Emotionsregulation bei Kindern im Kindergartenalter


Seminararbeit, 2007

25 Seiten, Note: 2,0


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Vorwort

2. Etymologie von „Emotion“

3. Definition von „Emotion“

4. Definition von Emotionsregulation

5. Bindungstheorie

6. Ontogenese und ihre Sozialisationsbedingungen der Emotionsregulation
6.1 Entstehung der interpsychischen Regulation unter proximalen Sozialisationsbedingungen
6.2 „Social referencing“ – weniger proximale Sozialisationsbedingungen
6.3 Die Ausgliederung der intrapsychischen aus der interpsyschichen Regulation unter distalen Sozialisationsbedingungen

7. Studie
7.1 Einführung
7.2 Methode
7.2.1 Verlauf der emotionalen Reaktionen
7.2.2 Regulationsstrategie des Kindes
7.3 Ergebnisse

8. Emotionsregulation bei externalisierendem Problemverhalten
8.1 Einfluss der gleichgeschlechtlichen peer-groups auf aggressives Verhalten

9. Fazit

10. Literaturnachweis

1. Vorwort

Man stelle sich eine Strasse in der City einer kleinen idyllischen Stadt vor; ein Mann sitzt in einem Café und schreit hemmungslos – er verspürt Hunger, am Tisch nebenan sitzt eine Frau und weint herzerweichend, sie hat eine schlechte Nachricht bekommen und ist traurig. Auf der Strasse ist ein Pärchen, die lauthals singen, weil sie glücklich sind, zur gleichen Zeit kommt ihnen ein Mann entgegen, der wild mit der Faust schüttelt und sehr aggressiv wirkt, er ist wütend. Eine weitere Frau greint heftig, sie hat Durst, aber kein Getränk greifbar.

Solche und noch endlos weitere Beispiele zeigen, wie die Welt aussehen würde, wenn wir nie gelernt hätten unsere Emotionen und Handlungen zu regulieren. Säuglinge und kleine Kinder hingegen verhalten sich in den genannten Situationen indessen genau so und das ist völlig legitim. Von älteren Kindern mit diesem Verhalten sagen wir bereits, sie seien schlecht erzogen.

Was passiert im Laufe der Entwicklung, dass Kinder vom demonstrativen Zeigen ihrer Emotionen zur selbstständigen Regulation gelangen und an wem orientieren sie sich dabei? Gibt es Unterschiede bezüglich des Geschlechts und welche Rolle spielen dabei die Sozialisationsbedingungen? Diesen Fragen möchte ich in diesem Aufsatz nachgehen und versuchen anhand von Studien und Definitionen eine Erklärung zu geben. Zu Beginn möchte ich erst einmal erklären, welcher Abstammung das Wort „Emotion“ ist und wie sie sich, sowie ihre Regulation definiert. Da die Emotionsregulation eng verbunden ist mit der Bindungstheorie, findet auch die hier ihren Platz. Anhand der Studie von Friedelmeier und Trommsdorff möchte ich zeigen, wie sich das Verhalten im Alter ändert und dass auch das Verhalten der Bezugspersonen eine entscheidende Rolle spielt.

2. Etymologie von „Emotion“

Das Wort „Emotion“ kommt aus dem Lateinischen und setzt sich zusammen aus den Wörtern „ex: aus“ und „motion: Bewegung“. Es verweist also darauf, dass etwas „aus einer Bewegung heraus“ geschieht Im Unterschied zur „motivierten“ Person, die sich physisch auf ein Ziel zu bewegt oder auf einen Reiz reagiert, sind Emotionen „innerliche Bewegungen“. Diese werden durch Situationen von psychologischer Bedeutung hervorgerufen.[1]

3. Definition von „Emotion“

„Emotion ist ein seltsames Wort. Fast jeder denkt, er versteht, was es bedeutet, bis er versucht es zu definieren. Dann behauptet praktisch niemand mehr, es zu verstehen.“[2]

Mit dieser Aussage haben Wenger, Jones und Jones die Problematik um die Definition treffend kommentiert.

Bereits 1884 vertrat Charles Darwin (1872-1965) die Theorie, dass bestimmte Situationen Emotionen und damit verbundene Reaktionen hervorrufen. Die damit einhergehende physische Veränderung, sind Darwins Meinung nach eine abgewandelte und abgeschwächte Form der damaligen Verhaltensweisen, die angepasst waren an die Situationen, die in der Urzeit Emotionen ausgelöst haben. Daraus schlussfolgerte Darwin, dass die Ausdrucksweisen von Emotionen, Ausläufer einstiger adaptiver Verhaltensweisen sind und somit nicht erlernt, sondern angeboren.[3] Sein Werk prägt die Emotionsforschung auch heute noch. Für einen historischen Rückblick ist an dieser Stelle kein Platz, aber es sei dennoch gesagt, dass die auf terminologischen Schwierigkeiten basierenden Missverständnisse auch heute noch nicht überwunden sind.[4] Obwohl Kleinginna und Kleinginna bereits 1981 über 92 Definitionen gesammelt und sortiert haben[5], konnte bis jetzt kein Konsens gefunden werden. Kleinginna und Kleinginna definierten anhand ihrer Sammlung Emotion folgendermaßen:

„Emotion ist ein komplexes Interaktionsgefüge subjektiver und objektiver Faktoren, das von neuronal/humoralen System vermittelt wird, die

a) Affektive Erfahrungen wie Gefühle der Erregung oder Lust/Unlust, bewirken können;
b) kognitive Prozesse wie emotional relevante Wahrnehmungseffekte, Bewertungen, Klassifikations- prozesse hervorrufen können;
c) ausgedehnte physiologische Anpassungen an die erregungsauslösenden Bedingungen in Gang setzen können;
d) zu Verhalten führen können, welches oft expressiv, zielgerichtet und adaptiv ist.“[6]

Emotionen sind temporäre Zustände, die auf drei Ebenen näher bestimmt werden können:

- das Erleben
- der Ausdruck
- die körperliche Veränderung

Allerdings müssen nicht alle drei Ebenen zeitgleich bedient werden.

Wenig trennscharf sind die Grenzen zu anderen Konstrukten wie Stimmung und Affekt oder anderen (physischen, motivationalen oder kognitiven) Zuständen und Emotionen. Dagegen lassen sich Persönlichkeitsmerkmale wesentlich leichter von Emotionen abgrenzen.

Die Begriffe Gefühl und Emotion werden im Alltagsgebrauch und auch in einigen Schriften synonym gebraucht. So ist Schönpflug der Meinung, dass es müßig sei, Gemeinsamkeiten oder Unterscheidungen in den Begriffen „Emotion“, „Gefühl“, „Affekt“ und „Stimmung“ zu suchen.[7] Ob sich eine Theorie jemals durchsetzen wird, hängt laut Schönpflug davon ab, welche theoretische Auffassung der allgemeinen Ansicht entspricht. Im Jahre 2000 empfanden Otto, Euler und Mandl folgende Auffassung als durchsetzungsfähig:

a) „Emotion“ ist Oberbegriff für „Affekt“, „Gefühl“, „Stimmung“ usw.
b) Emotion wird als System von Komponenten definiert
c) Dabei wird die Einschätzung der subjektiven Bedeutung eines Ereignisses als zentral angesehen
d) Emotionen haben instrumentelle Funktionen wie z.B. die Steuerung von Handlungen und Kommunikation[8]

Des Weiteren beinhalten einigen Definitionen die Frage nach der Beschreibung von Emotionen, die analysiert und sortiert wurden. Ein weiterer Punkt ist dann die Klärung der kausalen Zusammenhänge zwischen den einzelnen Komponenten (wie Ausdruck und Erleben). Wieder andere versuchen Emotionen auf andere Strukturen (z.B. Denkprozesse) zurückzuführen. Kurz gesagt lassen sich die Definitionsversuche in kognitive und biologische Ansätze charakterisieren.

Trotz unterschiedlicher Definitionen und Schwerpunktsetzungen stimmen Psychologen gegenwärtig darin überein, dass eine Emotion ein komplexes Muster von Veränderungen ist, das psychologische Erregung, Gefühle, kognitive Prozesse und Verhaltensweisen einschließt, die in Reaktion auf eine Situation auftreten, welche ein Individuum als persönlich bedeutsam wahrgenommen hat.[9]

4. Definition von Emotionsregulation

Wesentlich einfacher ist dagegen die Definition des Begriffs Emotionsregulation:

„Unter Emotionsregulation versteht man alle Prozesse, die zur Herstellung, Aufrechterhaltung und Modulierung von Emotionen dienen.“[10]

Da negative emotionale Situationen als unlustvoll und positive emotionale Zustände als positiv angesehen werden, ist jedes Individuum bestrebt, die negativen Zustände zu ändern oder die positiven Zustände zu erhalten, bzw. zu verstärken. Emotionsregulation wird nicht von einer typischen Emotion gesteuert, sondern von Prozessen, die auf der Entwicklung von emotionaler Kompetenz basieren.[11] Während - wie bereits oben erwähnt - Emotionen angeboren sind, unterliegt die Entwicklung der Emotionsregulation sozialen Prozessen.[12] Der Erwerb emotionaler Kompetenz ist abhängig von den Erfahrungen und steht im wechselseitigen Zusammenhang mit der Entwicklung des Erlebens und des Ausdrucks.

5. Bindungstheorie

Geht man davon aus, dass jedes Kind ein grundlegendes Bedürfnis nach Zuwendung, Vertrauen und Geborgenheit hat, so kann man Bindung als Band zwischen zwei Personen ansehen, das auf gegenseitiger Sympathie, Vertrauen und Kontakt beruht und dabei völlig losgelöst von Raum und Zeit ist.

Das Bedürfnis nach Bindung ist phylogenetisch erklärbar und wird als Primärbedürfnis betrachtet, dabei unterscheidet man zwei Verhaltensmuster der Näheregulation:

(1) Beim aktiven Bindungsverhalten stellt das Kind die Nähe zur Bezugsperson durch eigene Bewegung her.
(2) Im anderen Fall versucht das Kind durch seinen emotionalen Ausdruck auf sich aufmerksam zu machen und so die Nähe oder den Kontakt zur Bezugsperson herzustellen, das Signal- oder Ausdrucksverhalten.[13]

Obwohl das Bindungsverhalten angeboren ist, stellte Ainsworth bereits 1974 in Studien fest, dass die Qualität des Bindungsverhaltens zwischen Kind und Mutter divergieren können. Dies hängt vom feinfühligen Interaktionsverhalten der Mutter ab.

Feinfühligkeit (responsiveness) umfasst, ob:

- kindliche Signale wahrgenommen,
- richtig interpretiert,
- prompt und
- angemessen beantwortet werden.[14]

Des Weiteren unterteilt Ainsworth die Bindungsqualität anhand des elterlichen Verhaltens in vier Kategorien:

Sensitivity-insensitivity; acceptance-rejection; cooperation-interference und accessibility-ignoring.[15]

[...]


[1] Vgl. Zimbardo, 1995

[2] Siehe: Schmitz-Atzert, 1996, S. 18

[3] Vgl. Darwin, 1992

[4] Vgl. Schmidt-Atzert, 1996

[5] ebenda

[6] Siehe: Kleinginna und Kleinginna, 1981; in: Merten, 2003, S.13

[7] Vgl. Ulich und Mayring, 2003

[8] Siehe: Otto et al., 2000, in: Ulich und Mayring, 2003, S. 52

[9] Siehe: Kleinginna & Kleinginna, 1981; in: Zimbardo, 1995, S. 442

[10] Siehe: Bridges & Grolnick, 1995; in: Friedelmeier und Trommsdorff, 2001, aus: Zeitschrift für Entwicklungspsychologie und Pädagogische Psychologie, 33 (4), S. 204

[11] Vgl. Friedelmeier, 1999; aus: ZSE, 19. Jahrgang, 1999, Heft 1

[12] Vgl. Friedelmeier und Trommsdorff, 2001; aus: Zeitschrift für Entwicklungspsychologie und Pädagogische Psychologie, 33 (4)

[13] Vgl. Spangler; in: Friedlmeier und Holodynski (Hrsg.), 1999

[14] Siehe: Ainsworth et al 1974, S.100f in: Ulich und Mayring, 2003, S.120

[15] Vgl. ebenda

Ende der Leseprobe aus 25 Seiten

Details

Titel
Emotionsregulation bei Kindern im Kindergartenalter
Hochschule
Universität Trier
Note
2,0
Autor
Jahr
2007
Seiten
25
Katalognummer
V77562
ISBN (eBook)
9783638819053
ISBN (Buch)
9783640468102
Dateigröße
978 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Emotionsregulation, Kindern, Kindergartenalter
Arbeit zitieren
Heike Doll (Autor), 2007, Emotionsregulation bei Kindern im Kindergartenalter, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/77562

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