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"L´amour la Fantasia" von Assia Djebar - Kultur und Sprache im Maghreb

Title: "L´amour la Fantasia" von Assia Djebar - Kultur und Sprache im Maghreb

Term Paper (Advanced seminar) , 2006 , 27 Pages , Grade: 1,3

Autor:in: Angelina Kalden (Author)

French Studies - Culture
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Summary Excerpt Details

Assia Djebar schildert in L´amour, la fantasia, dem ersten Teil einer Tetralogie, die Geschichte und Gegenwart Algeriens, wobei sprachliche und kulturelle Aspekte überwiegen. Deshalb soll in der vorliegenden Arbeit die Sprache im Maghreb im Hinblick auf den kolonialen Hintergrund untersucht werden. Dabei wird die Beziehung zwischen Männern und Frauen und deren Entwicklung ein zentrales Thema einnehmen.
In L`amour, la fantasia beschreibt Djebar zum einen die Zeit vom Fall Algiers bis hin zu den Unabhängigkeitskriegen. Sie bezieht sich auf Zeugenberichte und französische Kriegskorrespondenzen zwischen 1830 und 1860/1870, die sie vor allem im ersten und zweiten Abschnitt dokumentiert und teils ironisch hinterfragt. Demgegenüber stellt sie im dritten Teil des Romans mündliche aus dem Arabischen übersetzte Berichte von algerischen Frauen. Dabei geht es ihr um das nicht nur in diesem Roman zentrale Anliegen, den Frauen die Möglichkeit zu geben, sich zu äußern, was im folgenden Zitat deutlich wird: «Réveiller la voix longtemps silencieuse des femmes algériennes. C´est autour de ce thème que se développe la production littéraire d`Assia Djebar depuis les années 1980[.]» Susan Ireland gibt an, dass viele weibliche Autorinnen die Wichtigkeit der Frauen betonen, die es ablehnen zu schweigen und sich einschüchtern zu lassen. In die Kapitel fügen sich autobiographische Schilderungen Djebars. Demnach verbindet sie in diesem Roman Fakten und Fiktion mit Autobiographie und Geschichte, die sich in Individual- und Sozialgeschichte unterteilt.
Im Folgenden wird zunächst zum besseren Verständnis die Situation von schreibenden algerischen Frauen dargestellt. Anschließend gehe ich auf Djebars Konflikt zwischen der französischen und der algerischen Sprache ein. Neben einer allgemeinen Darstellung dieses Konflikts werde ich versuchen aufzuzeigen, in welcher Form er in L´amour, la fantasia präsent ist. Anschließend widme ich mich zwei wichtigen Vorgehensweisen der Autorin: der Verarbeitung von Kriegskorrespondenzen und den Erzählungen arabischer Frauen. Dabei soll herausgearbeitet werden, wie sie mit den französischen Texten und den mündlichen Berichten umgeht und welche Intentionen sie mit dieser Darstellung verbindet. Zum Abschluss untersuche ich die im Roman dargestellten sprachlichen und kulturellen Gegebenheiten und Weiterentwicklungen, die auf die kulturelle Begegnung Frankreichs und Algeriens zurück zu führen sind.

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung

2 Schreibende Frauen in Algerien

3 Das Französische und das Arabische

4 Kriegskorrespondenzen und die Stimme Djebars

5 Polyphonie

6 Sprachliche und kulturelle Unterschiede

6.1 Die Entwicklung der Sprache und der Kultur durch französischen Einfluss

7 Abschlussbetrachtungen

Zielsetzung & Themen

Die vorliegende Arbeit untersucht die Darstellung von Geschichte, Kultur und Sprache im Maghreb anhand von Assia Djebars Roman L'amour, la fantasia. Im Zentrum steht dabei die Frage, wie die Autorin die Beziehung zwischen der algerischen Identität, der französischen Kolonialsprache und der unterdrückten Stimme der algerischen Frau literarisch verarbeitet und durch ihre Erzählweise einen Raum für Emanzipation schafft.

  • Die Rolle und Situation schreibender Frauen in der algerischen Gesellschaft.
  • Der sprachliche Konflikt zwischen dem Französischen als Sprache der Kolonialmacht und dem Arabischen als Muttersprache.
  • Die literarische Aufarbeitung historischer Kriegskorrespondenzen und deren kritische Hinterfragung.
  • Die Verwendung einer polyphonen Erzählstruktur zur Sichtbarmachung weiblicher Stimmen.

Auszug aus dem Buch

4 Kriegskorrespondenzen und die Stimme Djebars

Assia Djebar geht auf die Kriegsgeschehen im ersten und zweiten Teil des Buches vor allem anhand von männlicher Kriegskorrespondenz ein, die sie dokumentiert und zitiert. In den Korrespondenzen fällt auf, dass die französischen Offiziere hauptsächlich die Kriegserlebnisse kalt schildern, was Djebar dementsprechend kommentiert: «Barchou la (Schlacht) rapporte d´un ton glacé.»51, wodurch sie ihre Meinung nicht verbirgt. Barchou beschreibt die gegnerischen Frauen folgendermaßen:

Des femmes, qui se trouvent toujours en grand nombre à la suite des tribus arabes, avaient montré le plus d´ardeur à ces mutilations. L´une d´elles gisait à côté d´un cadavre français dont elle avait arraché le cœur ! Une autre s´enfuyait, tenant un enfant dans ses bras: blessée d´un coup de feu, elle écrasa avec une pierre la tête de l´enfant, pour l´empêcher de tomber vivant dans nos mains ; les soldats l´achevèrent elle-même à coups de baïonnette.52

Die Frauen werden von ihm blutrünstig und grausam beschrieben, was überzogen wirkt, zumal sie aus Verzweiflung handelten. Ein Berichterstatter empört sich darüber, dass algerische Frauen nicht den Blick vor den Eroberern heben und sich zum Schutz mit Dreck und Exkrementen beschmieren, wenn der Feind kommt. In dieser Körpersprache kann man einen stummen Protest sehen. Darüber hinaus haben sich Frauen in der Zeit strenger verschleiert und wurden im Harem eingeschlossen, um sie vor dem Feind zu schützen.

Zusammenfassung der Kapitel

1 Einleitung: Diese Einleitung führt in die Tetralogie von Assia Djebar ein und skizziert das Vorhaben, die algerische Geschichte unter Berücksichtigung von Sprache, Kolonialhintergrund und der Emanzipation der Frau zu untersuchen.

2 Schreibende Frauen in Algerien: Das Kapitel beleuchtet die historische Benachteiligung algerischer Autorinnen und die Schwierigkeit, als Frau in einer patriarchalischen Gesellschaft und in arabischer Sprache schriftlich in Erscheinung zu treten.

3 Das Französische und das Arabische: Hier wird Djebars ambivalentes Verhältnis zu den beiden Sprachen analysiert, die sie zwischen der Sprache des "Feindes" und ihrer mütterlichen Sprache der Identität und Nähe verortet.

4 Kriegskorrespondenzen und die Stimme Djebars: Der Abschnitt befasst sich mit der Analyse französischer Militärberichte, deren Gefühlskälte und Grausamkeit Djebar durch ihre Kommentare und die Gegenüberstellung mit der Perspektive algerischer Frauen offenlegt.

5 Polyphonie: Dieses Kapitel erläutert die polyphone Konstruktion des Romans, bei der die Autorin eigene autobiografische Passagen mit einer Vielzahl von Frauenstimmen verwebt, um ein kollektives "Ich" zu schaffen.

6 Sprachliche und kulturelle Unterschiede: Der Fokus liegt auf der Entwicklung von Anredeformen und sozialen Konventionen unter dem Einfluss des französischen Kontakts, illustriert an Beispielen aus dem Roman und der Biografie der Autorin.

7 Abschlussbetrachtungen: Das Fazit fasst zusammen, wie Djebar den kulturellen Kontakt verarbeitet, die patriarchalische Gesellschaft kritisiert und durch die Verbindung von Mündlichkeit und Schriftlichkeit algerischen Frauen eine Stimme verleiht.

Schlüsselwörter

Assia Djebar, L'amour la fantasia, Maghreb, Algerien, Postkolonialismus, Frauenemanzipation, Französische Sprache, Hocharabisch, Autobiografie, Polyphonie, Kriegskorrespondenz, Mündlichkeit, Identitätsfindung, Kolonialismus, Patriarchat.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit im Kern?

Die Arbeit untersucht den Roman L'amour, la fantasia von Assia Djebar und analysiert, wie die Autorin das komplexe Verhältnis zwischen der Geschichte Algeriens, den sprachlichen Konflikten und der Emanzipation der Frau darstellt.

Welche zentralen Themenfelder stehen im Mittelpunkt der Analyse?

Im Zentrum stehen die Rolle schreibender algerischer Frauen, der Einfluss der französischen Kolonialsprache auf die algerische Identität sowie die kritische Aufarbeitung von Kriegserzählungen.

Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?

Das Ziel ist es, aufzuzeigen, wie Djebar durch eine polyphone Erzählstruktur und die bewusste Entscheidung für die französische Sprache als "Schleier" versucht, die Stimme unterdrückter algerischer Frauen öffentlich hörbar zu machen.

Welche wissenschaftliche Methode wird zur Analyse verwendet?

Die Arbeit nutzt die literaturwissenschaftliche Analyse von Primärtexten, die Einbettung in den historischen und kulturellen Kontext Algeriens sowie den Vergleich autobiografischer Elemente im Roman mit der Biografie der Autorin.

Welche Aspekte werden im Hauptteil der Arbeit behandelt?

Der Hauptteil gliedert sich in die Untersuchung des Schreibens von Frauen, den Konflikt zwischen Arabisch und Französisch, die kritische Dekonstruktion männlicher Kriegskorrespondenzen und die Funktion von Mehrstimmigkeit im Roman.

Welche Begriffe charakterisieren die Arbeit am besten?

Die Arbeit ist geprägt durch die Begriffe Postkolonialität, Identitätszerrissenheit, weibliche Stimmen, kultureller Synkretismus und literarische Erinnerungsarbeit.

Wie geht die Autorin mit dem "Verlust" ihrer Muttersprache um?

Die Arbeit zeigt, dass Djebar das Arabische zwar als Sprache der Vertrautheit und Liebe sieht, aber das Französische als notwendiges "Werkzeug" nutzt, um Tabus zu brechen und die Situation algerischer Frauen außerhalb des Harems überhaupt erst thematisieren zu können.

Was bedeutet der Begriff "Polyphonie" in Bezug auf den Roman?

Polyphonie bezeichnet die Technik, das rein autobiografische "Ich" der Autorin in den Hintergrund treten zu lassen und stattdessen eine Vielzahl von Frauenstimmen in der ersten Person Singular zu Wort kommen zu lassen, was ein kollektives algerisches Gedächtnis erzeugt.

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Details

Title
"L´amour la Fantasia" von Assia Djebar - Kultur und Sprache im Maghreb
College
Technical University of Berlin
Course
HS: Gender-Reflexionen in außereuropäischen Ländern
Grade
1,3
Author
Angelina Kalden (Author)
Publication Year
2006
Pages
27
Catalog Number
V77905
ISBN (eBook)
9783638833844
ISBN (Book)
9783638833950
Language
German
Tags
L´amour Fantasia Assia Djebar Kultur Sprache Maghreb Gender-Reflexionen Ländern
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Angelina Kalden (Author), 2006, "L´amour la Fantasia" von Assia Djebar - Kultur und Sprache im Maghreb, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/77905
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