Fremdsprachenunterricht gehört mittlerweile zum Standardrepertoire der deutschen Schulen und es gibt eine steigende Anzahl von Schulen, bei denen der Beginn des Erlernens einer Fremdsprache weiter vor verlagert wird. So begegnen Kinder einer fremden Sprache und dementsprechend auch einer fremden Kultur immer früher. Wie der Term selbst schon impliziert, setzt man sich im Fremdsprachenunterricht mit dem Fremden auseinander. Dabei geht es zum einen um das Erlernen einer fremden Sprache und zum anderen um das Kennenlernen einer fremden Kultur. Wobei viele SchülerInnen heutzutage auch schon in ihrem Alltagsleben auf fremde Kulturen treffen. Dementsprechend sollte im Fremdsprachenunterricht nicht nur das Kennenlernen einer bestimmten Kultur im Vordergrund stehen, sondern vielmehr der Umgang mit der eigenen und der fremden Kultur betrachtet werden. Ein inzwischen zentrales Schlagwort dafür ist die interkulturelle Bildung bzw. die interkulturelle Kompetenz. Theodor Fontane schuf ein passendes Sprichwort dazu: „Erst die Fremde lehrt uns, was wir an der Heimat haben.“. Er sah ein, dass es von starkem Nutzen ist, wenn man sich mit der Fremde und dem Fremden beschäftigt. Man gelangt zu einem neuen Verständnis der eigenen Heimat. Das interkulturelle Lernen sollte natürlich nicht nur im Fremdsprachenunterricht vorzufinden sein, sondern die Grundlage aller Unterrichtsfächer einer Schule darstellen. Dennoch kann man nicht außer Acht lassen, dass die interkulturelle Bildung gerade im Fremdsprachenunterricht eine besondere und zentrale Stellung einnimmt.
In dieser Arbeit sollen zuerst die Begriffe Kultur, Landeskunde und der Begriff des Fremden definiert und abgegrenzt werden. Im Anschluss wird das Konzept des interkulturellen Lernens vorgestellt und überprüft, welche Rolle die Interkulturalität im Rahmenlehrplan des Landes Brandenburg für die Sekundarstufe I im Fach Englisch einnimmt. Zum Abschluss folgen Regeln für einen modernen Landeskundeunterricht und es wird ein Fazit gezogen.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
2 Begriffsbestimmungen
2.1 Die Kultur
2.2 Der Landeskundebegriff
2.3 Das Fremde
3 Das interkulturelle Konzept zur Vermittlung von Landeskunde
3.1 Begriffsklärung
3.2 Ziele
3.3 Inhalte
3.3.1 Allgemein
3.3.2 Stereotypen
4 Interkulturelles Lernen im RLP Englisch Sekundarstufe I Land Brandenburg
5 Moderne Landeskunde
6 Fazit
7 Literatur
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die Rolle des interkulturellen Lernens innerhalb des Fremdsprachenunterrichts, mit einem spezifischen Fokus auf den Rahmenlehrplan für Englisch in der Sekundarstufe I des Landes Brandenburg. Ziel ist es, zu ergründen, wie ein moderner Landeskundeunterricht SchülerInnen dazu befähigen kann, interkulturelle Kompetenz zu erwerben, mit dem Fremden konstruktiv umzugehen und eigene sowie fremde kulturelle Identitäten reflektiert zu betrachten.
- Definition und Abgrenzung der Begriffe Kultur, Landeskunde und Das Fremde
- Analyse des interkulturellen Lernens als fachdidaktisches Konzept
- Untersuchung der Implementierung interkultureller Bildung im Rahmenlehrplan Brandenburg
- Bedeutung der Stereotypenarbeit für die interkulturelle Kompetenzentwicklung
- Formulierung von Kriterien für einen zeitgemäßen, interkulturell ausgerichteten Fremdsprachenunterricht
Auszug aus dem Buch
3.3.2 Stereotypen
Da in dieser Arbeit nicht auf alle Inhaltsbereiche eingegangen werden kann, wird an dieser Stelle ein besonders wichtiger Bereich herausgenommen und kurz erläutert. Stereotypen wurden bisher schon mehrfach erwähnt, jedoch noch nicht näher erläutert. Heute unterscheidet man zwischen den Einstellungen einer Gruppe gegenüber der eigenen Identität, dem Autostereotyp, und der Einstellung gegenüber den Mitgliedern einer anderen Gruppe, dem Heterostereotyp. Den Begriff des Stereotyps definierte Uta M. Quasthoff (1989, 39) wie folgt:
Ein Stereotyp ist der verbale Ausdruck einer auf soziale Gruppen oder einzelne Personen als deren Mitglieder gerichteten Überzeugung. Es hat die logische Form eines Urteils, das in ungerechtfertigt vereinfachender und generalisierender Weise, mit emotional wertender Tendenz, einer Klasse von Personen bestimmte Eigenschaften oder Verhaltensweisen zu- oder abspricht. […] Es zeichnet sich durch einen hohen Verbreitungsgrad innerhalb der kulturellen Bezugsgruppe aus.
In einem interkulturellen Unterricht ist es wichtig, dass Stereotype nicht einfach hingenommen werden. Sie müssen als solche erkannt und in den Unterricht eingebunden werden. Dabei sollen Stereotype sowohl abgebaut werden wie auch Toleranz geschafft werden, so dass sich bei den SchülerInnen eine Fähigkeit entwickelt Differenzen zu ertragen. Im Unterricht kann dazu das Bild einer Kultur in einer anderen behandelt werden. Denn allseits bekannt sind nationale Stereotypen, wie typisch deutsch, englisch, französisch, … etwas ist. Indem solche Stereotype abgebaut werden, kann man die Entstehung von Vorurteilen vermeiden. Die erste Stufe zum Abbau besteht darin den Stereotyp offen zu legen, ihn als solchen anzuerkennen und dann zu analysieren. Die weiterführende Analyse sollte den Sachverhalt kritisch hinterfragen, um den Stereotyp verschwinden zu lassen und die SchülerInnen zu einer selbstständigen Urteilsbildung anzuregen.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Die Einleitung verortet die wachsende Bedeutung interkultureller Bildung im Fremdsprachenunterricht und benennt die Zielsetzung der Arbeit, das Konzept des interkulturellen Lernens zu beleuchten.
2 Begriffsbestimmungen: Dieses Kapitel definiert und differenziert die zentralen Begriffe Kultur, Landeskunde und Das Fremde, um ein theoretisches Fundament für die weitere Untersuchung zu legen.
3 Das interkulturelle Konzept zur Vermittlung von Landeskunde: Das Kapitel erläutert das interkulturelle Lernen, setzt Lernziele und diskutiert geeignete Unterrichtsinhalte sowie den Umgang mit Stereotypen.
4 Interkulturelles Lernen im RLP Englisch Sekundarstufe I Land Brandenburg: Es wird untersucht, wie der brandenburgische Rahmenlehrplan die interkulturelle Kompetenz integriert und welche Vorgaben für die schulpraktische Umsetzung bestehen.
5 Moderne Landeskunde: Basierend auf den theoretischen Überlegungen werden acht Regeln für einen zeitgemäßen, interkulturell orientierten Landeskundeunterricht abgeleitet.
6 Fazit: Das Fazit fasst zusammen, dass interkulturelle Kompetenz für ein Leben in einer multikulturellen Gesellschaft essenziell ist und betont die verantwortungsvolle Rolle der Lehrkräfte.
7 Literatur: Verzeichnis der in der Arbeit verwendeten Quellen.
Schlüsselwörter
Fremdsprachenunterricht, Interkulturelle Kompetenz, Landeskunde, Kultur, Das Fremde, Rahmenlehrplan, Brandenburg, Stereotype, Autostereotyp, Heterostereotyp, Fremdenfeindlichkeit, Toleranz, Identität, Soziokulturelles Wissen, Handlungskompetenz
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit der theoretischen Einbettung und der schulpraktischen Umsetzung interkultureller Bildung im Fremdsprachenunterricht, speziell im Fach Englisch.
Was sind die zentralen Themenfelder der Arbeit?
Die Arbeit behandelt die Definition kultureller Begriffe, das Konzept des interkulturellen Lernens, den Umgang mit Stereotypen sowie die curricularen Vorgaben des Landes Brandenburg.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Hauptziel ist es, aufzuzeigen, wie SchülerInnen durch einen interkulturell akzentuierten Unterricht zu Toleranz, kritischer Reflexion und einem Verständnis für eigene sowie fremde Lebenswelten befähigt werden können.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit nutzt eine literaturbasierte fachdidaktische Analyse, die theoretische Konzepte mit den Vorgaben des aktuellen Rahmenlehrplans für Brandenburg verknüpft.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die theoretische Begriffsbestimmung, die Konzeption des interkulturellen Lernens (inklusive Zielsetzungen und Inhaltsauswahl) sowie eine detaillierte Analyse der Interkulturalität im Rahmenlehrplan.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Zu den Kernbegriffen zählen Fremdsprachenunterricht, Interkulturelle Kompetenz, Landeskunde, Kultur, Stereotype und der spezifische Kontext des brandenburgischen Rahmenlehrplans.
Wie unterscheidet sich die Auffassung von Kultur im Deutschen und Englischen laut der Autorin?
Im Deutschen wird Kultur oft als Gesamtheit geistiger Errungenschaften verstanden, während im Englischen stärker zwischen Kunst/Literatur und dem soziologischen Begriff der Lebensweisen/Institutionen differenziert wird.
Welche Rolle spielt der Rahmenlehrplan des Landes Brandenburg in der Arbeit?
Der Rahmenlehrplan dient als praktisches Anwendungsfeld, an dem die Autorin überprüft, wie die geforderte Interkulturalität in offizielle Richtlinien integriert und von Lehrkräften umgesetzt werden kann.
Wie definiert die Autorin den Umgang mit Stereotypen im Unterricht?
Stereotype sollen nicht ignoriert, sondern explizit aufgedeckt, analysiert und kritisch hinterfragt werden, um zur selbstständigen Urteilsbildung der SchülerInnen beizutragen.
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- Antje Kurzmann (Author), 2005, Das ‚Andere’ im Fremdsprachenunterricht, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/77657