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Religion und Kirche unter den Bedingungen der Moderne

Title: Religion und Kirche unter den Bedingungen der Moderne

Term Paper , 2002 , 17 Pages , Grade: 1,7

Autor:in: Tania Götze (Author)

Sociology - Religion
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„Ihr Christen habt in eurer Obhut ein Dokument mit genug Dynamit in sich, die gesamte Zivilisation in Stücke zu blasen, die Welt auf den Kopf zu stellen, dieser kriegszerrissenen Welt Frieden zu bringen.“ , beschrieb Mahatma Gandhi einst die Heilige Schrift der Christen. Angesichts der heutigen Situation in Deutschland geht dem Leser wohl ein Lächeln über die Lippen beim Lesen dieses Zitates. Haben die Christen noch irgendeinen Einfluss auf die Gesellschaft? Ist es nicht eher so, dass die moderne Zivilisation die Religionen mitsamt dem Christentum zu zersprengen droht? Wer glaubt heute überhaupt noch an den Inhalt der Bibel und die Kraft ihrer Worte? Sind Christentum und Moderne nicht zwei ambivalente Begriffe, die sich nicht miteinander vereinbaren lassen? Oder brauchen wir gerade in der Moderne einen religiösen Halt? Sicher wird jedes Individuum diese Frage anders beantworten, doch so plural unsere Gesellschaft mit ihren individuellen Vorstellungen auch ist, lassen sich doch gesamtgesellschaftliche Tendenzen auf diese Fragen finden.

Die fortschreitenden Modernisierungsprozesse beeinflussen nicht nur Wirtschaft, Politik und Wissenschaft in einem hohen Maß, sondern haben auch Auswirkungen auf das private Leben sowie auf Religion und Kirche. Die Folgen lassen sich nicht auf einen Säkularisierungsprozess und ein öffentliches Verschwinden der Religion beschränken. Vielmehr - und das soll im Folgenden deutlich gemacht werden - verlaufen die gesellschaftlichen und religiösen Evolutionsprozesse parallel. Die Kennzeichen der modernen Gesellschaft wie Funktionalisierung, Differenzierung, Rationalisierung, Pluralisierung, Komplexitätserhöhung und Individualisierung prägen auch den religiösen und kirchlichen Bereich. Im diesem ersten Teil meiner Arbeit möchte ich die neuen Bedingungen der Moderne in dem Bereich Religion und Kirche darstellen. Davon ausgehend werden im zweiten Teil Überlegungen zur Entwicklung und zukünftigen Bedeutung von Religion und Kirche in Deutschland, mit der Fragestellung nach der heutigen Sozialgestalt der Kirche, folgen.

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

Einleitung

1. Bedingungen der Moderne für Religion und Kirche

1.1. Eine kurze Definition von Religion und Kirche

1.2. Individualisierung

1.2.1. Religiöse Freisetzung

1.2.2. Konfessionelle und soziale Homogenisierung

1.2.3. Religiöse Selbstbestimmung und Subjetktivierung

1.2.4. Alltagssynkretismus

1.3. Religiöse Orientierung in der Lebenswelt

1.4. Pluralismus

1.4.1. Religiöse Vielfalt außerhalb der Kirche

1.4.2. Religiöse Vielfalt der Glaubensvorstellungen innerhalb der Kirche

1.4.2.1. Vier Dimensionen des religiösen Pluralismus

1.4.2.2. Probleme des religiösen Pluralismus

1.5. Fundamentalismus

1.6. Auswirkungen auf die Struktur und Organisation der beiden Großkirchen

1.6.1. Lokale Präsenz der Institutionskirche

1.6.2. Funktionale Differenzierung der Organisationskirche

2. Thesen zur zukünftigen Entwicklung von Religion und Kirche in Deutschland

2.1. Begrenzter Pluralismus

2.2. Bestehen der Organisationskirche

2.3. Christliche hochgeneralisierte Grundstimmung

2.4. Probleme der Zivilreligion

Zielsetzung und Themen der Arbeit

Die Arbeit untersucht die Auswirkungen gesellschaftlicher Modernisierungsprozesse wie Individualisierung, Differenzierung und Pluralisierung auf die Rolle und Organisation von Religion und Kirche in Deutschland. Ziel ist es, die heutige Sozialgestalt der Kirche zu analysieren und mögliche Entwicklungstendenzen für die Zukunft unter den Bedingungen einer pluralen Moderne zu beleuchten.

  • Wandel religiöser Lebenswelten unter dem Einfluss von Individualisierung
  • Strukturwandel der beiden christlichen Großkirchen (Institutions- vs. Organisationskirche)
  • Herausforderungen durch religiösen Pluralismus und Fundamentalismus
  • Bedeutung von Zivilreligion und christlicher Grundstimmung in einer säkularisierten Gesellschaft
  • Die Zukunft des christlichen Institutionalisierungsprozesses in Deutschland

Auszug aus dem Buch

1.2. Individualisierung

Moderne Gesellschaften sind durch eine starke Differenzierung von Persönlichkeit, Kultur und Gesellschaft gekennzeichnet. Anders als der Mensch, der beispielsweise in einer Stammesgesellschaft fest in die Gemeinschaft eingebunden ist, kaum ein individuelles Bewusstsein entwickelt und zu subjektiven Entscheidungen nur in geringem Maße fähig ist, ist der moderne Mensch vom Kollektiv losgebunden. Er steht diesem sogar als Subjekt gegenüber und nimmt sich als außenstehende Persönlichkeit wahr. Die vom Kollektiv getragene institutionelle Religion verliert dadurch an Einfluss, denn die Sinnfragen beschäftigen nicht mehr den Menschen als ein Teil der Gemeinschaft. Vielmehr muss er als einzeln Denkender und Fühlender religiöse Sinnfragen für sich selbst beantworten. Eine vom Kollektiv vorgegebene Antwort befriedigen ihn nicht mehr, da er das Daseinsproblem als Einzelner wahrnimmt, das mittelbar sein Leben, nicht die Existenz des Kollektivs, betrifft. Religion muss also im Subjekt, nicht im Kollektiv wirksam werden. Das Individuum hat dabei die freie und eigenständige Wahl der Lebensorientierung bei einer Vielzahl an Deutungsangeboten.

Zusammenfassung der Kapitel

1. Bedingungen der Moderne für Religion und Kirche: Dieses Kapitel analysiert, wie gesellschaftliche Prozesse wie Individualisierung und Pluralisierung den religiösen Bereich entzaubern und zur Privatisierung des Glaubens führen.

1.1. Eine kurze Definition von Religion und Kirche: Es erfolgt eine begriffliche Klärung, wobei Religion als transzendentale Symbolisierung und Kirche als deren institutionelle Ausgestaltung in Deutschland definiert wird.

1.2. Individualisierung: Das Kapitel erläutert, wie der moderne Mensch aus kollektiven religiösen Bindungen gelöst wird und Sinnfragen als autonomes Subjekt individuell beantworten muss.

1.2.1. Religiöse Freisetzung: Hier wird die Ablösung von traditionellen sozialen und religiösen Bindungen beschrieben, die das Individuum zur eigenen Reflexion zwingt.

1.2.2. Konfessionelle und soziale Homogenisierung: Es wird dargelegt, wie sich konfessionelle Unterschiede verringern und Religiosität zunehmend entkoppelt vom sozialen Stand existiert.

1.2.3. Religiöse Selbstbestimmung und Subjektivierung: Das Kapitel thematisiert den Übergang von religiöser Fremdbestimmung durch Geburt hin zur autonomen, persönlichen Entscheidung.

1.2.4. Alltagssynkretismus: Es wird beschrieben, wie Individuen aus verschiedenen religiösen Traditionen ihre eigene, subjektive Religion zusammenstellen.

1.3. Religiöse Orientierung in der Lebenswelt: Das Kapitel untersucht die schwindende Relevanz von Kirche für den Einzelnen und die Suche nach Sinn außerhalb traditioneller Gottesbilder.

1.4. Pluralismus: Hier wird die Öffnung der Kirchen und die Entstehung neuer, konkurrierender religiöser Gemeinschaften im Kontext der Demokratisierung diskutiert.

1.4.1. Religiöse Vielfalt außerhalb der Kirche: Das Kapitel gibt einen Überblick über Freikirchen, orthodoxe und nichtchristliche Religionsgemeinschaften in Deutschland.

1.4.2. Religiöse Vielfalt der Glaubensvorstellungen innerhalb der Kirche: Es wird analysiert, wie sich auch innerhalb der Institution Kirche unterschiedliche Auffassungen und Gruppen bilden.

1.4.2.1. Vier Dimensionen des religiösen Pluralismus: Karl Gabriels Modell wird genutzt, um verschiedene Ebenen der religiösen Bestimmtheit und Ausdrucksform darzustellen.

1.4.2.2. Probleme des religiösen Pluralismus: Hier wird die Gefahr eines Bedeutungsverlustes und des Verlustes gemeinsamer Werte durch Pluralisierung kritisch beleuchtet.

1.5. Fundamentalismus: Das Kapitel charakterisiert Fundamentalismus als antimodernistische Reaktion auf die Orientierungslosigkeit der pluralen Moderne.

1.6. Auswirkungen auf die Struktur und Organisation der beiden Großkirchen: Es wird der Wandel von einer gesamtgesellschaftlichen Institution hin zu einer Organisationskirche mit Teilautonomie betrachtet.

1.6.1. Lokale Präsenz der Institutionskirche: Die lokale Ebene bleibt für die Menschen wichtig, auch wenn die landesweite Organisation an Bedeutung verliert.

1.6.2. Funktionale Differenzierung der Organisationskirche: Es wird erläutert, wie sich kirchliche Teilorganisationen wie die Caritas zunehmend professionalisieren und an Relevanz verlieren.

2. Thesen zur zukünftigen Entwicklung von Religion und Kirche in Deutschland: Dieses Kapitel diskutiert Zukunftsszenarien für das Christentum in einer säkularen Gesellschaft.

2.1. Begrenzter Pluralismus: Es wird die These vertreten, dass ein „begrenzter Pluralismus“ auf Basis gemeinsamer Werte die beste Perspektive für die Kirche darstellt.

2.2. Bestehen der Organisationskirche: Das Kapitel begründet, warum die Organisationskirche trotz wachsender gruppenkirchlicher Elemente als Struktur erhalten bleibt.

2.3. Christliche hochgeneralisierte Grundstimmung: Die Autorin identifiziert eine grundlegende christliche Orientierung, die als kulturelles Erbe in der Bevölkerung fortbesteht.

2.4. Probleme der Zivilreligion: Es wird davor gewarnt, religiöse Symbole politisch zu missbrauchen und das Christentum unzulässig mit staatlichen Interessen zu vermengen.

Schlüsselwörter

Moderne, Individualisierung, Säkularisierung, Kirche, Religionssoziologie, Pluralismus, Fundamentalismus, Organisationskirche, Alltagssynkretismus, Zivilreligion, Sozialstruktur, Deutschland, Glaubensvorstellungen, Religionswissenschaft.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in der Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit analysiert, wie die Modernisierung der deutschen Gesellschaft die religiöse Lebenswelt sowie die Rolle und Struktur der christlichen Großkirchen verändert.

Was sind die zentralen Themenfelder?

Die zentralen Felder umfassen die Individualisierung des Glaubens, den religiösen Pluralismus, die Differenzierung der Kirchenorganisation sowie das Spannungsfeld zwischen Tradition, Moderne und Fundamentalismus.

Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?

Das primäre Ziel ist es, die gegenwärtige Sozialgestalt der Kirche unter modernen Bedingungen zu erfassen und zu diskutieren, wie Religion in Deutschland künftig gesellschaftlich verankert bleiben kann.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Die Arbeit basiert auf einer theoretischen Auseinandersetzung mit religionssoziologischen Ansätzen (u.a. von Daiber und Gabriel) und interpretiert empirische Studien zur Religiosität in Deutschland.

Was wird im Hauptteil behandelt?

Im Hauptteil werden zunächst die Bedingungen der Moderne (Individualisierung, Pluralismus) auf den religiösen Bereich angewandt und anschließend Thesen zur zukünftigen Sozialgestalt der Kirche (u.a. begrenzter Pluralismus, Zivilreligion) formuliert.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Wesentliche Begriffe sind Individualisierung, Säkularisierung, Pluralismus, Organisationskirche, Zivilreligion und der soziologische Wandel religiöser Bindungen.

Warum wird die Rolle der „Organisationskirche“ so stark betont?

Die Autorin betont die Organisationskirche, da diese den Wandel der Großkirchen von einer alle Gesellschaftsschichten umfassenden Institution zu spezialisierten, teilautonomen Organisationen wie der Caritas am besten beschreibt.

Wie bewertet die Autorin den Fundamentalismus in der Moderne?

Der Fundamentalismus wird als eine antimodernistische Reaktion auf die durch Pluralisierung entstandene Orientierungslosigkeit bewertet, der jedoch keine tragfähige Zukunftslösung darstellt, da er Eindeutigkeiten proklamiert, die es so nicht gibt.

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Details

Title
Religion und Kirche unter den Bedingungen der Moderne
College
University of Bayreuth  (Soziologie)
Grade
1,7
Author
Tania Götze (Author)
Publication Year
2002
Pages
17
Catalog Number
V77485
ISBN (eBook)
9783638872102
ISBN (Book)
9783638872133
Language
German
Tags
Religion Kirche Bedingungen Moderne
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Tania Götze (Author), 2002, Religion und Kirche unter den Bedingungen der Moderne, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/77485
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