Geschichtsbewusstsein-Voraussetzung und Gegenstand von Geschichtsunterricht


Hausarbeit, 2006

15 Seiten, Note: "keine"


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

0. Einleitung

1. Geschichtsbewusstsein

2. Geschichtsbewusstsein als Voraussetzungen von Geschichtsunterricht

3. Geschichtsbewusstsein als Gegenstand von Geschichtsunterricht

4. Resümee

5. Literaturverzeichnis
Primärliteratur:
Sekundärliteratur:

0. Einleitung

In der folgenden Hausarbeit werde ich mich auf das Geschichtsbewusstsein in der Schule beziehen.

Als erstes erläutere ich den Begriff „Geschichte“, um so eine Überleitung zum Thema Geschichtsbewusstsein – Voraussetzung und Gegenstand von Unterricht herzustellen. Im Hauptteil erkläre ich, was Geschichtsbewusstsein bedeutet und welche Rolle das historische Bewusstsein im Geschichtsunterricht spielt. Weiter werde ich dieses Thema vertiefen, indem ich das Bewusstsein als Voraussetzung und Gegenstand von Geschichtsunterricht erkläre. Zum Schluss werde ich die Bedeutung der beiden Aspekte einander gegenüberstellen und reflektieren.

Mit dem BegriffGeschichteverbinden viele Menschen ihren eigenen Geschichtsunterricht. Sie denken dabei an einen klar definiertes chronologisch aufgebautes Wissensspektrum (Steinzeit, die Römer, mittelalterliche Ritter und Burgen usw.).

Für Geschichtsdidaktiker hingegen bedeutetGeschichte: Erinnerung. Es ist die Beschäftigung mitGeschichteals menschliches Bedürfnis mit der Sehnsucht nach Tradition und Heimat. Geschichtstheoretiker betrachten Geschichte von drei Ebenen aus:

1. Die vergangene Wirklichkeit als „gewesene Geschichte“
2. Die von dieser vergangenen Wirklichkeit übrig gebliebenen Quellen als „referierte Geschichte“
3. Die rekonstruierte und erzählte Geschichte als „dargestellte Geschichte“

Die „dargestellte Geschichte“ kann keine genaue Wiedergabe dieser Wirklichkeit sein da die Rekonstruktion des Vergangenen durch Überlieferungsverluste und die subjektive Perspektive verändert wird. Deshalb wird Geschichte immer wieder neu geschrieben und interpretiert. Sie ist niemals definitiv und abschließend, sondern veränderbar. Durch diese ständige Veränderung entsteht ein enger Zusammenhang zwischen den drei Zeitdimensionen „Vergangenheit“, „Gegenwart“ und „Zukunft“.

Der Ursprung des geschichtlichen Denkens liegt darin, sich im Leben zurechtzufinden („im Hier und Dort, im Vorher und Nachher“). Durch Vergangenheitsdeutung und Zukunftserwartung kann die Gegenwart verstanden und die aktuelle Lebenssituation verarbeitet werden.

Vergangenheit kann die Menschen auch berühren: Wenn Großeltern ihren Enkelkindern aus ihrem Leben erzählen, wenn Menschen unter der Last der Vergangenheit leiden oder in der Vergangenheit Orientierung und Trost suchen.

1. Geschichtsbewusstsein

Geschichtsbewusstsein - auch Historisches Bewusstsein genannt - ist ein Schlüsselbegriff in der Geschichtsdidaktik und Geschichtstheorie. In der Geschichtsdidaktik wird das Geschichtsbewusstsein in drei zentrale Bereiche unterteilt:

1. Geschichtsbewusstsein als eine komplexe Kombination von Vergangenheitsdeutungen, Gegenwartswahrnehmungen und Zukunftserwartungen einer Gesellschaft
2. Historische Identität als die historische Selbstvergewisserung des Menschen
3. Geschichtskultur als praktische Umsetzung der Aktivitäten des Geschichtsbewusstseins in all seinen kulturellen Ausprägungen

Eine Definitionen von Geschichtsbewusstsein lautet: „Geschichtsbewusstsein“ umfasst nicht nur „Kenntnisse und Interessen, sondern auch Deutungen und Parteinahmen, Urteile und Identifikationen, Folgerungen und Orientierungen“ und es integriert Vergangenheitsdeutungen, Gegenwartswahrnehmungen und Zukunftserwartungen[1]. Das historische Bewusstsein entwickelt sich durch eigene Erfahrungen, durch erzählte Geschichten und historisches Lernen in der Schule[2].

Geschichtsbewusstsein bestimmt auch die eigenen Handlungen und soziale Tätigkeiten, da es eine moralische Bewertung impliziert, eine Wertung der eigenen Person. Es gibt einem die Fähigkeit zur Selbstreflexion und stellt eine Art von „Gewissen“ dar.

Historisches Bewusstsein ist der aktive Vorgang des Erinnerns eines Menschen, die man zur Identitätsfindung einsetzt mit Bezugnahme zur Zukunft. Geschichte entsteht erst durch die spätere Rekonstruktion der Vergangenheit.

DasGeschichtsbewusstseinbesteht unter anderem aussieben Dimensionen[3]. Hans-Jürgen Pandel gibt mit diesen Dimensionen eine konkretere Umschreibung vonGeschichtsbewusstsein.

Drei dieser Dimensionen umfassen den engeren Bereich der „Geschichtlichkeit“oder „Zeitlichkeit“: das Temporalbewusstsein, das Wirklichkeitsbewusstsein und das Historizitätsbewusstsein. Die restlichen vier Dimensionen beziehen sich auf den Bereich der „Gesellschaftlichkeit“: das Identitätsbewusstsein, das politische Bewusstsein, das ökonomisch-soziale Bewusstsein und das moralische Bewusstsein.

Die drei Dimensionen der„Geschichtlichkeit“stellen die Basiskomponenten des Modells dar, die allen anderen vorausgehen:

BeimTemporalbewusstseingeht es um die Unterscheidung von Gegenwart, Vergangenheit und Zukunft und um die Wahrnehmung der zwischen diesen drei Zeitebenen existierenden Zusammenhänge (gestern, heute, morgen). Diese Dimension kann als eine zentrale Voraussetzung für geschichtliches Denken betrachtet werden und wird von den Kindern schon früh erworben.

Temporalbewusstseinist deutlich zu unterscheiden vom physikalischen Zeitbegriff und von der naturalen oder biologischen Zeit. Es basiert auf einer historischen Zeit und teilt sich in fünf Komponenten[4]:

- Die Länge der Zeitausdehnung,
- die Vorstellung von der Dichtigkeit der Ereignisse in der Zeit,
- die Akzentuierung der Zeitdimensionen,
- das Zäsurbedürfnis und
- die Narrativierung von Zeit.

DasRealitätsbewusstseinumschreibt die Fähigkeit, zwischen Fakten und Fiktionen

unterscheiden zu können. Diese Dimension macht Denken erst zu historischem Denken.

Die Folge eines fehlenden Wirklichkeitsbewusstseins kann im Erwachsenenalter ein naives Geschichtsbild sein, das eher durch Mythen als durch reflektiertes historisches Wissen bzw. durch Verdrängung bestimmt ist. Das Wirklichkeitsbewusstsein muss bewusst entwickelt und gefördert werden.

Es ist eine lebenslange Weiterentwicklung, da selbst in der historischen Wissenschaft die Grenzen zwischen Fiktion und Wirklichkeit fließend sind.

Historizitätsbewusstseinmeint das Bewusstsein von der Geschichtlichkeit und Veränderbarkeit von Strukturen, Institutionen, Mentalitäten etc. Dieses Bewusstsein befähigt hingegen, die verschiedenen Aspekte der Gegenwart als Resultat von historischen Veränderungen zu begreifen. Historizitätsbewusstseinwird als Komplex betrachtet, das aus den zwei ersteren Dimensionen des Temporal- und Wirklichkeitsbewusstseins gebildet wird.

Geschichtsbewusstseinist aber nicht bloß Bewusstsein von „Geschichtlichkeit“, sondern auch von „Gesellschaftlichkeit“.

BeimIdentitätsbewusstseingeht es darum, die historische Zugehörigkeit zu verschiedenen Gruppen zu erkennen und kritisch zu reflektieren. Die Kategorien „oben – unten“ stehen für daspolitische Bewusstseinund die Fähigkeit, Macht- und Herrschaftsstrukturen in der Gesellschaft zu erkennen und kritisch zu hinterfragen.

Dasökonomisch-soziale Bewusstseinführt dazu, wirtschaftliche und soziale Realitäten in einer Gesellschaft wahrnehmen und beurteilen zu können.

Schließlich umfasst dasmoralische Bewusstseindie Kategorien richtig und falsch und die Kompetenz, „zwischen den Normen der Vergangenheit und der Gegenwart zu differenzieren und damit Urteile aus der Zeit heraus zu versuchen und gleichzeitig dennoch universale, möglicherweise im Wesen des Menschen mitbegründete Werte nicht zu missachten“[5].

DasGeschlechtsbewusstseinführt zur Frage, wie früher das Verhältnis zwischen Frauen und Männern geregelt war. DasRaumbewusstseinvergleicht die zeitlich unterschiedlichen Vorstellungen und Umgangsweisen in Bezug auf die räumliche Dimension.

[...]


[1]Borries, Bodo von. Geschichtsbewusstsein – Empirie, in Bergmann u. a. (hrsg.) Handbuch der Geschichtsdidaktik, Seelze-Velber 1997, S.45.

[2]Bergmann, K.: Papa erklär mir doch mal, wozu dient eigentlich die Geschichte? Frühes historisches Lernen in der Grundschule und Sekundarstufe I, in Bergmann, K./Rohrbach, R. (Hrsg.): Kinder entdecken Geschichte. Theorie und Praxis historischen Lernens in der Grundschule, Schwalbach/Ts. 2001, S.19.

[3]Pandel, Hans-Jürgen. Geschichtlichkeit und Gesellschaftlichkeit im Geschichtsbewusstsein. In Bodo v. Borries, Hans-Jürgen Pandel & Jörn Rüsen (Hrsg.), Geschichtsbewusstsein empirisch.Pfaffenweiler 19991.

[4]Ebd., S.5ff.

[5]Schreiber, W.: Die Entwicklung historischer Sinnbildungskompetenzen als Ziel des historischen Lernens mit Grundschülern, in: Schreiber, W. (Hrsg.): Erste Begegnung mit Geschichte. Grundlagen historischen Lernens, Bd. 1, Neuried 1999, S.32.

Ende der Leseprobe aus 15 Seiten

Details

Titel
Geschichtsbewusstsein-Voraussetzung und Gegenstand von Geschichtsunterricht
Hochschule
Universität zu Köln  (Historisches Seminar II)
Note
"keine"
Autor
Jahr
2006
Seiten
15
Katalognummer
V77909
ISBN (eBook)
9783638826495
Dateigröße
367 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Geschichtsbewusstsein-Voraussetzung, Gegenstand, Geschichtsunterricht
Arbeit zitieren
Anja Hägler (Autor), 2006, Geschichtsbewusstsein-Voraussetzung und Gegenstand von Geschichtsunterricht, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/77909

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