Die vorliegende Seminararbeit soll einen Versuch darstellen, die Möglichkeiten und Grenzen psychologischer Forschung in Bezug auf das Phänomen des Terrorismus auszuloten sowie bislang vorherrschende Ansätze und Beiträge zusammen zu tragen. Hierbei soll keinesfalls Anspruch auf Vollständigkeit erhoben werden, zumal die Realisierung einer solchen grundsätzlich fragwürdig erscheint und den für eine Seminararbeit angemessenen Umfang bei Weitem übersteigen müsste. Auch sollen hier psychologische Beiträge (von denen es sehr viele gibt) zur Behandlung von Opfern von Terrorismus nicht abgehandelt werde; diese umfangreiche Thematik bedarf wohl einer weiteren Auseinandersetzung.
Inhaltsverzeichnis
1.0. Vorwort
2.0. Einleitung: Zur Definition von Terrorismus
2.1. Überblick zur psychologischen Terrorismusforschung: Persönlichkeitsbezogene vs. Gruppenbezogene Erklärungsversuche
2.2. Überblick zur psychologischen Terrorismusforschung: „Alter“ und „Neuer“ Terrorismus
2.3. Überblick zur psychologischen Terrorismusforschung: Die Konsequenzen von Terrorismus
2.4. Überblick zur psychologischen Terrorismusforschung: Ausblick
3.0. Terrorismus zwischen ‚Syndrom’ und ‚Werkzeug’
3.1. Terrorismus als ‚Syndrom’
3.2. Terrorismus als ‚Werkzeug’
Zielsetzung und thematische Schwerpunkte
Die vorliegende Arbeit untersucht den Beitrag der wissenschaftlichen Psychologie zur Erforschung des Phänomens Terrorismus. Dabei liegt der Fokus auf der Analyse verschiedener psychologischer Erklärungsansätze, der Abgrenzung von Begrifflichkeiten sowie der kritischen Auseinandersetzung mit dem Verständnis von Terrorismus als psychologisches Syndrom versus als strategisches Werkzeug zur Durchsetzung politischer Ziele.
- Psychologische Erklärungsmodelle für terroristisches Verhalten
- Differenzierung zwischen „altem“ und „neuem“ Terrorismus
- Kritische Analyse der Hypothese terroristischer Persönlichkeitsstrukturen
- Terrorismus als zielorientiertes Instrument und seine Multifunktionalität
- Ableitung von Präventions- und Gegenmaßnahmen basierend auf psychologischen Erkenntnissen
Auszug aus dem Buch
3.1. Terrorismus als ‚Syndrom’
Einerseits zeichnet sich die forschungspsychologische Tradition ab, Terrorismus als ein mehr oder weniger einheitliches psychologisches Konstrukt mit identifizierbaren Eigenschaften zu verstehen. Diese Sichtweise von Terrorismus als ‚Syndrom’ geht einher mit der Suche nach definiten internen Ursachen (z.B. Persönlichkeitseigenschaften, Persönlichkeitsstörungen) und externen Ursachen (z.B. Armut, Bildungsstand, politische Unterdrückung) von Terrorismus und vermittelt den Eindruck einer „Prototypisierung“ von terroristischen Gruppen, implizierend, dass letztere einer eindeutigen organisationalen Struktur und Entwicklung unterliegen würden.
Diese Herangehensweise an die Thematik fokussiert also die Suche nach den internen, individuellen und externen, situativen Ursachefaktoren von Terrorismus und setzt somit voraus, dass es die terroristische Persönlichkeit und die Terrorismus kausal verursachende Umweltbedingungen gibt.
Dieses Verständnis von Terrorismus wird der Heterogenität der Anwender von Terrorismus allerdings nicht gerecht wie zahlreiche (erfolglose) empirische Bemühungen zur Identifizierung eindeutiger Täterprofile (vgl. Horgan, 2005) und eindeutiger umweltbedingter Ursachefaktoren (vgl. Krueger & Maleckova, 2002) offen legen. Weder konnten durchgehende Persönlichkeitsauffälligkeiten noch situative Ursachefaktoren wie Armut oder politische Unterdrückung ermittelt werden. Die dem psychologischen Laien intuitiv erscheinende, „logische“ Kausalkette, dass Armut oder Unterdrückung zu Frustration und diese in Folge zu Aggression gegen andere führen müssen ist wissenschaftlich nicht haltbar zumal die sog. Aggressions-Frustrations-Hypothese (ursprünglich Dollard et al., 1939) in der wissenschaftlichen Psychologie seit ihrer expliziten Formulierung der Kritik ausgesetzt gewesen ist und nach wie vor keine empirisch belegbaren kausalen Schlüsse zulässt.
Zusammenfassung der Kapitel
1.0. Vorwort: Ein kurzer Abriss über die Intention der Seminararbeit, die Möglichkeiten und Grenzen psychologischer Terrorismusforschung aufzuzeigen.
2.0. Einleitung: Zur Definition von Terrorismus: Diese Einleitung thematisiert die Schwierigkeit einer einheitlichen Definition von Terrorismus und grenzt das Phänomen von staatlicher Gewalt, Kollateralschäden und bewaffnetem Widerstand ab.
2.1. Überblick zur psychologischen Terrorismusforschung: Persönlichkeitsbezogene vs. Gruppenbezogene Erklärungsversuche: Das Kapitel diskutiert den Übergang von (pathologischen) Persönlichkeitstheorien hin zur Betrachtung von Terrorismus als dynamischer Gruppenaktivität.
2.2. Überblick zur psychologischen Terrorismusforschung: „Alter“ und „Neuer“ Terrorismus: Hier werden Unterschiede in Zielen, Methoden und der Organisationsstruktur zwischen traditionellen und modernen Formen des Terrorismus herausgearbeitet.
2.3. Überblick zur psychologischen Terrorismusforschung: Die Konsequenzen von Terrorismus: Das Kapitel befasst sich mit der psychologischen Wirkung von Terrorismus auf die Wahrnehmung von Bedrohung in der Bevölkerung und dessen Einfluss auf politische Prozesse.
2.4. Überblick zur psychologischen Terrorismusforschung: Ausblick: Es wird die Notwendigkeit zukünftiger Forschung betont, insbesondere die Verbesserung der empirischen Datenbasis und der Vergleich verschiedener Terrorismusformen.
3.0. Terrorismus zwischen ‚Syndrom’ und ‚Werkzeug’: Dieses Kapitel führt in die zwei wesentlichen, grundlegend verschiedenen Forschungsansätze zum Verständnis von Terrorismus ein.
3.1. Terrorismus als ‚Syndrom’: Analyse der Sichtweise, die Terrorismus als einheitliches psychologisches Konstrukt mit festen Ursachen betrachtet, und deren wissenschaftliche Kritik.
3.2. Terrorismus als ‚Werkzeug’: Untersuchung von Terrorismus als bewusstes, rationales Mittel zum Zweck und die daraus resultierenden Implikationen für die Konfliktlösung.
Schlüsselwörter
Psychologische Terrorismusforschung, Terrorismus, Syndrom, Werkzeug, Persönlichkeitstheorie, Gruppenidentifikation, Radikalisierung, Terroristenprofil, Gewaltphänomene, politisches Instrument, Terrorismusbekämpfung, Motivationsforschung, Handlungsmodell, Strategie, Prävention
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der vorliegenden Arbeit im Kern?
Die Arbeit untersucht, welche Beiträge die wissenschaftliche Psychologie zur Erforschung des Terrorismus leistet und welche theoretischen Ansätze dabei vorherrschend sind.
Welche zentralen Themenfelder behandelt der Text?
Die Schwerpunkte liegen auf der Definitionsfrage, dem Vergleich von „altem“ und „neuem“ Terrorismus sowie der Gegenüberstellung der Konzepte „Terrorismus als Syndrom“ und „Terrorismus als Werkzeug“.
Was ist das primäre Ziel der Forschungsarbeit?
Das Ziel ist es, die Möglichkeiten und Grenzen psychologischer Forschung bei der Analyse terroristischen Verhaltens auszuloten und die vorherrschenden Ansätze kritisch zusammenzutragen.
Welche wissenschaftliche Methode wird zur Untersuchung verwendet?
Es handelt sich um eine theoretische Literaturanalyse, die verschiedene psychologische Forschungsarbeiten und Modelle zur Terrorismusforschung vergleicht und diskutiert.
Welche Inhalte dominieren den Hauptteil der Seminararbeit?
Der Hauptteil gliedert sich in einen Überblick über psychologische Erklärungsversuche (Persönlichkeit vs. Gruppe) sowie eine vertiefte Analyse der zweigeteilten Forschungsperspektiven auf das Phänomen Terrorismus.
Durch welche Schlüsselwörter lässt sich die Arbeit charakterisieren?
Psychologische Terrorismusforschung, Radikalisierung, Gruppendynamik, Terrorismus als Werkzeug, politisches Instrument und empirische Herausforderungen.
Warum wird die „Aggressions-Frustrations-Hypothese“ in der Arbeit kritisiert?
Der Autor argumentiert, dass diese Hypothese wissenschaftlich nicht haltbar ist, da Frustration nicht zwangsläufig zu Aggression führt und es zahlreiche andere Verhaltensalternativen gibt.
Was unterscheidet das Verständnis von Terrorismus als „Werkzeug“ von dem als „Syndrom“?
Während das „Syndrom“-Modell Terrorismus als eine Art psychologische Störung oder krankhafte Persönlichkeitseigenschaft zu identifizieren sucht, betrachtet das „Werkzeug“-Modell Terrorismus als eine wohlüberlegte, bewusste Entscheidung zur Durchsetzung politischer Ziele.
Welche Konsequenzen ergeben sich aus der „Werkzeug“-Perspektive für die Terrorismusbekämpfung?
Diese Sichtweise impliziert, dass Täter durch das Aufzeigen von Ineffektivität ihrer Taten, das Anbieten besserer Handlungsalternativen oder die Darstellung der Kontraproduktivität ihrer Mittel beeinflusst werden könnten.
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- Jakob Lorenc (Author), 2007, Über den Beitrag der wissenschaftlichen Psychologie zur Erforschung des Phänomens 'Terrorismus', Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/77826