In unserer Gesellschaft ist seit Anbeginn der Menschheit ein interessantes Phänomen zu beobachten. Sobald zwei oder mehr Menschen zusammenfinden, tauschen sie Erfahrungen aus. So werden bei zwanglosen Unterhaltungen zum Beispiel im Freundes- oder Kollegenkreis oftmals die Geschehnisse der jüngeren Vergangenheit besprochen.
Erst kürzlich unterhielt sich der Verfasser mit einer befreundeten Studentin, die einem Shakira-Konzert beiwohnte. Sie war begeistert und sprach von einem überwältigenden Erlebnis.
Ein Mitbewohner indes erzählte einmal von seinen frühmorgendlichen Angelerlebnissen und bezeichnete das als etwas, was man unbedingt einmal erleben müsse. Wieder ein anderer Bekannter schwärmte von der Fahrt im neuen BMW.
Obwohl alle diese Gesprächsthemen sehr unterschiedlich sind und komplett verschiedene Dinge behandeln, haben sie doch eines gemeinsam. Immer wieder taucht ein Begriff auf: Erlebnis. Jede der Personen sprach von einem Erlebnis.
Doch nicht nur in privaten Gesprächen fällt der Begriff Erlebnis. In unserer heutigen vergnügungs- und informationssüchtigen Gesellschaft wird jedes Produkt zum Erlebnis hochstilisiert. Die Marketingindustrie überschwemmt die Verbraucher regelrecht mit einem Dauer-Tsunami von Erlebnissen. Wer keines hat, lebt ein langweiliges und banales Leben. Doch was genau ist ein Erlebnis? Wie kann man es beschreiben? Wie lässt sich Erlebnis definieren?
Genau diese Fragen soll die folgende Arbeit klären.
Inhaltsverzeichnis
I Einleitung
II Erlebnisse und Emotionspsychologie im Erlebnismanagement
1. Erlebnisdefinition
2. Erlebnisökonomie
3. Erlebnistheorie
4. Erlebnis-Setting
4.1 Wahrnehmung und Atmosphäre
4.2 Inszenierung
III Schluss
1. Zusammenfassung und Folgerungen
2. Ausblick – Süchtig nach Vergnügen
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht das Phänomen „Erlebnis“ aus der Perspektive der Emotionspsychologie, um aufzuzeigen, wie Erlebnismanager durch gezielte Inszenierung und Gestaltung von Erlebnis-Settings nachhaltige und positive Eindrücke bei Kunden schaffen können, insbesondere im touristischen Kontext.
- Grundlagen der Erlebnisdefinition und -theorie
- Die Rolle der Emotionspsychologie im Erlebnismarketing
- Konzept des Erlebnis-Settings und atmosphärische Wirkung
- Instrumente der Angebotsinszenierung
- Zusammenhang zwischen Erlebnisökonomie und Kundenloyalität
- Psychologische Implikationen und Risiken der Erlebnissucht
Auszug aus dem Buch
4.2 Inszenierung
Die Inszenierung ist die Kunst etwas in Szene zu setzen, zur Durchführung/Ausführung zu bringen beziehungsweise zu arrangieren (vgl. Bertelsmann 2000, S. 358). Um dies zu bewerkstelligen, werden verschiedene Instrumente benötigt. Eine Übersicht von Erfolg versprechenden Inszenierungsinstrumenten kann jedoch nur an Hand von bestehenden erfolgreichen Inszenierungskonzepten erarbeitet werden.
Laut Pine und Gilmore ist in Themenparks die am meisten zielgerichtete Umsetzung der Prinzipien der Erlebnisökonomie zu finden (vgl. Scheurer 2003, S. 172). Dadurch, dass es der Grundgedanke von Themenparks ist, das Angebot, also die Attraktionen, zu inszenieren um in den Kunden ein Erlebnis zu generieren und damit erfolgreich Umsatz erwirtschaftet wird, ist dieser Ansatz durchaus nachvollziehbar.
Außerdem ist der Anteil von Wiederholungsbesuchern bei diesen Einrichtungen sehr hoch. Dies zu erreichen ist eines der Hauptanliegen des Erlebnismanagements. Weiterhin sind Themenparks ideale Untersuchungsobjekte für erfolgreiches Erlebnis-Setting und Erlebnis-Inszenierung, da sie langjährige Erfahrung mit der Gestaltung von Erlebnis-Schauplätzen haben, welches durch experimentelle Veränderungen im Setting stetig verbessert werden konnte, und durch ihre räumlich und zeitliche Abgrenzbarkeit (vgl. Scheurer 2003, S. 173). Solche Erlebnispark kommen dem idealen Erlebnis-Setting damit am nächsten.
Zusammenfassung der Kapitel
I Einleitung: Die Einleitung beleuchtet die Allgegenwärtigkeit des Erlebnisbegriffs in der heutigen Gesellschaft und formuliert die Forschungsfrage nach einer emotionspsychologisch fundierten Erlebnisgestaltung.
II Erlebnisse und Emotionspsychologie im Erlebnismanagement: Dieses Kapitel definiert Erlebnisse als subjektive Prozesse, analysiert deren Entstehung im Rahmen der Emotionspsychologie und führt das Konzept des Erlebnis-Settings sowie Instrumente der Inszenierung ein.
III Schluss: Der Schluss fasst die Ergebnisse zusammen, betont die Notwendigkeit einer bewussten Inszenierungsanalyse und diskutiert kritisch die psychologischen Risiken einer möglichen Erlebnissucht.
Schlüsselwörter
Erlebnismanagement, Emotionspsychologie, Erlebnisökonomie, Erlebnis-Setting, Inszenierung, Atmosphäre, Konsumentenverhalten, Tourismus, Dienstleistungsmarketing, Erfahrung, Kundenbindung, Erlebnissucht, Wahrnehmung, Stimuli, Angebotsgestaltung.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit beschäftigt sich mit der Frage, wie Unternehmen, insbesondere in der Tourismusbranche, wissenschaftlich fundierte Methoden der Emotionspsychologie nutzen können, um für Kunden positive und unvergessliche Erlebnisse zu inszenieren.
Welche zentralen Themenfelder werden bearbeitet?
Die zentralen Felder sind die Definition und Entstehung von Erlebnissen, die Bedeutung der Erlebnisökonomie, das Konzept des "Erlebnis-Settings" und die praktische Anwendung von Instrumenten zur Inszenierung.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Das Ziel ist es, Managern konkrete Ansätze an die Hand zu geben, wie sie den Prozess der Erfahrungsbildung durch die Gestaltung externer Reize und Umgebungsfaktoren beeinflussen können.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit basiert auf einer fundierten Literaturrecherche, die psychologische Theorien zur Emotionsentstehung mit betriebswirtschaftlichen Ansätzen der Angebotsgestaltung verbindet.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Im Hauptteil wird der Weg von einem einfachen Ereignis zu einer bleibenden Erfahrung analysiert, wobei besonders die Rolle der Atmosphäre und sieben spezifische Inszenierungsinstrumente (wie Thema, Szenerie und Besucherlenkung) detailliert erläutert werden.
Welche Keywords charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit lässt sich durch Begriffe wie Erlebnis-Setting, Emotionspsychologie, Angebotsinszenierung, Erlebnisökonomie und Kundenloyalität charakterisieren.
Warum wird in der Arbeit das Modell der "Emotionskette" verwendet?
Das Modell verdeutlicht die Schlüsselstellung des Erlebnisses zwischen einem auslösenden Ereignis und der bleibenden Erfahrung, um den Hebel für das Management – nämlich die beeinflussbare Wahrnehmung – zu identifizieren.
Inwiefern ist das Theater ein Vorbild für das Erlebnismanagements?
Die Arbeit zeigt auf, dass beide Bereiche darauf abzielen, durch Dramaturgie, Szenenbild und gezielte Besucherführung eine Atmosphäre zu schaffen, die den Kunden emotional in den Bann zieht.
Was ist das kritische Fazit zum Thema Erlebnissucht?
Die Arbeit warnt davor, dass die Suche nach immer stärkeren, künstlich inszenierten Erlebnissen zur Suchtgefahr führen kann, wenn die emotionale Stimulation die natürliche Wahrnehmung übersteigt und als einzige Form der Bedürfnisbefriedigung dient.
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- Jens Kaulbars (Author), 2007, Was genau ist ein Erlebnis? Antworten der Emotionspsychologie für Erlebnismanager, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/77310