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Menschen mit selbstverletzendem Verhalten und die sozialpädagogischen Interventionen im Vergleich zur psychosomatischen Behandlung

Titel: Menschen mit selbstverletzendem Verhalten und die sozialpädagogischen Interventionen im Vergleich zur psychosomatischen Behandlung

Seminararbeit , 2006 , 32 Seiten , Note: 1,8

Autor:in: Heike Doll (Autor:in)

Pädagogik - Heilpädagogik, Sonderpädagogik
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Zusammenfassung Leseprobe Details

2. Einleitung
In den Zeitungen liest man immer wieder von Menschen, vermehrt Jugendlichen, die von anderen mit Glasscherben geschnitten, brennenden Zigaretten verbrannt oder gezwungen werden gesundheitsschädliche Flüssigkeiten zu trinken. Das empfinden wir als ausgesprochene Quälerei und können nicht verstehen, wie Menschen anderen gegenüber so grausam sein können. Noch viel weniger ist aber zu verstehen, warum sich Menschen das selbst antun, warum sie sich selbst diese Qualen und Schmerzen bereiten. Es erscheint völlig absurd und widersinnig, seinen eigenen Körper zu verunstalten, wo doch die Gesundheit als das höchste Gut des Menschen gilt. Wie ist dieses Verhalten zu erklären? Da es ja nicht nur die Schmerzen sind, die man erleiden muss, sondern auch die Abweisung, den Ekel, das Unverständnis und oft auch die Verurteilung durch seine Mitmenschen, die durch das Selbstverletzende Verhalten schnell an ihre Empathiegrenzen stoßen. Vor kurzer Zeit bot sich mir jedoch die Möglichkeit, in einer heilpädagogischen Intensivgruppe Einblick in die Arbeit der Heilerziehungspfleger zu bekommen. Während dieser Zeit konnte ich in Ansätzen eine Empathie für Jugendliche mit SVV entwickeln und es erschütterte mich immer wieder, wenn ich erfuhr, was die Jugendlichen zur Selbstverletzung trieb. Sicherlich ist zu unterschieden, ob es sich bei diesen Verletzungen auf der einen Seite um verschiedene kulturelle oder religiöse Momente handelt, wie z.B. Initiationsriten oder ob es sich um Selbstverletzungen in alltägliche Situationen handelt oder ob es sich andererseits um psychotische Selbstverletzungen handelt oder ob das Verhalten organische Ursachen hat. Im Folgenden möchte ich kurz auf Selbstverletzendes Verhalten im alltäglichen, religiösen und kulturellen Zusammenhang eingehen. Auf SVV aus organischen Gründen werde ich aus zeitlichen Gründen hier verzichten. Da ich in der Gruppe nur, für mich zum Teil sehr schockierende, Berichte über Selbstverletzung mit psychotischem Hintergrund erfahren habe, möchte ich folgende Fragen eingehender betrachten: Was treibt Menschen dazu, den eigenen Körper als Objekt zu benutzen? Sich Wunden zu bereiten, die immer sichtbar sein werden? Warum können sich die Betroffenen nur durch selbst zugefügte Verletzungen spüren oder sich anderen mitteilen? Ab wann verwischen die Grenzen so sehr, dass man nicht mehr von einem normalen, sondern von einem psychotischen Verhalten spricht? Ebenso sollen folgende Fragen Beachtung finden: Wo kann hier die sozialpädagogische Arbeit ansetzen? Wie kann der Sozialpädagoge intervenieren? Und kann sich die Sozialpädagogik auf diesem Feld gegenüber den anderen Disziplinen wie Medizin und Psychologie behaupten? Sollte sie sich klar von den anderen Professionen abgrenzen oder sich als ein „Mischgebilde“ aus verschiedenen Aufgabenfeldern erschließen?
In der Literatur werden dem Ritzen, sich verbrennen, Injizieren von Flüssigkeiten, kurz, dem sich willentlichen Zufügen von Schmerzen und Wunden viele Namen zugewiesen, wie Autoaggression, Automutilation, Autodestruktion, Selbstschädigendes Verhalten und Selbstverletzendes Verhalten. Da ich derselben Ansicht wie Sachsse bin, dass der Begriff Selbstverletzendes Verhalten (SVV) am wenigsten wertend zu verstehen ist und die betroffenen Personen nicht gleich vorverurteilt werden, werde ich ihn auch für meine Arbeit verwenden.

Leseprobe


Inhaltsverzeichnis

1. Vorwort

2. Einleitung

3. Gesellschaftlich anerkanntes Selbstschädigendes Verhalten

4. Selbstverletzendes Verhalten

4.1 Heimliche Selbstbeschädigung

4.1.1 Münchhausen-Syndrom

4.1.2 Münchhausen by proxy-Syndrom

4.2 Anorexia-Nervosa und Bulimie

4.3 Offene Selbstverletzung

4.2.1 Die Selbstverletzungssituation

5. Sozialpädagogische Interventionen

5.1 Therapieansätze

5.2 Grundsätze der sozialpädagogische Arbeit

5.2.1 Grundsätze auf der Ebene der Patientinnen

5.2.2 Auf der Ebene der professionellen Helfer

6. Schlussfolgerungen

7. Ausblick

8. Anmerkung

9. Danksagung

10. Literaturverzeichnis

Zielsetzung und thematische Schwerpunkte

Die vorliegende Arbeit untersucht das Phänomen selbstverletzenden Verhaltens (SVV) bei Jugendlichen und jungen Erwachsenen. Ziel ist es, die psychodynamischen Hintergründe dieses Verhaltens zu verstehen und aufzuzeigen, wie sozialpädagogische Interventionen effektiv gestaltet werden können, um Betroffene in ihrer Lebenswelt zu unterstützen und in eine Gesellschaft zu integrieren, die diesem Verhalten häufig mit Unverständnis begegnet.

  • Phänomenologie und Differenzierung zwischen heimlichem und offenem selbstverletzendem Verhalten.
  • Analyse der psychologischen Ursachen und Funktionen von SVV als Überlebensstrategie.
  • Vergleich zwischen medizinischen/psychiatrischen Behandlungsansätzen und sozialpädagogischen Interventionen.
  • Reflexion der Rolle und der fachlichen Anforderungen an professionelle Helfer in der Arbeit mit betroffenen Personen.
  • Die Bedeutung der interdisziplinären Zusammenarbeit und Kooperation zwischen verschiedenen Fachrichtungen.

Auszug aus dem Buch

4.2.1 Die Selbstverletzungssituation

In den Betroffenen wächst eine extreme innere Spannung heran, die die meisten jedoch verdrängen und unterdrücken, bis sie sich leer und taub fühlen. Dadurch fühlen sie sich immer mehr isoliert und allein gelassen.

„In dieser absoluten Verzweiflung ist es ihnen nicht mehr möglich, mit irgendjemand über ihre Situation zu sprechen.“

Die Situation scheint völlig ausweglos und die Mädchen fühlen sich in ihrem eigenen Körper gefangen. Dadurch kann es zu einem rausch- und tranceartigen Zustand kommen, in dem nach Eckhardt die Kontrolle über die Ich-Funktionen eingeschränkt sein oder gar gänzlich verloren gehen können. Nur durch das Zufügen von Schmerzen können sie sich aus dieser Lage befreien. Paradoxerweise empfinden die jungen Frauen aber keinen Schmerz, wenn sie sich ritzen. Der Körper dient als Objekt und ist völlig von den Empfindungen gespalten, in den Mädchen herrscht Chaos der Gefühle. Obwohl alle Befragten sagten, es würde nicht wehr tun, gehe ich dennoch davon aus, dass sie etwas spüren. Eben dieses Empfinden führt zu einer Entlastung des bis dato erlebten emotionalen Drucks. Der Schmerz setzt erst nach dem Ritzen ein, gleichzeitig mit einer tiefen Erleichterung, der inneren Konfusion Herr geworden zu sein.

Zusammenfassung der Kapitel

Vorwort: Einleitendes Kapitel mit einem Gedicht, das die emotionale Befindlichkeit und den Schmerz betroffener Menschen thematisiert.

Einleitung: Vorstellung der Forschungsfrage, Motivation der Autorin und die Relevanz einer differenzierten Betrachtung des selbstverletzenden Verhaltens.

Gesellschaftlich anerkanntes Selbstschädigendes Verhalten: Historischer und kulturanthropologischer Überblick über Formen der Selbstschädigung, die in verschiedenen Gemeinschaften rituell akzeptiert oder religiös motiviert sind.

Selbstverletzendes Verhalten: Fundierte Analyse der psychodynamischen Hintergründe und Ursachen, die zu Selbstverletzungen führen.

Heimliche Selbstbeschädigung: Untersuchung von Verhaltensweisen wie dem Münchhausen-Syndrom, bei denen Symptome zur Erlangung einer Patientenrolle vorgetäuscht werden.

Münchhausen-Syndrom: Spezifische Betrachtung der Symptomtrias und der Persönlichkeitsstruktur von Patienten, die eine medizinische Behandlung durch Täuschung forcieren.

Münchhausen by proxy-Syndrom: Analyse der Kindesmisshandlung durch Erzeuger, die stellvertretend für ihr Kind Krankheitssymptome induzieren.

Anorexia-Nervosa und Bulimie: Betrachtung essgestörten Verhaltens als Form der Autoaggression und des Kampfes um Kontrolle über den eigenen Körper.

Offene Selbstverletzung: Erläuterung der Motivation hinter direktem, sichtbarem Selbstverletzungsverhalten ohne bewusste suizidale Absicht.

Die Selbstverletzungssituation: Beschreibung des emotionalen Zustands und des psychischen Entlastungsmechanismus, der in der akuten Situation des Sich-Verletzens eintritt.

Sozialpädagogische Interventionen: Diskussion der Möglichkeiten sozialer Arbeit im Kontext der Versorgung psychisch Kranker und der Abgrenzung zu medizinischen Ansätzen.

Therapieansätze: Überblick über verschiedene therapeutische Methoden wie Psychoanalyse, Körpertherapie und verhaltenstherapeutische Ansätze bei SVV.

Grundsätze der sozialpädagogische Arbeit: Darstellung notwendiger struktureller und inhaltlicher Anforderungen an die professionelle Unterstützung.

Grundsätze auf der Ebene der Patientinnen: Fokus auf die Förderung von Autonomie, Ressourcenstärkung und den Aufbau alternativer Bewältigungsstrategien.

Auf der Ebene der professionellen Helfer: Reflexion über notwendige Kompetenzen, Teamstrukturen und die Bedeutung von Vertrauen in der Beziehungsgestaltung.

Schlussfolgerungen: Zusammenfassende Bewertung der pädagogischen Notwendigkeit von Bildungsangeboten als Alternative zum SVV.

Ausblick: Forderung nach weiterführender Forschung, insbesondere im Bereich der Prävention und Früherkennung sowie der Verbesserung des Case-Managements.

Anmerkung: Methodischer Hinweis zur Herkunft der verwendeten Fallbeispiele.

Danksagung: Würdigung der Unterstützung durch die Heilerziehungspfleger der WG Münsterberg.

Literaturverzeichnis: Auflistung der verwendeten Quellen und Fachliteratur.

Schlüsselwörter

Selbstverletzendes Verhalten, SVV, Sozialpädagogik, Klinische Sozialarbeit, Autoaggression, Münchhausen-Syndrom, Anorexia Nervosa, Bulimie, Traumatherapie, Psychodynamik, Körpererleben, Interdisziplinarität, Prävention, Case-Management, Empowerment.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit befasst sich mit Menschen, die sich selbst verletzen, und analysiert die Hintergründe dieses Verhaltens sowie die sozialpädagogischen Ansätze zur Unterstützung dieser Personen im Vergleich zur rein medizinischen Behandlung.

Was sind die zentralen Themenfelder?

Neben der Definition und Differenzierung von SVV stehen die psychodynamischen Ursachen, die Abgrenzung von heimlichen und offenen Selbstverletzungsformen sowie die Rolle der Sozialpädagogik im Mittelpunkt.

Was ist das primäre Ziel der Arbeit?

Das Ziel ist es, SVV nicht als bloßes Symptom, sondern als komplexe Überlebensstrategie zu verstehen und aufzuzeigen, wie sozialpädagogische Angebote Betroffenen alternative Wege zur Identitätsbildung und Selbstbestimmung eröffnen können.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Die Arbeit basiert auf einer Literaturanalyse, ergänzt durch Einblicke aus der Praxis einer heilpädagogischen Intensivgruppe und Berichten von Betroffenen.

Was wird im Hauptteil behandelt?

Der Hauptteil gliedert sich in eine phänomenologische Beschreibung von SVV, die detaillierte Darstellung heimlicher (Münchhausen-Syndrom) und offener Formen sowie eine fundierte Auseinandersetzung mit verschiedenen therapeutischen und sozialpädagogischen Interventionsmethoden.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Wichtige Begriffe sind Selbstverletzendes Verhalten (SVV), Autoaggression, Klinische Sozialarbeit, psychodynamische Funktionen, psychosoziale Beratung und Interdisziplinarität.

Warum ist die Unterscheidung zwischen „heimlicher“ und „offener“ Selbstverletzung wichtig?

Die Unterscheidung hilft, die unterschiedlichen Motivationen zu verstehen: Während bei der heimlichen Form oft das Erlangen einer Patientenrolle im Fokus steht, dient die offene Selbstverletzung häufig der Spannungsabfuhr oder der Wiedererlangung eines Gefühls der Lebendigkeit.

Welche Rolle spielen „professionelle Helfer“ laut der Autorin?

Professionelle Helfer müssen über eine hohe Reflexionsfähigkeit verfügen, eine akzeptierende Haltung einnehmen und in der Lage sein, einen „emotionalen Schonraum“ zu schaffen, in dem Vertrauen aufgebaut werden kann, ohne das Verhalten vorschnell zu verurteilen.

Warum betont die Autorin die interdisziplinäre Zusammenarbeit?

Da SVV komplexe psychosoziale und medizinische Dimensionen hat, ist eine enge Kooperation zwischen Medizin, Psychologie und Sozialpädagogik essenziell, um eine ganzheitliche Versorgung zu gewährleisten und zu verhindern, dass Klienten zwischen den Systemen zerrieben werden.

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Details

Titel
Menschen mit selbstverletzendem Verhalten und die sozialpädagogischen Interventionen im Vergleich zur psychosomatischen Behandlung
Hochschule
Universität Trier
Note
1,8
Autor
Heike Doll (Autor:in)
Erscheinungsjahr
2006
Seiten
32
Katalognummer
V77568
ISBN (eBook)
9783638819145
ISBN (Buch)
9783638819688
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Menschen Verhalten Interventionen Vergleich Behandlung
Produktsicherheit
GRIN Publishing GmbH
Arbeit zitieren
Heike Doll (Autor:in), 2006, Menschen mit selbstverletzendem Verhalten und die sozialpädagogischen Interventionen im Vergleich zur psychosomatischen Behandlung, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/77568
Blick ins Buch
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Leseprobe aus  32  Seiten
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