Land and Freedom (1995)


Essay, 2004
13 Seiten, Note: 2.0

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

A Einleitung

B
1. Der Begriff des Dokumentationsdramas bei Ken Loach
2. Der Film Land and Freedom und das Problem der Authentizität
3. Vergleich der Werke von Loach, Orwell, Hemingway und Malraux
3.1 Innerparteiische Revolution auf Seiten der Linken
3.2 Die Stellung der Frau im Krieg
3.3 Krieg und Technik

C Ausblick

Quellenverzeichnis

A Einleitung

„Uno tiene que hacer lo que le parece, y si uno tiene una idea debería luchar por ella.“[1]

Diese Aussage ist kennzeichnend für den britischen Regisseur Ken Loach, da sie sowohl seine eigene Lebensauffassung als auch das Hauptanliegen der Charaktere in seinem filmischen Schaffen beschreibt, nämlich sich mit Willenskraft, Durchsetzungsvermögen und Kampfbereitschaft für eine Sache einzusetzen. So setzt er in seinen Werken auf eine möglichst authentische Darstellung der realen Umstände, um das Publikum zur Emotionsregung, Stellungnahme und schließlich zum Handeln zu bewegen, stößt dabei aber nicht immer auf die ihm gebührende Zustimmung seiner Umgebung. „Struggle, tragedy and censorship, all of which might suggest that his potential remains unfulfilled, have surrounded the career of humanist filmmaker Ken Loach.”[2] Mit diesem Impuls zur Aufklärung und Propaganda, gibt der kontroverse Regisseur häufig radikale politische Botschaften weiter. Oft beziehen sich die Inhalte auf die Lebensbedingungen sozialer Randgruppen und deren alltägliches Leben in Unterdrückung, Ausbeutung und Unmenschlichkeit. Hierbei setzt er sein Anliegen in der Form des Dokumentationsdramas um, welches seiner Forderung nach einer natürlichen Abbildung der Wirklichkeit und dem Aufzeigen von kritischen Problemen gerecht wird. “You do the research...the characters grow in your mind, and you connect them with the events, and try to be authentic and significant. And then, if you’ve done the job well, it reverberates with people in their own experience.”[3] Die Authentizität nimmt hier einen hohen Stellenwert ein, er will aber nicht eine Wirklichkeit schaffen, sondern sich nur so nah wie möglich und so weit dies auch möglich ist, am wirklichen Geschehen orientieren. Doch genau dieses Postulat stellt sich als Problem dar, wie auch gut an seinem Film Land and Freedom aus dem Jahre 1995 zu sehen ist, der sich inhaltlich mit den Anfängen des spanischen Bürgerkriegs aus der Sicht eines britischen Kommunisten beschäftigt.

Beginnend mit der für Loach typischen Darstellungsform des Dokumentationsdramas, möchte ich mich anschließend mit der Frage beschäftigen, welche Möglichkeiten und Probleme ein solches Authentizitätspostulat im Film Land and Freedom mit sich bringt. Des weiteren werden Parallelen zu den Werken von Malraux, Orwell und Hemingway aufgezeigt.

B

1. Der Begriff des Dokumentationsdramas bei Ken Loach

„[D]rama documentary works according to the formal articulation of two ‚looks’- the look of the documentary and the look of the dramatic fiction.“ (Television Drama: Agency, audience and myth, S. 120)

In dieser Art der Darstellungsform vermischen sich dramatische Elemente, das heißt, das ein Film und „...dessen Handlung ähnlich derjenigen des Dramas auf den ausgeprägten Gegensätzen, Konflikten und Spannungen der handelnden Personen, d.h. meist zwei Menschen (gruppen), und auf ihrer Steigerung und Überwindung beruht“[4] mit der Form des Dokumentarfilms, der sachlichen „Vermittlung von Wissensstoff, Erkenntnismaterial. [...] menschlicher Wirklichkeit; nicht der Stoff, sondern die Vermittlung des Erlebnisses vom Wesentlichen im Stoff steht im Mittelpunkt.“ (Kleines Filmlexikon, S. 115) Da eine Wirkungsästhetik erzeugt werden soll, die auf einer regen Anteilnahme des Publikums zielt, werden Elemente der Dokumentation, wie die sachliche Informationsvermittlung, mit einer Konfliktsituation und deren Lösung, die der Spannungssteigerung dient, kombiniert.

Ken Loach generiert seinen dokumentarischen Effekt durch Handkameras, eine natürliche Belichtung, keine Nachsynchronisierung der Szenen und das Drehen an Originalschauplätzen. Erfahrene- und Laienschauspieler, mit authentischem Akzent und Dialekt, praktizieren ein improvisiertes Schauspielen; erst kurz vor einer Filmsequenz klärt Loach die Akteure über den Inhalt auf und verlangt von ihnen so ein spontanes Verhalten, welches seiner Meinung nach stärker an die Realität anknüpft, als die Handlung in Drehbüchern. Um dem Geschehen Nachdruck zu verleihen, werden unter anderem statistische Materialien eingebunden, wobei oft eine Schwarz-Weiß Ästhetik beobachtet werden kann, durch die das Werk an historischer Glaubwürdigkeit gewinnt. Diese Ästhetik verleiht dem Film aber auch an emotionaler Tiefe, durch die sich der Zuschauer, genauso wie durch das Aufeinanderprallen von Gegensätzen und deren Überwindung als Handlungsträger, an das Geschehen gefesselt fühlt. Durch eine Kombination dieser Faktoren in unterschiedlichem Maß wird einerseits ein dokumentarischer Effekt generiert, der sich durch Unmittelbarkeit, Spontanität und Authentizität kennzeichnet. Ziel ist es, dass sich der Zuschauer als zufälliger Beobachter des wahren Lebens fühlen soll, der sich in den Werken wiedererkennt, die Zustände missbilligt und sich zum Handeln angesprochen fühlt. Ken Loach sieht die dokumentarische Darstellungsweise als „documentary look as ‚the system of looks which constructs the social space of the fiction’.“ (Television Drama: Agency, audience and myth, S. 122)

Das dramatische Element bringt eine Anteilnahme des Publikums mit sich und fesselt es an die spannungsreiche Handlung, die im Gegensatz zur reinen Dokumentation steht. So wird eine Stilisierung, Intensivierung und Emotionalität des Geschehens bewirkt, die sich aber nicht gänzlich mit dem Authentizitätspostulat des Regisseurs vereinen lässt. Im nächsten Punkt sollen nun diese Schwierigkeiten aufgeführt werden.

2. Der Film Land and Freedom und das Problem der Authentizität

“Since for Loach trying to capture a kin of spontaneous reaction is part of telling the truth... A rehearsed, predetermined performance is, by and large, not true. The camera can see the lie.” (Television Drama: Agency, audience and myth, S. 159)

Um seinem Realitätsanspruch und der Appellfunktion gerecht zu werden, greift Loach in seinem Film Land and Freedom auf die Darstellungsart des Dokumentationsdramas zurück. So steht im Film der Konflikt des Briten David Carr, Mitglied der Kommunistischen Partei im Mittelpunkt, der den spanischen Bürgerkrieg auf Seiten der POUM miterlebt und sich mit der Spaltung im linken Lager auseinandersetzt. Als Quellen dienten unter anderem „Barcelona Roja: Dietario de la revolución, Revolution and Coontrarevolution in Spain von Félix Morrow, Historia de la Guerra Civil Española von Thomas“ („Entrevista exclusiva a Ken Loach“) oder die Erzählungen von Frauen die an der Front kämpften und von Juan Rocabert, einem POUM Mitglied, dessen Schilderung Grundlage für die letzte Filmszene ist „Nos relató lo que había vivido cuando él se encontró rodeado por el ejército republicano y lo desarmaron, el relato de tal experiencia es lo que luego se convirtió en la última escena importante del film.“ („Entrevista exclusiva a Ken Loach“). Besonders die Flut an statistischem Materialen gleich zu Beginn des Films wird der Absicht einer dokumentarischen Stoffvermittlung gerecht. Es wird auch authentisches Propagandamaterial in die Handlung eingebaut, um einen möglichst großen Grad an Realismus wiederzugeben. Historische Hintergrundinformationen, Zeitungsausschnitte aus dem Daily Worker, einem ausländischen Kriegspropagandablatt, Briefkorrespondenzen oder Propagandafilme die zur Rekrutierung von Freiwilligen zu Beginn des Krieges aktuell waren, werden verwendet. Diese spiegeln, vor allem durch ihre Schwarz-Weiß Ästhetik, die revolutionäre Atmosphäre in Spanien und die euphorische, fast fanatische Haltung der Bürger wieder.

[...]


[1] Ríos, Alejandra, „Entrevista exclusiva a Ken Loach“: Internet. 05 Mai 2004. www.ft.org.ar/estrategia/ei10/ei10loach.html

[2] Nicholls, David, „Ken Loach“: Internet. 05 Mai.2004. www.1worldfilm. com

[3] Tulloch, John, Television Drama: Agency, audience and myth, London/ New York: Routledge, 1990.

[4] Reinert, Charles, Kleines Filmlexikon, Einsiedeln- Zürich: Verlagsanstalt Benziger & Co. AG., 1946. S 81

Ende der Leseprobe aus 13 Seiten

Details

Titel
Land and Freedom (1995)
Hochschule
Universität Regensburg
Note
2.0
Autor
Jahr
2004
Seiten
13
Katalognummer
V77691
ISBN (eBook)
9783638826365
Dateigröße
364 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Land, Freedom
Arbeit zitieren
Stephanie Wenzl (Autor), 2004, Land and Freedom (1995), München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/77691

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