Von der ökonomischen Krise zum Zusammenbruch des kapitalistischen Systems - Die Krisen- und Zusammenbruchstheorie bei Marx


Essay, 2006

14 Seiten, Note: 1,3


Leseprobe

Inhaltverzeichnis

1. Einleitung

2. Die „Krisentheorie“ bei Marx
2.1 Ein allgemeiner Überblick über die „Krisentheorie“ bei Marx
2.2 Das „Gesetz vom tendenziellen Fall der Profitrate“
2.3 Kapitalistische Produktion versus kapitalistische Konsumption
2.4 Überwindung von Krisen als produktives Mittel für das kapitalistische System?

3. Von der Krise zum Zusammenbruch – besteht eine Zusammenbruchstheorie bei Marx?
3.1 Die Zusammenbruchstheorie bei Marx (nach Grossmann)
3.2 Methodologische Vorbemerkungen zur Analyse, vereinfachende Voraussetzungen
3.3 Versagen der Verwertung des Kapitals infolge von Überakkumulation
3.4 Die Entstehung der Reservearmee als Folge der Überakkumulation

4. Schlussbemerkung

Literaturverzeichnis

„Die wahre Schranke der kapitalistischen Produktion ist das Kapital selbst, ist dies: dass das Kapital und seine Selbstverwertung als Ausgangspunkt und Endpunkt, als Motiv und Zweck der Produktion erscheint; […]“ [1]

1. Einleitung

Schon immer wurden in der Gesellschaft schwere ökonomische Krisen als existenz-bedrohend für das politische System des Kapitalismus betrachtet.

Auch heute noch – oder sollte man besser sagen „wieder“? - im Quasi-Zustand nationaler wirtschaftlicher Stagnation, zunehmender Arbeitslosigkeit und immer stärker auseinander klaffender Schere zwischen armer und reicher Gesellschaftsschicht stellt man sich die Frage, ob das existierende politische und wirtschaftliche System nicht seinem baldigen Ende entgegensieht. Theoretiker wie Karl Marx, Lenin oder Luxemburg gewinnen mit ihren ökonomischen Systemanalysen in diesem Zusammenhang zunehmend wieder an Popularität.

Inhalt des ersten Abschnitts dieser Arbeit ist zunächst ein Überblick über die Marxsche ökonomische Krisentheorie, wie sie von ihm in seinem „Kapital“ ausgearbeitet wurde. Dieser bildet sodann die Grundlage für den zweiten Teil, welcher sich mit der Fragestellung auseinandersetzt, ob und wenn ja, in welcher Art und Weise, eine Zusammenbruchstheorie bei Marx existiert.

Hinreichend wurde von Ökonomen, Philosophen, Politikwissenschaftlern etc. das Bestehen einer solchen Theorie verneint. Der Theoretiker Henryk Grossmann ist einer der wenigen, der „diesem so sehr umstrittenen Grundgedanken des Marxschen Systems von neuem Geltung“ [2] verschaffen wollte. Aus diesem Grund bildet seine Interpretation den Schwerpunkt der Analyse bezüglich einer etwaigen Marxschen Zusammenbruchstheorie.

Ergänzend sei noch erwähnt, dass in dieser Arbeit davon ausgegangen wird, dass der Leser zumindest über Grundkenntnisse der Marxschen Ökonomiekritik verfügt, so dass auf die Erläuterung wesentlicher Zusammenhänge bezüglich der Funktionsweise des kapitalistischen Systems verzichtet wird.

2. Die „Krisentheorie“ bei Marx

Nach Auffassung der allgemeinen Marxliteratur finden sich in Marx’ Werk „Das Kapital“ zwar an verschiedenen Stellen Darstellungen und Erläuterungen zur Entstehung von Krisen innerhalb der kapitalistischen Produktion, d. h. schweren Störungen der ökonomischen Reproduktion einer Gesellschaft, doch lässt es eine zusammenhängende Theorie diesbezüglich vermissen. Zwar lassen seine theoretischen Ansätze im fünfzehnten Kapital auf die Darstellung einer Krisentheorie schließen, jedoch werden diese heute als unvollständig - von ihm mit äußerster Zurückhaltung verfasst - betrachtet. Zudem wird wiederholt von Vertretern der klassischen politischen Ökonomie eingewendet, dass sich Marx in seinen Erläuterungen zu Ursachen und Wirkungen von kapitalistischen Krisen, trotz der entscheidenden Wichtigkeit, welche diese in seinem System haben, teilweise zerstreut oder sich sogar widerspricht.[3]

2.1 Ein allgemeiner Überblick über die „Krisentheorie“ bei Marx

Unbestritten ist, dass in der Entwicklung des Kapitalismus seit seinem Entstehen vor annähernd 200 Jahren krisenhafte Verläufe beobachtbar sind. Zweifel bestehen insofern nur über Ursachen- und Wirkungszusammenhänge.

Der Schwerpunkt von Marx’ Analyse liegt auf der Untersuchung des endlosen Kreislaufes des Kapitals und seiner Funktionen innerhalb der Phasen des Reproduktionsprozesses. Er geht davon aus und versucht nachzuweisen, dass die Ursachen und Möglichkeiten für die Entstehung von Krisen in der kapitalistischen Produktionsweise selbst liegen, sie ihr immanent sind.[4]

Als die wichtigsten Aussagen sind die folgenden zu nennen:

Grundsätzlich bedingt die widersprüchliche Einheit von Gebrauchswert und Tauschwert der Ware die Möglichkeit von Krisen. Ein gesellschaftliches Bedürfnis durch den Gebrauchswert wird demnach nur erfüllt, wenn produzierte Ware verkauft und damit deren Tauschwert realisiert wird. Ein Kauf kann jedoch nur stattfinden, wenn zuvor verkauft wurde oder umgekehrt, d. h. Kauf und Verkauf, private und gesellschaftliche Arbeit fallen auseinander.

Der Reproduktionsverlauf bzw. die Akkumulation des Kapitals wird unterbrochen, wenn eigene produzierte Ware zwar verkauft, jedoch das eingenommene Geld nicht wieder in den Neukauf von Ware investiert wird. Die Investitionsnachfrage der Unternehmen ist nicht mehr äquivalent der Verwertungsmöglichkeit des Kapitals.

Auf der anderen Seite kann sinkende Kaufkraft der Bevölkerung durch z. B. zu geringe Löhne eine sog. „Unterkonsumptionskrise“ erzeugen, die wiederum zu einer sog. „Überproduktionskrise“ führen kann - jedoch nicht muss -.

Das für einen krisenlosen Verlauf nötige Gleichgewicht zwischen Käufen und Verkäufen, zwischen Angebot und Nachfrage (sog. Sayisches Gesetz) ist gestört.[5]

Die Grenzen des kapitalistischen Systems sind also nach Marx in den Schranken der kapitalistischen Produktionsweise zu suchen. Er stellt sich die Frage, unter welchen Bedingungen der Reproduktionszusammenhang unterbrochen wäre, aus der Möglichkeit einer Krise eine tatsächliche würde.

Nach Ansicht des klassischen Marxismus liegt der Schlüssel im „Gesetz vom tendenziellen Fall der Profitrate“, das für Marx in jeder Hinsicht wichtigste Gesetz der modernen politischen Ökonomie. Nach Baders[6] Ansicht ist der Kern dessen ein Ziel-Mittel-Konflikt, in dem die Entwicklung der Produktivkräfte (Mittel) ungleich der Verwertung des Kapitals (Ziel) ist. Die Gesetzlichkeit der Entwicklung der kapitalistischen Produktion führt gleichzeitig zu ihrem Ende, zu ihrem Untergang. „Es treten daher Schranken für sie [die Produktion] ein schon auf einem Ausdehnungsgrad der Produktion, der umgekehrt unter der andren Voraussetzung weitaus genügend erschiene. Sie kommt zum Stillstand, nicht wo die Befriedigung der Bedürfnisse, sondern wo die Produktion und Realisierung von Profit diesen Stillstand gebietet.“ [7]

2.2 Das „Gesetz vom tendenziellen Fall der Profitrate“

In seiner grundsätzlichen Formulierung besagt das „Gesetz vom tendenziellen Fall der Profitrate“ folgendes: Mit der Entwicklung des kapitalistischen Produktionsprozesses fällt die Rate des Profits.

Marx versucht nachzuweisen, dass es, abgesehen von anderen vorübergehenden Ursachen, die für dieses Gesetz keine Relevanz haben, eine Tendenz zum Fall der Profitrate gibt, welche „aus dem Wesen der kapitalistischen Produktionsweise als eine selbstverständliche Notwendigkeit“ [8] erscheint, sie aus den allgemeinen Eigenschaften kapitalistischer Entwicklung selbst entspringt.

Wesen der kapitalistischen Produktion und vorherrschendes Ziel der Kapitalisten ist die Produktivkraftsteigerung durch Senkung des Werts der Arbeit bzw. Steigerung der Produktivkraft der Arbeit. Erreicht wird dies durch die Vergrößerung des konstanten Kapitals, durch den Einsatz neuer, besserer, effizienterer Maschinen und der gleichzeitigen Verdrängung lebendiger menschlicher Arbeit, welches einer Reduktion des variablen Kapitals gleichkommt.

[...]


[1] Marx, Karl: Das Kapital, Band 3, Seite 260

[2] Grossmann, Henryk: Das Akkumulations- und Zusammenbruchsgesetz des kapitalistischen Systems, Seite 137

[3] Vgl. Grossmann, Henryk: Das Akkumulations- und Zusammenbruchsgesetz des kapitalistischen Systems, Seite 137

[4] Ebd., Seite 138

[5] Vgl. Berger, Michael: Karl Marx „Das Kapital“, Seite 182

[6] Vgl. Bader, Veit Michael: Krise und Kapitalismus bei Marx, Seite 390

[7] Marx, Karl: Das Kapital, Band 3, Seite 269

[8] Marx, Karl: Das Kapital, Band 3, Seite 223

Ende der Leseprobe aus 14 Seiten

Details

Titel
Von der ökonomischen Krise zum Zusammenbruch des kapitalistischen Systems - Die Krisen- und Zusammenbruchstheorie bei Marx
Hochschule
Freie Universität Berlin  (Otto-Suhr-Institut)
Veranstaltung
Die politische Theorie des Kapitalismus und Imperialismus: Marx, Lenin und Luxemburg
Note
1,3
Autor
Jahr
2006
Seiten
14
Katalognummer
V77786
ISBN (eBook)
9783638823197
ISBN (Buch)
9783640424368
Dateigröße
454 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Krise, Zusammenbruch, Systems, Krisen-, Zusammenbruchstheorie, Marx, Theorie, Kapitalismus, Imperialismus, Lenin, Luxemburg
Arbeit zitieren
Dörthe Krüger (Autor), 2006, Von der ökonomischen Krise zum Zusammenbruch des kapitalistischen Systems - Die Krisen- und Zusammenbruchstheorie bei Marx, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/77786

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