Über den Beitrag der wissenschaftlichen Psychologie zur Erforschung des Phänomens 'Terrorismus'


Seminararbeit, 2007

16 Seiten


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1.0. Vorwort

2.0. Einleitung: Zur Definition von Terrorismus
2.1. Überblick zur psychologischen Terrorismusforschung: Persönlichkeitsbezogene vs. Gruppenbezogene Erklärungsversuche
2.2. Überblick zur psychologischen Terrorismusforschung: „Alter“ und „Neuer“ Terrorismus
2.3. Überblick zur psychologischen Terrorismusforschung: Die Konsequenzen von Terrorismus
2.4. Überblick zur psychologischen Terrorismusforschung: Ausblick

3.0. Terrorismus zwischen ‚Syndrom’ und ‚Werkzeug’
3.1. Terrorismus als ‚Syndrom’
3.2. Terrorismus als ‚Werkzeug’

1.0. Vorwort

Die vorliegende Seminararbeit soll einen Versuch darstellen, die Möglichkeiten und Grenzen psychologischer Forschung in Bezug auf das Phänomen des Terrorismus auszuloten sowie bislang vorherrschende Ansätze und Beiträge zusammen zu tragen. Hierbei soll keinesfalls Anspruch auf Vollständigkeit erhoben werden, zumal die Realisierung einer solchen grundsätzlich fragwürdig erscheint und den für eine Seminararbeit angemessenen Umfang bei Weitem übersteigen müsste. Auch sollen hier psychologische Beiträge (von denen es sehr viele gibt) zur Behandlung von Opfern von Terrorismus nicht abgehandelt werde; diese umfangreiche Thematik bedarf wohl einer weiteren Auseinandersetzung.

2.0. Einleitung: Zur Definition von Terrorismus

Das Phänomen des Terrorismus mit einer einheitlichen, verbindlichen Definition zu untermauern ist bis heute trotz zahlreicher Versuche (vgl. Schmid & Jongman, 1988)[1] seit dem Beginn der Terrorismusforschung in den frühen 1970er Jahren nicht gelungen, was u.a. darauf zurückzuführen sein dürfte, dass je nach Autoren verschieden motivierte Interessen mit der Definition von Terrorismus einhergehen. So mag die abwertende Betitelung eines Verhaltens als Terrorismus dadurch motiviert sein, dass man es von anderen, geduldeten Formen der Aggression zu unterscheiden versucht. So äußert sich eine Definition von Terrorismus des U.S. Department of State beispielsweise folgendermaßen (zitiert in Hoffman, 1998)[2]:

‘‘[...] a premeditated, politically motivated violence conducted in times of peace, perpetrated against noncombatant targets by sub-national groups or clandestine state agents, usually intended to influence an audience to advance political ends [...]’’

Diese Definition grenzt Terrorismus somit von

- staatlicher Gewalt zu Kriegszeiten (z.B. die Bombardierungen deutscher und japanischer Städte im Zweiten Weltkrieg),
- versehentlicher, jedoch in Kauf genommener Tötung von Zivilisten (sog. Kollateralschäden),
- Bewaffnetem Widerstand gegen Unterdrückung aus dem Untergrund heraus

ab und demonstriert wie voreingenommen derartige Definitionen sein können. Sie erteilt der gängigen Beobachtung, dass des einen Terrorist des anderen Freiheitskämpfer sein kann weitere Bestätigung.

Zur Überbrückung dieses Dilemmas könnte die Fokussierung auf ein Kernelement des Terrorismus, die strategische Verwendung von Angst zur Erreichung der eigenen Ziele, dienen. So formuliert Carr (2003)[3]:

‘‘Terrorism is simply the contemporary name given to, and the modern permutation of, warfare deliberately waged against civilians with the purpose of destroying their will to support either leaders or policies that the agents of such violence find objectionable’’

Hier wie auch bei Telhami (2004)[4] – „an ‚instrument’…a means employed by groups some of which have just causes and some of which don’t” - wird Terrorismus also kein Syndromcharakter (s.u.) zugesprochen, sondern Terrorismus als Werkzeug (s.u.) gesehen und der Versuch unternommen, dem subjektiv motivierten Anteil von Terrorismusdefinitionen etwas Gewicht zu nehmen.

Trotz der heute oft polemischen oder rhetorischen Verwendung des Begriffes Terrorismus und entgegen der Schwierigkeit, Terrorismus selbst bei analytischer Begriffsverwendung von anderen Gewaltphänomenen abzugrenzen, sei an dieser Stelle doch auf den Differenzierungsversuch von Crenshaw (2000)[5] hingewiesen:

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

2.1. Überblick zur psychologischen Terrorismusforschung: Persönlichkeitsbezogene vs. Gruppenbezogene Erklärungsversuche

Obwohl die psychologische Erforschung des Terrorismus unter Akademikern aufgrund des möglichen Missbrauchs oder einer evtl. Fehlauslegung durch Politik und Öffentlichkeit (v.a. zu Zeiten des Kalten Krieges) lange Zeit als umstritten galt, konnte diese wissenschaftliche Zurückhaltung mittlerweile zugunsten einer mehr oder weniger verantwortungsvollen Einbindung wissenschaftlicher Erkenntnisse in politische Entscheidungen überwunden werden (Zulaika & Douglass, 1996)[6]. Dennoch verbleibt die Debatte darüber, wie politischen Entscheidungsträgern, die von der Forschung ein fixes und eindeutiges „Terroristenprofil“ mitsamt Listen von Charakteristika zur Identifizierung von (potentiellen) Terroristen erwarten, diese Erkenntnisse zu vermitteln seien.

Diese Problematik ist unweigerlich mit den Persönlichkeitstheorien des Terrorismus im Allgemeinen und der sich wider alle wissenschaftlichen Ergebnisse hartnäckig haltenden Idee von einer Psychopathologie des Terrorismus im Speziellen verbunden. Silke (1998)[7] verweist darauf, dass, obwohl die meisten Beobachter die Auffassung einer generellen abnormalen Persönlichkeit von Terroristen ablehnen, sich dennoch immer wieder Tendenzen äußern, solche pathologischen Persönlichkeitsauffälligkeiten wie Narzissmus oder Paranoia zur Erklärung heran zu ziehen (z.B. Post, 1990[8] ; Pearlstein, 1991[9] ).

[...]


[1] Schmid, A.P., & Jongman, A.J. (1988). Political terrorism. Amsterdam: North Holland Publishing Company.

[2] Hoffman, B. (1998). Inside terrorism. New York: Columbia University Press.

[3] Carr, C. (2003). The lessons of terror: A history of warfare against civilians. New York: Random House.

[4] Telhami, S. (2004). The Stakes: America in the Middle East. Boulder, CO: Westview Press.

[5] Crenshaw, M. (2000). The Psychology of Terrorism: An Agenda for the 21st Century. Political Psychology, Vol. 21, No. 2.

[6] Zulaika, J., Douglass, W. A. (1996). Terror and taboo: The follies, fables, and faces of terrorism. New York: Routledge.

[7] Silke, A. (1998). The recurring theme of terrorist abnormality in psychological research. Crime & Law, 4, 51-69.

[8] Post, J. M. (1990). Terrorist psycho-logic: Terrorist behaviour as a product of psychological forces. In W. Reich (Ed.), Origins of terrorism: Psychologies, ideologies, theologies, states of mind (pp. 192-203). Cambridge: Cambridge University Press.

[9] Pearlstein, R. M. (1991). The mind of the political terrorist. Wilmington, DE: Scholarly Resources Inc.

Ende der Leseprobe aus 16 Seiten

Details

Titel
Über den Beitrag der wissenschaftlichen Psychologie zur Erforschung des Phänomens 'Terrorismus'
Hochschule
Universität Wien
Autor
Jahr
2007
Seiten
16
Katalognummer
V77826
ISBN (eBook)
9783638830096
ISBN (Buch)
9783638831918
Dateigröße
429 KB
Sprache
Deutsch
Anmerkungen
Quellenangabe in den Fußnoten
Schlagworte
Beitrag, Psychologie, Erforschung, Phänomens, Terrorismus
Arbeit zitieren
Jakob Lorenc (Autor), 2007, Über den Beitrag der wissenschaftlichen Psychologie zur Erforschung des Phänomens 'Terrorismus', München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/77826

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