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Die Bedeutung des Geschmacks in Pierre Bourdieus Theorie soziokultureller Ungleichheit

Title: Die Bedeutung des Geschmacks in Pierre Bourdieus Theorie soziokultureller Ungleichheit

Seminar Paper , 2007 , 15 Pages , Grade: 1.0

Autor:in: Thomas Neumann (Author)

Sociology - Social System and Social Structure
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Über Geschmack streitet man bekanntlich nicht. So häufig dieser Allgemeinplatz in Alltagsgesprächen verwendet wird, wenn sich zwei Menschen bei der Bewertung eines Musikstückes, eines Gemäldes oder auch nur einer Gaumenfreude uneins sind, so vehement wird seine Richtigkeit von dem französischen Soziologen Pierre Bourdieu bestritten. Sich nicht über Geschmack streiten – das heißt auch anerkennen, dass Geschmack lediglich individuelle Vorlieben ausdrückt und keine gesellschaftliche Relevanz besitzt. Entgegen dieser landläufigen Meinung betont Bourdieu den sozialen Charakter des ästhetischen Urteils: Geschmack wird zum Klassengeschmack, zum Ausdruck gesellschaftlicher Ungleichheitsverhältnisse.
In der vorliegenden Hausarbeit möchte ich zeigen, dass dem Geschmack eine wesentliche Rolle in Bourdieus Theorie soziokultureller Ungleichheit zukommt. Gleichwohl soll die Darstellung sich nicht auf diesen einzelnen Aspekt beschränken, sondern die Dimension Geschmack in den größeren Rahmen von Bourdieus Theorie stellen, da mir ein Verständnis der Thesen Bourdieus nicht ohne die Klärung einiger Grundlagen seiner Theorie möglich erscheint.
In einem ersten Teil sollen daher die Begriffe Sozialer Raum und Feld und die unterschiedlichen Kapitalformen erklärt werden. Mit diesen Begriffen wird das Bourdieusche Klassenmodell erläutert. Der Begriff des Habitus wird dazu dienen, die Konstruktion von Klassen anhand objektiver Merkmale im Raum der sozialen Positionen mit den unterschiedlichen Geschmacksvarianten im Raum der Lebensstile zusammenzuführen.
In einem zweiten Teil wird dann der eigentliche Zusammenhang zwischen Geschmack und sozialer Ungleichheit aufgezeigt. Bourdieus Programm einer antikantianischen Ästhetik wird entwickelt und kurz auf seine Theorie der Kunstwahrnehmung eingegangen. Weiterhin wird dargestellt, wie die Kantische Ästhetik in der Ideologie der herrschenden Klasse fortwirkt. Anschließend werden überblicksartig die von Bourdieu unterschiedenen Geschmacksvarianten von herrschendem, mittlerem und populären Geschmack beschrieben und gezeigt, wie sie zur Reproduktion der Gesellschaftsstruktur beitragen. Schließlich werden die wichtigsten Thesen noch einmal kurz zusammengefasst.

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Grundlagen von Bourdieus Theorie sozialer Ungleichheit

2.1. Sozialer Raum und Feldtheorie

2.2. Kapitalformen

2.3. Der Raum der sozialen Positionen

2.4. Habitus

2.5. Der Raum der Lebensstile

3. Geschmack und soziale Ungleichheit

3.1. Bourdieus antikantianische Ästhetik

3.2. Ästhetik als Legitimationsgrundlage sozialer Ungleichheit

3.3. Herrschender, mittlerer und populärer Geschmack

4. Zusammenfassung

Zielsetzung und Themen der Arbeit

Die Arbeit verfolgt das Ziel aufzuzeigen, dass Geschmack in der soziologischen Theorie von Pierre Bourdieu keine individuelle Vorliebe ist, sondern eine wesentliche Rolle bei der Konstitution und Reproduktion soziokultureller Ungleichheitsverhältnisse spielt. Dabei wird analysiert, wie klassenspezifische Habitusformen und ästhetische Urteile als Mittel zur Distinktion und zur Legitimierung gesellschaftlicher Machtstrukturen dienen.

  • Grundlagen der Bourdieuschen Theorie (Sozialer Raum, Feldtheorie, Kapitalformen)
  • Die Vermittlerfunktion des Habitus zwischen sozialen Positionen und Lebensstilen
  • Kritik an der Kantischen Ästhetik und Entwicklung einer antikantianischen Perspektive
  • Strukturen des herrschenden, mittleren und populären Geschmacks
  • Geschmack als Instrument der sozialen Distinktion und Klassenreproduktion

Auszug aus dem Buch

3.1. Bourdieus antikantianische Ästhetik

In seiner Ästhetik unterscheidet Kant den auf das Schöne gerichteten Reflexionsgeschmack vom Sinnengeschmack, der lediglich auf das Angenehme zielt. Diese Gegenüberstellung findet sich weiter in den Begriffspaaren reiner und barbarischer Geschmack sowie Kultur und Natur. Kennzeichnend für den reinen Geschmack ist die Ablehnung aller groben sinnlichen Reize sowie die Interesselosigkeit des ästhetischen Urteils, das losgelöst von der Zweckmäßigkeit den Blick auf die Schönheit eines Werkes richtet. Hier liegt die auch für Bourdieus Unterscheidung der klassenspezifischen Geschmacksrichtungen entscheidende Betonung des Vorranges der Form vor dem Inhalt begründet. Da das Schöne eine indirekte Darstellung des Guten ist, lässt sich Geschmack als Hinweis auf die moralische Vollkommenheit einer Person werten. Auch wenn Geschmack nur in der Gemeinschaft von Bedeutung ist, existiert er als ästhetisches Urteilsvermögen a priori und ist autonom. Geschmack ist somit ein Ausweis von Individualität und angeborener Begabung.

An dieser Stelle setzt Bourdieus Kritik ein. Gegen die Vorstellung einer ‚natürlichen’ Geschmacksbegabung betont er den Einfluss von Sozialisationsprozessen auf die kulturelle Kompetenz und den engen Zusammenhang von Klassenzugehörigkeit, Bildungsniveau und Geschmacksfähigkeit. Gegen eine unhistorisch verfahrende philosophische Ästhetik wirft er die Frage nach den sozialen Bedingungen von Kunst und Kunstwahrnehmung auf. Ebenso wie andere soziale Felder innerhalb der Gesellschaft unterliegt das ästhetische Feld einer spezifischen Eigenlogik, die unter spezifischen historischen Bedingungen entstanden ist. Kunst braucht immer auch den Kunstliebhaber, der ein Werk überhaupt erst in den Status eines Kunst-Werkes erhebt. Künstlerisches Feld und gebildeter Habitus bedingen sich somit gegenseitig.

Zusammenfassung der Kapitel

1. Einleitung: Dieses Kapitel führt in die Fragestellung ein, dass Geschmack eine soziale Dimension besitzt und als Ausdruck von Ungleichheitsverhältnissen verstanden werden muss.

2. Grundlagen von Bourdieus Theorie sozialer Ungleichheit: Hier werden die zentralen theoretischen Konzepte wie Sozialer Raum, Kapitalformen, Habitus und die verschiedenen Teilräume der Gesellschaft erläutert.

3. Geschmack und soziale Ungleichheit: Dieser Hauptteil analysiert die antikantianische Ästhetik, zeigt die Legitimationsfunktion der Ästhetik auf und differenziert zwischen den verschiedenen Geschmacksformen der Klassen.

4. Zusammenfassung: Die zentralen Ergebnisse zur Rolle des Geschmacks als Erzeugnis und Produzent sozialer Ungleichheit werden hier abschließend synthetisiert.

Schlüsselwörter

Pierre Bourdieu, Geschmack, soziale Ungleichheit, Habitus, Distinktion, Kapitalformen, Sozialer Raum, Lebensstile, Ästhetik, Klassenhabitus, kulturelle Kompetenz, symbolische Macht, Klassengesellschaft, kulturelle Codes, Reproduktion.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundlegend?

Die Arbeit untersucht die soziologische Bedeutung des Geschmacks innerhalb der Theorie von Pierre Bourdieu und arbeitet dessen Rolle bei der Erzeugung und Reproduktion sozialer Ungleichheit heraus.

Welche zentralen Themenfelder werden behandelt?

Die zentralen Themen umfassen die Bourdieusche Feld- und Kapitaltheorie, das Konzept des Habitus, die Unterscheidung zwischen verschiedenen Geschmacksformen (herrschend, mittel, populär) und den Zusammenhang zwischen Ästhetik und Macht.

Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?

Das Ziel ist es, den „Alltagsmythos“ zu widerlegen, dass Geschmack nur eine individuelle Angelegenheit sei, und stattdessen dessen Funktion als Instrument der sozialen Abgrenzung und Distinktion aufzuzeigen.

Welche wissenschaftliche Methode kommt zum Einsatz?

Es handelt sich um eine theoretische Arbeit, die auf der kritischen Auseinandersetzung mit den Schriften von Pierre Bourdieu (insbesondere „Die feinen Unterschiede“) sowie auf der Einordnung in die soziologische Theoriebildung basiert.

Was sind die inhaltlichen Schwerpunkte des Hauptteils?

Der Hauptteil gliedert sich in eine theoretische Fundierung der Begriffe Feld, Kapital und Habitus sowie in die spezifische Analyse, wie Geschmack als Legitimationsgrundlage für soziale Ungleichheit fungiert.

Welche Begriffe charakterisieren die Arbeit am besten?

Die zentralen Begriffe sind Habitus, Distinktion, kulturelles Kapital, soziale Positionen, Lebensstile sowie das Spannungsfeld zwischen „reinem“ und „barbarischem“ Geschmack.

Wie genau wirkt sich die Schule auf den Geschmack aus?

Laut Bourdieu dient die Schule als zentrale Institution zur Vermittlung kultureller Codes; sie lehrt das Wissen, das erforderlich ist, um legitime Kunstwerke als solche zu identifizieren und einen „gebildeten“ Geschmack zu entwickeln.

Was meint Bourdieu mit der „Homologie“ zwischen sozialem Raum und Lebensstilen?

Damit ist die Korrespondenz gemeint, dass Menschen in ähnlichen sozialen Positionen (mit ähnlicher Kapitalausstattung) dazu neigen, ähnliche Lebensstile und Geschmacksurteile auszubilden.

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Details

Title
Die Bedeutung des Geschmacks in Pierre Bourdieus Theorie soziokultureller Ungleichheit
College
University of Augsburg
Grade
1.0
Author
Thomas Neumann (Author)
Publication Year
2007
Pages
15
Catalog Number
V77802
ISBN (eBook)
9783638827867
ISBN (Book)
9783638831833
Language
German
Tags
Bedeutung Geschmacks Pierre Bourdieus Theorie Ungleichheit Kultursoziologie Distinktion Lebensstile Kant Ästhetik
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Thomas Neumann (Author), 2007, Die Bedeutung des Geschmacks in Pierre Bourdieus Theorie soziokultureller Ungleichheit, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/77802
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