Volkswirtschaft im Wandel - Konsumverhalten und Binnennachfrage

Schwerpunkt: Der Arbeitsmarkt


Hausarbeit (Hauptseminar), 2006

36 Seiten, Note: 1,7


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung und Eingrenzung des Themas

2. Theoretische und begriffliche Ausgangspunkte
2.1 Die vier Binnenmärkte
2.2 Annahmen über die künftige Bevölkerungsentwicklung
2.3 Problemstellung
2.4 Beteiligte Akteure im Kontext der Fragestellung
2.5 Die neoklassische Wachstumstheorie

3. Herausforderungen für den Arbeitsmarkt
3.1 Empirie und Prognosen
3.2 Das Verhältnis von Arbeits- und Kapitaleinsatz
3.3 Rückgang der Bevölkerungszahl vs. Rückgang der Erwerbspersonenzahl
3.3.1 Kapitalintensivierung als dauerhafte Lösung?
3.3.2 Exkurs: Verändertes Konsum- und Nachfrageverhalten
3.4 Qualitative Folgerungen aus dem Erwerbspersonenrückgang
3.5 Der Produktionsfaktor Humankapital und erste Lösungsansätze
3.6 Jung gegen Alt, wer ist produktiver?
3.6.1 Das spricht für die „betagten“ Arbeitnehmer
3.6.2 Das spricht für die jungen Arbeitnehmer
3.7 Weitere Lösungsansätze

4. Fazit und Ausblick

5. Literatur

1.Einleitung und Eingrenzung des Themas

Das Seminar „Konsequenzen des demographischen Wandels. Analyse eines ungelösten Kernproblems unserer Gesellschaft.“ hat verschiedene Politikfelder thematisch und inhaltlich auf zukünftige Einflüsse und Auswirkungen durch den demographischen Wandel in der Bundesrepublik Deutschland (BRD) untersucht.

„Demographie“ – der Begriff wird mit „Bevölkerungswissenschaft“ übersetzt. Für Schubert und Klein handelt es sich dabei um „die wissenschaftliche Erforschung des Zustandes der Bevölkerung und ihrer zahlenmäßigen Veränderungen“.1 „Demographischer Wandel“ bedeutet demnach nichts anderes, als dass es zu einem Umwälzungsprozess in der Gesellschaft kommt, begründet durch eine signifikante Bevölkerungsveränderung.

In der BRD ist das Thema „Demographischer Wandel“ erst in den letzten Jahren und Jahrzehnten akut geworden. Nichts deutete Mitte des letzten Jahrhunderts auf eine demographische Krise hin. Zum einen lag das am primären Interesse der materiellen und geistigen Kriegsbewältigung, zum anderen an den hohen Geburtenraten. So formulierte man 1965: „Angesichts der Nachkriegsentwicklung […] hat sich die in der Vorkriegszeit allgemein vertretene These, dass der Rückgang im Bevölkerungszuwachs oder gar die abnehmende Bevölkerung das typisch ‚industrielle Bevölkerungsverhalten’ sei, als grandioser Irrtum erwiesen.“2

Der demographische Wandel – das entnimmt immer wieder den Medien – wird sich in der BRD in vielschichtigen Facetten niederschlagen. Betroffen scheint auch der Arbeitsmarkt zu sein.

Kern der Arbeit soll sein, herauszufinden, wie sich der Arbeitsmarkt in den nächsten Jahren und Jahrzehnten entwickeln wird, soweit sich überhaupt eine eindeutige Aussage treffen lässt. Dabei wird immer wieder die Frage aufkommen, ob sich das Wohlstandsniveau in der deutschen Volkswirtschaft halten lässt.

Eng damit verknüpft sind das Konsumverhalten und die Binnennachfrage einer alternden Bevölkerung. Um Konsum tätigen zu können, müssen erstens Güter produziert und zweitens Einkommen generiert werden, das für den Konsum zur Verfügung steht. Das bedeutet, es gibt eine Verknüpfung zwischen Güter- und Arbeitsmarkt. Diesen Aspekt möchte ich genauer erläutern und in einem Exkurs auf sich veränderndes Nachfrageverhalten eingehen.

Ferner möchte ich klären, ob es einen Zusammenhang zwischen Produktivität und Alter gibt. Und schließlich werde ich die besonderen Unterschiede zwischen jüngeren und älteren Arbeitnehmern herausstellen. Abrunden möchte ich die Arbeit mit möglichen Maßnahmen und diese hinsichtlich ihrer Durchsetzbarkeit prüfen.

Eines scheint jedenfalls festzustehen: Glaubt man den Demographie-Experten, muss in die Bildung, Ausbildung und Weiterbildung investiert werden, um den Wohlstand in einer alternden Gesellschaft halten zu können.

2.Theoretische und begriffliche Ausgangspunkte

2.1 Die vier Binnenmärkte

Aus makroökonomischer Sicht gibt es in einer geschlossenen Volkswirtschaft vier Binnenmärkte, die sich gegenseitig bedingen. Dazu zählen:

- der Gütermarkt (und Dienstleistungsmarkt),
- der Arbeitsmarkt,
- der Kapitalmarkt,
- der Geldmarkt.

Warum bedingen sich diese Märkte? Die entscheidenden Variablen auf dem Gütermarkt sind der Preis und die Absatzmenge. Das Produkt aus diesen Größen ist der Umsatz. Von diesem Umsatz zahlt das Unternehmen u.a. Einkommen bzw. Lohn an den Mitarbeiter. Der Reallohn ist wiederum die zentrale Arbeitsmarkt-Determinante für die Unternehmen, ob sie Arbeitnehmer einstellen oder nicht.

Daneben werden Einkünfte von Privaten und Gewinne von Unternehmen auf dem Kapitalmarkt angelegt, da Einkommen bzw. Unternehmensüberschüsse entweder gespart oder konsumiert bzw. investiert werden können. Über den Geldmarkt steuert die Zentralbank die Geldmenge und nimmt darüber Einfluss auf die Inflation.

Das Arbeitsmarktgleichgewicht wird durch den Reallohnsatz und die Beschäftigungsmenge bestimmt. Wie auf jedem der drei anderen Märkte bildet sich das Gleichgewicht im Schnittpunkt der Arbeitsangebots- und -nachfragekurve. Unternehmen orientieren sich nachfrageseitig an Arbeits- und Kapitalkosten, Produktivität, Veränderungen der Arbeitszeit, die Entwicklung auf den Waren- und Dienstleistungsmärkten und allgemein an der wirtschaftlichen Entwicklung, sprich dem Wirtschaftswachstum.3

Das Arbeitsangebot wird von der Erwerbstätigenzahl determiniert. Diese Variable ist statistisch ermittelbar und voraussagbar. Darauf Einfluss nehmen die Größen Ausbildungsdauer, Rentenzugangsalter, Frauenerwerbstätigkeit und Migration.4

2.2 Annahmen über die künftige Bevölkerungsentwicklung

In den verwendeten Literaturquellen haben die Autoren mehrheitlich ihre Ergebnisse und Berechnungen auf statistische Daten bezogen, die vom Statistischen Bundesamt herausgegeben worden sind. Seit Juni 2003 existiert die zehnte koordinierte Bevölkerungsvorausberechnung, die bis zum Jahr 2050 fortgeschrieben worden ist. Datenbasis ist der gesamtdeutsche Bevölkerungsstand vom 31.12.2001.

Ziel dabei war in erster Linie den Bevölkerungs- und Erwerbspersonenrückgang zu projizieren. Jedoch gehörte dazu auch die qualitative Struktur der deutschen Bevölkerung, beispielsweise das Durchschnittsalter oder das Verhältnis von Rentnern und Erwerbstätigen.5

Doch zunächst: Was ist der eigentliche Grund, dass sich die Bevölkerungsstruktur in den nächsten Jahrzehnten wesentlich verändern und ein demographischer Wandel einsetzen wird? Seit den 1970er Jahren liegt das Geburtenniveau unterhalb des statistisch notwendigen Wertes von durchschnittlich 2,1 geborenen Kindern pro Frau6. Bei dieser Zahl würde sich die Gesellschaft ohne Wanderung ständig reproduzieren und in ihrer Größe gleich bleiben.

Abbildung 1 zeigt deutlich, welch großes Defizit sich in der Zeit seit 1970 entwickelt hat. „Diese 9,6 Millionen nicht geborenen und nicht qualifizierten Menschen [seit 1970, T. S.] fehlen uns in den kommenden Jahren nicht nur als Arbeitskräfte, sondern auch als potentielle Mütter und Väter.“7

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 1: Illustration der seit 1970 existierenden Geburtenlücke (Quelle: Kaufmann 2005, S. 81). Hier wurde eine erhaltende Geburtenrate von 2,0 zugrunde gelegt. Ich erkläre mir das damit, dass von dem leicht ungleichem Geburtenverhältnis zwischen Mädchen und Jungen und der nahezu unbedeutenden Frauenmortalität abstrahiert worden ist.

Nun zur Bevölkerungsstudie: Um Entwicklungen realistisch vorherzusagen, haben die Statistiker einige Annahmen getroffen. Sie gehen davon aus, dass:8

- die Fertilitätsrate auf dem derzeitigen Niveau von 1,4 Kindern pro Frau im gesamten Bundesgebiet bis 2050 stagnieren wird,
- die Lebenserwartung bis 2050 deutlich zunehmen wird. Neugeborene Jungen werden dann im Durchschnitt 81,1 Jahre alt und damit fast sechs Jahre älter im Vergleich zu heute. Neugeborene Mädchen werden durchschnittlich 86,6 Jahre alt (heute: 80,8 Jahre),
- der Wanderungssaldo (Zu- minus Abwanderer) bis 2050 durchschnittlich plus 200.000 pro Jahr betragen wird.

Mit diesen für die weitere Berechnung notwendigen Konstanten9 ergeben sich folgende Ergebnisse:

Am Prägnantesten ist der Rückgang der bundesdeutschen Bevölkerung auf 75 Millionen Einwohner (dazu im Vergleich: Stand am 31.12.2004: 82,5 Millionen Einwohner). Allerdings ist das das langfristige Ergebnis bis 2050 und der Verlauf ist überhaupt nicht linear. Zunächst steigt die Bevölkerungszahl bis 2010 auf 83,1 Millionen Einwohner und nimmt erst danach monoton ab.10

Die Kinderzahl wird aufgrund des Bevölkerungsrückgangs abnehmen, da weniger potenzielle Mütter in der Gesellschaft vertreten sind. Dadurch entsteht – bei gleich bleibender Fertilität – ein Geburtendefizit.

Die in den 1960er Jahren geborenen Kinder zählen zur so genannten „Baby Boomer-Generation“. In dieser Zeitspanne sind relativ zu anderen Jahrzehnten die meisten Kinder geboren. Die Alterung der Jahrgänge führt dazu, dass die Mortalität augrund dieser Kohorte bis 2050 zunehmen wird.

Gleichzeitig wird die Anzahl der jungen Menschen abnehmen sowie die Anzahl der älteren Menschen an der Bevölkerung zunehmen (siehe Abbildung 2). Ein Richtmaß: „War vor 50 Jahren jeder Dritte ein junger Mensch unter 20 Jahren […], wird im Jahr 2050 […] jeder Dritte bereits 60 Jahre oder älter sein.“11

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 2: Die Altersaufteilung in der deutschen Bevölkerung von 2002 bis 2050 (Quelle: IW Köln/ Roman-Herzog-Institut München 2004, S. 8).

Die daraus resultierenden gesellschaftlich-sozialen und ökonomischen Implikationen sind, dass einfach mehr Rentner in der Bevölkerung leben werden. Weniger Erwerbstätige müssen dann deren Versorgung sicherstellen. Ein Indikator für diese Entwicklung ist der Altenquotient, der aus dem Verhältnis von Personen im Rentenalter zu Personen im Erwerbsfähigenalter gebildet wird. Der Altenquotient 67 steigt von 22,7 Prozent in 2001 um mehr als das Doppelte auf 47,4 Prozent in 2050.12 13

2.3 Problemstellung

Mit den gerade vorgestellten Ergebnissen ergibt sich eine Grundlage, um darauf aufbauend auf Veränderungen auf dem Arbeitsmarkt hinzuweisen. Doch in welcher Form wird die Volkswirtschaft von dieser Entwicklung betroffen sein?

Nachfolgende statistische Vorausberechnung des Statistischen Bundesamtes (Abbildung 3) zeigt, dass das Erwerbspersonenpotential14 insgesamt von 41,9 Millionen Erwerbspersonen zunächst um 136.000 Erwerbspersonen bis 2010 zunehmen wird (symmetrischer Verlauf entsprechend dem bundesdeutschen Bevölkerungsanstieg), danach – bis 2050 – nahezu linear um fast 30 Prozent auf 29,6 Millionen Erwerbspersonen abnehmen wird.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 3: Quantitative und qualitative Veränderungen des Arbeitsangebotes in der BRD (Quelle: IW Köln/ Roman-Herzog-Institut München 2004, S. 12).

Parallel wird eine qualitative Veränderung eintreten: Die Alterstruktur der Erwerbspersonen verschiebt sich zugunsten der älteren Alterstruppen. Der Anteil der 15- bis 29-Jährigen auf dem Arbeitsmarkt wird deutlich abnehmen (minus 36 Prozent zwischen 2000 und 2050), noch stärker wird der Anteil der 30- bis 44-Jährigen zurückgehen (minus 42 Prozent). Deutlich weniger wird die Kohorte der 45- bis 59-Jährigen abnehmen (minus zwölf Prozent). Sogar hinzugewinnen werden die 60- bis 74-Jährigen (plus ein Prozent).

Daraus resultiert ein linear-degressiver Anstieg des Durchschnittsalters der Erwerbspersonen: „Das durchschnittliche Alter der Erwerbstätigen wird in den nächsten 20 Jahren von 39 auf 42,5 Jahren ansteigen, 15 Jahre lang stagnieren und dann allmählich um ein weiteres Jahr ansteigen.“15 Bis zu der Dekade (ab 2020), in denen die „Baby Boomer“ in Rente gehen, steigt der Renteneintritt von Erwerbstätigen stark an. Danach bleibt die Altersverteilung recht konstant.

Berechnet für den Zeitraum von 2000 bis 2050 ergibt sich folgendes Bild: Der Bevölkerungsrückgang beträgt in der mittleren Variante jährlich 0,17 Prozent, der Rückgang des Erwerbspersonenpotential hingegen 0,59 Prozent. Der Unterschied liegt bei 0,42 Prozent.16 Bemerkbar macht sich der Unterschied besonders ab 2020, wenn die „Baby Boomer“ nach und nach in Rente gehen.

Eine eindeutige Feststellung, die ich daraus ableite: Der jährliche Rückgang der Bevölkerung fällt geringer als der des Erwerbspersonenpotentials aus.

Deshalb formuliere ich folgende These, die ich in den nächsten Abschnitten überprüfen möchte:

Durch die zukünftig divergierende Entwicklung von Einwohner- und Erwerbstätigenzahl und das steigende Durchschnittsalter der Arbeitnehmer– verursacht durch den demographischen Wandel – droht die Produktivität abzunehmen und gefährdet langfristig den Wohlstand in der BRD.

Produktivität ist der Schlüssel zum Wirtschaftswachstum und Wirtschaftswachstum bedeutet Wohlstand.

Zuvor möchte ich darauf hinweisen, dass ein Fortschreiben der Bevölkerungs- und Erwerbstätigenzahlen bis 2050 lediglich Prognosen darstellen. Die Zahlen hängen von vielen unvorsehbaren Faktoren ab. Hinzu kommt, dass der Zeitraum sehr lang ist. Deshalb möge der Leser die nachfolgenden Ausführungen als Möglichkeiten und nicht als unumkehrbares Dogma begreifen.

Ein weiterer nicht zu vernachlässigender Effekt ist, dass Autoren in ihren Veröffentlichungen, mit denen ich mich in dieser Arbeit auseinander gesetzt habe, verschiedene Annahme über den zukünftigen Konsum getroffen haben. Wie schon oben geschildert, sind der Güter- und Arbeitsmarkt eng miteinander verknüpft.

Einerseits gehen die Wissenschaftler von einem niedrigeren Pro-Kopf-Konsum aus, andere Bevölkerungswissenschaftler vertreten die Ansicht, dass der Pro-Kopf-Konsum in den nächsten Jahrzehnten in der BRD gleich bleiben oder steigen wird (u.a. Börsch-Supan).

2.4 Beteiligte Akteure im Kontext der Fragestellung

Um Anhaltspunkte für oder gegen die These herauszufinden, sind Akteure involviert, die zu Veränderungen beitragen.

Wie schon erwähnt, werden Arbeitsangebot und -nachfrage von Arbeitnehmern sowie den Arbeitgebern bzw. Unternehmern bestimmt. Dazu gehört auch der Staat (Bund, Länder und Kommunen), der mit seiner Arbeitsmarktpolitik die Verordnungen und Gesetze vorgibt, die für den Markt gelten. Ferner die Institutionen der Europäischen Union, die sich auch dem Thema „Demographie“ angenommen haben. Mit ihrem im März 2005 veröffentlichen Grünbuch möchte die Europäische Kommission auf gesamteuropäischer Ebene Lösungsansätze angesichts des demographischen Wandels – auch im Hinblick auf den Arbeitsmarkt – entwickeln.

Die Arbeitnehmer sind gleichzeitig Konsumenten und fragen je nach Alter unterschiedliche Produkte nach. Außerdem sorgen sie als Mütter und Väter dafür, dass Kinder geboren werden. Sie nehmen darüber Einfluss auf das Durchschnittsalter der Bevölkerung und die Alterspyramide.

Im Prinzip nimmt jedes einzelne in der Gesellschaft lebende Individuum durch seine unterschiedlichen Rollen Einfluss auf die demographische Entwicklung und wirkt implizit an Veränderungen auf dem Arbeitsmarkt mit. Schließlich trägt die Wissenschaft mit ihren Beiträgen zur Aufklärung des komplexen Sachverhalts „Demographischer Wandel“ bei.

2.5 Die neoklassische Wachstumstheorie

Der Ausgangspunkt der These ist soweit aufgeschlüsselt. Wie hängt das Arbeitsangebot aber tatsächlich mit der Produktivität zusammen?

Die Produktivität entspricht der „Menge der pro Arbeitsstunde produzierten Waren und Dienstleistungen“.17 Je mehr in diesem Zeitraum produziert wird, umso höher die Produktivität. Eine andere Übersetzung wäre: Output pro Input. In diesem Fall wäre der Output die Waren und Dienstleistungen, der Input die Arbeitszeit der Arbeitskraft.

Jetzt wird eine weitere Bestimmungsgröße ins Spiel gebracht: Das Bruttoinlandsprodukt (BIP). Dieses misst die gesamten Einkommen, die in einer Volkswirtschaft erwirtschaftet werden sowie die Ausgaben für den Kauf der produzierten Güter. Ex ante sind diese Werte identisch. Hier besteht der Zusammenhang zwischen BIP sowie Produktivität: Ist die Produktivität geringer, können Güter nicht erworben werden, da sie nicht produziert worden sind. Demzufolge ist das Einkommen und das BIP insgesamt geringer, sprich: die „andere Seite der BIP-Gleichung“ muss kleiner werden, weil die eine Seite kleiner geworden ist.

Teilt man das BIP durch die Anzahl der in der Volkswirtschaft lebenden Personen, so erhält man das BIP pro Kopf: „Unter Wohlfahrtsgesichtspunkten ist nicht das BIP-Wachstum entscheidend, sondern das Pro-Kopf-Wachstum.“18 Denn: Über das BIP pro Kopf wird die jährliche, durchschnittliche Wachstumsrate berechnet, die dem Wirtschaftswachstum entspricht und somit ein Indikator für den Wohlstand einer Gesellschaft ist.

Wirtschaftswachstum verringert Knappheitsprobleme, sichert den sozialen Frieden und ist daher unabdingbar in demokratisch-kapitalistischen Gesellschaften. Wirtschaftswachstum ist pareto-verbessernd, da mehr besser als schlechter gestellt werden.19 Es führt schließlich zu einer handhabbareren Finanzierung von Staatsausgaben, da die absoluten Steuereinnahmen ansteigen. Öffentliche Investitionen in Infrastruktur, Bildung und die allgemeine Versorgung lassen sich so besser bewerkstelligen.20

Was sind die entscheidenden Faktoren, um die Produktivität messbar zu machen?

In der neoklassischen Wachstumstheorie lässt sich die Produktivität mittels der Produktionsfunktion beschreiben. In die Produktionsfunktion gehen die Größen Realkapital, Humankapital, Natürliche Ressourcen sowie Technologisches Wissen ein. Das Realkapital setzt sich aus den Produktionsfaktoren Arbeit und Kapital zusammen. Auf der einen Seite ist das die Arbeitskraft selbst, auf der anderen Seite das eingesetzte Kapital für Maschinen, Werkzeuge, etc.

[...]


1 Schubert/ Klein 2003

2 Kaufmann 2005, S. 63

3 vgl. Enquete-Kommission 2002, S. 77

4 vgl. Schäfer/ Seyda 2005, S. 98

5 vgl. Statistisches Bundesamt 2003, S. 5

6 Wie kommt dieser Wert zustande? Nun, es werden statistisch gesehen Jungen und Mädchen im Verhältnis 1,05 zu eins geboren, d.h. die Geburt von Jungen ist etwas wahrscheinlicher. Deshalb muss jede Frau mindestens 2,05 Kinder gebären plus eines konstanten Faktors von 0,05. Denn einige Frauen sterben bereits vor der Zeugungsfähigkeit.

7 Kaufmann 2005, S. 81

8 vgl. Statistisches Bundesamt, S. 5

9 Die hier geschilderten Annahmen kennzeichnen die mittlere Variante. Daneben hat das Statistische Bundesamt Minimal- und Maximalannahmen bei der Lebenserwartung und Zuwanderung getroffen. Das vernachlässige ich und stelle die Ergebnisse vor, bei denen die mittleren Annahmen zugrunde liegen.

10 vgl. Statistisches Bundesamt 2003, Schaubild 7, S. 26

11 Statistisches Bundesamt., S. 29

12 Der „Altenquotient 67“ setzt Personen, die das 67. Lebensjahr erreicht haben – also Jahrgänge im künftigen Renteneintrittsalter – und älter sind, mit den Erwerbstätigen in Beziehung.

13 vgl. Statistisches Bundesamt 2003, Schaubild 11, S. 32

14 Das Erwerbspersonenpotential setzt sich aus den Erwerbstätigen (abhängig Beschäftigte und Selbstständige), den Arbeitslosen und der stillen Reserve (Erwerbslose, die aus verschiedenen Gründen nicht beim Arbeitsamt gemeldet sind) zusammen (vgl. Schäfer/ Seyda 2005, S. 99). Rechnerisch lässt sich das Erwerbspersonenpotential über die Multiplikation der Erwerbsquote mit der Bevölkerungszahl ermitteln (vgl. Fuchs/ Söhnlein/ Weber 2004, S. 123).

15 Börsch-Supan 2004, S. 5

16 Um mit einigermaßen realistischen Werten zu rechnen, habe ich den Bevölkerungsstand 2000 zugrunde gelegt (aus: IW Köln 2004, S. 7) und diesen mit dem prognostizierten Wert für 2050 aus der 10. Bevölkerungsvorausberechung des Statistischen Bundesamtes in Beziehung gesetzt. Den Rückgang habe ich durch die Anzahl der Jahre (50) dividiert, um den durchschnittlichen jährlichen Rückgang zu ermitteln. Dasselbe habe ich mit den Werten aus Abbildung 3 vorgenommen.

17 Mankiw 2004, S. 583

18 Enquete-Kommission 2002, S. 76

19 Würde es kein Wachstum von Jahr zu Jahr geben (Nullwachstum), dann würden zwar Individuen in einer Gesellschaft besser gestellt, genau soviel andere dafür schlechter gestellt. Bei negativen Wachstumsraten würden mehr schlechter als besser gestellt. Das ist pareto-ineffizient. Auf Wachstum kann deshalb nicht verzichtet werden.

20 vgl. Grömling 2005, S. 68f

Ende der Leseprobe aus 36 Seiten

Details

Titel
Volkswirtschaft im Wandel - Konsumverhalten und Binnennachfrage
Untertitel
Schwerpunkt: Der Arbeitsmarkt
Hochschule
Westfälische Wilhelms-Universität Münster  (Institut für Politikwissenschaft)
Veranstaltung
Konsequenzen des demographischen Wandels. Analyse eines ungelösten Kernproblems
Note
1,7
Autor
Jahr
2006
Seiten
36
Katalognummer
V77532
ISBN (eBook)
9783638829656
Dateigröße
1344 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Volkswirtschaft, Wandel, Konsumverhalten, Binnennachfrage, Konsequenzen, Wandels, Analyse, Kernproblems
Arbeit zitieren
Torsten Strecke (Autor:in), 2006, Volkswirtschaft im Wandel - Konsumverhalten und Binnennachfrage, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/77532

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