Wissen ist Macht. Die französische Aufklärung im Spiegel der Encyclopédie


Magisterarbeit, 2007

119 Seiten, Note: 1,35


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einführung: Encyclopédie und Aufklärung

2. Die Encyclopédie und ihr aufklärerisches Moment
2.1. Ideelle Vorläufer
2.1.1. Francis Bacon
2.1.2. Pierre Bayle
2.2. Ordnungsmuster
2.2.1. Schema der menschlichen Kenntnisse
2.2.2. Alphabetische Ordnung
2.2.3. Das System der Querverweise
2.3. Universalität des Wissens
2.4. Die société des gens des lettres

3. Genese der Encyclopédie
3.1. De Prades und Jerusalem coelesti
3.2. D'Alembert und Genève
3.3. Helvétius und De l'Esprit

4. Die Religionskritik der Enzyklopädisten
4.1. Historische Rahmenbedingungen
4.1.1. Die Kirche im Ancien Régime
4.1.2. Locke und die religiöse Toleranz in England
4.2. Hauptströmungen französischer Religionskritik
4.2.1. Materialismus
4.2.2. Deismus
4.3. Die Religionskritik in der Encyclopédie
4.3.1. Zur Radikalität französischer Religionskritik
4.3.2. Ironie und Sarkasmen
4.3.3. Die Toleranzforderung
4.3.4. Die Stellung zum Judentum

5. Das politische Denken in der Encyclopédie
5.1. Historische und ideengeschichtliche Rahmenbedingungen
5.1.1. Der französische Absolutismus
5.1.2. Das Englandbild der Enzyklopädisten
5.1.3. John Locke
5.1.4. Charles de Montesquieu
5.2. Anthropologie und Naturzustand
5.3. Staatswerdung
5.4. Philosophie der Staatsformen
5.4.1. Absolutismus
5.4.2. Konstitutionelle Monarchie
5.4.3. Republik und Demokratie
5.5. Die volonté générale in der Encyclopédie
5.5.1. Diderots Droit Naturel
5.5.2. Rousseaus Économie ou Oeconomie
5.5.3. Die volonté générale in weiteren Beiträgen

6. Schlussbemerkung
6.1. Resümee
6.2. Wirkungsgeschichte im europäischen Ausland
6.3. Encyclopédie und Revolution

7. Literaturverzeichnis

1. Einführung: Encyclopédie und Aufklärung

Siebzehn Text- und elf Tafelbände umfasst die Encyclopédie ou Dictionnaire universel des sciences, des arts et des métiers[1], die Denis Diderot (1712-1784) und Jean LeRond d'Alembert (1717-1783) von 1751 bis 1772 herausgegeben haben – ein Werk, an dem sich mehr als 140 Autoren beteiligt hatten, unter ihnen nahezu die gesamte Elite der französischen Aufklärung.

Von der Arbeit entkräftet, verglich Diderot sein Lebenswerk schon bald mit einer Grube, in die Lumpensammler schlecht Beobachtetes, halb Verdautes, Gutes, Schlechtes, Verächtliches, Wahres, Falsches, Ungewisses und immer völlig Zusammenhangloses hineingeworfen hätten.[2] Die Herausgeber hatten sich eine Aufgabe gestellt, die auch kaum zu bewältigen war: Alles Wissen der Welt zu sammeln, zu ordnen und zu verbreiten. Die ambitionierte Zielsetzung war keine geringere als jene, eine „Änderung der herkömmlichen Denkweise“ herbeizuführen.[3] Diese Intention transportiert bereits der Frontispiz, der allerdings erst 1772 fertiggestellt wurde.[4] Unter einem ionischen Tempel sehen wir Frauen und Männer in Togen, die alle eine Wissenschaft symbolisieren und über allen thront die Wahrheit. Neben verité steht ein gekrönter Mann, der die Vernunft symbolisiert. Zu beider Füßen sitzt die Theologie, die von der Vernunft einen Gegenstand in Empfang nimmt. Der Tempel ist erfüllt von Sonnenlicht, das sich daran macht, die letzten dunklen Wolken zu vertreiben.

Das Frontispiz transportiert bereits die Lichtmetapher, die in den philosophischen Schriften des 18. Jahrhunderts eine starke Präsenz aufweist. Diderot etwa spricht von den Wissenschaften als ein weites Feld mit dunklen und hellen Stellen. Ziel müsse es sein, „die Grenzen der hellen Stellen zu erweitern oder die Lichtquellen auf diesem [dunklem] Feld zu vermehren.“[5] Diese Metaphorik findet sich nicht nur in der französischen Bezeichnung für Aufklärung Les Lumières, sondern auch im Italienischen (Illuminismo) und im Englischen (Enlightenment). Gleichwohl lässt sich daraus nicht ableiten, dass die Aufklärung als eine länderübergreifende Bewegung verstanden werden kann, die in verschiedenen Nationen die gleichen Positionen beinhaltete. Im Gegenteil: Die analytische Betrachtung der Encyclopédie bringt ein Problem mit sich, welches in Bezug auf die Aufklärung per se existiert. Es handelte sich dabei um einen stark heterogenen Prozess, unter dem auch zahlreiche unterschiedliche Überzeugungen subsumiert waren. Dieser Prozess beinhaltete nicht nur in verschiedenen Ländern divergierende Positionen, sondern bereits in Frankreich alleine. Chartier wirft nicht zu Unrecht die Frage auf, ob vielleicht erst die Französische Revolution die Aufklärung geschaffen hat, indem sie allen philosophes eine radikal kritische Position zuwies.[6] Es ist deswegen immer problematisch von den Enzyklopädisten zu sprechen. In ihrer Religionskritik und in ihrem politischen Denken tendiert die Encyclopédie zu einer bestimmten Richtung, in der Regel finden sich aber auch die gegensätzlichen Positionen. Dabei subsumieren sich in ihr aber alle wesentlichen Ansätze der Aufklärung, weshalb wir sie als Spiegel der Aufklärung betrachten können. Allgegenwärtig in Aufklärung und Encyclopédie ist deshalb die Vernunft als zentraler Begriff. Cassirer interpretiert sie nicht als einen bloßen Zustand des Geistes, sondern eine Energie. Sie zerlege jegliches Objekt des Denkens in seine Bestandteile und schaffe ein neues Ganzes.[7] Die Vernunft richte sich, so Schneiders, gegen alles was ihr als Unvernunft erscheint: Aberglaube, Vorurteile aber auch Affekte.[8]

Epochengeschichtlich lässt sich der Beginn der französischen Aufklärung auf Voltaires Ankunft in England datieren. Mit dem Erscheinen der Lettres Philosophiques, in denen Voltaire Erfahrungen und Erkenntnisse aus seinem Aufenthalt in England wiedergibt, rücken ihre Inhalte zum ersten Mal in das Bewusstsein einer breiteren Öffentlichkeit.[9] Inhaltlich können wird die Aufklärung in einen geistesgeschichtlichen, einen religionskritischen und einen politischen Themenblock unterteilen. Diese Dreiteilung wird uns bei der inhaltlichen Auseinandersetzung mit der Encyclopédie wiederbegegnen. Wenn wir im Folgenden die wesentlichsten Gedanken der Aufklärung erfassen, skizzieren wir deshalb auch die Fragestellungen der vorliegenden Arbeit.

Geistesgeschichtliche Grundposition ist die Ablehnung jeglicher Metaphysik. Der Erkenntnisgewinn soll nicht länger deduktiv, sondern induktiv erfolgen. Wahrnehmung und Beobachtung der Natur werden zur Ausgangsbasis erklärt. Alles Bestehende, seien es Institutionen oder Gebräuche, werden kritisch überprüft. Dies geht einher mit dem Glauben an den stetigen Fortschritt der Wissenschaften. Deutlich zum Tragen kommen diese Aspekte, wenn wir uns den Baum der menschlichen Erkenntnisse und d’Alemberts erläuternden Discours Préliminaire näher betrachten. Aus dem S ystème des connaissances humaines bezieht die Encyclopédie ihre Struktur. Evident ist dabei der Einfluss John Lockes, dessen Empirismus zum Tragen kommt, wenn die Frage nach dem Ursprung der menschlichen Erkenntnisse gestellt wird. Die Einteilung des Wissens basiert auf Francis Bacon. Von dessen Schema weichen die Enzyklopädisten immer dann ab, wenn es ihren Interessen entspricht. Beließ Bacon der Theologie noch ihre Sonderstellung als Philosophia prima, wird die Offenbarungsreligion in der Encyclopédie der Vernunft untergeordnet.

Bereits der innere Aufbau des Werks transportiert also aufklärerische Momente. Das erste Kapitel dieser Arbeit wird auch erörtern, inwieweit die alphabetische Ordnung, die Systematik der expliziten Querverweise und der enzyklopädische Universalitätsanspruch einen leichteren Zugang zum Wissen erlauben und somit den pädagogischen, belehrenden Anspruch der Aufklärung befriedigen.

Grundposition in der Religionskritik ist die Toleranzforderung, wie sie bereits Pierre Bayle und John Locke formuliert hatten. Die Ablehnung des religiösen Fanatismus ist allen Enzyklopädisten gemein, allerdings gibt es Unterschiede hinsichtlich der Frage, wo die Grenzen der Toleranz gesteckt werden sollen. Die Enzyklopädisten bilden ein buntes Konglomerat atheistischer Materialisten, Deisten, Calvinisten und nicht zuletzt von Befürwortern eines vernunftgemäßen Christentums. Die Artikel zur Religion sind oftmals höhnisch und besitzen dabei einen sehr emotionalen und spöttischen Charakter. Die Radikalisierung französischer Religionskritik wird deutlich werden, wenn wir sie mit ihrer Ausgestaltung in England vergleichen.

Auch das politische Denken der Aufklärung erweist sich als sehr ambivalent. Es gibt kommunistische Theorien von Morelly und Meslier, Befürworter der konstitutionellen Monarchie und des aufgeklärten Absolutismus sowie die radikaldemokratische Theorie Rousseaus. Die Encyclopédie tendiert überwiegend zu einer konstitutionellen Monarchie. Übereinstimmend erfolgt die Ablehnung des Gottesgnadentums. Der Begriff des Eigentums, die Gewaltenteilung, die Betonung von Freiheit und Gleichheit, die Ausgestaltung des Naturzustandes – all dies sind Elemente, in denen das politische Denken der Encyclopédie sehr stark von Locke und Charles de Montesquieu geprägt ist.

Unter Aufklärung lässt sich also zusammengefasst subsumieren: Kritik am religiösen Fanatismus, Betonung der Toleranz, Vertrauen auf Induktion, kritische Überprüfung aller Institutionen und Gebräuche, Glaube an den Fortschritt, Herrschaft über die Natur. Dies führt zu einer Neuformulierung politischer, religiöser und sozialer Bande.[10] Weitere Auffassungen in diesen Kanon mit aufzunehmen, erscheint wegen der Divergenz der Positionen nicht sinnvoll. Zutreffend – auch auf den Enzyklopädismus – ist aber Immanuel Kants anschauliche Definition von 1783: „Aufklärung ist der Ausgang des Menschen aus seiner selbstverschuldeten Unmündigkeit. Unmündigkeit ist das Unvermögen sich seines Verstandes, ohne Leitung eines anderen zu bedienen.“[11]

Bei der Auseinandersetzung mit der Encyclopédie müssen wir uns vor Augen halten, dass sie unter dem Druck der Zensur zustande gekommen ist. Den unabhängigen Geist aber könne die Zensur, wie Leo Strauss bemerkte, nicht aufhalten, weil die Schriftsteller eine Technik entwickeln würden, sich zwischen den Zeilen auszudrücken.[12] Die wahre Meinung des Autors sei nicht unbedingt die, welche er in seinem Text zum Ausdruck bringe.[13] Die Enzyklopädisten fanden Mittel und Wege die Zensoren zu überlisten. Eine Methode war es, brisante Beiträge aus taktischen Gründen mit Höflichkeitsfloskeln abzuschließen. Baron D'Holbach etwa klagt in seinem Beitrag Prêtre über machtgierige Priester und schließt seinen Artikel mit der Bemerkung, dass dieser Sachverhalt auf die aufgeklärten Länder nicht zutreffe.[14] Der Zensur ist auch geschuldet, dass wir uns – sei es das politische oder religionskritische Denken – oft mit philosophischen Bruchstücken begnügen müssen. Kein Beitrag enthält eine geschlossene materialistische Theorie, Fragmente dieses Denkens sind aber sehr wohl vorhanden. Dadurch prägte die Zensur maßgeblich den Charakter des Gesamtwerkes. Überzeugungen mussten zwischen den Zeilen versteckt werden – in Metaphern, Analogien und Querverweisen. Die Lektüre der Encyclopédie wird so zu einer Jagd – einer Jagd nach subversivem Gedankengut, wie es Diderot, d’Alembert und ihre Autoren zuhauf in ihren Texten versteckt haben.

2. Die Encyclopédie und ihr aufklärerisches Moment

Als Diderot und d'Alembert die Encyclopédie in Angriff nahmen, kannte die Geschichte bereits Enzyklopädien bis in die Antike zurück. Von 1732 bis 1750 kam in Deutschland Zedlers Universal-Lexikon in 64 Bänden auf den Markt.[15] In Frankreich hatte der Jesuit Louis Moréri mit dem Grand dictionnaire historique ou le melange curieux de l'histoire sainte et profane eines der erfolgreichsten Nachschlagewerke seiner Zeit herausgegeben. Es erlebte 24 Auflagen von 1674 und 1759.[16] Ein weiteres populäres Werk war die englischsprachige Cyclopaedia von Ephraim Chambers. Von 1674 bis 1750 erschienen in mehreren Sprachen über dreißig Wörterbücher – mehr als in den zwei Jahrhunderten zuvor.[17]

Die Enzyklopädien des Mittelalters und der Frühen Neuzeit waren inhaltlich nach dem Konzept der Philosophia perennis aufgebaut, d.h., sie kommunizierten primär Monotheismus, Schöpfungstheologie und Heilsgeschichte.[18] Die Nachschlagewerke besaßen demnach eine theologische Zielsetzung und sind kein Spezifikum der Aufklärung. Die Enzyklopädien des Calvinisten Ramus im 16. Jahrhundert waren sogar rein eschatologisch motiviert: Sie sollten zeigen, dass sich das Wissen der Welt vollständig erschöpft hatte. Die vollständige Katalogisierung der Schöpfung hatte das Ziel, die Apokalypse zu beschwören.[19]

Die englische Restauration und der Dreißigjährige Krieg beendeten im 17. Jahrhundert die dominante Position der Theologie. In der Folge verloren auch die Enzyklopädien ihre theologische Grundlage. Die Gelehrsamkeit selbst, so Schmidt-Biggemann, sei zu einer Institution geworden, die sich keinem fremden Legitimationsdruck mehr zu beugen hatte. Die schwindende Dominanz der Theologie zeigt sich bereits bei der Cyclopaedia von Chambers: Das Alphabet ist ordnungsbestimmend, nicht mehr die Religion. Auch Zedlers Universallexikon war „eklektisch, praxisorientiert und metaphysikfern aus Einzellexika kompiliert.“[20]

Eine Enzyklopädie ist also nicht zwingend eine Publikationsform, die in ihren Aussagen subversiv und gegen die Autoritäten gerichtet ist. Wenn wir der Frage nachgehen, welche aufklärerischen Momente die Encyclopédie bereits in ihrer Struktur aufweist, so ist dies auch die Frage, wie in ihre Struktur enzyklopädische Merkmale entsprechend instrumentalisiert worden sind.

Für das Werk Diderots und d’Alemberts lassen sich zunächst folgende Charakteristika feststellen. Der Enzyklopädie liegt 1.) ein Ordnungsprinzip zugrunde, sie hat 2.) einen Totalitätsanspruch das Wissen betreffend, sie kann 3.) alphabetisch konsultiert werden, besitzt 4.) hintergründige Zielsetzungen und wurde 5.) nicht von einem einzigen oder einigen wenigen Autoren verfasst, sondern von einer mehr als hundert Personen umfassenden Gesellschaft von Gelehrten.[21] Mit dem Autorenkollektiv weist die Encyclopédie ein Merkmal auf, das es in der Geschichte bis zu diesem Zeitpunkt noch nicht gegeben hatte.[22]

Die Intentionen der Herausgeber erschließen sich nicht nur in der rein inhaltlichen Auseinandersetzung mit ihrem Werk, sondern bereits in der Betrachtung von Struktur, Aufbau und den grundlegenden Ordnungsprinzipien. Die enzyklopädische Ordnung selbst trägt bereits aufklärerische Momente in sich, wie sie ein „herkömmliches“ Buch nicht hätte transportieren können. Bevor wir aber auf diese Merkmale eingehen, gilt es festzustellen, in welchen Traditionen sich die Enzyklopädisten bewegten.

2.1. Ideelle Vorläufer

Unmittelbarer Vorläufer der Encyclopédie war Ephraim Chambers. Von der 1728 erschienen Cyclopaedia übernahmen Diderot und d’Alembert die alphabetische Ordnung und die Idee der Querverweise. Sie werteten zudem seine Entscheidung als richtig, der Cyclopaedia einen Plan über die Einteilung der menschlichen Kenntnisse vorangestellt zu haben.[23] Das Werk erlebte fünf Auflagen in 18 Jahren und kann als erstes modernes Nachschlagewerk betrachtet werden. Ursprünglich war die Encyclopédie als schlichte Übersetzung der Cyclopaedia gedacht.[24] Obgleich dieses Wörterbuch als erste Ursache der Encyclopédie betrachtet werden kann, ist es kein ideologischer Wegbereiter. Chambers scheint zwar Sympathien für den Deismus aufzubringen, schreibt aber in seinen politischen und religiösen Beiträgen durchgehend sachlich und objektiv.[25] Auch Leibniz, auf dessen Forderung nach einer Enzyklopädie sich Diderot explizit bezieht, ist für die französischen Enzyklopädisten kein ideeller Vorläufer.[26] Das Nachschlagewerk, wie es sich Leibniz wünschte, sollte aus zwei Büchern zusammengesetzt sein: Das Inventarium müsste alles Wissen von Natur und Technik beinhalten, das Buch der Theorien sollte alle Beweise der Wahrheit, der Wahrscheinlichkeit und der sichersten Vermutungen, wie sie sich aus dem sinnlich Erkannten ergeben, enthalten.[27]

Einflussreicher ideeller Wegbereiter für die Encyclopédie war Francis Bacon (1561-1626), der sich mit De dignitate augmentis scientarum (1623) bereits an einer Universalenzyklopädie versucht hatte. Zweiter Vorläufer war Pierre Bayle (1647–1706), dessen Anti-Enzyklopädie sich der Forderung nach religiöser Toleranz verschrieben hatte und demonstriert, wie ein Dictionnaire subversives Gedankengut verbreiten kann.

2.1.1. Francis Bacon

Francis Bacon ist für das Projekt der Encyclopédie in zweifacher Hinsicht elementar. Die Einteilung der Wissenschaften, wie er sie in De dignitate darlegt, bestimmt die Struktur der Encyclopédie. Das Novum Organon (1620) betont die Notwendigkeit der Experimentalphysik und die Idee der Naturbeherrschung.[28] Damit nimmt Bacon entscheidende Charakteristika der französischen Aufklärung vorweg.

Bacon will nicht weniger als die große Erneuerung der Wissenschaften, wie er es bereits im Titel der Instauratio Magna ankündigt. Auch das Novum Organum drückt bereits im Titel den Anbruch eines neuen Zeitalters aus, weil es suggeriert, dass das aristotelische Organon keine Gültigkeit mehr besitzt.[29] Bei Aristoteles hatte Wissen noch einen intrinsischen Wert. Das theoretische Wissen war für ihn eine Erkenntnis, die man aus Liebe zur Weisheit (sophia) um der bloßen Erkenntnis willen gewinnt.[30] Bacon jedoch betrachtet Erkenntnis funktionalistisch und verlangt ihr einen konkreten, unmittelbaren Nutzen ab. Zudem dreht er den Weg über den man zu Erkenntnissen gelangen soll vollkommen um. Deduktiver Erkenntnisgewinn setzte einen übergeordneten Punkt voraus, von dem Ableitungen erstellt werden können. Bacon will aber induktiv arbeiten, d.h.: erst durch aufeinander aufbauende Lehrsätze soll man zu allgemeinen Prinzipien gelangen:

„Die, welche die Wissenschaften betrieben haben, sind Empiriker oder Dogmatiker gewesen. Die Empiriker, gleich den Ameisen, sammeln und verbrauchen nur, die aber, die die Vernunft überbetonen, gleich den Spinnen, schaffen die Netze aus sich selbst. Das Verfahren der Biene liegt aber in der Mitte; sie zieht den Saft aus den Blüten der Gärten und Felder, behandelt und verdaut ihn aber aus eigener Kraft. Dem nicht unähnlich ist nun das Werk der Philosophie; es stützt sich nicht ausschließlich auf die Kräfte des Geistes, und es nimmt denn von der Naturlehre und den mechanischen Experimenten dargebotenen Stoff nicht unverändert in das Gedächtnis auf, sondern verändert und verarbeitet ihn im Geiste.“[31]

Beobachtung und Interpretation werden damit entscheidende Instrumente. Schenken wir Voltaire Glauben, dann konnte Isaac Newton auf die Gesetze zur Bewegungslehre aus der bloßen Erfahrung heraus schließen, wie er die Früchte eines Baumes fallen sah.[32]

Weiteres Kernelement von Bacons Philosophie ist die Naturbeherrschung. Er will der Natur ihrer Geheimnisse entlocken, sie beherrschen und für den Menschen nutzbar machen. Das Postulat gipfelt in seinem berühmten Fanal „Wissen ist Macht.“ Die Beherrschung der Natur setzt also Wissen über die Natur voraus.[33] Allerdings ist die Naturbeherrschung nicht grenzenlos, sie erfährt durch die Religion eine Schranke, ja durch die Frömmigkeit legitimiert sie sich überhaupt erst. Das regnum hominis hat lediglich das Ziel, den Menschen an den Wundern Gottes teilhaben zu lassen. Kenntnisse über die Natur könnten niemals über die Absichten Gottes aufklären, sondern seine Werke nur aufzeigen.[34]

Obgleich Bacon Wissenschaft mit einem technisch-instrumentellen Wert versieht und auch mit dem Wechsel von Deduktion zu Induktion aufklärerische Kernelemente vorzeichnet, fällt der Bruch mit der Scholastik nicht so deutlich und kompromisslos aus, wie es die Enzyklopädisten gerne gesehen hätten. Die Theologie bleibt Philosophia prima.

„Aber hinsichtlich der Schlussfolgerungen sollten wir wissen, daß uns ein Gebrauch von Vernunft und Beweisführung (betreffs der Mysterien) in sekundärer und relativer Weise gestattet ist, nicht ursprünglich und absolut. Denn nachdem die Artikel und Grundsätze der Religion ihren wahren Platz erhalten haben, so daß sie vollständig von der Prüfung durch die Vernunft ausgenommen sind, ist es uns erlaubt, entsprechend ihrer Analogie Schlußfolgerungen aus ihnen zu ziehen und abzuleiten.“[35]

Selbst sein Postulat, dass Erkenntnis einen praktischen Nutzen aufweisen muss, relativiert sich wieder, wenn er im Novum Organum erklärt, dass die Wissenschaft erst dann dem Fortschritt dienen könne, wenn sie sich vom Streben nach unmittelbarem Nutzen befreit habe.[36] Die französische Aufklärung aber verlangt von jeder wissenschaftlichen Erkenntnis einen praktisch-politischen Zweck.[37] Obwohl d'Alembert Bacon viel Lob und Anerkennung zollt, wirft er ihm deshalb im Discours Préliminaire, einer einleitenden Abhandlung zur Encyclopédie, „ängstliche Zurückhaltung“ gegenüber der Scholastik vor: Bacon habe dem herrschenden Geschmack seines Zeitalters „Schonung und Willfährigkeit“ bewiesen.[38] Es bleibt allerdings bei dieser punktuellen Kritik. Bacon ist für die Struktur der Encyclopédie der zentrale geistige Vordenker, was in der von Bacon erarbeiteten und von den Enzyklopädisten übernommenen Einteilung der Wissenschaften deutlich wird. Explizit verweisen Diderot und d'Alembert mehrfach auf Bacon als geistigen Urheber ihres Schemas der menschlichen Erkenntnisse. Sogar die Metapher eines Stammbaums des Wissens findet sich bereits bei Bacon: Die Abteilungen des Wissens seien wie Äste, die sich an einem Stamm treffen würden. Die Philosophia Prima legt er dabei als universale Wissenschaft fest, von der alle Äste ausgehen.[39]

Aus Bacons Wissenseinteilung geht hervor, dass Gedächtnis, Vernunft und Einbildungskraft die originären Wirkkräfte jeglicher Erkenntnis sind. Aus ihnen entstehen Geschichte mit dem Gedächtnis als Grundlage, Philosophie als Tätigkeit der Vernunft und die Poesie als ein Ergebnis der Vorstellungskraft.[40] Der Offenbarungsreligion weißt Bacon aber einen eigenen Baum zu. Sie behält ihre exponierte Stellung als unantastbare Erkenntnis. Lediglich die natürliche Religion ist ein Produkt der Vernunft und wird der Philosophie zugeordnet. Durch die Trennung von Natur- und Offenbarungsreligion ist es nicht möglich durch Induktion bis zur Erkenntnis Gottes zu gelangen.[41] Bacon hielt es für vermessen zu den Mysterien Gottes über die Beobachtung der Natur gelangen zu wollen.[42] Obgleich er der Induktion sehr viel Bedeutung beimaß, ist sie in Bezug auf die Offenbarung also nicht anwendbar. An dieser Stelle, so wird es Kapitel 2.2.1. deutlich machen, brechen die Enzyklopädisten mit dem englischen Lordkanzler.

2.1.2. Pierre Bayle

1696 erschien der erste Band von Bayles Dictionnaire historique et critique. Sein Wörterbuch schrieb er als Gegenstück zu dem Moréris, der in seinem Dictionnaire insbesondere die Biographien von Heiligen sowie Geographie und Geschichte thematisiert hatte.[43] Seine Auslassungen, Fehler und Ungenauigkeiten wollte Bayle aufdecken, denn nur dann könnte die Geschichte (choses de fait) genauso sicher sein wie die Erkenntnisse der Wissenschaften (choses de droit). Historische Ereignisse könnten für die Menschen sogar nützlicher und zuverlässiger sein als die Axiome der Mathematik, wenn die Auslassungen und Irrtümer schonungslos aufgedeckt werden würden.[44] Entsprechend handelt es sich bei Bayle auch mehr um eine Anti-Enzyklopädie als eine Enzyklopädie. Er sammelt kein Wissen, sondern Nicht-Wissen.

„Je me suis mis en tête de compiler le plus gros recueil qu'il me sera possible des fautes qui se rencontrent dans les Dictionnaires, & de ne me pas renfermer dans ces espaces, quelque vastes qu'ils soient, mais de faire aussi des course sur toutes sortes d'Auteurs, quand l'occasion s'en presentera.“[45]

Die Irrtümer stellt Bayle dar, indem er die Artikel auf das Notwendigste beschränkt. In Fußnoten zu den Beiträgen diskutiert er dann spezielle Aspekte eines Themas. Er nennt Quellen, zitiert Autoritäten und stellt divergierende Positionen gegenüber, so dass der Leser kaum noch weiß, was Fakten und was Irrtümer sind. Nahezu jeder Beitrag thematisiert „eine Illusion, einen Irrtum, einen Betrug oder gar ein Verbrechen [..].“[46] Wie bei Diderot und d'Alembert sind die wahren Intentionen Bayles zwischen den Zeilen versteckt. Seine philosophischen Spitzen verbergen sich oft nicht im Artikelkorpus, sondern in Fußnoten, die zuweilen länger sind als die Artikel selbst. Informationen lassen sich dem Dictionnaire so nur sehr schwer entnehmen. Zum einen aufgrund der Konzeption als Fehlersammlung, zum anderen, weil die Artikel derart mit Anmerkungen und Fußnoten überwuchert sind, dass kaum noch ein Überblick zu bewahren ist. Dieses Problem verschärft sich durch die Abstinenz jeglicher Systematik. Es existiert kein Ordnungsprinzip, nach dem Bayle seine Artikel ausgewählt hat.[47] So findet sich bei ihm ein Artikel über Aristoteles, aber keiner über Platon; es gibt Beiträge über Hobbes, Pascal und Spinoza, aber keinen über Descartes. Auch fehlen Artikel über bedeutende Mathematiker und Wissenschaftler. Es gibt keine Artikel über Galileo, Kopernikus und Newton.[48] Dennoch war das Werk ungemein erfolgreich und erlebte bis 1820 elf Auflagen in ganz Europa.[49]

Kern von Bayles Diktionär ist die Religionskritik. Bereits in den Pensées diverses sur la comète, die er 1682 anonym im holländischen Exil publiziert hatte, geißelte er Aberglauben und Intoleranz. 1690 folgten die Avis important aux refugiez – eine Schrift, in der er sich wiederum für religiöse Duldung einsetzt. Toleranz wollte Bayle sogar auf Atheisten ausgedehnt wissen – eine Forderung, die sich im Dictionnaire wiederfindet.[50] Religiöser Glaube, den Bayle ausdrücklich empfiehlt, ist für ihn von der Vernunft nicht greifbar. Die Vernunft sei nicht einmal imstande einen Gottesbeweis zu erbringen. Die Religion setze dort an, wo Sachverhalte nicht mehr rationell erklärt werden könnten.[51] Sie beginnt für Bayle also dort, wo die Vernunft endet. Auch in Ariston erklärt er, „que la nature de Dieu est inexplicable.“[52] Da der Mensch aber den Glauben nicht mit der Vernunft fassen kann, könne er auch sein Handeln nicht nach ihm ausrichten. Damit verliert die Religion ihre handlungsbestimmende Funktion und nur die religiöse Toleranz bleibt als Schlussfolgerung übrig:[53] Das Gesetz des Handelns bestimmt der Mensch selbst, weil es sich nicht theologisch ableiten lässt. Nach Cassirer hieße es für Bayle die Sittlichkeit zu entwurzeln, wenn sie auf das Ansehen eines Einzelnen oder auf das Vorbild des Religionsstifters gestützt werde. Ein geschichtliches Individuum könne in seiner Relativität nicht zum unbedingten Maßstab werden.[54]

Bayle zeichnet die Religionskritik der Enzyklopädisten vor, weil er nicht den Inhalt des Glauben an sich, sondern den Aberglauben kritisiert.[55] Auch Diderot erklärte stets nur den Aberglauben, niemals aber die Religion angegriffen zu haben.[56] Die Kritik am Aberglauben und die Toleranzforderung sind die beiden zentralen Elemente enzyklopädischer Religionskritik. Bei Bayle haben die Enzyklopädisten darüber hinaus gesehen, dass sich ein Wörterbuch nicht auf einen rein objektiven Charakter beschränken muss, sondern durchaus polemische und subversive Züge aufweisen kann.[57] So würdigt Voltaire Bayle als „le plus grand dialiecticien“ im Poème du désastre de Lisbonne.[58] D'Alembert erkennt seine kritische Leistung an, kritisiert aber, dass sein Dictionnaire als historisches Wörterbuch ungenügend ist.[59] Es dürften, auch nach Diderots Verständnis, nur diejenigen Dinge erörtert werden, aus denen einen unmittelbarer Nutzen hervorgeht. Er erklärt, dass die Zeit „a émoussé notre goût sur les questions de critique et de controverse, a rendu insipide une partie du dictionnaire de Bayle.“[60] So ist für Fritz Schalk das Verhältnis der Enzyklopädisten zu Bayle von „Bewunderung und Kritik“ bestimmt.[61] Obgleich zeitlich weiter zurückliegend, war Bacon für die enzyklopädische Struktur bestimmender.

2.2. Ordnungsmuster

2.2.1. Schema der menschlichen Kenntnisse

Das Système figuré des connaissances humaines haben die Herausgeber im ersten Band der Encyclopédie dem Discours Préliminaire d'Alemberts angehängt. Diderot nimmt im Prospekt und im Artikel Encyclopédie auf das Schema Bezug.

Was Diderot und d'Alembert im Sinn hatten, war nicht nur eine Enzyklopädie zu schaffen, sondern auch ein Methodisches Sachwörterbuch der Wissenschaften, Künste und Gewerbe. Als Enzyklopädie sollte das Werk den Aufbau und Zusammenhang der menschlichen Kenntnisse aufzeigen, als Wörterbuch die wichtigsten Prinzipien von Wissenschaft und Künsten enthalten, sowie deren Zusammensetzung und Gehalt bestimmen.[62] Sowohl die Wissenschaften als auch die Künste mussten daher in einem einheitlichen System untergebracht werden. Das göttliche Sein aber hatte in der Aufklärung seine Funktion als ordnungsbestimmendes Prinzip für die Wissenschaften eingebüßt. Da es kein übergeordnetes Phänomen mehr gab, als deren Ableitung die Wissenschaften hätten eingeteilt werden könnten, rückt die Verkettung der Wissenschaften in den Vordergrund. Dem esprit de système setzt d'Alembert den esprit systématique entgegen. Komplexe philosophische Systeme sollten verdrängt werden, weil sie die Freiheit des Denkens a priori beschränkten. Deshalb war für d’Alembert der esprit de système für die Naturwissenschaften genauso überflüssig wie die Metaphysik für die Philosophie.[63] Um ein Schema der menschlichen Kenntnisse zu erstellen, muss aber zunächst geklärt sein, wie der Mensch Erkenntnisse gewinnt:

„Unser erster Schritt in dieser Untersuchung ist also die Prüfung – man gestatte uns den Ausdruck – des Stammbaumes und des Zusammenhanges unserer Kenntnisse, der vermeintlichen Ursachen ihres Entstehens und der Merkmale ihrer Unterscheidung; mit einem Wort, wir müssen bis zum Ursprung und zur Entstehung unsere Vorstellungen zurückgehen.“[64]

Es gilt den Weg der Erkenntnisse bis zu ihrem Ursprung zurückzuverfolgen. Wissen versteht d'Alembert als ein Endprodukt, das sich in seine Bestandteile zerlegen und analysieren lässt. Jegliche Erkenntnisse basieren auf unmittelbar erfasstem und verstandesmäßig erworbenem Wissen. Alle unsere unmittelbaren Erkenntnisse verstehen sich als Folge sinnlicher Wahrnehmungen, woraus d’Alembert folgert, dass es die Sinneswahrnehmungen seien, denen wir alle Vorstellungen verdanken würden.[65] Die Anlehnung an das Essay concerning human understanding ist evident. Darin führte bereits Locke die Erkenntnisse des Menschen auf die Erfahrung zurück und negierte die Existenz angeborener Prinzipien. Quellen der Erkenntnis waren für ihn die Erfassung sinnlich wahrnehmbarer Objekte (sensation) und die Operationen des eigenen Geistes (reflexion).[66] Durch Abstraktion und Kombination bilde der Verstand aus den gewonnenen einfachen Ideen neue komplexere Vorstellungen.[67]

Der Empirismus erlaubt ein induktives Arbeiten, wie es Bacon propagierte: frei von allgemeinen Prinzipien. Descartes postulierte dagegen, dass dem Menschen bestimmte Ideen, wie die eines Gottes, angeboren seien.[68] Sein Innatismus zieht allerdings die Annahme der Existenz ewiger Wahrheiten nach sich. Die Enzyklopädisten lassen Descartes deshalb nur noch als Mathematiker gelten. Die wahre Philosophie solle auf der Basis von Tatsachen und Wahrheiten arbeiten, die auf Schlussfolgerungen, nicht aber auf der Basis von Hypothesen, beruhten.[69]

Vor diesem geistesgeschichtlichen Hintergrund müssen die Enzyklopädisten nun ein Schema entwickeln, aus dem sowohl der Ursprung als auch der Zusammenhang der einzelnen Wissenschaften, Künste und Gewerke hervorgeht. Für dieses System verwendet d'Alembert die Metapher einer mappe-monde.

„Man könnte an eine Art Weltkarte denken, auf der die wichtigsten Länder, ihre Lage und ihre Abhängigkeit voneinander sowie die Verbindung zwischen ihnen in Luftlinie verzeichnet sind; diese Verbindung wird immer wieder durch unzählige Hindernisse unterbrochen, die nur den Bewohnern oder Reisenden des in Frage kommenden Landes bekannt sind und nur auf bestimmten Spezialkarten verzeichnet werden können. Solche Spezialkarten stellen nun die verschiedenen Artikel der Enzyklopädie dar, und der Stammbaum [...] wäre dann die Weltkarte.“[70]

Er hat das Bild einer Welt des menschlichen Wissens vor Augen, in der das bisher Entdeckte geordnet und noch viel Neues entdeckt und kartographiert werden kann. Die Bedeutung, die er dem System der menschlichen Kenntnisse beimisst, ist sehr hoch. Dieses System ist die Weltkarte, während die Artikel nur noch Ergänzungen – Spezialkarten – darstellen. Auf dieses Labyrinth der Verbindungen und Verkettungen blickt der Philosoph von oben herab und versucht so den Überblick zu behalten.[71]

Wenn wir jetzt einen Schritt in die Struktur dieses Labyrinths wagen, sehen wir, dass es, wie bei Bacon, für den Geist drei Möglichkeiten gibt, Gedankeninhalte zu verarbeiten: Gedächtnis (mémoire), Vernunft (raison) und Einbildungskraft (imagination).[72] Diese Vermögen sind als Wirkkräfte der erkennenden Tätigkeiten zu verstehen und vermischen sich im Erkenntnisprozess mit den Objekten.[73] Aus diesem geht bereits hervor, dass die Encyclopédie der Denkschule des Empirismus folgt. Diderot erläutert:

„Die physischen Dinge wirken auf die Sinne. Die Eindrücke dieser Dinge rufen im Verstand die Wahrnehmung derselben hervor. Der Verstand befaßt sich mit seinen Wahrnehmungen nur auf dreierlei Weise, gemäß seinen drei Hauptfähigkeiten: Gedächtnis, Vernunft, Einbildung. Entweder zeichnet der Verstand seine Wahrnehmungen einfach durch das Gedächtnis auf, oder er untersucht, vergleicht und verarbeitet sie durch die Vernunft, oder er ahmt sie zu seinem Vergnügen durch die Einbildungskraft nach und entstellt sie dabei. Daraus ergibt sich eine allgemeine, anscheinend recht gut begründete Einteilung des menschlichen Wissens in Geschichte, die sich auf das Gedächtnis bezieht, in Philosophie, die von der Vernunft ausgeht, und in Poesie, die aus der Einbildung entsteht.“[74]

Diesen drei Kenntnissen folgen im Stammbaum des menschlichen Wissens zahlreiche Untergliederungen. Die Grundstruktur ist, wie die Enzyklopädisten auch mehrfach einräumen, von Bacon übernommen. Sie nehmen im Folgenden aber schwerwiegende Änderungen vor, um das System mit ihren Interessen in Einklang zu bringen: Die Theologie, so das Hauptanliegen, soll als Philosophia prima ihres Throns beraubt werden. Bacon siedelte die Offenbarungsreligion, von den anderen Wissenschaften entkoppelt, auf einem eigenen Baum an. Für d’Alembert wäre ein solche Maßnahme undenkbar. Die Theologie von der Philosophie zu trennen, hieße einen fest gewachsenen Trieb von seinem Stamm zu brechen. Theologie und Philosophie müssten verbunden bleiben, weil die Offenbarungslehre die Anwendung der Vernunft auf die Offenbarung darstellt.[75] In der enzyklopädischen Struktur finden sich deshalb beide Wissenschaften auf demselben Ast wieder. Die Offenbarung ist also kein Akt des Glaubens mehr, sondern eine Untergliederung der Vernunft: Sie wird der menschlichen Vernunft nachgestellt. Zur Erkenntnis Gottes, schreibt Diderot entsprechend, gelange der Mensch durch Nachdenken über die Natur- und die biblische Geschichte.[76] Die Induktion kennt damit keine Grenzen mehr – eine Möglichkeit der Bacon ganz bewusst durch die Trennung von Natur- und Offenbarungsreligion vorgebeugt hatte.[77]

Die antireligiöse, erkenntnistheoretische Strategie der Enzyklopädisten manifestiert sich auch in der graphischen Umsetzung des Système figuré als ein Baum. Die theologie révélée bildet darin nicht mehr die Krone des Baumes, sondern findet sich am Rand wieder: auf einem verdorrten Seitenast in der Nähe von Wahrsagerei, schwarzer Magie und der Lehre von guten und bösen Geistern.[78]

Folgt man dem Système des connaissances weiter in die Tiefe, sieht man, wie sich Geschichte in politische, Kirchen- und Naturgeschichte unterteilt. Während Kirchengeschichte bei Bacon noch viel Raum einnahm, dominiert bei den Enzyklopädisten die histoire naturelle. Die sakrale Geschichte wird an den Rand gedrängt.[79] Aus dem Gebrauch der Natur ergeben sich die Künste, das Handwerk und die Manufaktur. Sehr genau sind in dem Schema weitere Unterteilungen verzeichnet, etwa die Bearbeitung von Gold und Silber sowie weitere Untergliederungen in Münzpräger, Goldausroller etc. Daraus erklärt sich bereits die starke Präsenz der Handwerke in den Text- und Tafelbänden. Für die Beiträge über die Gewerke informierten sich die Enzyklopädisten bei den Handwerkern direkt. Bei „eigenartigen Berufen“ und „verzwickten Handhabungen“ beschafften sie sich die entsprechende Maschine, stellten sie auf und wurden so selbst zu Lehrlingen.[80] Für Mensching werden diese Techniken erst durch ihre enzyklopädische Berücksichtigung zu gesellschaftlichen Produktivkräften, weil sie in dem Diktionär in eine allgemein verbindliche Sprache übersetzt wurden.[81]

Festzuhalten ist, dass, über das System der menschlichen Kenntnisse, nach dem die Encyclopédie strukturiert ist, das Werk a priori den primären Adressaten seiner Kritik bestimmt: Offenbarung und Kirche. Die Provokation gründet sich aber nicht nur in der Entthronung der Theologie. Einordnung und Klassifikation alleine stellen in Verbindung mit der entsprechenden Zielsetzung eine Machtdemonstration dar: „Ein Gegenstand, der dem trivium statt dem quadrivium [...] zugerechnet wird, könnte verkümmern. [...]. Ein Feind, der als Untermensch definiert wird, lässt sich auslöschen.“[82]

2.2.2. Alphabetische Ordnung

Mit ihrer Entscheidung die Artikel der Encyclopédie alphabetisch anzuordnen, prägten die Herausgeber ein zweites grundlegendes Ordnungsmuster. Unmittelbare Vorläufer dieser Idee der alphabetischen Ordnung waren u.a. die Cyclopaedia und Bayles Dictionnaire.

Die alphabetische Strukturierung ist der Intention der Enzyklopädisten dienlich und sicherlich mehr als eine Notlösung der Herausgeber. Dieses Ordnungsprinzip entband die Enzyklopädisten von der unangenehmen Pflicht, der Religion einen eigenen Themenband erstellen zu müssen. Artikel über Heilige und Könige konnten so bequem äußerst knapp gehalten oder gar nicht aufgenommen werden.[83] Darüber hinaus suggeriert die Alphabetisierung, dass jede Wissenschaft, jede Kunst und jedes Handwerk die gleiche Wertigkeit besitzen.

„Es schien uns bequemer und einfacher für unsere Leser zu sein, die das Wort, über das sie sich zu unterrichten wünschen, leichter in einem alphabetisch angelegten Wörterbuch als in irgendeinem anderen finden können. Hätten wir jede Wissenschaft für sich behandelt und für jede ein gesondertes Wörterbuch angelegt, dann hätte sich nicht nur die angebliche Zusammenhanglosigkeit der alphabetischen Reihenfolge in dieser neuen Anordnung tatsächlich breit gemacht, sondern eine solche Einteilung wäre auch beträchtlichen Unklarheiten ausgesetzt infolge der großen Anzahl häufig vorkommender, gemeinsamer Wörter in den verschiedenen Wissenschaften, die man mehrfach hätte wiederholen oder aufs Geratewohl einsetzen müssen.“[84]

In diesem Absatz aus dem Discours Préliminaire kommt bereits ein wesentliches Argument, das für eine alphabetische Ordnung sprach, zum Ausdruck. Gerade für Leser niedriger Bildung lässt sich ein alphabetisiertes Nachschlagewerk einfacher konsultieren: Wissen wird demokratisiert. Der Seeteufel etwa ist ein Fisch und wäre bei einer thematischen Sortierung in einem Themenband zur Biologie enthalten. Wer sich über den Seeteufel informieren will und keine Vorstellung hat, was sich hinter diesem Begriff verbirgt, würde im theologischen Band (See teufel) nachschlagen. Dort aber kann er den gesuchten Beitrag gar nicht finden. Wir können deshalb festhalten, dass ein unwissender Nutzer die Artikel, die er nachschlagen will, in einem alphabetisierten Wörterbuch leichter findet. Auf diese Weise stellen Diderot und d'Alembert sicher, dass kein Beitrag verloren geht.[85] Die alphabetische Ordnung ist als Ausdruck des enzyklopädischen Gedankens zu verstehen: Jeder, der des Lesens mächtig ist, soll die Möglichkeit haben, sich in kürzester Zeit Wissen aus allen Fachbereichen anzueignen. Universale Bildung erschließt sich darin, dass ein Mathematiker fundierte Kenntnisse etwa über die Funktionsweise der Strumpfwirkmaschine gewinnen kann. Ebenso ermöglicht die Encyclopédie einem Handwerker, sich über die ägyptische Götterwelt zu bilden.[86] Diese Vorstellung ist sehr idealistisch und mag in Anbetracht der hohen Kosten für die Bände auch nicht realistisch gewesen sein, war aber eine Intention Diderots. Die Encyclopédie soll allgemeinverständlich sein, damit sich „der Mann aus dem Volk & der Gelehrte“ gleichermaßen Kenntnisse aus dem Nachschlagewerk aneignen können. Dem Volk biete das Werk die Möglichkeit, neben der praktischen Erkenntnis, die es ohnehin besitze, auch theoretisches Wissen zu gewinnen.

„Es gibt Gegenstände, die in den Händen des Volkes sind, aus denen es seinen Lebensunterhalt gewinnt & mit deren Erkenntnis – einer praktischen Erkenntnis – es sich unablässig beschäftigt. Was für eine Abhandlung auch darüber schreibt, es wird immer ein Zeitpunkt kommen, in dem das Volk klüger sein wird als das Buch. Über andere Gegenstände wird es indes fast ganz in Unkenntnis bleiben, weil die Zunahme seines Wissen zu gering & zu langsam sein wird, um jemals eine tiefere Einsicht zu gestatten, sogar wenn man annimmt, diese Zunahme finde unaufhörlich statt.“[87]

Gleichwohl sollte daraus nicht geschlossen werden, dass den Enzyklopädisten an einer Gesellschaftsstruktur gelegen war, die sich durch die absolute Gleichberechtigung der Menschen auszeichnet. Die Aufklärung charakterisiert aber der pädagogische Anspruch ihr Gedankengut zu verbreiten. Das Wissen soll popularisiert werden – ein Gedanke, der sich in der Encyclopédie manifestiert, weil sie als Nachschlagewerk Wissen leichter zugänglich macht. Die von den Enzyklopädisten oftmals angesprochene Neigung des Menschen Aberglauben anheimzufallen, soll durch Bildung gebannt werden. Der Gedanke der Volksaufklärung setzt eine Öffentlichkeit voraus, wie sie Habermas Mitte des 18. Jahrhunderts entstehen sieht.[88] Rousseau spricht in seiner Kulturkritik bereits von der opinion publique.[89]

Als Ordnungsprinzip hat die Alphabetisierung auch Nachteile. Ein gravierendes Problem ist, dass inhaltliche Zusammenhänge vollkommen auseinandergerissen werden. Es wäre also widersinnig, so d'Alembert, nach den geheimen Fäden zu suchen, die den „Kegelschnitt“ mit dem „Akkusativ“ verbinden würden.[90] Die alphabetische Ordnung hat zu Folge, dass Artikel aufeinander folgen, die keinerlei inhaltlichen Zusammenhang aufweisen. Dafür können aber didaktische Leitfäden gar nicht erst aufkommen, weil die Astrukturalität des alphabetisierten Textes nur einen potentiellen Text liefert, dem ein kritischer Leser erst seine Gestalt verleihen muss. Systemdenken, welches d'Alembert gegeißelt hatte, ist also a priori ausgeschlossen. Die Alphabetisierung deckt sich also einerseits mit der Abkehr vom ésprit de système, führt aber andererseits zu einem Konflikt mit dem ésprit systematique. Die Alphabetisierung zerreißt die von d'Alembert eingeforderte Vernetzung der Wissenschaften, weil die Beiträge nicht thematisch-logisch aufeinander folgen.[91] Die Enzyklopädisten müssen sich also überlegen, wie sie die enzyklopädische Ordnung mit der alphabetischen in Einklang bringen:

„Drei Mittel haben wir hierzu angewandt: eine Übersichtstabelle am Beginn des Werkes, Angabe der Wissenschaft, auf die sich die jeweiligen Artikel beziehen, und die Behandlung der Artikel selbst. In der Regel ist nach dem Wort, das den Gegenstand des Artikels angibt, der Name der dafür in Frage kommenden Wissenschaft angegeben. Man braucht nur in der Übersichtstafel nachzusehen, wo jene Wissenschaft eingeordnet ist, um die Stelle des Artikels in der Enzyklopädie zu erfahren.“[92]

Die Herausgeber begegnen dem Problem, indem sie jedem Beitrag auch ein Themengebiet zuordnen. So wird Constance der Geographie zugeordnet, Charbon minéral der Mineralogie. Auf diese Weise werden die einzelnen Artikel übergeordneten Begriffen zugeordnet und ihre Position innerhalb des Gesamtsystems der Wissenschaften bestimmt. Querverweise stellen inhaltliche Bezüge zwischen verschiedenen Beiträgen her, so dass sich der Leser entweder von les renvois oder vom Alphabet durch die Bände führen lassen kann.

2.2.3. Das System der Querverweise

Das s ystème des renvois liegt vor allem Diderot am Herzen, der es im Beitrag Encyclopédie ausführlich diskutiert; d'Alembert erwähnt das Thema im Discours Préliminaire nur sehr beiläufig. Die Querverweise versteht Diderot als einen „besonders wichtigen Teil der enzyklopädischen Ordnung.“[93] Denn sie sind für ihn das entscheidende Instrument, um die Beiträge miteinander zu verbinden und einen inneren Bezug herzustellen.[94] So verweise die Grammatik auf die Dialektik, die Dialektik auf die Metaphysik, die Metaphysik auf die Theologie, die Theologie auf die Jurisprudenz.[95]

In der Encyclopédie gibt es nach Diderot drei Arten der renvois, de facto sind es aber sogar vier. Die Verweise auf Sachen (renvois de choses) erläutern die Zusammenhänge mit unmittelbar angrenzenden Gegenständen. Sie verbinden den Zweig mit dem Stamm und geben dem Ganzen somit jene Einheit, die der Feststellung der Wahrheit und der Überzeugung günstig ist. Die Verweise auf Wörter (renvois de mots) erläutern verwendete Fachausdrücke. Als dritte Art führt er die Verweise der Genies an (renvois „de l'homme de génie“). Diese können nämlich durch Kombinationsgabe aus dem vorhandenen Material neue Erkenntnisse generieren. Als viertes kommt Diderot auf die satirischen oder epigrammatischen Verweise (renvois satyriques ou épirgrammiques) zu sprechen.[96] Deren Funktion erläutert er in Anbetracht der Zensur mit bemerkenswerter Offenheit:

„Ich möchte diese Verweise nicht ganz unterlassen, weil sie manchmal ihren Nutzen haben. Heimlich kann man sie gegen gewisse lächerliche Bräuche richten, wie die philosophischen Verweise gegen gewisse Vorurteile. Das ist zuweilen ein feines & leichtes Mittel, um eine Beleidigung zurückzugeben, ohne in die Defensive zu gehen, um jenen Standespersonen, 'die die Curier spielen & bacchantisch leben', die Maske abzureißen.“[97]

Als Beispiel eines epigrammatischen Verweises nennt Diderot den Vermerk „Voyez Capuchon“, der den Artikel Cordeliers abschließt.[98] Unter Cordeliers findet sich eine mustergültige Beschreibung des Ordens der Franziskaner. Unter dem Beitrag Capuchon, auf den verwiesen wurde, erzählt Diderot voller Ironie die Geschichte dieses Ordens, der völlig zerstritten war, weil der eine Teil eine enge, der andere Teile einen weite Kapuze als Tracht präferiert hatte.[99] In die Kategorie der satirischen Querverweise fällt auch jener, der vom Beitrag „Menschenfresser“ (Antropophages), auf „Eucharistie, Kommunion, Altar“ verweist. Die epigrammatischen Verweise betrachtet Diderot als notwendiges Übel. Seine Befürchtung ist, dass die satirischen Verweise, gerade weil sie keine thematische Notwendigkeit aufweisen, das Gesamtwerk unklar und verworren machen.[100]

Folgt man den Ergebnissen Schneiders, der die Encyclopédie hinsichtlich ihrer Querverweise untersucht hat, weist dieses System sehr starke qualitative und quantitative Schwankungen auf.[101] Zahlreiche Querverweise führen ins Nichts, weil die Artikel, auf die verwiesen wird, nie geschrieben worden worden sind. Ecriture Sainte etwa leitet den Leser zum Beitrag Socianisme, aber dieser Artikel existiert nicht. Jesus-Christ will den Leser zu Electique führen, aber es existiert nur ein Beitrag mit dem Titel Eclectisme. Durch solche Fehler drohen Artikel verloren zu gehen und genau das ist es, was Diderot verhindern wollte.[102] Auch die rein quantitative Setzung der Verweise fällt stark unterschiedlich aus. Einige sehr lange Artikel, wie Tolérance, Luxe und Divorce enthalten gar keinen Verweis, andere wie Unitaires gleich zweiundfünfzig.[103]

2.3. Universalität des Wissens

Mit der französischen Encyclopédie rückt auch der Anspruch der Vollständigkeit des Wissens in den Vordergrund. Dabei galten auch in den Werken der Frühen Neuzeit zunächst noch Gliederung, Zuordnung und Klassifikation als die entscheidenden enzyklopädischen Kriterien. Diderot und d'Alembert haben mit ihrer allumfassenden Enzyklopädie und deren überraschend hoher Popularität dafür gesorgt, dass Enzyklopädien mit lückenlos aufbereitetem Wissen assoziiert werden.[104] Dies ist bis heute der Fall. Der Brockhaus[105], die Encyclopaedia Britannica[106] und die Grande Encyclopédie[107] sehen durchgängig die Vollständigkeit des Wissens als typisch enzyklopädisches Merkmal an.

Hintergrund des Universalitätsanspruchs ist, dass man in der Zeit des Umbruchs Wissen konservieren wollte. Das „siècle de la philosophie“, wie d'Alembert schreibt, verspreche eine große Umwälzung, deren Gegenstand allerdings erst mit der Zeit bestimmt werden könne. Das wahre System der Welt sei erst jetzt erkannt, entwickelt und vervollkommnet worden.[108] Die alten Werke entbehrten auch für Diderot noch der unendlichen Geometrie, der experimentellen Physik, der Dialektik und der Gesetze der vernünftigen Kritik.[109] Bei diesen Äußerungen scheint sich der unbedingte Fortschrittsglaube Bahn zu brechen, aber sie tragen auch den Makel von Hybris und Eitelkeit: Wenn die Ruhmesgöttin, hofft Diderot, die Namen derjenigen, die das Große vollbracht hätten, der Unsterblichkeit entgegenführe, verschmähe sie vielleicht nicht, auch unsere Namen mitzunehmen.[110] Die Enzyklopädien der Vergangenheit besäßen für Diderot keinen Wert mehr. Viele Wahrheiten, die man damals nur geahnt habe, seien erst dem philosophischen Jahrhundert bekannt.[111]

„Der rühmlichste Zeitpunkt für ein derartiges Werk [eine Enzyklopädie] wäre der Moment nach einer großen Umwälzung, die den Fortschritt der Wissenschaften aufgehalten, die Leistungen der Künste unterbrochen & einen Teil unserer Hemisphäre wieder in Finsternis getaucht hätte. Wie dankbar würde dann die Generation, die nach diesen unruhigeren Zeiten kommt, den Männern sein, die lange vorher solche Zeiten befürchtet & durch rechtzeitige Rettung der Kenntnisse die Vernichtung verhütet hätte!“[112]

Das Sammeln des Wissens beugt seinem Verlust vor. Als Dokumentation des Status quo demonstriert die Encyclopédie, wie weit der menschliche Geist bereits vorgedrungen ist. Damit bildet sie die Grundlage, auf der weitere Anstrengungen vorgenommen werden können. Eingedenk der hohen Anschaffungskosten und einer Alphabetisierungsrate von unter 50 %[113] sprechen die Enzyklopädisten de facto nur die vermögende Bourgeoisie und die Aristokratie an.

An dieser Stelle wollen wir wieder auf die belehrende Tendenz der Aufklärung zurückkommen, wie wir sie bereits in Bezug auf die alphabetische Ordnung angeschnitten hatten. Auch die Vollständigkeit transportiert einen pädagogischen Moment. Als Kompendium allen Wissens stellt die Encyclopédie das Rüstzeug für die Menschen dar, sich selbst aufzuklären. D’Alembert versteht die Encyclopédie als ein Lehrbuch, das unterrichten, anleiten und jene aufklären soll, die das Werk zum Selbststudium benutzen.[114] Die Menschheit, folgen wir Kants Definition von Aufklärung[115], könne nicht passiv erleuchtet werden, sondern müsse durch den Gebrauch ihres Verstandes diese Leistung selber erbringen. Aufgeklärt zu sein, ist ein Akt des Verstandes, wie es in seinem Dictum „Sapere Aude“ so prägnant zum Ausdruck kommt. Der Tisch ist gedeckt, aber bedienen müssen sich die Menschen schon selbst.

Fassen wir also zusammen, dass die Universalität des Wissens eine lückenlose Aufbereitung der verfügbaren Kenntnisse beinhaltet, die zudem allgemeinverständlich aufbereitet werden müssen. Welche Auswirkungen hat aber dieser Universalitäts-Begriff auf Charakter und Qualität der Texte? Hier sind zwei Aspekte entscheidend. Um dem Anspruch absoluter Vollständigkeit Genüge zu tun, nahm Diderot in Kauf, dass qualitativ minderwertige Artikel aufgenommen wurden, wenn die Alternative bedeutet hätte, den entsprechenden Beitrag gar nicht zu drucken.[116] Diese Linie verfolgte er konsequent. Unter dem Stichwort Aguaxima etwa erfährt der Leser nur, dass es sich um eine Pflanze in Brasilien und auf den Inseln Südamerikas handelt. Der Artikel beansprucht aber noch weitere 23 Zeilen ohne dabei eigentliche Information zu vermitteln und schließt mit den Worten:

„S'il m'arrive donc de faire mention de cette plante, & de plusieurs autres aussi mal caractérisées, c'est par condescendance pour certains lecteurs, qui aiment mieux ne rien trouver dans un article de Dictionnaire, ou même n'y trouver qu'une sottise, que de ne point trouver l'article du tout.“[117]

Die enzyklopädische Universalität erstreckt sich aber nicht nur auf Vollständigkeit. Die herkömmliche Denkweise soll nicht nur durch die rein objektive Aufbereitung des Wissens geändert werden. Deshalb ist die Encyclopédie Nachschlagewerk und machine de guerre[118] zugleich. Bereits Diderots explizite Erwähnung der satirischen Verweise legt nahe, dass eine ideologische Färbung von Anfang an geplant war. Die Herausgeber erwähnen die Konzeption der Encyclopédie als machine de guerre allerdings nicht explizit. Dass es neben einer Reihe von sachlich fundierten Beiträgen viele informationsarme und geschwätzige Artikel gibt, ist nicht nur auf die unterschiedliche Kompetenz der Autoren zurückzuführen – ein Umstand, mit dem sich das Folgekapitel auseinandersetzt. Es handelt sich dabei auch um ein strukturelles Problem, weil die Herausgeber anscheinend selbst nie definiert haben, ob es sich bei der Encyclopédie nun um ein Nachschlagewerk oder Propagandainstrument handelt. Es scheint, dass die Entscheidung dem Autor selbst vorbehalten blieb. Dies führt zu einer Zerrissenheit der Beiträge. Mallet etwa unternimmt in Enfer absurde Spekulationen über das Fegefeuer. Die christlich-theologische Bedeutung der Hölle lässt er außer Acht und diskutiert stattdessen die Frage, ob sich die Hölle auf einem Kometen oder auf der Sonne befindet.[119] Ein Artikel, der eindeutig unter die Kategorie Propaganda fällt. Solchen Beiträgen stehen hochwertigere Texte gegenüber, wie etwa einer Tronchins, der sich in seinem Beitrag Inoculation für die Einführung von Pockenimpfungen stark macht.[120]

[...]


[1] Grundlage der vorliegenden Arbeit ist die Pariser Folio-Ausgabe: Diderot, Denis/Alembert, Jean LeRond d’: Encyclopédie ou Dictionnaire universel des sciences des arts et des métiers, Paris 1751-1772 (im Folgenden als „Encyclopédie“ abgekürzt). Als Grundlage für ins Deutsche übersetzte Beiträge dient: Selg, Anette/Wieland, Rainer (Hrsg.): Die Welt der Encyclopédie, Frankfurt a.M. 2001 (im Folgenden „Die Welt der Encyclopédie“). Kursiv gesetzte Begriffe in Zitaten sind aus dem Original übernommen, sofern nicht anders gekennzeichnet. Viele Beiträge sind lediglich mit einem Buchstaben oder Symbol signiert. Die Zuordnung der Zeichen zu dem Autor erfolgt anhand der Auflistung der Symbole bei Kafker, Frank: The Encyclopedists as Individuals: A Biographical Dicitionary of The Authors of The Encyclopédie, Oxford 1988, S.xxvii.

[2] Vgl. Diderot, Denis: Extrait d'un memoire présenté en 1768 à Monsieur le Chancelier, in: Diderot, Denis: Oeuvres complètes, Paris 1875-77, Bd. XX, S.130.

[3] Vgl. Diderot, Denis: Enzyklopädie, in: Die Welt der Encyclopédie, S.78

[4] Das Frontispiz wurde zwar 1759 in Auftrag gegeben, aber erst mit erheblicher Verspätung fertiggestellt. Das Bild geht deshalb nur den Tafelbänden von 1772 voraus (vgl. Haechler, Jean: L'Encyclopédie. Les combats et les hommes, Paris 1998, S.106.).

[5] Vgl. Diderot, Denis: Gedanken zur Interpretation der Natur, in: Diderot, Denis: Philosophische Schriften, Berlin 1961, Bd. I, S.428.

[6] Vgl. Chartier, Roger: Die kulturellen Ursprünge der französischen Revolution, Frankfurt a.M./New York 1995, S.15f.

[7] Vgl. Cassirer, Ernst: Philosophie der Aufklärung, Tübingen 1973, S.16f.

[8] Vgl. Schneiders, Werner: Hoffnung auf Vernunft. Aufklärungsphilosophie in Deutschland, Hamburg 1990, S.20.

[9] Vgl. Kingsley, Martin: French liberal thought in the eighteenth century, London 1954, S.123.

[10] Diese Definition in Anlehnung an Chartier, Roger: Die kulturellen Ursprünge der Französischen Revolution, S.29.

[11] Kant, Immanuel: Beantwortung der Frage: Was ist Aufklärung in Bahr, Eberhard (Hrsg.): Was ist Aufklärung? Thesen und Definitionen, Stuttgart 2004. Die dargelegten Grundpositionen können wir der Aufklärung gemeinsam zuschreiben, ein Sonderfall stellt allerdings Jean-Jacques Rousseau dar. Erachtete Kant Unmündigkeit als etwas Negatives, spricht Rousseau im Diskurs über Kunst und Wissenschaft von „sortir de l’heureuse ignorance“ (Rousseau, Jean-Jacques: Über Kunst und Wissenschaft in: Weigand, Kurt (Hrsg.): Jean-Jacques Rousseau. Schriften zur Kulturkritik. Hamburg 1995, S.26). Die Preisfrage der Akademie von Dijon, auf die er mit seinem Diskurs eingeht, ob der Wiederaufstieg der Wissenschaften und Künste zur Läuterung der Sitten beigetragen habe, beantwortet Rousseau eindeutig negativ. Nach seiner Auffassung entarten die Sitten proportional zum Aufstieg der Wissenschaften und Künste. Was der Mensch für Vervollkommnung hält, ist in Wahrheit ein Degenerationsprozess. Dies macht aber seine Mitarbeit an der Encyclopédie erklärungsbedürftig. Während die Enzyklopädisten alle Einnahmen der Aufklärung in ihrem Kompendium des Wissens erst buchen wollten, hatte Rousseau schon begonnen ihre Ausgaben zu buchen (vgl. Weigand, Kurt: Rousseaus negative Historik in: Weigand, Kurt (Hrsg.): Schriften zur Kulturkritik, S.lix) D'Alembert erkennt den Widerspruch und bemerkt hämisch, dass Rousseau dem enzyklopädischen Projekt durch seine eifrige und erfolgreiche Mitarbeit seine Zustimmung bewiesen habe. „Wir machen ihm keinen Vorwurf daraus, die geistige Kultur und den Mißbrauch, den man mit ihr treiben kann, verwechselt zu haben, darauf würde er uns zweifellos erwidern, daß dieser Mißbrauch nicht von ihr zu trennen ist.“ (Alembert, Jean d': Einleitung zur Enzyklopädie, S.90) Vgl. ausführlicher zu diesem Thema auch Geyer, Paul: Zur Dialektik der Aufklärung in der Anthropologie Montesquieus und Rousseaus, in: Geyer, Paul (Hrsg.): Das 18. Jahrhundert. Aufklärung, Regensburg 1995, S.125-173.

[12] Vgl. Strauss, Leo: Persecution and the art of writing, Glencoe 1952, S.23f.

[13] Vgl. ebd., S.30

[14] Vgl. Holbach, Paul-Thiry d': Prêtre, in: Encyclopédie, Bd. XIII, S.341. Der Beitrag ist anonym erschienen. Vgl. für d’Holbachs Urheberschaft: Lough, John: The Encyclopédie in Eighteenth-century England and Other Studies, Newcastle u.T. 1970, S.161.

[15] Vgl. Carels, Peter/Flory, Dan: Johann Heinrich Zedler's Universal Lexikon, in: Kafer, Frank (Hrsg.): Notable Encyclopaedias of The Seventeenth and Eighteenth Centuries: Nine Predecessors of The Encyclopédie, Oxford 1981, S.166f.

[16] Vgl. Neumeister, Sebastian: Unordnung als Methode: Pierre Bayles Platz in der Geschichte der Enzyklopädie, in: Eybl, Franz M. et al. (Hrsg.): Enzyklopädien der Frühen Neuzeit, Tübingen 1995, S.194.

[17] Vgl. Kafker, Frank: Preface, in: Kafker, Frank (Hrsg.): Notable Encyclopaedias of The Seventeenth and Eighteenth Centuries, S.7f.

[18] Schmidt-Biggemann, Wilhelm: Enzyklopädie und Philosophia perennis, in: Eybl, Franz M. et al. (Hrsg.): Enzyklopädien der Frühen Neuzeit, S.1f.

[19] Vgl. ebd., S.12.

[20] Vgl. ebd., S.16f.

[21] Diese Aufstellung erfolgt in Anlehnung an „Projekt Allgemeinwissen und Gesellschaft“: Was soll als Enzyklopädie gelten? Online im Internet. URL: http://www.enzyklopaedie.ch/dokumente/was.htm [Stand 28.02.2007].

[22] Vgl. Kafker, Frank: The Encyclopedists as a Group: A Collective Biography of the Authors of the Encyclopédie, Oxford 1996, S.51.

[23] Vgl. Diderot, Denis: Prospekt der Encyclopédie, in: Die Welt der Encyclopédie, S.466.

[24] Vgl. Blom, Phillip: Das vernünftige Ungeheuer, Frankfurt a.M. 2005, S.25f.

[25] Vgl. Bradshaw, Lael Ely: Chambers Cyclopaedia, in: Kafker, Frank (Hrsg.): Notable Encyclopaedias of The Seventeenth and Eighteenth Centuries, S.134f.

[26] Vgl. Diderot, Denis: Prospekt der Enzyklopädie, in: Die Welt der Encyclopédie, S.465.

[27] Vgl. Leibniz, Gottfried Wilhelm: Schöpferische Vernunft. Schriften aus den Jahren 1668-1686, Hamburg 1951, S.178.

[28] D'Alembert hebt Experimentalphysik und Naturbeherrschung bei Bacon explizit hervor: Vgl. Alembert, Jean d': Einleitung zur Enzyklopädie, Hamburg 1997, S.66.

[29] Vgl. Ottmann, Henning: Geschichte des politischen Denkens, Bd. 3/1, Stuttgart 2006, S. 184.

[30] Vgl. Aristoteles: Metaphysik, I 2, 982a13-16.

[31] Bacon, Francis: Neues Organon, Hamburg 1990, Teilband 1, I, 95.

[32] Vgl. Voltaire: Des Éléments de la Philosophie de Newton divisé en trois parties, in: Voltaire: Oeuvres complètes, Paris 1877-1882, Bd. XXII, S.520.

[33] Vgl. Ottmann, Henning: Geschichte des politischen Denkens, Bd. 3/1, S.183.

[34] Vgl. Schalk, Fritz: Einleitung in die Enzyclopädie der französischen Aufklärung, München 1936, S.100.

[35] Bacon, Francis: Über die Würde und den Fortgang der Wissenschaften, Freiburg 2006, Buch V, S.550.

[36] Vgl. Ottmann, Henning: Geschichte des politischen Denkens, Bd.3/1, S.184.

[37] Vgl. Mensching, Günther: Einleitung, in: Alembert, Jean d’: Einleitung zur Enzyklopädie, S. XVIIf.

[38] Vgl. Alembert, Jean d': Einleitung zur Enzyklopädie, S.141.

[39] Vgl. Bacon, Francis: Über die Würde und die Förderung der Wissenschaften, III, S.164f.

[40] Vgl. Michel, Paul: Ordnungen des Wissens. Darbietungsweisen des Materials in Enzyklopädien, in: Tomkowiak, Ingrid (Hrsg.): Populäre Enzyklopädien. Von der Auswahl, Ordnung und Vermittlung des Wissens, Zürich 2002, S. 68.

[41] Vgl. Darnton, Robert: Das große Katzenmassaker. Streifzüge durch die französische Kultur vor der Revolution, München/Wien 1989, S. 229f.

[42] Bacon, Francis: Über die Würde und den Fortgang der Wissenschaften, I, S 16.

[43] Vgl. Neumeister, Sebastian: Unordnung als Methode: Pierre Bayles Platz in der Geschichte der Enzyklopädie, in: Eybl et al. (Hrsg.): Enzyklopädien der frühen Neuzeit, S.194.

[44] Vgl. Gawlick, Günter/Kreimendahl, Lothar: Einleitung zum Historischen und Kritischen Wörterbuch, in: Bayle, Pierre: Historisches und Kritisches Wörterbuch. Eine Auswahl, Hamburg 2003, S. xxif.

[45] Bayle, Pierre: Projet et Fragmens d'un Dictionnaire critique à Mr. du Rondel, Genf 1970, 1. Absatz (keine Seitennummerierung angegeben).

[46] Hazard, Paul: Die Krise des europäischen Geistes, Hamburg 1939, S.139.

[47] Vgl. Neumeister, Sebastian: Unordnung als Methode: Pierre Bayles Platz in der Geschichte der Enzyklopädie, in Eybl et al. (Hrsg.): Enzyklopädien der frühen Neuzeit, S.194f.

[48] Vgl. Gawlick, Günter/Kreimendahl, Lothar: Einleitung zum Historischen und Kritischen Wörterbuch, in: Bayle, Pierre: Historisches und Kritisches Wörterbuch, S.xxiv.

[49] Vgl. Neumeister, Sebastian: Unordnung als Methode: Pierre Bayles Platz in der Geschichte der Enzyklopädie, in: Eybl et al. (Hrsg.): Enzyklopädien der frühen Neuzeit, S.194f.

[50] Vgl. Burell, Paul: Pierre Bayle's Dictionnaire historique et critique, in: Kafker, Frank (Hrsg.): Notable Encyclopaedias of the Seventeenth Century: Nine Predecessors of the Encyclopédie, Oxford 1981, S.85f.

[51] Vgl. Bayle, Pierre: Socin (Fauste), Anm. h, in: Dictionnaire historique et critique, Genf 1969, Bd. XIII, S.354.

[52] Bayle, Pierre: Ariston, Anm. C, in: Dictionnaire historique et critique, II, S.347.

[53] Vgl. Gawlick, Günter/Kreimendahl, Lothar: Einleitung zum Historischen und Kritischen Wörterbuch, in: Bayle, Pierre: Historisches und Kritisches Wörterbuch, S.xxxi.

[54] Vgl. Cassirer, Ernst: Das Erkenntnisproblem in der Philosophie und Wissenschaft der neueren Zeit, Darmstadt 1974, Bd. I, S.597.

[55] Vgl. Cassirer, Ernst: Die Philosophie der Aufklärung, S.216.

[56] Vgl. Diderot, Denis: Réplique auf La Moïsade, in: Diderot, Denis: Oeuvres complètes, IV, S.127.

[57] Vgl. Gawlick, Günter/Kreimendahl, Lothar: Einleitung zum Historischen und Kritischen Wörterbuch, in: Bayle, Pierre: Historisches und Kritisches Wörterbuch, S.xxvii.

[58] Vgl. Voltaire: Poème du désastre de Lisbonne, in: Voltaire: Oeuvres complètes, IX, S.555.

[59] Vgl. Alembert, Jean d': Dictionnaire historique, in: Encyclopédie, IV, S.967.

[60] Diderot, Denis: Encyclopédie, in: Encyclopédie, V, S.636.

[61] Vgl. Schalk, Fritz: Einleitung in die Enzyclopädie der französischen Aufklärung, S.93.

[62] Vgl. Alembert, Jean d’: Einleitung zur Enzyklopädie, S.8.

[63] Vgl. auch Alembert, Jean d’: Système, in: Encyclopédie, XV, S.777f. u. Alembert, Jean d’: Einleitung zur Enzyklopädie, S.83.

[64] Alembert, Jean d’: Einleitung zur Enzyklopädie, S.8.

[65] Vgl. ebd., S.9.

[66] Vgl. Locke, John: Versuch über den menschlichen Verstand, Hamburg 1962, Buch II, Kapitel 1,1-5.

[67] Vgl. ebd., II, 2, 1f.

[68] Vgl. Descartes, René: Meditationen über die Erste Philosophie, Stuttgart 2005, Dritte Meditation, S.121f.

[69] Vgl. Alembert, Jean d’: Einleitung zur Enzyklopädie, S.9 u. 69-71. Ähnlich äußert sich zu Descartes auch Pestré, Jean Abbé: Cartésianisme, in: Encyclopédie, II, S.716-726.

[70] Alembert, Jean d’: Einleitung zur Enzyklopädie, S. 42.

[71] Vgl. ebd.

[72] Nahe liegend wäre für die Enzyklopädisten gewesen das System von Ephraim Chambers Cyclopaedia zu übernehmen, von dem die Encyclopédie ursprünglich nur eine Übersetzung sein sollte. Chambers, schreibt Diderot, habe bereits erkannt, dass es notwendig sei „einen Stammbaum aller Wissenschaften & Künste aufzustellen, der den Ursprung jedes Zweiges unserer Kenntnisse, ihrer wechselseitigen Verbindungen & ihren Zusammenhang mit dem gemeinsamen Stamm zeigen & uns dazu dienen sollte, die verschiedenen Artikel in Beziehung zu ihren Hauptgegenständen zu bringen.“ (Diderot, Denis: Prospekt zur Enzyklopädie, in: Die Welt der Encyclopédie, S.466.). Dennoch erfolgt der Rückgriff auf Bacon und damit hinter John Locke. Den Ausschlag gegen Chambers Baum dürfte seine Platzierung der Theologie gegeben haben. Sie liegt bei Chambers auf dem rationalen Ast, der sich in Physik, Metaphysik, reine Mathematik und Religion verästelt. Dadurch erhalten aber mit Metaphysik und Theologie zwei Wissenschaften, denen die Aufklärung sehr kritisch und ablehnend gegenüberstand, die gleiche Wertigkeit, wie Mathematik und Physik. Darüber hinaus ist in der Cyclopaedia für die Philosophie als solche kein eigener Zweig vorgesehen. Vgl. Darnton, Robert: Das große Katzenmassaker, S.224-226.

[73] Vgl. Michel, Paul: Ordnungen des Wissens, in: Tomkowiak, Ingrid (Hrsg.): Populäre Enzyklopädien, S.68.

[74] Diderot, Denis: Ausführliche Erklärung des Systems der menschlichen Kenntnisse, in: Diderot, Denis: Philosophische Schriften, I, S.128.

[75] Alembert, Jean d’: Einleitung zur Enzyklopädie, S.47.

[76] Diderot, Denis: Ausführliche Erklärung des Systems der menschlichen Kenntnisse, in: Diderot, Denis: Philosophische Schriften, I, S.131.

[77] Bacon, Francis: Über die Würde und den Fortgang der Wissenschaften, I, S.16.

[78] Vgl. Darnton, Robert: Das große Katzenmassaker, S.228.

[79] Vgl. ebd., S.226.

[80] Vgl. Alembert, Jean d’: Einleitung zur Enzyklopädie, S.105.

[81] Vgl. Mensching, Günther: Die Enzyklopädie und das Subjekt der Geschichte, in: Alembert, Jean d’: Einleitung zur Enzyklopädie, S.xlv.

[82] Darnton, Robert: Das große Katzenmassaker, S.220.

[83] Vgl. Blom, Phillip: Das vernünftige Ungeheuer, S.84f.

[84] Alembert, Jean d': Einleitung, zur Enzyklopädie, S.96.

[85] Das Beispiel des Seeteufels aus Michel, Paul: Ordnungen des Wissens, in: Tomkowiak, Ingrid (Hrsg.): Populäre Enzyklopädien, S.73.

[86] Mensching, Günther: Einleitung, in: Alembert, Jean d’: Einleitung zur Enzyklopädie, S.xxxix.

[87] Diderot, Denis: Enzyklopädie, in: Die Welt der Encyclopédie, S.72f.

[88] Vgl. Habermas, Jürgen: Strukturwandel der Öffentlichkeit, Frankfurt a.M. 1990, §9.

[89] Vgl. Rousseau, Jean-Jacques: Über Kunst und Wissenschaft, in: Weigand, Kurt (Hrsg.): Schriften zur Kulturkritik, S.34.

[90] Vgl. Alembert, Jean d': Einleitung zur Enzyklopädie, S. 51.

[91] Vgl. Kilcher, Andreas: Theorie des alphabetisierten Textes, S.6ff., Online im Internet.
URL: www.enzyklopaedie.ch/kongress/aufsaetze/kilcher.pdf [Stand 23. März 2007].

[92] Alembert, Jean d':Einleitung zur Enzyklopädie, S.50.

[93] Vgl. Diderot, Denis: Enzyklopädie, in: Die Welt der Encyclopédie, S.78.

[94] Kilcher, Andreas: Theorie des alphabetisierten Textes, S. 9-11, Online im Internet.
URL: www.enzyklopaedie.ch/kongress/aufsaetze/kilcher.pdf [Stand 23. März 2007].

[95] Diderot, Denis: Enzyklopädie, in: Die Welt der Encyclopédie, S. 79.

[96] Vgl. ebd., S.78f.

[97] Ebd., S.79.

[98] o.N.: Cordeliers, in: Encyclopédie, IV, S.214. Diderot erwähnt lediglich, dass der Verweis „Voyez Capuchon“ satirisch ist, schreibt aber nicht, von welchem Artikel der Verweis erfolgt. Ausgangsartikel ist Cordeliers. Vgl. auch Schneider, Hans-Peter: Le pretendu system des renvois, in: Mass, Edgar/Knabe, Peter-Eckhard (Hrsg.): L'Encyclopédie et Diderot, Köln 1985, S.251.

[99] Diderot, Denis: Kapuze, in: Die Welt der Encyclopédie, S.194f.

[100] Vgl. Diderot, Denis: Enzyklopädie, in: Die Welt der Encyclopédie, S. 79.

[101] Vgl. Schneider, Hans-Peter: Le pretendu system des renvois in Mass,Edgar/Knabe, Peter-Eckhard (Hrsg.): L’Encyclopédie et Diderot, S. 252ff.

[102] Vgl. Diderot, Denis: Enzyklopädie, in: Die Welt der Encyclopédie, S. 79.

[103] Vgl. Schneider, Hans-Peter: Le pretendu système des renvois dans L'Encyclopédie, in: Mass, Edgar/Knabe, Peter-Eckhard: L'Encyclopédie et Diderot, S.251.

[104] Vgl. Dierse, Ulrich: Enzyklopädie. Zur Geschichte eines philosophischen und wissenschaftstheoretischen Begriffs, Bonn 1977, S.3.

[105] Vgl. Enzyklopädie, in: Brockhaus Enzyklopädie, Leipzig-Mannheim 2006, Bd. VIII, S.174.

[106] Vgl. Encyclopaedia, in: The New Encyclopaedia Britannica, Chicago et al. 2007, Bd. XVIII, S.487.

[107] Vgl. Encyclopédie, in: La Grande Encyclopédie, Paris 1885-1902, Bd. XV, S.1008.

[108] Vgl. Alembert, Jean d': Essai sur les éléments de philosophie ou sur les principes des connaissances humaines, Paris 1986, S.10f.

[109] Vgl. Diderot, Denis: Prospekt, in: Die Welt der Encyclopédie, S.465.

[110] Vgl. ebd., S.81.

[111] Vgl. Diderot, Denis: Prospekt zur Enzyklopädie, in: Die Welt der Encyclopédie, S. 465 u. ders.: Enzyklopädie, in: Die Welt der Encyclopédie, S.81.

[112] Diderot, Denis: Enzyklopädie, in: Die Welt der Encyclopédie, S.73.

[113] Vgl. Chartier, Roger: Die kulturellen Ursprünge der Französischen Revolution, S.86.

[114] Vgl. Alembert, Jean d': Einleitung zur Enzyklopädie, S. 92.

[115] Kant, Immanuel: Beantwortung der Frage: Was ist Aufklärung?, in: Bahr, Erhard (Hrsg.): Was ist Aufklärung? S.9: „ Aufklärung ist der Ausgang des Menschen aus seiner selbstverschuldeten Unmündigkeit. Unmündigkeit ist das Unvermögen, sich seines Verstandes ohne Leitung eines anderen zu bedienen. Selbstverschuldet ist diese Unmündigkeit, wenn die Ursache derselben nicht am Mangel des Verstandes, sondern der Entschließung und des Mutes liegt, sich seiner ohne Leitung eines andern zu bedienen. Sapere aude! Habe Mut, dich deines eigenen Verstandes zu bedienen! Ist also der Wahlspruch der Aufklärung. Faulheit und Feigheit sind die Ursachen, warum ein so großer Teil der Menschen, nachdem sie die Natur längst von fremder Leitung freigesprochen (naturaliter majorennes), dennoch gerne zeitlebens unmündig bleiben.“

[116] Vgl. Diderot, Denis. Enzyklopädie, in: Die Welt der Encyclopédie, S.80.

[117] Diderot, Denis: Aguaxima, in: Encyclopédie, I, S.191.

[118] Der Begriff machine de guerre ist von John Lough übernommen. Vgl. Lough, John: The Encyclopédie, London 1971, S.61.

[119] Vgl. Mallet, Edme-François: Enfer, in: Encyclopédie, V, S.665-670.

[120] Vgl. Tronchin, Théodore: Impfung, in: Die Welt der Encyclopédie, S.178f.

Ende der Leseprobe aus 119 Seiten

Details

Titel
Wissen ist Macht. Die französische Aufklärung im Spiegel der Encyclopédie
Hochschule
Ludwig-Maximilians-Universität München  (Geschwister-Scholl-Institut für Politische Wissenschaft)
Note
1,35
Autor
Jahr
2007
Seiten
119
Katalognummer
V77611
ISBN (eBook)
9783638743914
ISBN (Buch)
9783638744904
Dateigröße
1006 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Wissen, Macht, Aufklärung, Spiegel, Encyclopédie
Arbeit zitieren
Matthias Glötzner (Autor:in), 2007, Wissen ist Macht. Die französische Aufklärung im Spiegel der Encyclopédie, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/77611

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