Die mittelalterliche Ausbildung in der Literatur

Am Beispiel von Gottfrieds von Straßburg "Tristan" und Hartmanns von Aue "Gregorius"


Hausarbeit, 2005

20 Seiten, Note: 1,7


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Einleitung

1. Die Werke
1.1 Inhaltsangabe Gregorius
1.2 Inhaltsangabe Tristan

2. Die erste Phase der Kindheit
2.1 Der historische Hintergrund
2.2 Gregorius' Erziehung
2.3 Tristans Erziehung

3. Die zweite Phase der Kindheit
3.1 Der historische Hintergrund
3.1.1 Die Sieben Freien Künste
3.2 Tristans Erziehung
3.3 Gregorius Erziehung
3.3.1 Kindheit im Kloster
3.3.2 Gregorius im Kloster

4. Die Erziehung zum Ritter
4.1 Der historische Hintergrund
4.2 Tristans Weg zum Rittertum
4.3 Gregorius' Weg zum Rittertum

5. Tristan wird zum Lehrer
5.1 Die Erziehung des Adels
5.2 Tristan unterrichtet Isolde

Schluss

Literaturverzeichnis

Einleitung

Bei einer Beschäftigung mit der Darstellung schulischen Unterrichts und der Ausbildung generell im Mittelalter, stößt man schnell auf das wohl bekannteste Werk Gottfrieds von Straßburg: "Tristan und Isolde". Wie bereits Kurt Ruh feststellte, beschäftigt er sich "ausführlicher als irgendein Erzähler der Zeit mit Erziehung und Bildung seines Helden"[1]. Gerade aus diesem Grund ist es von Interesse, sich einmal näher anzusehen, wie genau er dies tut.

Um diese Betrachtung nicht nur auf ein einzelnes Werk zu beschränken, befasst sich diese Arbeit ebenfalls mit der Darstellung der Ausbildung des Gregorius im gleichnamigen Werk von Hartmann von Aue. Eine Behandlung dieser beider Werke ist vor allem aufgrund des etwa gleichen Zeitpunktes ihres Erscheinens ("Tristan und Isolde" ist auf ca. 1210 datiert, "Gregorius" auf einen Zeitraum von 1187 bis 1197) interessant, da hier die gleichen geschichtlichen Überlieferungen als Grundlage genutzt werden können.

Nach einer kurzen Inhaltsangabe der beiden untersuchten Werke erfolgt die Beschäftigung mit der ersten Phase der Kindheit, in der die Erziehung noch im Elternhaus stattfindet, um anschließend näher auf die zweite Phase der Kindheit und ihre Darstellung sowie die Erlangung des Rittertums durch die beiden Hauptcharaktere in den vorliegenden Werken einzugehen. Abschließend folgt noch eine Betrachtung der Situation, in der Tristan, der zuvor selber eine breitgefächerte Ausbildung genossen hat, selbst zum Lehrer wird. Um den geschichtlichen Kontext dieser Erzählungen zu definieren, werden die Ausführungen durch Ergänzungen aus der Geschichtswissenschaft zur Ausbildungssituation der betreffenden Zeit ergänzt.

1. Die Werke

1.1 Inhaltsangabe Gregorius

Die Geschichte des Gregorius beginnt mit der Biographie seiner Eltern. Nach dem Tod von Gregorius' Großeltern sorgt die Tochter für den Sohn und aus einem eigentlich verbotenen Beischlaf der beiden entsteht das Kind, das später Gregorius genannt wird. Auf den Rat eines väterlichen Freundes hin wird es in ein Fass gebettet und in einem Kahn auf das Meer hinaus geschickt. So Gott will, soll es hier verderben oder an ein fernes Ufer getrieben werden, wo es gerettet werden kann. Bei dem Kind liegt eine Tafel, die seine vornehme Herkunft bescheinigt. Der Junge wird auf eine Insel getrieben und vom Abt des örtlichen Klosters gerettet. Er gibt den Säugling in die Obhut eines Fischers und seiner Familie und übernimmt später selbst die Erziehung des Jungen. Die wahre Herkunft des Findlings verschweigt er jedoch und jeder hält ihn für den leiblichen Sohn der armen Fischerfamilie. Nach einer friedlichen Kindheit folgen Jahre der Ausbildung im Kloster, an deren Ende Gregorius den ungewöhnlichen Wunsch äußert, Ritter zu werden. Er geht diesem Wunsch nach und verlässt das Kloster. Er befreit eine Stadt von ihrem Belagerer und nimmt die Herrin der Stadt nach seinem Sieg zu seiner Gattin - unwissend, dass es sich um seine eigene Mutter handelt. Erst eine Magd deckt die Verwandtschaft der beiden Vermählten auf. Als Reue für die Inzest-Tat, die die Mutter inzwischen sogar zweimal begangen hat, verbirgt sie sich von nun an hinter einem Schleier und verzichtet auf alles Hab und Gut, während Gregorius sich als Eremit zurückzieht um für siebzehn Jahre Buße zu tun. Nach dem Tod des Papstes in Rom erscheint den mit der Suche nach einem Nachfolger betrauten Römern Gott selbst und verkündet ihnen von der Bestimmung eines Mannes, der einsam auf einer Insel lebt, zum nächsten Papst. Die Erzählung schließt ab mit der Romreise, Gregorius' Krönung und der Lossprechung seiner Mutter von ihren Sünden.

1.2 Inhaltsangabe Tristan

Nach dem frühen Tod seiner Eltern wird Tristan vom treuen Marschall seines Vaters erzogen; eine Ausbildung die in der Ritterausbildung bei seinem Oheim, dem König Marke von Cornwall endet. Nach einem Kampf gegen einen irischen Gesandten, der für seinen Gegner tödlich endet, reist Tristan nach Irland. Grund für diese Reise ist die tödliche Verwundung, die er durch das Schwert seines Gegners erlitten hat. Nur die Königin von Irland ist in der Lage, seine Wunde zu heilen. In Irland angekommen verbirgt Tristan seine wahre Identität. Nach seiner Heilung verbringt Tristan, hier als Tantris bekannt, einige Zeit in Irland, in der er auch Hauslehrer der Königstochter Isolde wird. Auf Markes Geheiß hält er schließlich für ihn um die Hand Isoldes an. Zunächst erlegt Tristan hierzu einen Drachen, auf dessen Tötung der König seine Tochter als Preis ausgesetzt hat. Trotzdem anschließend die wahre Identität Tristans bekannt wird, schenkt ihm die irische Königfamilie sein Leben und gibt ihm sogar noch Isolde für den König Marke mit. Auf der Reise über das Meer trinken Tristan und Isolde versehentlich von einem Minnetrank, der eigentlich für Isolde und ihren künftigen Gemahl Marke vorgesehen war. Sie werden von unsterblicher Liebe füreinander ergriffen. Doch Isolde und Marke heiraten trotzdem. Lange dauert es, bis Marke entdeckt, dass das durch den Minnetrank aneinander gebundene Paar ihn immer und immer wieder betrügt. Nach dieser Entdeckung zieht Tristan fort und knüpft, durch die Namensähnlichkeit verwirrt, eine neue Liebschaft mit einer Frau, deren Namen ebenfalls Isolde lautet. Doch trotz dieser Liebschaft vergisst er nie die frühere Isolde und fühlt sich niemals wirklich befriedigt. Mit dieser Schilderung des Zwiespaltes in der Seele Tristans bricht die Erzählung ab.

2. Die erste Phase der Kindheit

2.1 Der historische Hintergrund

Viel ist nicht bekannt über die genaue Art der Erziehung während der ersten Lebensjahre. Zu vermuten ist, dass es sich hier vor allem um das Erlernen der Sprache handelte sowie alltägliche Dinge, die die Kinder durch das Nachahmen der Eltern und anderer Erwachsener und älterer Geschwister erlernten, ohne dass sie explizit gelehrt wurden. Auch Tischsitten wurden wohl erlernt. In diesem Alter hatten die Kinder noch viele Gelegenheiten zu spielen, etwas, das bei den strengen Lehrplänen der folgenden Jahre oft zu kurz kam.

2.2 Gregorius' Erziehung

In seinen ersten Lebensjahren wird Gregorius von den armen Fischerleuten, die jeder für seine Eltern hält, in ihrem Zuhause erzogen: "Dô der vischaere und sîn wîp / über de süezen kindes lîp / sô rehte vlîzic wâren / unz ze sehs jâren" (1155-1158)[2]. Alles, was über diese Erziehung bekannt ist, ist die Tatsache, dass sie sechs Jahre dauert. Über die Inhalte wird nichts gesagt.

2.3 Tristans Erziehung

Wie Gregorius wird Tristan in seinen ersten Lebensjahren zu Hause erzogen, hier erfolgt die Erziehung durch den Marschall Rual und dessen Gemahlin Floraete. Er lernte von ihnen das Sprechen und auch etwas, das als Benehmen erwähnt wird, vermutlich Tischsitten und das generelle Verhalten in der Gesellschaft: "Nu sî daz mit im haete / getriben unz an sîn sibende jâr, / daz er wol rede und ouch gebâr / vernemen kunde und ouch vernam" (2056-2059)[3].

3. Die zweite Phase der Kindheit

3.1 Der historische Hintergrund

Die zweite Phase der Kindheit, die pueritia[4], begann etwa mit dem siebten Lebensjahr. Begründet wurde dies mit der Tatsache, dass das "Kind ab diesem Alter richtig sprechen, zwischen Gut und Böse unterscheiden und Entscheidungen treffen"[5] könne. Obgleich es sicherlich Unterschiede in der Erziehung im Kloster und der in einer weltlichen Schule gab, waren die wesentlichen Bildungsinhalte identisch: "Oberstes Erziehungsziel war der christliche Mensch, die Moral war wichtiger als Wissen und berufliche Fertigkeiten"[6]. Ein guter Christ musste "in die Kirche gehen, beten, die Sakramente empfangen und an Fasttagen fasten"[7]. Darüber hinaus musste er sich nach den Zehn Geboten richten und durfte keine der Todsünden begehen. Geforderte Eigenschaften waren auch "Glaube, Liebe, Hoffnung, Nächstenliebe, Vernunft, Mäßigung und Seelenstärke"[8], Fluchen war den Menschen untersagt und auch die Einmischung in "Raufhändel und andere Streitigkeiten"[9] war ihnen verboten.

Je früher die Ausbildung begann, um so besser würde der Erwachsene in seinem zukünftigen Beruf sein, so der Glaube im Mittelalter. So wurden die Kinder üblicherweise bereits mit sieben Jahren in die Schule oder die Berufsausbildung geschickt, egal ob sie nun Priester, Ritter oder etwas völlig anderes werden sollte.

[...]


[1] Ruh, Kurt: Höfische Epik des deutschen Mittelalters. II. 'Reinhart Fuchs', 'Lanzelet', Wolfram von Eschenbach, Gottfried von Straßburg. Berlin: Erich Schmidt Verlag 1980. S. 225.

[2] Von Aue, Hartmann: Gregorius der gute Sünder. Stuttgart: Reclam 1963. (= Universal-Bibliothek Nr. 1787). S. 70.

[3] Von Strassburg, Gottfried: Tristan. Stuttgart: 1980 (= Universal-Bibliothek Nr. 4471 [6]). S. 130.

[4] Vgl. Shahar, Shulamith: Kindheit im Mittelalter. München; Zürich: Artemis und Winkler 1991. S. 31.

[5] Shahar, Shulamith: Kindheit im Mittelalter. S. 31.

[6] Ebd. S. 196.

[7] Ebd. S. 196.

[8] Ebd. S. 196.

[9] Ebd. S. 196.

Ende der Leseprobe aus 20 Seiten

Details

Titel
Die mittelalterliche Ausbildung in der Literatur
Untertitel
Am Beispiel von Gottfrieds von Straßburg "Tristan" und Hartmanns von Aue "Gregorius"
Hochschule
Universität Bielefeld  (Fakultät für Linguistik und Literaturwissenschaft)
Veranstaltung
Schule im Mittelalter - Mittelalter in der Schule
Note
1,7
Autor
Jahr
2005
Seiten
20
Katalognummer
V77407
ISBN (eBook)
9783638819497
Dateigröße
496 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Ausbildung, Literatur, Schule, Mittelalter, Schule
Arbeit zitieren
Claudia Sieber (Autor), 2005, Die mittelalterliche Ausbildung in der Literatur, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/77407

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