Mit Beginn des Schuljahres 2004/2005 wurde der frühzeitige Englischunterricht
ab der dritten Klasse verbindlich für das Bundesland Nordrhein-Westfalen eingeführt.
Hierbei handelt es sich nicht um die bloße Vorverlegung aus der Sekundarstufe
I, sondern um eine eigens für die Primarstufe entwickelte Unterrichtsform. Hauptbestandteil bilden hierbei spielerische Elemente, die vor allem die Aufmerksamkeit und Motivation der Schüler sichern und Überforderung vermeiden sollen. Die mögliche Verbindung von Spielen und Lernen zur Förderung des englischen Sprachverständnisses im Grundschulalter bildet die Basis dieser Arbeit und begründet
ihren Aufbau, der im Folgenden dargestellt wird.
Im zweiten Kapitel dieser Arbeit wird analysiert, ob und weshalb der frühzeitige
Englischunterricht sinnvoll ist, warum die Einführung des Englischunterrichts in
NRW im dritten Schuljahr erfolgt und welche Bedenken und Vorurteile dem entgegenstehen.
Darauffolgend werden die Ziele und Schwerpunkte des Lehrplans
Englisch in NRW näher erläutert, wobei insbesondere auf die vier Fertigkeiten
„Hörverstehen“, „Sprechen“, „Leseverstehen“ und „Schreiben“ eingegangen wird.
Die effektive und grundschulgerechte Umsetzung des Englischunterrichts wird
anschließend beleuchtet.
Das dritte Kapitel beschäftigt sich vordergründig mit dem Einsatz der Lernspiele.
Neben der ausführlichen Darstellung ihrer Bedeutung im Unterricht bildet die
detaillierte Auflistung einzelner Lernspiele den Hauptbestandteil dieses Kapitels.
Hierbei werden den jeweils zu fördernden Fertigkeiten geeignete Lern- und Bewegungsspiele zugeordnet. Abschließend erfolgt die Betrachtung von möglichen
Leistungsbewertungsmethoden im spielorientierten Englischunterricht.
Im Rahmen des vierten Kapitels wird anhand der Evaluation des Hamburger
Schulversuchs „Englisch ab Klasse 3“ die Lerneffektivität im spielorientierten
Englischunterricht beleuchtet. Die zum Fremdsprachenunterricht erhobenen Schüleräußerungen stellen nachfolgend die Resonanz der Schüler auf den Englischunterricht dar und zeigen, mit welchen Gefühlen sie dem Wechsel zur weiterführenden Schule entgegensehen.
Im abschließenden Teil dieser Arbeit erfolgt eine Zusammenfassung aus persönlich
durchgeführten Lehrerinterviews, die zum Thema „Spielorientierter Englischunterricht“
Stellung nehmen und auf beruflichen Erfahrungen beruhen.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Englisch in der Grundschule
2.1 Ursachen und Bedeutung des Englischunterrichts in der Grundschule
2.2 Beweggründe für den Einsatz des Fremdsprachenunterrichts ab Klasse 3
2.3 Bedenken und Vorurteile zum frühzeitigen Fremdsprachenerwerb
2.4 Ziele und Schwerpunkte des Lehrplans Englisch in NRW
2.4.1 Leistungsbewertung laut Lehrplan in NRW
2.4.2 Die vier Fertigkeiten - Hören, Sprechen, Lesen und Schreiben
2.4.2.1 Hörverstehen
2.4.2.2 Sprechen
2.4.2.3 Leseverstehen
2.4.2.4 Schreiben
2.4.3 Kultur
2.5 Inhalte einer effektiven und grundschulgerechten Umsetzung des Fremdsprachenunterrichts
2.5.1 Die Bedeutung der „silent period“
2.5.2 Ausspracheprobleme und deren Lösung
2.5.3 Korrekturverhalten
2.5.4 Classroom language
3. Der spielorientierte Fremdsprachenunterricht
3.1 Inhalte und Struktur des Spieleinsatzes im Unterricht
3.1.1 Abwechslungsreiche Gruppeneinteilung im spielorientierten Englischunterricht
3.1.2 Die Rolle der Lehrkraft beim spielorientierten Fremdsprachenunterricht
3.1.3 Das Problem der Klassengröße und der Lautstärke von Lernspielen im Klassenzimmer
3.2 Lernspiele für den Englischunterricht
3.2.1 Die Bedeutung von Lernspielen im Englischunterricht
3.2.2 Spiele zur Förderung des detaillierten Hörverstehen
3.2.3 Sprechspiele
3.2.3.1 Vom nachahmenden Sprechverhalten bis zur freien Kommunikation
3.2.3.2 Übung zur Aussprache
3.2.3.3 Spiele zur Wiederholung, Festigung und Erweiterung des Wortschatzes
3.2.3.4 Sprechspiele mit integrierter Grammatikübung
3.2.4 Lernspiel zur Förderung der Lesefertigkeit
3.2.5 Lernspiel zur Förderung der Schreibfertigkeit
3.2.6 Die englische Kultur auf eine spielerische Weise kennen lernen
3.2.7 Bewegungsspiele als besondere Form der Lernspiele für den Englischunterricht
3.2.7.1 Die Bedeutung von Bewegung im Unterricht
3.2.7.2 Die Auswirkungen von Bewegungselemente auf die Sprachförderung im Englischunterricht
3.2.8 Spielorientierte Hilfsmittel für den Fremdsprachenunterricht
3.2.8.1 Die Handpuppe als einsteigender Gesprächspartner für Schüler und Lehrer
3.2.8.2 Der Computereinsatz im Englischunterricht
3.3 Die Leistungsermittlung im spielorientierten Englischunterricht
3.3.1 Beobachtung
3.3.2 Spielorientierter Test
3.3.3 Portfolio
4. Die Lerneffektivität im spielorientierten Englischunterricht
4.1 Hamburger Schulversuch „Englisch ab Klasse 3“
4.1.1 Untersuchungsaspekte der Evaluation im dritten und vierten Schuljahr
4.1.2 Zusammenfassung der Beobachtungen zum Schülerverhalten
4.1.3 Übersicht des Sprachstandes am Ende des dritten Schuljahres
4.1.4 Übersicht des Sprachstandes am Ende des vierten Schuljahres
4.1.5 Zusammenfassung der Schülerinterviews
4.1.6 Schlusswort zur Untersuchung
5. Experteninterviews zum spielorientierten Englischunterricht
6. Fazit
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die Funktion und Lerneffektivität von Bewegungs- und Lernspielen im Englischunterricht der Primarstufe. Das Ziel besteht darin, aufzuzeigen, wie spielerische Ansätze den Spracherwerb kindgerecht fördern, die Motivation steigern und eine angstfreie Lernumgebung schaffen können, um die Grundlagen für die fremdsprachliche Kompetenzentwicklung zu legen.
- Bedeutung und Didaktik des frühen Fremdsprachenunterrichts
- Einsatzmöglichkeiten und Strukturierung von Lernspielen
- Förderung der vier Fertigkeiten (Hören, Sprechen, Lesen, Schreiben) durch Spiele
- Methoden der Leistungsermittlung in einem spielorientierten Unterrichtskontext
- Evaluation der Lerneffektivität anhand von Praxisbeispielen
Auszug aus dem Buch
3.1.2 Die Rolle der Lehrkraft beim spielorientierten Fremdsprachenunterricht
In einem spielorientierten Unterricht stellt die Lehrperson nicht, wie so oft, die zentrale Figur dar, sondern erfüllt die Rolle des Beraters, Helfers und Moderators Sie fertigt die benötigten Materialien an, erklärt die Spielregeln und beobachtet den Spielvorgang. Während die Lehrkraft das Spiel als Beobachter begleitet, kann sie häufig vorkommende Fehler notieren, um diese in weiteren Unterrichtsstunden nochmals aufzugreifen (vgl. Klippel 2000, S.130).
Damit die Schüler sehen, dass die Lehrperson an den jeweiligen Spielprozessen interessiert ist, sollte sie ihnen ein Feedback über den Verlauf oder über ihren Spracheinsatz geben. Allerdings muss sie darauf achten, dass negative Anmerkungen nicht persönlich an einen Schüler gerichtet werden, sondern dass diese allgemein ausdrückt werden. Auf diese Weise wird verhindert, dass einzelne Kinder sich vor der Klasse bloß gestellt fühlen oder von anderen verspottet werden.
Bei positiven Bemerkungen ist es jedoch anders, diese können auch vor der Klasse persönlich an einen Schüler gerichtet werden (vgl. Rixon S. 1981, S.58). Obwohl die Lehrperson bei den meisten Lernspielen als Spielleiter zurückhaltend auftritt, agiert sie bei Fragen oder Problemen während eines Spiels als Berater, um Hilfestellung zu leisten (vgl. Kube K. 1977, S.149).
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Dieses Kapitel führt in die Einführung des Englischunterrichts in NRW ein und erläutert die Bedeutung spielerischer Elemente sowie den Aufbau der Arbeit.
2. Englisch in der Grundschule: Hier werden die Gründe für den frühen Beginn des Fremdsprachenlernens sowie die zentralen Ziele des Lehrplans und die vier sprachlichen Fertigkeiten analysiert.
3. Der spielorientierte Fremdsprachenunterricht: Dieses Kapitel detailliert die didaktische Planung, den Einsatz verschiedener Lernspieltypen zur Förderung der Sprachfertigkeiten sowie die Rolle der Lehrkraft.
4. Die Lerneffektivität im spielorientierten Englischunterricht: Anhand einer Evaluation werden das Sprachstandsniveau, das Schülerverhalten und die Lerneffektivität spielerischer Methoden belegt.
5. Experteninterviews zum spielorientierten Englischunterricht: Die Ergebnisse aus Interviews mit praktizierenden Lehrkräften reflektieren die Anwendung der Theorie im Schulalltag.
6. Fazit: Das Fazit fasst die positiven Auswirkungen des spielerischen Ansatzes auf die Lernmotivation und den Spracherwerb zusammen.
Schlüsselwörter
Englischunterricht, Grundschule, Primarstufe, Lernspiele, Fremdsprachenerwerb, Bewegungsspiele, Sprachförderung, Lehrplan NRW, Hörverstehen, Sprechen, spielorientierter Unterricht, Evaluation, Lerneffektivität, Portfolio, Leistungsbewertung.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit?
Die Arbeit analysiert die Funktion und den Nutzen von Bewegungs- und Lernspielen zur Förderung des Spracherwerbs im Englischunterricht der Grundschule.
Was sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?
Die Schwerpunkte liegen auf der Didaktik des frühen Fremdsprachenlernens, der praktischen Umsetzung durch Lernspiele sowie der methodischen Leistungsermittlung.
Welches primäre Ziel verfolgt die Autorin?
Das Ziel ist der Nachweis, dass ein spielorientierter Unterricht die Lernfreude und die sprachlichen Kompetenzen der Kinder in der Primarstufe effektiv und nachhaltig fördert.
Welche wissenschaftlichen Methoden werden angewandt?
Neben einer theoretischen Analyse basierend auf fachdidaktischer Literatur wird die Lerneffektivität durch Evaluationen (Schulversuche) sowie Experteninterviews mit Grundschullehrkräften untersucht.
Was wird im umfangreichen Hauptteil behandelt?
Im Hauptteil werden verschiedene Kategorien von Lernspielen (z.B. Hör- und Sprechspiele, Bewegungsspiele) detailliert beschrieben, deren Lernziele definiert und in den unterrichtlichen Kontext eingeordnet.
Durch welche Schlüsselwörter lässt sich die Arbeit beschreiben?
Die Arbeit lässt sich durch Begriffe wie Englischunterricht in der Grundschule, Lernspiele, Spracherwerb, Lerneffektivität und Leistungsbewertung charakterisieren.
Warum ist die „silent period“ für Grundschüler wichtig?
Die „silent period“ bezeichnet eine Phase, in der Kinder die fremde Sprache zunächst aufnehmen, ohne selbst aktiv zu sprechen; Geduld der Lehrkraft ist hier entscheidend, um Sprechhemmungen zu vermeiden.
Wie spielt die Handpuppe eine Rolle im Unterricht?
Die Handpuppe fungiert als motivierender Gesprächspartner, der nur Englisch spricht und so die Hemmschwelle der Kinder abbaut, selbst aktiv in der Fremdsprache zu interagieren.
Welche Rolle spielt die Bewegung bei den Lernspielen?
Bewegungselemente fördern nicht nur die Gesundheit, sondern verknüpfen den Lernstoff ganzheitlich mit Handlungen, was zu einer nachhaltigeren Verankerung im Gedächtnis führt.
Warum wird das Portfolio zur Leistungsermittlung empfohlen?
Das Portfolio ermöglicht eine individuelle Dokumentation von Lernfortschritten über einen längeren Zeitraum und fördert gleichzeitig die Selbstreflexion der Schüler über ihre Stärken und Schwächen.
- Quote paper
- Karolina Wysocki (Author), 2005, Bewegungs- und Lernspiele im Englischunterricht der Primarstufe und ihre Funktion für die Förderung des Spracherwerbs, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/77862