In der Arbeit mit dem Thema „Die Polizeistaatlichkeit im Preußen des 19.Jahrhunderts“ soll die Entwicklung einer zentral gelenkten staatlichen Ordnungsmacht von der Besetzung Preußens durch Napoleon bis zur Revolution 1848 dargestellt werden.
Die einleitende Betrachtung wird sich vor allem mit einem Überblick der inneren Sicherheit Preußens befassen. Dabei werden die Polizeistrukturen auf dem Lande und der Konflikt zwischen den territorialen Gutsherren und der absolutistischen Staatsstruktur zu betrachten sein. Anschließend soll auf das Verhältnis von Militär und Polizei in den Städten eingegangen werden. Hier wird sich vor allem die Sonderrolle Berlins herauskristallisieren und der Übergang zu einer modernen Polizei, deren Gründung eine Antwort auf die Hilflosigkeit des Staates, während der Revolutionsjahre 1848/49, darstellte.
Der Schwerpunkt der Arbeit wird auf der neu installierten preußischen politischen Polizei liegen.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
1.1. Thema, Fragestellung und Eingrenzung
1.2. Quellenlage und Forschungsstand
2. Innere Sicherheit in Preußen
2.1. Polizeistrukturen auf dem Lande
2.2. Militär und Polizei in den Städten
3. Die politische Polizei in Preußen
3.1. Die Entstehung der politischen Polizei 1806-1812
3.2. Die politische Polizei von 1815 bis zur Revolution 1848
4. Die Karlsbader Konferenz
5. Kriminalpolizei und Verbrechensbekämpfung
5.1. Die Entstehung der preußischen Kriminalpolizei
5.2. Verbrechen und Verbrechensahndung
5.3. Die Todesstrafe
6. Schluss: Zusammenfassende Betrachtung der Polizeistaatlichkeit im Preußen des 19. Jahrhunderts
7. Literaturverzeichnis
Zielsetzung & Themen
Diese Arbeit untersucht die Entwicklung der zentral gelenkten staatlichen Ordnungsmacht in Preußen vom Beginn der Besetzung durch Napoleon bis zur Revolution 1848/49, wobei der Fokus auf der Entstehung und Ausformung der politischen Polizei sowie der Kriminalpolizei liegt.
- Strukturen der inneren Sicherheit in Preußen (Stadt vs. Land)
- Aufbau und Aufgaben der preußischen politischen Polizei
- Einfluss der Karlsbader Konferenz auf die staatliche Überwachung
- Entwicklung der Kriminalpolizei und Formen der Verbrechensbekämpfung
- Wandel von Strafvollzug und Bedeutung der Todesstrafe
Auszug aus dem Buch
3.1. Die Entstehung der politischen Polizei 1806-1812
Die Wurzeln der politischen Polizei in Preußen liegen in der französischen Besatzung am Anfang des 19. Jahrhunderts. Nach der Niederlage von Jena und Auerstedt im Jahre 1806 wurde die Berliner Polizei der französischen Besatzungsmacht unterstellt und zur Geheimpolizei ausgebaut. Aufgabe dieser Geheimpolizei war es, Informationen über Frankreich feindliche Aktivitäten zu erlangen. Nach dem Abzug der Franzosen, im September 1808 blieb ein Machtvakuum zurück, das Justus von Gruner ausfüllen sollte.
Als Vorbild zum Aufbau einer preußischen politischen Polizei diente die 1789 entstandene französische „haute police“. Ihre Aufgabe war die Bespitzelung und eine schnelle Nachrichtenübermittlung.
Mit diesem Vorbild und der durch die Franzosen installierten Geheimpolizei, in Berlin, wurde so eine neue preußische politische Polizei geschaffen. Erster Polizeipräsident wurde im Dezember 1808 Justus von Gruner. Er gab dem Polizeipräsidium eine neue Organisation, die so auch in Grundzügen fortan beibehalten wurde und war somit der „Schöpfer des Berliner Polizeipräsidiums und der Geheimen Preußischen Staatspolizei“.
Unterstellt wurde das Polizeipräsidium direkt dem Innenministerium. Durch Bürokratisierung sollte eine Vereinheitlichung und ein schnelleres Handeln gewährleistet werden. Zentralisiert wurden alle eingehenden Sachen beim Polizeichef, welcher diese dann an die jeweiligen Geschäftsabteilungen weitergab.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Diese Einleitung führt in das Thema der Entwicklung der preußischen Ordnungsmacht zwischen 1806 und 1848 ein und erläutert den Aufbau der Untersuchung.
2. Innere Sicherheit in Preußen: Hier wird der Konflikt zwischen den polizeilichen Strukturen auf dem Lande unter den Gutsherren und der zunehmenden staatlichen Zentralisierung thematisiert.
3. Die politische Polizei in Preußen: Dieses Kapitel analysiert die Entstehung des preußischen Geheimdienstes als Gegenspionage-Instrument und dessen Umwandlung zum Überwachungsapparat gegen die eigene Bevölkerung.
4. Die Karlsbader Konferenz: Hier wird die staatenübergreifende Kooperation der deutschen Staaten nach 1819 zur Demagogenverfolgung und Zensur politischer Aktivitäten dargestellt.
5. Kriminalpolizei und Verbrechensbekämpfung: Dieses Kapitel beleuchtet den Aufbau der Kriminalpolizei, den Umgang mit Delikten wie dem Holzdiebstahl und den Wandel der Todesstrafe.
6. Schluss: Zusammenfassende Betrachtung der Polizeistaatlichkeit im Preußen des 19. Jahrhunderts: Der Schlussteil fasst die zentralen Entwicklungsetappen zusammen und bewertet den mühsamen Prozess hin zu einer modernen, staatlichen Polizeistruktur.
7. Literaturverzeichnis: Auflistung der verwendeten Primär- und Sekundärquellen.
Schlüsselwörter
Polizeistaatlichkeit, Preußen, 19. Jahrhundert, Politische Polizei, Kriminalpolizei, Vormärz, Karlsbader Konferenz, Demagogenverfolgung, Justiz, Holzdiebstahl, Überwachung, Staatsapparat, Revolution 1848, Preußische Reformen, Gutsherren.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit?
Die Arbeit analysiert den Aufbau und die Entwicklung der zentralen staatlichen Polizeigewalt in Preußen im Zeitraum von 1806 bis 1848.
Welche Themenfelder stehen im Zentrum?
Im Zentrum stehen die politische Polizei, die Kriminalpolizei, das Verhältnis von Polizei zu Militär sowie die Rolle der Gutsherren und die Auswirkungen der Karlsbader Beschlüsse.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es, die Entwicklungsetappen einer zentral gelenkten staatlichen Ordnungsmacht und deren Bestrebungen, ein direktes Untertanenverhältnis zu etablieren, darzustellen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit basiert auf einer Literatur- und Quellenanalyse, die den Forschungsstand zur preußischen Geschichte und zum Polizeiwesen des 19. Jahrhunderts auswertet.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Untersuchung der inneren Sicherheit, die Geschichte der politischen Polizei, die Folgen der Karlsbader Konferenz sowie die Entstehung der Kriminalpolizei und den Umgang mit Verbrechen.
Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren die Arbeit?
Kernbegriffe sind Polizeistaatlichkeit, Demagogenverfolgung, staatliche Zentralisierung, Untertanenverhältnis und Kriminalstatistik.
Warum war die Rolle der Gutsherren so bedeutend für die Polizeistrukturen?
Die Gutsherren übten auf dem Lande traditionelle Polizeigewalt aus, was den staatlichen Zugriff auf die Bevölkerung über Jahrzehnte hinweg erschwerte und den Prozess der Zentralisierung verzögerte.
Welche Rolle spielte der Holzdiebstahl für das Strafwesen?
Holzdiebstahl wurde zur zentralen Herausforderung der Kriminalpolizei, da die Kriminalisierung bisheriger Gewohnheitsrechte zu einem starken Anstieg der Fallzahlen und zur Verschärfung der Rechtsprechung führte.
Warum änderte sich die Wahrnehmung der Todesstrafe im 19. Jahrhundert?
Unter dem Einfluss aufklärerischer Gedanken wandelte sich das Ziel der Justiz von der Abschreckung und Zerschlagung des Körpers hin zur Resozialisierung und Haftstrafen als Mittel der Besserung.
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- Karsten Mertens (Author), 2007, Die Polizeistaatlichkeit im Preußen des 19. Jahrhunderts, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/77384