Aufgrund zahlreicher veränderter Rahmenbedingungen, sowie der mit zunehmendem Wettbewerb im Krankenhaussektor verbundenen Chancen und Risiken müssen sich Krankenhäuser verstärkt an betriebswirtschaftlichen Prinzipien orientieren und den Klinikbetrieb ökonomisch effizienter führen. Die finanziellen Spielräume der Kliniken sind durch zahlreiche Reformen des Gesundheitswesens sukzessive enger geworden. Untersuchungen zur Folge könnte bis zum Jahr 2020 fast die Hälfte der deutschen Krankenhäuser von der Insolvenz bedroht sein, insofern sie nicht aktiv werden und entsprechende Gegenmaßnahmen ergreifen. Daraus erwächst die notwendige strategische Neuausrichtung von Kooperationen, Fusionen oder Outsourcingmaßnahmen, um jegliches vertretbare Einsparungspotential auszunutzen.
Krankenhausträger sehen Outsourcing häufig als einen gangbaren Weg, um diese Einsparungen zu realisieren. In deutschen Kliniken ist deshalb eine starke Tendenz zum Outsourcing von Krankenhausleistungen und -bereichen zu beobachten. Zahlreiche Erfolgsbeispiele lassen die Fremdvergabe auch in medizinischen Einrichtungen ökonomisch sinnvoll erscheinen. Parallel dazu ist jedoch auch die entgegengesetzte Entwicklung hin zum Insourcing zu beobachten, bei der ehemals fremdvergebene Bereiche wieder krankenhausintern betrieben werden.
Angesichts dieser gegenläufigen Trends stellt sich die Frage, aus welchen Gründen und mit welchen Intentionen einige Einrichtungen Bereiche auslagern, während andere Häuser diese Aufgaben intern bewältigen.
In der vorliegenden Arbeit werden ausgewählte Möglichkeiten und Problemfelder des Outsourcings von Krankenhausleistungen beleuchtet und gegenübergestellt und dadurch mögliche Antworten und Argumente auf die Frage geliefert, warum es unter Krankenhäusern keinen einheitlichen Trend pro oder contra Outsourcing gibt bzw. geben kann.
Inhaltsverzeichnis
1. Entwicklungstendenzen des Outsourcings von Krankenhausleistungen
2. Grundlagen des Outsourcing in klinischen Einrichtungen
2.1. Theoretische Grundlagen
2.2. Outsourcing relevante Krankenhausbereiche
2.3. Formen und Gestaltungsmöglichkeiten des Outsourcing von Krankenhausbereichen
3. Chancen und Risiken des Outsourcings von Krankenhausbereichen
3.1. Grundlegende Möglichkeiten und Problemfelder des Outsourcings im Krankenhaus
3.1.1. Grundlegende Möglichkeiten
3.1.2. Grundlegende Problemfelder
3.2. Outsourcing im Krankenhaus am Beispiel der Informationstechnologie
4. Schlussbetrachtung
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die Beweggründe und strategischen Überlegungen, die Krankenhäuser dazu veranlassen, bestimmte Funktionsbereiche an externe Dienstleister auszulagern, sowie die damit verbundenen Chancen und Risiken. Dabei wird insbesondere analysiert, warum trotz des steigenden Kostendrucks im Gesundheitssektor kein einheitlicher Trend pro oder contra Outsourcing festzustellen ist.
- Betriebswirtschaftliche Grundlagen des Outsourcings in Kliniken
- Analyse theoretischer Erklärungsmodelle (Transaktionskosten- und Prinzipal-Agenten-Theorie)
- Identifikation relevanter Auslagerungsbereiche (Sekundärleistungen)
- Gestaltungsmöglichkeiten durch externe Dienstleister und Servicegesellschaften
- Chancen (Effizienz, Know-how) und Risiken (Qualitätsverlust, Abhängigkeit, Datenschutz)
Auszug aus dem Buch
2.1. Theoretische Grundlagen
Kostentheoretische Überlegungen haben einen maßgeblichen Einfluss auf Outsourcingmaßnahmen, sodass die Outsourcingentscheidung traditionell nach kostenorientierten Kriterien getroffen wird. Dieser reinen Kostenorientierung folgend sind Aufgaben- und Funktionsbereiche auszulagern, sollten die Kosten des Fremdbezugs zuzüglich der Stilllegungskosten im Unternehmen geringer ausfallen, als die Kosten der Eigenerstellung.
In der Fachliteratur wird die Mehrzahl der Studien und Analysen von Fremdvergabemaßnahmen jedoch auf Basis der Transaktionskostentheorie durchgeführt. Sie basiert im Wesentlichen auf Überlegungen von COASE und WILLIAMSON, die das Unternehmen als alternative Allokationsform zum Markt sehen und beschreibt, warum Transaktionen entweder innerbetrieblich (Hierarchie), oder über Fremdbezug (Markt) effizienter abgewickelt werden können. Im Gegensatz zur reinen kostenorientierten Betrachtung, die nur die Eigenerstellungskosten beleuchtet, stehen beim Transaktionskostenansatz vielmehr die spezifischen Kosten von Austauschbeziehungen mit externen Leistungsanbietern oder innerhalb des Krankenhauses im Mittelpunkt.
WILLIAMSON unterscheidet drei Funktions- und Aufgabenbereiche im Unternehmen: Die Kernbereiche sind in jedem Fall unternehmensintern auszuführen, während Bereiche, deren Eigenerstellung unwirtschaftlich ist, grundsätzlich über den Markt zu beziehen sind. Für die übrigen Aufgaben erfolgt die Entscheidung pro oder contra Outsourcing nach Beurteilung der Transaktionskosten.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Entwicklungstendenzen des Outsourcings von Krankenhausleistungen: Dieses Kapitel erläutert den wachsenden Wettbewerbsdruck und die finanziellen Engpässe, die Krankenhäuser zunehmend dazu zwingen, externe Strategien wie Outsourcing in Betracht zu ziehen.
2. Grundlagen des Outsourcing in klinischen Einrichtungen: Hier werden theoretische Ansätze wie die Transaktionskosten- und Prinzipal-Agenten-Theorie eingeführt und die verschiedenen Organisationsformen der Auslagerung sowie relevante Funktionsbereiche definiert.
3. Chancen und Risiken des Outsourcings von Krankenhausbereichen: Dieses Kapitel beleuchtet die Vor- und Nachteile von Outsourcingmaßnahmen und analysiert exemplarisch die besonderen Anforderungen und Gefahren bei der Auslagerung von IT-Dienstleistungen.
4. Schlussbetrachtung: Die Arbeit schließt mit der Feststellung, dass keine pauschale Erfolgsstrategie für Outsourcing existiert und Entscheidungen stets individuell auf Basis der spezifischen institutionellen Gegebenheiten getroffen werden müssen.
Schlüsselwörter
Outsourcing, Krankenhausmanagement, Transaktionskostentheorie, Prinzipal-Agenten-Theorie, Sekundärleistungen, Servicegesellschaft, Kostenoptimierung, Wettbewerbsdruck, IT-Outsourcing, Gesundheitswesen, Fremdvergabe, Qualitätsmanagement, Leistungsstruktur, Effizienzsteigerung, Krankenhaussektor
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert die strategischen Möglichkeiten und die damit verbundenen Risiken, die sich für Krankenhäuser bei der Auslagerung von Dienstleistungen an externe Anbieter ergeben.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Im Zentrum stehen die ökonomische Effizienz, die Transaktionskostentheorie, verschiedene Outsourcingmodelle sowie die praktische Anwendung im Bereich der Informationstechnologie.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Das Ziel ist es, Argumente für und gegen Outsourcing im Krankenhaussektor gegenüberzustellen und zu erläutern, warum es keine einheitliche Erfolgsstrategie für alle Kliniken gibt.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es wird eine theoretische Analyse auf Basis betriebswirtschaftlicher Modelle wie der Transaktionskosten- und der Prinzipal-Agenten-Theorie durchgeführt, ergänzt durch eine Literaturanalyse.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in theoretische Grundlagen, eine Typisierung von Outsourcing-Formen (z.B. Servicegesellschaften) sowie eine detaillierte Diskussion von Chancen und Risiken, inklusive eines Fallbeispiels zur IT.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wesentliche Begriffe sind Outsourcing, Krankenhausmanagement, Transaktionskosten, IT-Outsourcing und Servicegesellschaft.
Warum ist die Prinzipal-Agenten-Theorie für diese Arbeit relevant?
Sie dient als Analyseinstrument für die Austauschbeziehungen zwischen dem Krankenhaus (Prinzipal) und dem externen Dienstleister (Agent), insbesondere im Hinblick auf Informationsasymmetrien.
Welche Rolle spielt die IT bei Outsourcing-Entscheidungen?
Die IT wird als praxisnahes Beispiel genutzt, da sie hohe Ansprüche an die Infrastruktur stellt, jedoch auch spezifische Risiken hinsichtlich des Datenschutzes und der Abhängigkeit vom Dienstleister birgt.
- Arbeit zitieren
- Dipl.-Kfm. Thomas Kasner (Autor:in), 2007, Möglichkeiten und Grenzen des Outsourcing von Krankenhausleistungen, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/77910