ebenfalls deutlich erkennbar.

Schon in dieser knappen Darstellung ist ersichtlich, dass die Klassifizierung der Konjunktionen eine besondere Problematik beinhaltet. Vielfach sind die Gruppen und Subklassen nicht homogen. Außerdem können einige Wörter mehrere Funktionen erfüllen, d.h. sie tauchen in verschiedenen Gruppen auf.

[...]


[1] Vgl. Eisenberg, P.: Grundriß der deutschen Grammatik. II: Der Satz. Stuttgart / Weimar 1999. S.202.

[2] Pasch, R. / Brauße, U. / Breindl, E. / Waßner, U.H.: Handbuch der deutschen Konnektoren. Linguistische Grundlagen der Beschreibung und syntaktische Merkmale der deutschen Satzverknüpfer (Konjunktionen, Satzadverbien und Partikeln). Berlin, New York 2003.

[3] Eisenberg, P.: Grundriß der deutschen Grammatik. II: Der Satz. Stuttgart / Weimar 1999.

[4] Vgl. Helbig, G.: Deutsche Grammatik. Grundfragen und Abriss. München 1999. S.93.

[5] Engel, U.: Syntax der deutschen Gegenwartssprache. Berlin 1977.

[6] Vgl. Bergenholtz, H. / Schaeder, B.: Die Wortarten des Deutschen. Stuttgart 1977. S.74f.

[7] Helbig, G. / Buscha, J.: Deutsche Grammatik. Ein Handbuch für den Ausländerunterricht, Neubearbeitung. Berlin / München 2001. S.352.

[8] Vgl. Weinrich, H.: Textgrammatik der deutschen Sprache. Mannheim 1993.

[9] Eisenberg, P.: Grundriß der deutschen Grammatik. II: Der Satz. Stuttgart / Weimar 1999. S.202.

[10] Ebenda. S.203.

[11] Bergenholtz, H. / Schaeder, B.: Die Wortarten des Deutschen. Versuch einer syntaktisch orientierten Klassifikation. Stuttgart 1977. S. 75, S.127f.

[12] Jörgensen, P.: Tysk Grammatik I.3.oplag.Köbenhavn 1966. S.16.

[13] Eisenberg, P.: Grundriß der deutschen Grammatik. II: Der Satz. Stuttgart / Weimar 1999. S.204.

[14] Helbig, G. / Buscha, J.: Deutsche Grammatik. Ein Handbuch für den Ausländerunterricht, Neubearbeitung. Berlin / München 2001. S.352.

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Details

Titel
Die Wortart Konjunktion – traditionelle Einteilung vs. Konnektoren-Modell
Hochschule
Westfälische Wilhelms-Universität Münster
Veranstaltung
Hauptseminar
Note
2,0
Autor
Jahr
2005
Seiten
21
Katalognummer
V77255
ISBN (eBook)
9783638872096
ISBN (Buch)
9783638872140
Dateigröße
471 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Wortart, Konjunktion, Einteilung, Konnektoren-Modell, Hauptseminar
Arbeit zitieren
Lisa Brückner (Autor), 2005, Die Wortart Konjunktion – traditionelle Einteilung vs. Konnektoren-Modell, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/77255

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