Häufig scheint es gefordert, die Notwendigkeit von Bewegungs- und Entspannungsverfahren, gerade auch in der Suchttherapie, zu erläutern und gegenüber gängigen psychotherapeutischen Methoden zu verteidigen. Das Bewegen ist aber, als fortwährender, sich entfaltender Prozess, zentraler Aspekt des Lebens selbst, so dass über den Sinn und Zweck desselben nicht weiter diskutiert werden müsste. WEINBERG erläutert, dass es vielmehr wichtiger ist das Bewegen in Hinblick auf dessen Qualität, also dessen Einfluss auf beispielsweise Lebendigkeit, Gesunderhaltung, Lebensgenuss und Freizeitgestaltung, zu untersuchen.
Einen Schwerpunkt dieser Arbeit bildet die Darstellung des, bisher unveröffentlichten, Modells Wilhelm MERTENS’, zur Suchtentstehung und den Wirkmechanismen, die das Qigong für betroffenen Menschen bietet. Dieses Modell wird mit verbreiteten Thesen der Gesundheits- und Suchtforschung in Beziehung gesetzt, um so eine Standortbestimmung vornehmen zu können. An verschiedenen Punkten werden Bezüge zur Biophotonenforschung hergestellt, die einen sehr spannenden Zugang zum Verständnis lebendiger Prozesse ermöglicht. Neben eher theoretischen Hintergrundinformationen finden sich auch immer wieder sehr praxisnahe Bezüge.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
1.1 Einführung in die Biophotonentheorie
2 Das ‚offene System Mensch’ nach MERTENS
2.1.1 Sensation
2.1.2 Emotion
2.1.3 Kognition
2.1.4 Handlung / äußeres Bewegen
2.1.5 Handlung und Selbstvertrauen
2.2 Weniger günstige Formen der Krisenbewältigung
3 MERTENS’ Modell der Suchtentstehung
3.1 Persönlichkeitsmerkmale Drogenabhängiger
3.2 Mögliche Gründe für diese Persönlichkeitsmerkmale
3.3 Folgende Ziele für eine therapeutische Intervention
3.4 Einbindung des Modells
3.4.1 Die Persönlichkeitsstruktur Drogenabhängiger aus der Sicht anderer Modelle
3.4.2 Abhängiger und Umwelt
3.4.3 ANTONOVSKY’s Salutogenesemodell
3.4.4 Das Vulnerabilitäts-Stress-Modell
3.4.5 Meine eigenen Beobachtungen
3.5 Zusammenfassung
4 Der abhängige Mensch
4.1.1 Die Begriffe Sucht und Abhängigkeit
4.1.2 Definitionen der Sucht
4.2 Sucht, Leib und Feld
4.2.1.1 Biochemische Forschung
4.2.1.2 Biochemie der Konditionierung
4.2.2 Funktionalisierung des süchtigen Körpers
4.2.3 Lebendigkeit und Sucht
5 Qigong
5.1 Beschreibung einer Qigong-Übung
5.2 Begriff, Wurzeln und Formen
5.2.1 Der Begriff ‚Qigong’
5.2.3 Wurzeln
5.2.4 Qigong-Formen
5.3. Vorstellungskraft, Bewegung und Atmung
5.3.1 Vorstellungskraft und Achtsamkeit
5.3.2 Atmung
5.3.3 Bewegung und Ruhe
5.4 Trad. chin. Denken im Licht der Biophotonentheorie
5.5 Wirkzusammenhänge
5.5.1 Zentrale Wirkzusammenhänge nach MERTENS
5.5.1.1 Eintauchen in das Wahrnehmen
5.5.1.2 Emotionale Regulation
5.5.1.3 Training mit der Belastung
5.5.2 Qigong als Kohärenztherapie
5.5.3 Erfahrungen des Einsseins bedeuten Heilung
5.5.4 Drogenkonsum versus Qigong
5.5.5 Qigong als sinnstiftendes Element
5.5.6 Wirkzusammenhänge aus salutogenetischer Sicht
5.5.7 Risiken und Widerstände
6 Zusammenfassung
7 Ausblick und Hoffnungen
Zielsetzung & Themen der Arbeit
Die Diplomarbeit untersucht das Potenzial von Qigong als therapeutisches Hilfsmittel in der Suchttherapie. Im Zentrum steht dabei die theoretische Fundierung durch das Modell von Wilhelm MERTENS zur Suchtentstehung, welches Drogenabhängigkeit nicht als bloßen Mangel, sondern als Folge einer besonderen, unzureichend regulierten Sensationsfähigkeit betrachtet. Ziel ist es, den Nutzen von Qigong zur Förderung von Handlungsfähigkeit, Achtsamkeit und Kohärenz bei der Zielgruppe aufzuzeigen und dabei Bezüge zur Biophotonentheorie herzustellen.
- Das Modell MERTENS’ zur Suchtentstehung und den Wirkmechanismen von Qigong.
- Die Bedeutung der Sensationsfähigkeit und deren Transformation in ein positives Potenzial.
- Die physiologischen und energetischen Wirkungen von Qigong (Kohärenztherapie) im Licht der Biophotonentheorie.
- Möglichkeiten zur emotionalen Regulation und Rückfallprophylaxe durch achtsames Bewegen.
- Die Bedeutung von Struktur, Sinnfindung und Leibwahrnehmung bei der Überwindung von Sucht.
Auszug aus dem Buch
1 Einleitung
Häufig scheint es gefordert die Notwendigkeit von Bewegungs- und Entspannungsverfahren, gerade auch in der Suchttherapie, zu erläutern und zu verteidigen. Das Bewegen ist aber, als fortwährender, sich entfaltender Prozess, zentraler Aspekt des Lebens selbst, so dass über den Sinn und Zweck desselben nicht weiter diskutiert werden müsste (vgl. SCHRÖDINGER 1951, WEINBERG 2004). WEINBERG erläutert, dass es vielmehr wichtiger ist das Bewegen in Hinblick auf dessen Qualität, also dessen Einfluss auf beispielsweise Lebendigkeit, Gesunderhaltung, Lebensgenuss und Freizeitgestaltung, zu untersuchen (ebd. 2004, 186-187).
Nach meiner Erfahrung in der Arbeit mit Suchtmittelabhängigen, stellt das Qigong einen Weg dar, welcher Entwicklung, Sinnfindung und Heilung fördern kann, gerade auch für Menschen mit solchen Problematiken. Dies werde ich in dieser Arbeit darlegen und begründen.
Einen Schwerpunkt bildet hierfür die Darstellung des, bisher unveröffentlichten, Modells Wilhelm MERTENS’ zur Suchtentstehung und den Wirkmechanismen, die das Qigong für betroffenen Menschen bietet. Wilhelm MERTENS ist dipl. Bioingenieur, seit 20 Jahren Qigong- und Taijiquanlehrer, er leitet die Schule für „bewegende und berührende Künste“ in Hamburg (gemeinsam mit Dr. M. PLÖTZ), ist Vorsitzender des dt. Dachverbandes für Qigong und Taijiquan und war mehr als 10 Jahren in der Suchthilfe (bei der Therapiehilfe e.V., Hamburg) als Qigonglehrer tätig. Auch mein Qigonglehrer ist er seit einigen Jahren.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Die Arbeit begründet die Bedeutung von Qigong in der Suchttherapie, führt in das unveröffentlichte Modell von Wilhelm MERTENS ein und stellt Bezüge zur Biophotonenforschung her.
2 Das ‚offene System Mensch’ nach MERTENS: Es werden die zentralen Begriffe des Modells, wie Sensationsfähigkeit, Emotion, Kognition und Handlung, erläutert und als Basis für die Suchtentstehung sowie Krisenbewältigung dargestellt.
3 MERTENS’ Modell der Suchtentstehung: Dieses Kapitel erläutert die spezifische Persönlichkeitsstruktur von Drogenabhängigen als hochsensibel und vergleicht MERTENS’ Modell mit anderen psychologischen Ansätzen wie der Salutogenese und dem Vulnerabilitäts-Stress-Modell.
4 Der abhängige Mensch: Hier werden Sucht- und Abhängigkeitsbegriffe historisch und fachlich eingeordnet, die Biochemie der Sucht sowie die Funktionalisierung des Körpers und der Verlust an Lebendigkeit beleuchtet.
5 Qigong: Der Hauptteil beschreibt Qigong als Praxis, definiert dessen Grundlagen, Wurzeln und Formen und erläutert die zentralen Wirkzusammenhänge, insbesondere zur Regulation, Kohärenzbildung und Sinnstiftung für ehemals Abhängige.
6 Zusammenfassung: Die Arbeit resümiert, dass Modelle als hilfreiche Schablonen dienen, wobei MERTENS’ Fokus auf der Wertschätzung der Sensationsfähigkeit als Potenzial liegt, was durch Qigong-Praxis gesundheitsfördernd genutzt werden kann.
7 Ausblick und Hoffnungen: Die Autorin reflektiert den Bedarf an weiteren empirischen Studien zur Wirkung von Qigong auf die Kohärenz des elektromagnetischen Feldes und hofft auf eine Entstigmatisierung Abhängiger in der Gesellschaft.
Schlüsselwörter
Qigong, Suchttherapie, MERTENS, Suchtentstehung, Biophotonentheorie, Kohärenz, Sensationsfähigkeit, Achtsamkeit, Sucht, Salutogenese, Vulnerabilitäts-Stress-Modell, Bewegungs- und Entspannungsverfahren, Lebensqualität, Kohärenztherapie, Selbstregulation.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Diplomarbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht das Potenzial von Qigong als therapeutisches Werkzeug für Menschen mit Drogenabhängigkeit, basierend auf dem Modell von Wilhelm MERTENS.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die zentralen Themen sind die Suchtentstehung, die Bedeutung der Sensationsfähigkeit, die Wirkungsweise von Qigong als „Kohärenztherapie“ und die Verknüpfung von traditionellem chinesischen Denken mit der Biophotonenforschung.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Das Ziel ist es, aufzuzeigen, wie Qigong Menschen in der Suchttherapie dabei helfen kann, ihre Sensationsfähigkeit als Potenzial zu begreifen, Stress zu regulieren und eine stabilere Handlungsfähigkeit zu entwickeln.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit nutzt einen theoretischen Ansatz, der ein unveröffentlichtes Modell zur Suchtentstehung mit existierenden Theorien der Gesundheitsforschung (Salutogenese, Vulnerabilitäts-Stress-Modell) und quantenphysikalischen Erkenntnissen (Biophotonenforschung) verbindet.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil befasst sich mit der Definition von Sucht, der biochemischen Forschung zur Konditionierung, der praktischen Durchführung von Qigong-Übungen und der Analyse von Wirkzusammenhängen wie der emotionalen Regulation und Sinnstiftung.
Welche Begriffe charakterisieren die Arbeit?
Zu den wichtigsten Begriffen gehören Sensationsfähigkeit, Kohärenz, Biophotonen, Achtsamkeit, Körperwahrnehmung und das Modell von MERTENS.
Wie unterscheidet sich die Sicht von MERTENS von der traditionellen Suchtforschung?
Während traditionelle Ansätze die „Reizoffenheit“ oft als Mangel oder pathologischen Risikofaktor bewerten, betrachtet MERTENS sie als eine wertvolle Sensationsfähigkeit, die lediglich durch eine noch nicht ausreichend entwickelte Bewertungsebene und Handlungsfähigkeit zum Suchtproblem führt.
Welche Rolle spielt die Biophotonentheorie in diesem Kontext?
Die Biophotonentheorie liefert ein vitalistisches, wissenschaftliches Erklärungsmodell für die Wirksamkeit von Qigong, indem sie gesundheitliche Prozesse als Aufbau von Ordnung (Kohärenz) und negative Entropie im menschlichen Energiefeld begreifbar macht.
Was sind die praktischen Konsequenzen für die Qigong-Anleitung in der Suchthilfe?
Die Anleitung sollte achtsam und nicht zu suggestiv sein, individuelle Prozesse zulassen, durch Struktur Sicherheit bieten, das Feedback wertfrei begleiten und darauf achten, die Teilnehmer nicht durch zu hohe Anforderungen oder Leistungsdruck zu überfordern.
- Quote paper
- Dipl. Sportwissenschaftlerin Angela Kowsky (Author), 2005, Qigong in der Suchttherapie. Mertens' Modell zur Suchtentstehung und -therapie. Biophotonenforschung, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/77612