Das Konzept der Entwicklungsbegleitung Doering wurde von Waltraut und Winfried Doering, Bremen, entwickelt. Die Entwicklungsbegleitung ist keine starre Methode oder feste Theorie, sie vertritt vielmehr eine Haltung, welche das Kind als Gestalter seiner eigenen Entwicklung betrachtet.Aus der Zielsetzung ergab sich folgende
-> Fragestellung:
Wie können wir das Konzept der Entwicklungsbegleitung Doering in unsere Arbeit als Heilpädagoginnen im Vorschulbereich aufnehmen?
-> Theorie:
Zuerst beschreiben wir das Konzept der Entwicklungsbegleitung Doering und betrachten die Entstehung sowie den Aufbau einer Förderstunde. Wir setzen uns mit dem Begriff Entwicklung auseinander. Das Konzept bezieht sich auf sechs Kernsätze, von welchen wir drei näher beleuchten. Ergänzend dazu berücksichtigen wir eine Auswahl theoretischer Bezüge, die dem Konzept zugrunde liegen.
-> Praxis:
Wir wählen die Methode der Einzelfallstudie und werten zwei heilpädagogische Förderstunden im Vorschulbereich aus. Die Kriterien werden durch die Sichtweisen gebildet, welche durch die Kernsätze vertreten werden.
-> Schlussfolgerungen:
Unsere Haltung gegenüber dem Kind hat sich dahingehend verändert, dass wir in der Arbeit mit ihm, uns vermehrt von diesem leiten lassen. Dies gibt uns eine veränderte kritische Sichtweise auf die Formulierung von Förderzielen, die Durchführung von Fördereinheiten, die Gestaltung der Tagesabläufe und die Auswahl des Materials. Wir können die dem Konzept zugrunde liegende Haltung übernehmen.
Inhaltsverzeichnis
1 Vorwort
2 Abstract
3 Einleitung
3.1 Ziele und Fragestellung
3.2 Vorgehen
3.3 Methodenwahl
4 Das Konzept der Entwicklungsbegleitung Doering
4.1 Die Ursprünge der Entwicklungsbegleitung Doering
4.2 Das Institut
4.3 Sechs Kernsätze
4.4 Was ist das Besondere des Konzeptes Doering?
4.5 Was hat uns angesprochen?
4.6 Der Aufbau der Therapiestunden
4.6.1 Bereich des sensomotorischen Ausdrucks
4.6.2 Bereich der Repräsentation
4.6.3 Verschiedene Arten von Therapiestunden
4.6.4 Räumliche Bedingungen
5 Der Entwicklungsgedanke – ein Exkurs
5.1 Die Psychomotorische Praxis Aucouturier
5.1.1 Das Kind als Akteur seiner Entwicklung
5.1.2 Entwicklung der Einheit des Selbst
5.1.3 Die archaischen Verlustängste des Körpers
5.1.4 Der tonisch – emotionale Dialog
5.1.5 Das Konzept des Handelns
5.1.6 Spiele der tiefgreifenden Rückversicherung
5.1.7 Der Weg in die Herausbildung der Identität
5.2 Der Entwicklungsbegriff im Konzept Doering
5.3 Aspekte der vorgeburtlichen Zeit
5.4 Weitere Sichtweisen auf die Entwicklung
5.4.1 Heinrich Jacoby
5.4.2 Elfriede Hengstenberg
5.4.3 Emmi Pikler
5.4.4 Hans von Lüpke: Entwicklung im Netzwerk
5.5 Einige Definitionen von Entwicklung
5.6 Das Wissen um Entwicklung und Fördermöglichkeiten beim Kind
6 Drei ausgewählte Kernsätze aus dem Konzept Entwicklungsbegleitung Doering
6.1 Begründung der Auswahl der drei Schwerpunkte
6.2 Der Dialog ist der Weg der Entwicklung
6.2.1 Verschiedene Definitionen von ‚Dialog’
6.2.2 Beispiel aus der Literatur
6.2.3 Verschiedene Theorien
6.2.4 Wann entstehen die ersten Dialoge und wie entwickeln sie sich?
6.2.5 Die Sprache im Zusammenhang mit der Dialogfähigkeit
6.2.6 Die Entwicklung im Dialog aus der Sicht des Instituts Doering
6.3 Entwicklung vollzieht sich in einem Wechselspiel zwischen Stabilität und Instabilität
6.3.1 Entwicklung ist Veränderung
6.3.2 Chaosforschung: Chaos – eine Wissenschaft vom Werden
6.3.3 Konstruktivismus
6.4 Die Einheit von Körper, Seele und Geist
6.4.1 Körper, Seele und Geist – verschiedene Definitionen
6.4.2 Findet sich die Einheit von Körper, Seele und Geist auf dem Gebiete der Entwicklungspsychologie wieder?
6.5 Folgerungen aus den theoretischen Bezügen der drei ausgewählten Kernsätze
6.5.1 Die Bedeutung des Dialoges
6.5.2 Die Bedeutung von Stabilität – Instabilität
6.5.3 Die Bedeutung der Einheit von Körper, Seele und Geist
6.6 Weiterführende Gedanken
7 Verbindung mit der Praxis
7.1 Erstes Beispiel aus der Praxis
7.1.1 Was wir beobachtet haben
7.1.2 Interpretation der Fördereinheit
7.2 Zweites Beispiel aus der Praxis
7.2.1 Was wir beobachtet haben
7.2.2 Interpretation der Fördereinheit
7.3 Eingehen auf Ziele, Fragestellung, These und Methodenwahl
7.3.1 Ziele
7.3.2 Fragestellung
7.3.3 These
7.3.4 Methodenwahl
8 Unser Weg
10 Stundenprotokolle
10.1 Beispiel 1 aus der Praxis
10.2 Beispiel 2 aus der Praxis
Zielsetzung & Themen
Ziel der Arbeit ist die kritische Auseinandersetzung mit dem heilpädagogischen Konzept der Entwicklungsbegleitung Doering. Die Autorinnen untersuchen, wie diese Haltung in ihre Arbeit im Vorschulbereich integriert werden kann, um Kinder besser in ihrer individuellen Entfaltung zu begleiten. Im Zentrum steht dabei die Frage, wie ein kindzentrierter, dialogorientierter Ansatz anstelle von starren Trainingsprozeduren treten kann.
- Grundlagen der Entwicklungsbegleitung Doering
- Die drei Kernsätze: Dialog, Stabilität/Instabilität, Einheit von Körper, Seele und Geist
- Anwendung des Konzepts in der heilpädagogischen Praxis
- Einzelfallstudien zur Reflexion der pädagogischen Haltung
- Bedeutung von Sensomotorik und Eigenaktivität für Lernprozesse
Auszug aus dem Buch
Die Bedeutung des Dialoges
Damit sich ein Mensch entwickeln kann, braucht er andere Menschen, die mit ihm in einen Austausch treten. Das heißt für uns Autorinnen, in Kontakt zu treten, eine Beziehung mit dem Gegenüber einzugehen und dadurch einen Dialog aufzunehmen. Dies ist eigentlich etwas ganz Normales, Alltägliches, aber es ist zugleich etwas, was sich im sensiblen emotionalen Bereich abspielt.
Zusammenfassend möchten wir sagen, dass die Dialogfähigkeit im Menschen angelegt ist. Die Eltern verfügen über einen Beziehungsaufbau, ein Beziehungssystem, welches vorgeburtlich beginnt und sich auf der intuitiven Ebene weiter entwickelt. Dem gegenüber steht das Kind, das ein Bedürfnis nach Beziehung mitbringt. Die Bindungssicherheit hat langfristig positive Auswirkungen auf die Entwicklung des Kindes. Sie ist ein wichtiger Resilienzfaktor. Ist bei einem Kind niemand anwesend oder fähig, dem Kind einen Gegenvorschlag zu machen, kann es mit Rückzug oder Deprivation reagieren. Zu starke Einflüsse aus der Umwelt bewirken wiederum, dass das Kind keine andere Möglichkeit mehr hat, als sich zu fügen. Nach Winnicott entwickelt der Mensch auf diese Weise ein falsches Selbst.
Für Kommunikation, Interaktion, Beziehung, Gespräch, Kontakt und Austausch gibt es sehr viele verschiedene Begriffe, die nicht immer gleichzusetzen sind mit Dialog. Der Begriff Dialog wird oft in ganz unterschiedlichen Zusammenhängen verwendet. Nicht jede Kommunikation ist ein gelungener Dialog, das wäre nach Waltraut und Winfried Doering eine Überflutung. Damit Entwicklung möglich ist, muss aber ein gewisser Anteil an gelungenen Dialogen vorhanden sein.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Vorwort: Die Autorinnen erläutern ihre Motivation, sich kritisch mit heilpädagogischen Ansätzen auseinanderzusetzen und betonen die Bedeutung einer beziehungsorientierten Begleitung.
2 Abstract: Zusammenfassung der Zielsetzung, der theoretischen Grundlagen und des praktischen Vorgehens der Diplomarbeit.
3 Einleitung: Darstellung der Forschungsfrage zur Anwendung des Konzepts der Entwicklungsbegleitung Doering im heilpädagogischen Alltag.
4 Das Konzept der Entwicklungsbegleitung Doering: Einführung in die Ursprünge, die Kernsätze und den Aufbau von Therapiestunden nach Doering.
5 Der Entwicklungsgedanke – ein Exkurs: Theoretische Vertiefung unter Einbezug von Aucouturier, Entwicklungspsychologie und pränatalen Aspekten.
6 Drei ausgewählte Kernsätze aus dem Konzept Entwicklungsbegleitung Doering: Detaillierte Analyse der ausgewählten Kernsätze Dialog, Stabilität/Instabilität sowie Einheit von Körper, Seele und Geist.
7 Verbindung mit der Praxis: Auswertung von zwei Einzelfallbeispielen zur praktischen Anwendbarkeit des Konzepts.
8 Unser Weg: Persönliche Reflexion der Autorinnen über ihren Lernprozess während der Diplomarbeit.
10 Stundenprotokolle: Detaillierte Dokumentationen und Interpretationen der geführten Fördereinheiten.
Schlüsselwörter
Entwicklungsbegleitung, Dialog, Heilpädagogik, Sensomotorik, Stabilität, Instabilität, Ganzheitlichkeit, Selbstorganisation, Konstruktivismus, Psychomotorik, Frühförderung, Beziehung, Eigenaktivität, Entwicklung, Pädagogik.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Diplomarbeit grundlegend?
Die Arbeit untersucht das Konzept der Entwicklungsbegleitung von Waltraut und Winfried Doering und reflektiert deren Anwendbarkeit in der heilpädagogischen Arbeit mit Kindern im Vorschulalter.
Welche sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?
Die zentralen Felder umfassen die dialogische Haltung, das Wechselspiel zwischen Stabilität und Instabilität in der Entwicklung sowie die ganzheitliche Einheit von Körper, Seele und Geist.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Die Forschungsfrage lautet: „Wie können wir das Konzept der Entwicklungsbegleitung Doering in unsere Arbeit als Heilpädagoginnen im Vorschulbereich aufnehmen?“
Welche wissenschaftliche Methode wird zur Analyse verwendet?
Die Autorinnen nutzen die Methode der Einzelfallstudie, bei der zwei spezifische Fördereinheiten mittels Videoaufzeichnungen beobachtet, interpretiert und ausgewertet werden.
Was wird im theoretischen Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil beleuchtet die Kernsätze des Doering-Konzepts und setzt diese in Beziehung zu theoretischen Ansätzen wie dem Konstruktivismus, der Chaostheorie und der Psychomotorischen Praxis von Aucouturier.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren diese Arbeit?
Wichtige Begriffe sind unter anderem Entwicklungsbegleitung, Dialog, Sensomotorik, Ganzheitlichkeit, Selbstorganisation und Eigenaktivität des Kindes.
Warum ist die Unterscheidung zwischen „Üben“ und „Erfahrung“ so zentral für das Doering-Konzept?
Das Konzept betont, dass isoliertes Üben von Fertigkeiten den Dialog stören kann. Wahre Entwicklung erfolgt durch bedeutsame Erfahrungen im Kontakt mit der Umwelt, die das Kind eigenaktiv gestaltet.
Wie bewerten die Autorinnen die Rolle von Strukturen in ihren Förderstunden?
Sie hinterfragen die Notwendigkeit starrer Strukturen kritisch und plädieren für einen geschützten Rahmen, der dem Kind genügend Freiraum für eigene Ordnungsbildung und selbstbestimmtes Handeln lässt.
Welche Schlussfolgerung ziehen die Autorinnen für ihre eigene pädagogische Haltung?
Die Autorinnen schließen daraus, dass eine zuhörende, dialogische Haltung, in der sie sich selbst als Begleiterinnen zurücknehmen, entscheidend für die Entwicklung der Kinder ist.
- Quote paper
- Sibylla Breitenstein (Author), Regina Reichart (Author), Helen Schneider (Author), 2007, Das Gras wächst nicht schneller, wenn man daran zieht. Dem Konzept der Entwicklungsbegleitung Doering auf der Spur, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/77470