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Die Urbanisierung im Inneren Europas am Beispiel der deutschen Stadt des Spätmittelalters

Title: Die Urbanisierung im Inneren Europas am Beispiel der deutschen Stadt des Spätmittelalters

Term Paper , 2007 , 21 Pages , Grade: 1,0

Autor:in: Johannes Leigers (Author)

Theology - Historic Theology, Ecclesiastical History
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Einleitung
Die Urbanisierung im Inneren Europas ist ein vielschichtiges und auch komplexes Thema. Es ist keineswegs erschöpfend und ausführlich im Rahmen dieser Arbeit behandelbar. Deshalb werde ich den Prozess der Urbanisierung eher skizzenhaft darstellen und mich außerdem auf die deutsche Stadt des Spätmittelalters beschränken. Allerdings kann der Urbanisierungsprozess einer deutschen Stadt als typisch für Europa gelten.
Nach der Vorgeschichte werde ich auf die notwendigen Voraussetzungen eingehen, die gegeben sein mussten, damit eine mittelalterliche Stadt entstehen konnte. Anschließend gehe ich auf die Merkmale ein, die erfüllt sein mussten, damit man von einer Stadt sprechen konnte.
Städte existieren nicht isoliert für sich. Deswegen ist ein weiterer Aspekt meiner Untersuchung das Verhältnis zwischen Stadt und Land. Abschließend werde ich das Verhältnis Laien-Kleriker bzw. Stadt-Kirche erörtern, wie es sich im Mittelalter darstellt.
Das Spannungsverhältnis zwischen Staatlichkeit und Kirchlichkeit soll dann in einem kurzen Ausblick auf die weitere Entwicklung betrachtet werden.

1. Zur Vorgeschichte der mittelalterlichen Stadt
Städte gibt es nicht erst seit dem Mittelalter. Bereits im 7.Jh.v.Chr. ist im Vorderen Orient ein Übergang zu städtischen Hochkulturen nachweisbar .
Mit der römischen civitas (Bürgerschaft) beginnt die früheste Stadtentstehung in Mitteleuropa. Mit der Erweiterung des römischen Reiches fand vom 2.Jh.v.Chr. bis zum 1.Jh.n.Chr. ein Urbanisierungsprozess statt: Das Modell der civitas verbreitete sich vom östlichen Mittelmeerraum bis zum Rhein. Sie war das „Organisationsprinzip des öffentlichen Lebens und der ständige Sitz der Priester und Magistrate“ . Vor allem die pax Romana (Der römische Frieden) sowie neue Handelswege förderten die Urbanisierung innerhalb des wachsendenden Reiches. Mit dem Zerfall des römischen Reiches ab dem 5.Jh.n.Chr. verloren die Kolonialstädte aber an Bedeutung. Eine sich an den Zerfall anschließende Stadtflucht und die Völkerwanderungszeit haben einen weitreichenden Rückgang an Stadtbewohnern und sogar das „Aussterben“ vieler Städte zur Folge .
Neue Städte entstehen an der Schwelle von der Antike zum Mittelalter (etwa 700 n.Chr.) aus Handelsemporien, Burgen und Märkten (siehe Kapitel 2.2). Ob verbliebene römisch-antike Städte bis ins Mittelalter weiter besiedelt wurden, müsste für jede Stadt einzeln betrachtet werden. Die mittelalterliche Stadt mag zwar nicht immer eine kontinuierliche Fortführung römischer Siedlungen gewesen sein , dennoch knüpft sie durch innere, äußere und funktionelle Merkmale an ihren römischen Vorläufer an. Wieder „erwachte“ römische Siedlungen können daher auch als „Keimzelle mittelalterlicher Städte“ gesehen werden.

2. Zur Entstehung der europäischen Stadt im Mittelalter

2.1 Voraussetzungen für die Urbanisierung im Mittelalter
Warum im Mittelalter Städte wie „Pilze aus dem Boden schießen“ konnten, soll im Folgenden geklärt werden. Die Voraussetzungen für die Urbanisierung sind nicht als chronologische Abfolge zu verstehen, sondern erst ihr Zusammenspiel ermöglicht die Urbanisierung im Mittelalter.

2.1.1 Demographische Voraussetzungen
Für den Beginn des 6. Jahrhunderts ist ein enormer Bevölkerungszusammenbruch in Europa festzustellen. Der Bevölkerungsrückgang um ca. 40% wird von einigen Historikern auf Pestepidemien zurückgeführt . Als bewiesen gilt dies jedoch nicht. Es steht aber fest, dass es sich um eine verheerende Infektionskrankheit gehandelt haben muss. Die Bevölkerungszahl Europas wird für 600 n.Chr. auf 11,9 Millionen Einwohner geschätzt.
Die europäische Bevölkerung konnte sich anschließend schnell regenerieren: Viele überschüssige Ressourcen an Anbauflächen schufen die Bedingungen für überlebensfähige Nachkommen. Vor allem ökologische und ökonomische Voraussetzungen (siehe Kapitel 2.1.2) förderten ein kontinuierliches expansives Bevölkerungswachstum. Politische Maßnahmen begünstigten diese Entwicklung (siehe Kapitel 2.1.3).
Besonders im 12. und 13. Jahrhundert nahm die Einwohnerzahl drastisch zu, wenn auch Wucherpreise und Hungersnöte um 1300 eine Populations- und Kapazitätsgrenze darstellten . Für das Jahr 1340 wird die Bevölkerungszahl Europas auf 53,9 Millionen geschätzt, d.h. auf eine Verdoppelung innerhalb von ungefähr 200 Jahren.
Aufgrund hoher Bevölkerungszahlen arbeiteten mehr Menschen in der Landwirtschaft als es für die Versorgung und Ernährung notwendig war. Infolgedessen wurden Überschüsse erwirtschaftet. Die Idee ist dann nahe liegend, diese Produkte auf dem Markt anzubieten. Wie später auszuführen sein wird, ist aber die Entstehung von Märkten eine wesentliche Voraussetzung für die Stadtentstehung.
Einen demographischen Rückschlag erlebte Europa in der Mitte des 14. Jahrhunderts: Ungefähr ein Drittel der europäischen Bevölkerung erlag an den Folgen der Pest. Erst 100 Jahre später stiegen die Bevölkerungszahlen erneut.

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

Einleitung

1. Zur Vorgeschichte der mittelalterlichen Stadt

2. Zur Entstehung der europäischen Stadt im Mittelalter

2.1 Voraussetzungen für die Urbanisierung im Mittelalter

2.1.1 Demographische Voraussetzungen

2.1.2 Ökologische und ökonomische Voraussetzungen

2.1.3 Politische Voraussetzungen

2.2 Orte der Entstehung europäischer Städte im Mittelalter

2.2.1 Stadtentstehung an Bischofssitzen, Klöstern und Kirchen

2.2.2 Stadtentstehung an Herrschaftssitzen

2.2.3 Stadtentstehung an Markt- und Handelsplätzen

2.3 Weiterentwicklung europäischer Städte

3. Merkmale der deutschen Stadt im Spätmittelalter

3.1 Rechtliche Merkmale

3.2 Merkmale der Stadtverfassung

3.3 Soziale Merkmale

3.3.1 Soziale Schichten

3.3.2 Sozialformen

3.3.2.1 Die Familie

3.3.2.2 Kaufmannsgilde und Trinkgesellschaften

3.3.2.3 Handwerkerzünfte

4. Zum Verhältnis von Stadt und Land

5. Zum Verhältnis von Stadt und Kirche

Zielsetzung und thematische Schwerpunkte

Die vorliegende Arbeit untersucht den komplexen Prozess der Urbanisierung im Inneren Europas, wobei der Fokus auf der deutschen Stadt des Spätmittelalters liegt. Das Ziel ist es, die notwendigen Voraussetzungen, die grundlegenden Merkmale städtischen Lebens sowie die wechselseitigen Beziehungen zwischen Stadt und Land sowie Stadt und Kirche darzustellen.

  • Voraussetzungen für die mittelalterliche Stadtentstehung (demographisch, ökologisch, politisch)
  • Strukturelle Merkmale der deutschen Stadt (Recht, Verfassung, Soziale Schichtung)
  • Sozialformen wie Familie, Gilden und Zünfte
  • Die reziproke Wirtschaftsbeziehung zwischen Stadt und Land
  • Das Spannungsverhältnis zwischen städtischer Autonomie und kirchlicher Ordnung

Auszug aus dem Buch

3.3.2.3 Handwerkerzünfte

Von größter sozialgeschichtlicher Bedeutung sind die Handwerkerzünfte. Terminologisch und etymologisch ist die „Zunft“ ein weit zu differenzierender Begriff, sodass im Folgenden nur eine Skizzierung möglich ist.

Die Zunft (Bruderschaft) bezeichnete eine genossenschaftliche Vereinigung „kleiner städtischer Warenproduzenten zur Regelung und Wahrnehmung von wirtschaftlichen, sozialen, politischen, karikativen, religiösen, rechtlichen, militärischen, geselligen und kulturellen Interessen und Funktionen als auch Instrument städtischer Wirtschaftspolitik“.

Um in einer mittelalterlichen Stadt das Handwerk ausüben zu können, musste man Mitglied einer Zunft sein. Der Zunftzwang regelte das Verhältnis zwischen Handwerker und vorhandener Arbeit. Somit wurde zum einen ein Mindestlohn, zum anderen ein Ausschluss von fremden Handwerkern geschaffen. Dies bezog sich nicht nur auf die Stadt innerhalb ihrer Mauern, sondern auch auf das Einzugsgebiet einer Stadt. Die Aufnahmebedingungen waren sehr anspruchsvoll: Der Erwerb des Bürgerrechts, der Nachweis eines gewissen Vermögens, eine Aufnahmegebühr und ein Beleg für eine ordentliche Abstammung. Zu guter letzt musste der Bewerber sein handwerkliches Können unter Beweis stellen, meist indem er sein Meisterstück vorstellte. Das erlangte Zunftrecht ging beim Tod des Handwerkermeisters im Regelfall an Frau und Kinder über. Witwen und Töchter konnten somit ihren (neuen) Partnern das Zunftrecht übertragen. Die Söhne hatten zudem oft das Handwerk ihres Vaters erlernt.

Zusammenfassung der Kapitel

Einleitung: Einführung in das Thema der Urbanisierung mit Fokus auf die deutsche Stadt des Spätmittelalters und Vorstellung der methodischen Vorgehensweise.

1. Zur Vorgeschichte der mittelalterlichen Stadt: Darstellung der städtischen Wurzeln von der Antike bis zum Übergang zum Frühmittelalter.

2. Zur Entstehung der europäischen Stadt im Mittelalter: Analyse der demographischen, ökologischen und politischen Bedingungen sowie der verschiedenen Ursprungsorte der mittelalterlichen Stadtbildung.

3. Merkmale der deutschen Stadt im Spätmittelalter: Untersuchung der rechtlichen Grundlagen, der Verfassung sowie der sozialen Schichtungen und Sozialformen innerhalb der Stadt.

4. Zum Verhältnis von Stadt und Land: Erörterung der wechselseitigen Abhängigkeiten und der wirtschaftlichen Verflechtung zwischen städtischen Zentren und dem ländlichen Umfeld.

5. Zum Verhältnis von Stadt und Kirche: Analyse des Selbstverständnisses der Stadt als corpus christianum und der Spannungen zwischen weltlicher Bürgerschaft und geistlicher Autorität.

Schlüsselwörter

Urbanisierung, Spätmittelalter, Stadtentstehung, Stadtrecht, Stadtverfassung, Zunftwesen, Soziale Schichtung, Handwerk, Markt, Kaufmannsgilde, Landflucht, corpus christianum, Wirtschaftseinheit, Bürgertum, Fehderecht.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in der Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit behandelt den Prozess der Urbanisierung im europäischen Mittelalter mit einer spezifischen Konzentration auf die deutsche Stadt des Spätmittelalters.

Was sind die zentralen Themenfelder?

Zu den zentralen Themen zählen die Voraussetzungen der Stadtentstehung, die rechtlichen und sozialen Merkmale der Stadt, sowie die komplexen Beziehungen zwischen Stadt und Land sowie Stadt und Kirche.

Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?

Das Ziel ist es, skizzenhaft aufzuzeigen, wie mittelalterliche Städte entstanden, welche Bedingungen sie als solche ausmachten und in welchen gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Kontexten sie sich bewegten.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Es handelt sich um eine kirchengeschichtlich orientierte Analyse, die auf einer Auswertung historischer Sekundärliteratur und Quellen basiert, um die Entwicklung der Stadtstruktur darzustellen.

Was wird im Hauptteil behandelt?

Der Hauptteil gliedert sich in die Voraussetzungen der Urbanisierung, die Merkmale der Stadt (Recht, Verfassung, Soziales) sowie die Interaktionen der Stadt mit ihrem ländlichen Umland und der christlichen Kirche.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Wichtige Begriffe sind Urbanisierung, Zünfte, Stadtrecht, Soziale Schichtung, corpus christianum und die wechselseitige Abhängigkeit von Stadt und Land.

Was bedeutete der Lockruf "Stadtluft macht frei" im Kontext der Arbeit?

Dieser Begriff beschreibt die Möglichkeit für leibeigene Landbewohner, durch einen Aufenthalt von einem Jahr in der Stadt ihre persönliche Freiheit zu erlangen und Bürger zu werden.

Welche Rolle spielten die Zünfte für die soziale Sicherheit?

Die Zünfte fungierten als eine Art Frühform der Sozialversicherung, indem sie ihren Mitgliedern Darlehen aus Zunftkassen gewährten und sich um die Versorgung verarmter Meister oder Hinterbliebener kümmerten.

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Details

Title
Die Urbanisierung im Inneren Europas am Beispiel der deutschen Stadt des Spätmittelalters
College
University of Münster  (Seminar für Mittlere und Neuere Kirchengeschichte)
Course
Die Erneuerung des Apostolischen Lebens – Armutsbewegungen im Mittelalter
Grade
1,0
Author
Johannes Leigers (Author)
Publication Year
2007
Pages
21
Catalog Number
V77347
ISBN (eBook)
9783638818674
Language
German
Tags
Urbanisierung Inneren Europas Beispiel Stadt Spätmittelalters Erneuerung Apostolischen Lebens Armutsbewegungen Mittelalter
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Johannes Leigers (Author), 2007, Die Urbanisierung im Inneren Europas am Beispiel der deutschen Stadt des Spätmittelalters, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/77347
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