1. Einleitung
Der Roman Quinteto de Buenos Aires handelt nicht, wie beinahe alle anderen Werke aus der Pepe Carvalho-Reihe, von Spanien. Die Stadt Barcelona erscheint als Ort der Handlung nur auf den Seiten 11-16. Die übrigen knapp 400 Seiten spielen in Buenos Aires. Insofern handelt es sich bei diesem Werk um einen Sonderfall. Das Buch handelt von Argentinien, jedoch aus der Perspektive eines Europäers.
Der Detektiv Pepe Carvalho wird im Roman mehrere Male gefragt, was er als Außenstehender von Argentinien weiß und wie seine Eindrücke sind. Während des Hinfluges antwortet er noch:
- Maradona, desaparecidos, tango. (Vázquez Montalbán 1997, 19)
Neben der Kenntnis der gängigen Stereotypen (Tango) und Prominenten (Maradona) zeigt sich hier auch schon der mögliche politische Aspekt des Romans.
Nachdem der Protagonist einige Monate in Buenos Aires verbracht hat, wird ihm die selbe Frage am Ende des Werkes bei einem Dinner gestellt. Seine Antwort ist nun viel komplexer und stärker politisch ausgerichtet.
- Esperamos su respuesta. La mirada de un extranjero puede ser muy valiosa.
Que piensa usted de esta Argentina?
- No creo que exista. {…} Tampoco existe España, ni Europa, San Marino
probablemente sí. Pero las realidades complejas no admiten abstracciones metafísicas. {…}
- Pero escoja un rasgo. Algo que le impresione por encima de cualquier otra cosa.
- Los vaciós.
- Los qué?
- Los vaciós que han dejado treinta mil seres humanos, los vaciós que han dejado los llamados „desaparecidos“. (ebd.: 371)
Zwischen diesen beiden Antworten, zunächst oberflächlich und stereotyp veranlagt und am Schluß reflektiert und stark Position für die Oppositionellen ergreifend, entwickelt sich die Handlung. Pepe Carvalho fungiert hier als Mittelsmann zwischen den Europäern und den Argentiniern. Er zeigt den Blick von außen ist aber dennoch mittendrin im Geschehen.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Die Zeit der Militärdiktatur 1976 – 1983
2.1 La Guerra Sucia
2.1.1 Politischer Hintergrund
2.1.2 Literarische Umsetzung
2.2 Los Desaparecidos
2.2.1 Politischer Hintergrund
2.2.2 Literarische Umsetzung
2.3 Die Kinder der Verschwundenen & die verschwundenen Kinder
2.3.1 Politischer Hintergrund
2.3.2 Literarische Umsetzung
3. Das neue Argentinien 1989 – 1997
3.1 Rückkehr zur Demokratie & La Gran Transformación
3.1.1 Politischer Hintergrund
3.1.2 Literarische Umsetzung
3.2 Las Madres y Abuelas de la Plaza de Mayo
3.2.1 Politischer Hintergrund
3.2.2 Literarische Umsetzung
3.3 La Impunidad
3.3.1 Politischer Hintergrund
3.3.2 Literarische Umsetzung
4. Fazit
Zielsetzung & Themen
Diese Arbeit analysiert den politischen Hintergrund des Romans "Quinteto de Buenos Aires" von Manuel Vázquez Montalbán und untersucht, wie die historische Realität der argentinischen Militärdiktatur und die gesellschaftliche Situation der 1990er Jahre in der literarischen Fiktion verarbeitet werden. Dabei liegt ein besonderer Fokus auf der Rolle der Identitätsverluste und der Aufarbeitung der Geschichte.
- Politische Hintergründe der argentinischen Militärdiktatur (1976–1983)
- Die Thematik der "Desaparecidos" und das Schicksal verschwundener Kinder
- Wirtschaftliche und soziale Transformation Argentiniens unter Menem
- Die Rolle von Menschenrechtsorganisationen wie den Madres und Abuelas de la Plaza de Mayo
- Literarische Repräsentation von Schuld, Impunität und dem Wandel des Zeitgeistes
Auszug aus dem Buch
2.1.2 Literarische Umsetzung
Im Roman taucht der Begriff Guerra Sucia nur selten auf, allerdings wird oft auf diese Zeit zurückgeblickt. Vazquéz Montalbán zeigt hierbei verschiedene Positionen auf, wie die fiktiven Charktere die zurückliegende Militärdiktatur betrachten.
1.) Der Blickwinkel der Unbeteiligten: Diese Figuren haben angeblich nichts gesehen und wollten auch nichts bemerken. Vazquéz Montalbán zeigt hier als Beispiel den ehemaligen Pförtner von Raúls Wohnung. Raúl wurde während der Diktatur verhaftet. Pepe Carvalho fragt den Pförtner, ob er damals etwas bemerkt habe:
- No puedo decirle más, porqué no sé nada más y ya hablé más de la cuenta. Un noventa y nueve por ciento de los argentinos no le hubiera contestado nada a todo lo que usted ha preguntado. Las historias del proceso no fueron cosa de porteros. Nosotros lo único que hicimos siempre fui ver entrar y salir. (Vázquez Montalbán, 1997: 37)
Die Vorkommnisse interessieren den Pförtner scheinbar nicht, vielleicht hat er auch Angst vor Repressalien, wenn er ausagt. Ob diese Meinung stellvertend für große Teile der Argentinier steht, wie der Pförtner behauptet, sei dahingestellt.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Vorstellung des Romans als Sonderfall innerhalb der Pepe Carvalho-Reihe und Definition der zentralen Forschungsabsicht.
2. Die Zeit der Militärdiktatur 1976 – 1983: Historische Einordnung der Diktatur sowie Analyse ihrer literarischen Widerspiegelung durch verschiedene Charakterperspektiven.
2.1 La Guerra Sucia: Darstellung der politischen Unruhen und der staatlichen Repression, sowie deren Verarbeitung im Roman.
2.2 Los Desaparecidos: Untersuchung des massenhaften Verschwindens von Personen als zentrales Leitthema des Werks.
2.3 Die Kinder der Verschwundenen & die verschwundenen Kinder: Analyse der gezielten Entführung von Kindern oppositioneller Eltern und deren fiktive Umsetzung.
3. Das neue Argentinien 1989 – 1997: Dokumentation der wirtschaftlichen und politischen Umbrüche unter Präsident Menem.
3.1 Rückkehr zur Demokratie & La Gran Transformación: Überblick über die radikalen neoliberalen Wirtschaftsreformen und deren soziale Auswirkungen.
3.2 Las Madres y Abuelas de la Plaza de Mayo: Beschreibung der Rolle und Bedeutung dieser Organisationen in der Realität und im Roman.
3.3 La Impunidad: Erörterung der ausbleibenden strafrechtlichen Verfolgung der Täter und deren Spiegelung in der Figur des "Capitán".
4. Fazit: Zusammenfassende Bewertung der literarischen Qualität des Romans hinsichtlich der Darstellung gesellschaftlicher Zustände.
Schlüsselwörter
Manuel Vázquez Montalbán, Pepe Carvalho, Argentinien, Militärdiktatur, Desaparecidos, Guerra Sucia, Impunidad, Menschenrechte, Madres de la Plaza de Mayo, Abuelas de la Plaza de Mayo, Carlos Menem, La Gran Transformación, Tango, Vergangenheitsbewältigung, Literaturanalyse.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht den Roman "Quinteto de Buenos Aires" von Manuel Vázquez Montalbán hinsichtlich seiner politischen Aussagekraft und der literarischen Verarbeitung der argentinischen Geschichte zwischen den späten 1970er und 1990er Jahren.
Was sind die zentralen Themenfelder der Analyse?
Die zentralen Themen sind das Schicksal der Verschwundenen (Desaparecidos), die politische Willkür der Militärdiktatur, die wirtschaftliche Transformation unter Menem sowie die Rolle der Menschenrechtsorganisationen in Argentinien.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Ziel ist es herauszufinden, ob dem Autor ein glaubwürdiges Bild der argentinischen Gesellschaft im Jahr 1997 gelingt und wie er politische Realität mit fiktionalen Elementen verknüpft.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit nutzt eine literaturwissenschaftliche Analyse des Romans im Kontext historischer und soziologischer Sekundärquellen (Berichte, Zeitungsartikel, historische Fachliteratur).
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Im Hauptteil werden die historische Zeit der Militärdiktatur und die darauffolgenden Jahre der "Gran Transformación" jeweils in einem politischen Kontext und einer literarischen Interpretation gegenübergestellt.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind insbesondere Desaparecidos, Impunidad, Militärdiktatur, Pepe Carvalho, Menschenrechte und gesellschaftlicher Wandel.
Welche Rolle spielt der "Capitán" im Roman?
Der "Capitán" verkörpert den unbestraften Täter der Militärdiktatur, der auch in der neuen demokratischen Ordnung unbehelligt bleibt und so die gesellschaftliche Problematik der Impunität verdeutlicht.
Warum spielt der Tango für die Erzählung eine so wichtige Rolle?
Der Tango fungiert als intermediales Element, das die schwermütige und deprimierte Grundstimmung der argentinischen Gesellschaft und der Protagonisten im Roman unterstreicht.
Inwieweit lässt sich das Schicksal der Kinder der Verschwundenen im Roman nachvollziehen?
Das Schicksal wird anhand der Figur Muriel/Eva María exemplarisch dargestellt, wobei die Suche der Eltern nach ihr den emotionalen Kern der Handlung bildet.
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- Christine Dahm (Author), 2006, Politischer Hintergrund und literarische Umsetzung des Romans "Quinteto de Buenos Aires" von Manuel Vazquez Montalbán, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/77594